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Feste in Japan: Die spektakulärsten Matsuri

Große öffentliche Feste in Japan werden als Matsuri (祭り oder 祭) bezeichnet. Matsuri sind in etwa vergleichbar mit unseren Volksfesten und zumindest traditionell meist mit einem Shintō-Schrein oder buddhistischen Tempel verbunden. Dieser religiöse Hintergrund der Matsuri trifft heute nicht unbedingt mehr auf alle Feste oder Feiertage zu, an denen Matsuri begangen werden, da auch manche Musik oder Kunst Festivals inzwischen im Volksmund als Matsuri bezeichnet werden

Matsuri sind immer regional und auf den Schrein oder Tempel zugeschnitten, der mit dem Fest verbunden ist. Japanweite Matsuri existieren nicht, wohl aber bestimmte Termine, zu denen in fast ganz Japan Matsuri stattfinden. Besonders viele Matsuri Feste in Japan gibt es beispielsweise im Frühjahr zur Kirschblüte (auch Hana-Matsuri genannt) oder zur Reisernte im Herbst, ähnlich dem Erntedankfest. Hintergrund ist die ursprüngliche Entstehung der Matsuris entlang des bäuerlichen Kalenders mit seinen festen Terminen wie Aussaat und Ernte.

Japanisches Feuerwerk am Fluss
Ein japanisches Feuerwerk mit spektakulären Fontänen bei Nacht. Foto von nguyentuanhung via Pixabay.

Ob das Fest des Stahlphallus (Kanamara Matsuri, Frühjahr), das als immaterielles Weltkulturerbe eingestufte Gion Matsuri, welches seit über tausend Jahren in Tokyo stattfindet, oder das Sumidagawa Feuerwerk-Festival (als Beispiel für ein nicht-religiöses Matsuri): Tanzen, Musik, Trinken (Sake!) und Festessen sind immer ein Teil der Matsuri. Höhepunkt ist bei den traditionellen bzw. religiösen Festen die Prozession eines oder mehrerer Mikoshi-Schreine. Beim Kanamara Matsuri ist das ein riesiger Stahlphallus.

Geschichte und Bedeutung der Matsuri

Die als Matsuri begangenen traditionellen Feste entstanden zu einem Gutteil entlang des bäuerlichen Kalenders. So erklären sich die saisonalen Häufungen von Matsuri zur Kirschblüte im Frühling und zur Reisernte im Herbst. Daneben entstanden auch Matsuri rund um bedeutende Shintō-Schreine und buddhistische Tempel, weshalb viele Matsuri auch als „Schreinfeste“ bezeichnet werden. Zuletzt werden heute auch manche großen Festivals als Matsuri verstanden.

Lampen für ein Lampenfest in Kyoto
Japanische Lampen werden oft bei Festen eingesetzt. Foto: von Ramapo via Pixabay

Eine Besonderheit der Matsuri ist ihre starke regionale Verankerung. Jede japanische Region kennt ihre bedeutenden Volksfeste und Feiertage (die nicht unbedingt offiziell sein müssen). Demgegenüber existieren aber keine Matsuri, die in ganz Japan gefeiert werden. Hintergrund ist zumindest bei den traditionellen Matsuri die Anbindung an die örtlichen Schreine und Tempel und die Prozession der jeweiligen Mikoshi-Schreine.

Ein Mikoshi-Schrein (神輿, höflich auch als Omikoshi, „ehrwürdige Sänfte“, oder Shin`yo, „Göttersänfte“ bezeichnet) ist ein tragbarer Schrein, meist mit einem geschwungenen Dach. Der Schrein beherbergt nach Ansicht des Shintō einen Kami, eine Gottheit, der bei den Matsuri aus seinem festen Haus im Shintō-Schrein herausgeführt wird. Nach der Prozession werden die Mikoshi-Schreine meist für die Dauer der Festlichkeiten in einem besonderen Schrein, dem O-tabisho (御旅所) ausgestellt.

Für Japaner sind die regionalen Matsuri oft wichtige Feiertage und nicht selten mit bestimmten Aspekten verbunden. So reisen manche Japaner unter Umständen auch lange Strecken, um bei einem bestimmten Matsuri teilzunehmen und dem dort verehrten Kami ihre Aufwartung zu machen. Eines der wenigen überregional verbreiteten Matsuri sind die im Frühjahr (Sonntag vor dem 15. März) stattfindenden Fruchtbarkeit bzw. Hōnen-Feste (Hōnen-Matsuri, 豊年祭, übersetzt etwa: Fest für ein reiches Erntejahr).

Die spektakulärsten Matsuri Feste in Japan

Natürlich ist „Spektakulär“ bei Volksfesten ein bisschen Geschmackssache. Die Liste aller in Japan gefeierten Matsuri wäre aber viel zu lang, als dass man sie hier vorstellen könnte. Daher wird eine Auswahl von besonders skurrilen oder bedeutenden Matsuri vorgestellt, deren Besuch sich auch für Touristen unbedingt lohnt.

Das Gion-Matsuri – immaterielles Weltkulturerbe in Kyoto

Gion Matsuri in Kyoto
Der Prunkwagen beim Gion Matsuri in Kyoto. Foto: von Corpse Reviver, CC BY 3.0 CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Das Gion-Matsuri (祇園祭) findet nachgewiesenermaßen seit dem Jahr 869 jeden Sommer im Juli in Kyoto statt. Zu diesem Volksfest gehören tagelange Straßenfeste, in denen sich Kyoto in eine Partymeile verwandelt und Umzüge tonnenschwerer und reich verzierter Festwagen. Das Gion-Matsuri gilt als größtes Volksfest Japans. Einen Besuch sollte man aufgrund der großen Popularität gut und im Voraus planen, da die Unterkünfte in Kyoto zu dieser Zeit nicht selten schon Monate im Voraus ausverkauft sind.

Dauer: Den ganzen Juli über, die beiden Umzüge mit Festwagen finden am 17. und 24. Juli statt.

Das Nebuta-Fest in Aomori

Zeremonie beim Aomori Nebuta
Das Floss wird beim Aomori Nebuta Festival getragen. Foto: von Fisherman, CC BY 3.0 CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Jedes Jahr zieht das Nebuta-Matsuri in der im Norden Honshus gelegenen Stadt Aomori gut drei Millionen Besucher an. Damit dürfte das Nebuta-Matsuri mit Abstand das beliebteste japanische Volksfest in der ganzen Region Tohoku sein.

Einen Kern der Tradition bilden die riesigen, bis zu drei Meter hohen Pappmaché Figuren, die auf Festwagen durch die Stadt gefahren werden. Am besten ist es, man verkleidet sich auch selbst mit einem Haneto-Kostüm und taucht ganz in diese Welt ein. Zum Abschluss der Feierlichkeiten wird am letzten Abend ein rund zweistündiges Feuerwerk abgebrannt, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Daten: jedes Jahr vom 2. bis zum 7. August in Aomori; Miete für ein Haneto-Kostüm etwa 3000 Yen.

Das Feuerfest von Nachi

Jedes Jahr findet am Kumano-Nachi-Taisha-Schrein (熊野那智大社) in der Präfektur Wakayama (Honshu) das in ganz Japan bekannte Feuerfest von Nachi (那智の火祭り) statt. Dabei ziehen rituell in weiß gewandete Fackelträger die uralte Steintreppe hinab, die vom Schrein zu den rauschenden Nachi-Wasserfällen führt.

Höhepunkt des Festes ist die Entzündung von 12 tragbaren Schreinen in Form der Wasserfälle. Das von den Japanern auch Nachi-ho-Ogi genannte Fest soll eine rituelle Reinigung für die Teilnehmer bewirken. Mit seinen spektakulären Feuer-Impressionen an einem auch so schon atemberaubend schönen Ort ist das Feuerfest von Nachi sicher eines der dramatischsten Matsuri in ganz Japan.

Daten: Das Feuerfest von Nachi findet jedes Jahr am 14. Juli statt, der Schrein ist allerdings recht abgelegen, aber unbedingt auch ohne Fest einen Besuch wert.

Die Hōnen-Fruchtbarkeitsfeste

Honen Matsuri Fest
Prozession vom Hōnen-Matsuri. Foto: von KKPCW, CC BY 3.0 CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Die Hōnen-Matsuri sind eine der wenigen Matsuri, die in verschiedenen Teilen in Japan zeitgleich begangen werden. Sie finden traditionell immer am Sonntag vor dem 15. März statt. Die beiden bedeutendsten Hōnen-Matsuri finden am Tagata-Schrein in der Stadt Komaki bei Nagoya und am Ōagata-Schrein in Inuyama statt. Beide Orte liegen in der Präfektur Aichi, die Symbolik auf beiden Festen ist aber höchst unterschiedlich. Am Tagata Schrein herrschen Phallus-Symboliken vor, beim auch als Hime-no-miya-matsuri (姫の宮祭り) bezeichneten Fest am Ōagata-Schrein hingegen Vagina-Symboliken.

Daten: Immer am Sonntag vor dem 15. März in verschiedenen Teilen Japans, die beiden bekanntesten in Komaki und Inuyama in der Präfektur Aichi.

Das Stahlphallusfest in Kawasaki

Kanamara_Matsuri_2007
Prozession mit dem Phallus beim FestFoto: von Saya M., CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Das Kanamara-Matsuri (かなまら祭, übersetzt: „Fest des stählernen Penis“) findet jedes Jahr am ersten Sonntag im April in Kawasaki statt. Ausgangspunkt ist der Kanayama-Schrein, von dem der traditionelle Stahlphallus in einer Prozession durch die Straßen getragen wird. Anders als viele andere Matsuri ist das Kanamara-Matsuri noch recht neu und wurde zum ersten mal im Jahr 1969 veranstaltet. Neben dem Fruchtbarkeitskult wird heute auch für die Aids-Forschung gesammelt und Aufklärung betrieben.

Daten: Jedes Jahr am ersten Sonntag im April, Umzug mit Stahlphallus, ein Besuch soll Beistand für Ehe, Geburt, Geschäfte und Harmonie in der Familie bieten. Heute auch ein beliebtes touristisches Ausflugsziel.

Andere Feste in Japan

Strenggenommen sind nicht alle Volksfeste in Japan Matsuri, auch wenn sie im Volksmund manchmal so benannt werden. Herausragende Feste sind die in ganz Japan verbreiteten Kirschblütenfeste (Hanami, 花見, übersetzt: „Blüten betrachten“), das seit 1732 stattfindende Sumidagawa Feuerwerk-Festival oder das Schneefest von Sapporo (さっぽろ雪まつり) auf Hokkaido.

Sehr lohnenswert sind auch das Obonfest und das japanische Mondfest Jugoya. Wir haben eine ganze Liste japanischer Sommerfeste im Juli und August zusammengefasst und die wichtigsten Japanischen Festivals im Dezember aufgelistet. Die Tradition der Feste in Japan ist sehr vielseitig.

Tengu bei einem Matsuri
Es ist ein Tengu, ein Fabelwesen, das der Kategorie der Ungeheuer zugeordnet wird. Foto: von saesherra, via Pixabay, via Wikimedia Commons

Daneben gibt es viele weitere Feste und Festivals rund um die verschiedensten Themen. Ob Herbst, Winter, Frühjahr oder Sommer: irgendwo in Japan wird immer gerade ein Matsuri gefeiert, getanzt, gesungen und getrunken. Der Besuch eines dieser Matsuri oder Volksfeste kann zum Highlight eines Japan-Urlaubs werden, denn selten dringt man so direkt und tief in die Besonderheiten der japanischen Kultur vor.

Strenggenommen sind nicht alle Volksfeste in Japan Matsuri, auch wenn sie im Volksmund manchmal so benannt werden. Herausragende Feste sind die in ganz Japan verbreiteten Kirschblütenfeste (Hanami, 花見, übersetzt: „Blüten betrachten“), das seit 1732 stattfindende Sumidagawa Feuerwerk-Festival oder das Schneefest von Sapporo (さっぽろ雪まつり) auf Hokkaido.

Titelfoto: Matsuri-Prozession von eyesopening, via Pixabay

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