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Japanische Sommerfeste sind das Highlight der Jahreszeit

In Japan feiert man gerne. Das sieht meist anders aus als in Deutschland oder Europa, aber das Feiern liegt den Japanern im Blut. Dabei hat der sprichwörtliche feierliche Aspekt oft einen sehr konkreten historischen oder traditionellen Bezug zu japanischen Bräuchen, der sich den westlichen Augen nicht immer auf den ersten Blick erschließt. Bunte Farben, großartige Festwagen oder Blumenarrangements sind typisch für viele der sogenannten Matsuri (dt. Feste), die zum japanischen Sommer gehören wie der deutsche Weihnachtsmarkt zum Dezember. Besonders viele Feste werden nach Ende der Regenzeit gefeiert, weil es natürlich sehr viel zweckmäßiger ist. Doch was wird in welcher Region eigentlich gefeiert? Wir geben einen kurzen Überblick über die wichtigsten und größten Feste, die für die Japaner von großer Bedeutung sind und entsprechend viele Besucher anlocken. Immer öfter besuchen auch ausländische Touristen die interessanten Matsuri und machen japanische Sommerfeste somit zu einem international bekannten Begriff.

Japanische Feste geben einen Einblick in japanische Bräuche

Welche japanischen Feste sind die größten und schönsten? Welche sollte man unbedingt gesehen haben? Bei der großen Zahl aller japanischen Sommerfeste kann man unmöglich alle in jeder Region für sich aufzählen und beschreiben. Aber die wichtigsten und bedeutendsten möchten wir kurz vorstellen, denn sie sind in jedem Fall einen Besuch wert.

Aomori Nebuta Matsuri

Festwagen mit großer beleuchteter Figur beim Aomori Nebuta Matsuri
Die meterhohen beleuchteten Papierfiguren des Aomori Nebuta Festivals sind weltbekannt und beeindrucken durch ihre Lebendigkeit und ihre Detailgenauigkeit. - Bild: © takahashikei1977 - Fotolia.com

Das sogenannte Nebuta Fest ist eines der größten und bekanntesten Natsu-Matsuri (Sommerfeste) und wird jedes Jahr zwischen dem 2. und 7. August gefeiert. Es findet in der Stadt Aomori in der gleichnamigen Präfektur im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu statt. Das Aomori Nebuta Matsuri geht zurück auf japanische Bräuche, die in Shinto-Zeremonien entstanden sind. Viele sprechen auch von einem regelrechten Farbenfest, denn kein anderes Matsuri ist farbenfroher als dieses. Der eigentliche Ursprung ist im Dunkel der Geschichte verlorengegangen, aber die Legenden berichten, dass der General Sakanoue-no-Tamuramaro um das Jahr 800 herum die Nebuta Festwägen erfunden haben soll. Freilich wollte er damit kein Fest feiern, sondern die gegnerischen Soldaten erschrecken und in die Flucht schlagen. Darauf gehen die farbenfrohen Paraden mit Festwägen zurück, die während der Dauer des Matsuri jeden Abend durch die Straßen ziehen. Die beleuchteten Konstruktionen sind in ihrer Größe und Detailgenauigkeit sehr imposant und haben das Festival überregional und sogar international bekannt gemacht. Dargestellt sind häufig Gottheiten, historische Persönlichkeiten oder auch Kriegerfiguren. Begleitet werden die Wagen jeweils von einer eigenen Gruppe aus Taiko-Trommlern, Tänzern und Musikanten, die eine festliche Stimmung verbreiten. Die Zuschauer werden dabei durchaus in das Geschehen miteinbezogen und dürfen mitmachen.

Sendai Tanabata Matsuri

Riesige Papierdekorationen beim Sendai Tanabata Matsuri
Das Tanabata Festival in Sendai ist das größte seiner Art. Riesige Dekorationen aus Papier werden in Passagen aufgehängt, die durch ihre Farbenpracht und Größe alle Blicke auf sich ziehen. - Bild: © Yo3up - Flickr.com - Lizenz: CC-BY-NC-SA

Vom 6. bis zum 8. August findet das Tanabata Festival in der Stadt Sendai in der Region Tohoku statt. Tanabata Feste gibt es auch in anderen Städten in ganz Japan, diese werden aber in der Regel am 7. Juli gefeiert, was mit japanischen Bräuchen zu tun hat, die auf den alten chinesischen Mondkalender zurückgehen. In Sendai und einigen anderen Orten richtet man sich nach dem modernen Kalender, wodurch sich die Datumsverschiebung ergibt. Tanabata Matsuri sind auch als Sternenfeste bekannt, da der chinesischen Überlieferung zufolge die beiden Sterne Altair und Vega zu diesem Zeitpunkt ihre Bahnen kreuzen. Das Sendai Tanabata Matsuri gilt als das größte und bekannteste seiner Art und bildet zusammen mit dem Aomori Nebuta Matsuri und dem Akita Kanto Matsuri das sogenannte Tohoku Sandai Matsuri (die drei großen japanischen Feste der Tohoku Region). Das Sendai Tanabata ist inzwischen auch international ein Begriff und wird in der ganzen Stadt gefeiert. Zu erkennen ist es an den Dekorationen der Geschäfte und vieler Wohnhäuser. Die Dekorationen sind sehr bunt und fantasievoll gestaltet und sollen einen farbenfrohen Wald darstellen. Häufig sind sie handgefertigt und bestehen aus Washi Papier und Bambus. In zehn Metern Höhe aufgehängt, bilden die riesigen Papier-Konstruktionen ein unübersehbares Farbenspiel, das viele tausend Menschen jedes Jahr begeistert.

Akita Kanto Matsuri

Teilnehmer des Akita Kanto Festivals balanciert Stab mit Papierlaternen
Beim Akita Kanto Matsuri balancieren die Teilnehmer meterhohe Stäbe, an denen Papierlaternen befestigt sind. Der Anblick ist spektakulär. - Bild: © かがみ~ - Flickr.com - Lizenz: CC-BY-NC-ND

Das dritte der großen japanischen Sommerfeste der Region ist das Akita Kanto Matsuri, das „Stablaternen-Fest“. Diese Veranstaltung findet jährlich in der Zeit vom 3. bis 6. August statt. Im Mittelpunkt stehen dabei Künstler, die ihre Kanto (lange Bambus-Stäbe) balancieren, an deren Ende Papierlaternen befestigt sind. Diese Stäbe können unterschiedliche Größen haben, von denen die größten bis zu 12 Meter lang und 50 kg schwer sein können. An diesen Modellen können bis zu 46 Papierlaternen befestigt sein, die noch mit echten Kerzen beleuchtet werden. Zum Klang von Trommeln, Flöten und ermunternden Rufen des Publikums präsentieren die Kanto Künstler ihre Fähigkeiten im Balancieren. Das wichtigste Ereignis des Akita Kanto Matsuri sind aber die Nachtparaden, die im Stadtzentrum abgehalten werden. Die Gruppen präsentieren dann fast 250 Kanto-Stäbe, die in der Straße aufgereiht und auf ein Signal hin von den Künstlern gleichzeitig angehoben werden und somit ein beeindruckendes Bild zahlloser leuchtender Laternen in luftiger Höhe bieten.

Gion Matsuri in Kyoto

Festwagen mit Japanern in Festival-Kimono beim Gion Matsuri in Kyoto
Beim Gion Matsuri fahren Paraden durch die Stadt mit riesengroßen festlichen Wagen. Diese sind oft voll besetzt und werden von den Festival-Meistern bewegt und kontrolliert. - Bild: © Paylessimages - Fotolia.com

In der Region Kyoto ist das Gion Matsuri besonders wichtig. Es dürfte zu den bekanntesten japanischen Sommerfesten weltweit gehören und wird den ganzen Juli hindurch gefeiert. Der Höhepunkt ist die Yamaboko Junko am 17. und 24. Juli. Dabei handelt es sich um eine Parade, bei der riesige Festwägen durch den Stadtteil fahren. Diese aufwendig verzierten Wägen können sogar über 12 Tonnen wiegen und werden allein durch die Muskelkraft der „Parade-Meister“ bewegt. Sie bieten mit ihren bunten Farben und den traditionellen Designs einen imposanten Anblick und haben das Festival bei Japanern und Touristen gleichermaßen beliebt gemacht. Das Gion Matsuri findet im Gebiet südwestlich des Rathauses von Kyoto statt und nicht zwingend im namensgebenden Gion-Distrikt. Das Fest wird mindestens schon seit der Heian-Zeit gefeiert und entwickelte sich aus einer Zeremonie, mit der wütende Geister besänftigt werden sollten. Bei Touristen und Einheimischen gilt das Gion Matsuri als sehr schönes Fest, das durch die vielen Straßenverkaufsstände abgerundet wird, an denen man traditionelle Waren und Süßigkeiten kaufen kann.

Tenjin Matsuri in Osaka

Boot mit Festival-Teilnehmern vor Glico Man in Osaka
Beim Tenjin Festival in Osaka spielen geschmückte Boote eine große Rolle. Diese kann man dann zum Beispiel vor der Kulisse des berühmten Glico Man bewundern. - Bild: © Y.H Kao - Flickr.com - Lizenz: CC-BY-NC-ND

Das Tenjin Matsuri in Osaka gilt als eines der bedeutendsten japanischen Feste überhaupt. Seine Ursprünge werden auf das 10. Jahrhundert datiert. Heute wird es jedes Jahr am 24. und 25. Juli gefeiert, wobei die Hauptattraktionen am zweiten Festtag zu sehen sind. Dabei handelt es sich um eine große Prozession an Land, eine auf dem Fluss sowie ein Feuerwerk. Das Tenjin Matsuri ehrt den Tenmangu Schrein und dessen Hauptgottheit Sugawara Michizane, der für das Lernen im Leben zuständig ist. Die japanischen Bräuche sehen vor, die Gottheit mit Zeremonien dazu einzuladen, den Schrein zu verlassen und die Parade durch die Stadt anzuführen, wo man ihn mit vielen Attraktionen und Festivitäten unterhält, bevor er wieder zurück zum Schrein geleitet wird. Bemerkenswert sind dabei die vielen farbenfrohen und authentischen Kostüme, die von vielen Menschen Osakas getragen werden.

Das Tokushima Awa Odori Festival

Tanzende Frauen mit typischen Hüten für den Awa Tanz in einer Parade
Das Tokushima Awa Odori Matsuri ist das größte und ausgelassenste seiner Art. Es gibt große Paraden, bei denen viele Tänzer durch die Stadt ziehen. - Bild: © www.jlgc.org.uk

Shikoku steht meist nicht auf dem Reiseplan von Japan-Touristen. Vom 12. bis 15 August sollte man die Stadt Tokushima auf Shikoku aber unbedingt besuchen, denn in dieser Zeit findet hier jährlich Japans bestes Sommerfestival statt: Das Tokushima Awa Odori Festival. „Awa“ ist der alte Name der Region, „Odori“ ist japanisch für „Tanz“. Und genau darum geht es bei diesem Matsuri: Vier Tage lang gibt es viele Paraden und Feierlichkeiten, bei denen der traditionelle Awa Tanz aufgeführt wird. Besucher des Festivals sind immer herzlich eingeladen, sich von der ausgelassenen Stimmung anstecken zu lassen und mitzumachen. Die Tänzer werden von Sängern und Musikern begleitet, oft singt das Publikum das Awa Lied, zu dem die Tänzer tanzen. Außerdem ist es Tradition, die Tänzer anzufeuern, beispielsweise mit „Yoi! Yoi! Yoi! Yoi!“-Rufen. Angeblich beruht das Festival auf einer Party im Jahr 1586, die der lokale Daimyo zu Ehren der Öffnung des Tokushima Schlosses gab. Er soll dabei betrunken in den Straßen getanzt haben, daher hat der Awa Odori auch heute noch eher unregelmäßige Schrittfolgen, die zuweilen an die Ausgelassenheit eines Betrunkenen erinnern. Das Tokushima Awa Odori Matsuri ist Teil der Obon-Feierlichkeiten in dieser Region.

Lust auf japanische Feste bekommen?

Boot mit Festival-Teilnehmern auf dem Fluss in Osaka
Japanische Sommerfeste gibt es in den verschiedensten Dimensionen und Ausführungen. Manche beinhalten große Paraden, andere setzen auf geschmückte Boote, wie das Tenjin Matsuri in Osaka. - Bild: © elmimmo - Flickr.com

Dann auf nach Kassel! Denn man muss nicht unbedingt nach Japan reisen, um einmal an einem Matsuri teilzunehmen. Deutschlands bedeutendste Japan- und Anime-Convention, die Connichi, findet jährlich Ende September statt. Auch das Team von Japanwelt ist jedes Jahr mit dabei und freut sich darauf, neue und bekannte Gesichter am Messestand zu sehen. Als besonderes Highlight wird im Rahmen der Connichi traditionell auch wieder ein Matsuri veranstaltet. Auf diese Weise kann man sich einen Eindruck vom Zauber japanischer Sommerfeste verschaffen und ein bisschen in die japanische Sommerfest-Kultur eintauchen. Feuerwerk inklusive!

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