Trusted Shops zertifiziert + 49 (0)30 - 31 80 81 51
 

Jugoya – das japanische Mondfest zu Ehren des Herbstmondes

In der japanischen Kultur sind zahlreiche Feiertage und Volksfeste eng verwurzelt, das Mondfest Jugoya zählt zu den wichtigsten seiner Art. Das auch als Tsukimi bekannte Fest wird zu Ehren des Herbstmondes abgehalten und in verschiedenen asiatischen Kulturen gefeiert, auch die chinesische Variante ist weltbekannt. Traditionelle Speisen und Opfergaben sind seit Jahrhunderten fest mit dem Jugoya verbunden, ebenso wie das Aufstellen von japanischem Gras in den Straßen und Gassen. Das jährlich zu einem anderen Zeitpunkt ausgetragene Fest, dessen Datum sich nach dem japanischen Mondkalender richtet, wird auch von den großen japanischen Gemeinden in Deutschland gefeiert, beispielsweise in Düsseldorf, Köln und Berlin.

Datum und Historie des Jugoya

Wörtlich übersetzt bedeutet Jugoya „15. Nacht“, während sich der alternative Name Tsukimi mit „Mondschau“ übersetzen lässt. Diese Zahl gibt den genauen Tag der Begehung der Feierlichkeiten an, wobei der 15. Tag des achten Monats nach dem alten japanischen Mondkalender stets auf einen Vollmond fällt. Außerdem wird am 13. Tag des zunehmenden Mondes im neunten Monat gefeiert, womit die japanischen Festtage in den europäischen September oder Oktober hineinfallen. Beide Festtage sind gleichberechtigt und als Einheit zu verstehen, wobei sich die jeweiligen Feiertage durch unterschiedliche Veranstaltungen, Opfergaben und sonstigen Brauchtum unterscheiden.

Zurück geht der japanische Feiertag auf die Heian-Zeit – und somit auf das 8. und 9. Jahrhundert –, in der sich Adlige und Gebildete zum Rezitieren von Gedichten im Mondenschein trafen. Da im Laufe der Jahrhunderte der Kalender in Japan mehrfach erneuert wurde und ab dem Jahr 1874 auch hier der gregorianische Kalender gilt, traten Verschiebungen rund um den Feiertag ein. Vorrangig in der Region des heutigen Tokyo rückte der 15. Tag des achten Monats nach der Kalenderänderung in den Fokus, gerade hier ist noch heute die Bezeichnung Jugoya etabliert. In den ländlichen Regionen ist das Fest eher unter Tsukimi bekannt und wird am 13. Tag des Folgemonats gefeiert. Die strikte Trennung früherer Jahrhunderte ist heute nicht mehr gegeben, stattdessen darf das Jugoya als zweiteiliges Fest begangen werden.

Warum wird gerade der Herbstmond gefeiert?

Tsukimi Dango und Susuki (japanisches Pampagras) sind feste Symbole des Mondfestes in Japan.

Schon seit alters her haben Japaner offenbar eine Schwäche für den Mond. Das mag daher kommen, dass im Volksglauben die Dunkelheit der Nacht voller Geister und Gefahren war. Gerade stockdunkle Neumondnächte müssen der Bevölkerung des alten Japans Angst eingejagt haben. Wie groß war dann die Freude über den Vollmond, dessen sanftes Licht die Nacht erhellte und ihr den Schrecken nahm. Darüber hinaus stehen die Mondphasen auch für den Kreislauf von Leben und Tod, "mangetsu" (der Vollmond) war demzufolge Ausdruck für die größte Lebendigkeit und wurde entsprechend verehrt.

Allerdings taucht der Vollmond, der beim Tsukimi-Fest im Mittelpunkt steht, jeden Monat wieder auf – warum also haben die Japaner das Fest gerade in den Herbst gelegt? Im Gegensatz zu Deutschland, wo im Frühling und Sommer angenehme Temperaturen herrschen, steigen in Japan in diesem Zeitraum nicht nur die Temperaturen, sondern es wird auch zunehmend schwül. Durch die hohe Luftfeuchte wäre die Sicht auf den Mond stets verschwommen, ganz zu schweigen von den heißen Nächten. Außerdem gibt es in fast ganz Japan zu Beginn des Sommers eine Regenzeit und bis zum Herbst viele Taifune, die es unmöglich machen, draußen Feste zu feiern. Im Herbst sind die Temperaturen noch immer warm und das Wetter ist stabil – ideal, um die Nacht damit zu verbringen, den Mond und die Sterne zu bewundern. Herbst bedeutet im japanischen Mondkalender übrigens die Zeit von Mitte Juli bis Ende September, je nach Vollmond auch bis Anfang Oktober.

Bräuche und Kulinarisches rund um das Mondfest

Die Teilnahme am Volksfest zwischen September und Oktober steht nicht nur japanischen Staatsbürgern offen, auch andere Nationalitäten sind zur Teilnahme angehalten. So bietet manches Kulturinstitut hierzulande einen speziellen Kulturkurs an, um mehr über das Mondfest und andere Feiertage in Japan zu erfahren und diese authentisch gemäß der japanischen Geschichte zu begehen. Japanisches Essen rückt in den Bräuchen und Traditionen in den Vordergrund, explizit die Zubereitung von Tsukimi Dango (Reiskuchen), die auf einem Tisch im Freien oder am offenen Fenster aufgestellt und mit Freunden oder Verwandten im Mondlicht verspeist werden. (Auch ein Grund, warum die Bentoboxen wohl nie aussterben werden!) Dies rührt vor allem daher, dass der Herbst auch in Japan Erntezeit ist, daher ist Jugoya vergleichbar mit deutschen Erntefesten, bei denen außerdem Leckereien der Saison gereicht oder als Opfergaben bereitgehalten werden. Für den ersten Teil des Festes im September sind dies vorrangig Süßkartoffeln, während es im Oktober eher Maronen und Bohnen gibt. Neben den typischen Opfergaben gibt es auch spezielle Gerichte wie die Tsukimi Dango und Tsukimi Udon, die traditionell in der Zeit von Jugoya gegessen werden.

Tsukimi Udon sind ein Gericht, das traditionell in der Zeit des Jugoya, des japanischen Mondfestes, gegessen wird.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Mondfestes ist japanisches Pampasgras oder Silbergras, in Japan als Susuki bezeichnet. Das Gras wird überall im öffentlichen Raum aufgestellt und darf auch auf keinem Esstisch fehlen, wenn Freunde oder Familie für Reiskuchen (Mochi), Früchte, gekochtes Gemüse und Sake zusammenkommen. Je nach Region wird spezielles Sushi gereicht, was sich sogar im europäischen Kulturraum durchgesetzt hat. So nimmt manches Japan-Restaurant in Deutschland und Europa zur Zeit des Mondfestes kulinarische Besonderheiten auf, die sich jedoch nicht zwingend an der Tradition des Jugoya orientieren.

Die Geschichte vom Mondhasen und von Tsukuyomi

Während des Mondfestes ist es Brauch, den Kindern Geschichten über den Mond zu erzählen. Die wohl berühmteste ist die des Mondhasen, auf Japanisch "Tsuki no Usagi" genannt, die auf alte japanische Legenden zurückgeht: Ein Affe, ein Fuchs und ein Hase waren eng befreundet – tagsüber spielten und jagten sie in den Bergen, abends schliefen sie gemeinsam im Wald. Dem Herrn des Himmels, Taishakuten, erschien das sonderbar und so verkleidete er sich als alter Wanderer und suchte die drei Freunde auf. Entkräftet von seiner langen Reise bat er sie des Abends um Essen und Wasser. Der Affe sammelte sofort Nüsse, der Fuchs fing einen Fisch, nur der Hase fand nichts, was er dem Herrn geben konnte. Als der Affe und der Fuchs ihn deshalb verspotteten, rief der Hase verzweifelt "Iss mich!" und sprang ins Feuer. Gerührt verwandelte sich Taishakuten zurück in seine ursprüngliche Gestalt, stellte den Körper des Hasen wieder her und nahm ihn mit zum Mond. Dort begrub er ihn in seinem Tempel und der Rauch des Feuers, in dem der Hase sich opferte, legte sich in dessen Form auf die glänzende Mondoberfläche. Viele Japaner sehen in den Mondkratern seit dieser Zeit die Form eines Hasen, der Mochi-Teig stampft. Neben dieser gibt es noch unzählige weitere Geschichten zum Mondfest, beispielsweise die Legende von Tsukuyomi, der Gottheit der Nacht und des Meeres sowie der Mondphasen. Eines Tages brachte sie die Gottheit Ukemochi angeekelt um, weil diese sie damit unterhalten wollte, Reis und Tiere aus ihrem Mund kommen zu lassen. Amaterasu, die Sonnengöttin und Schwester von Tsukuyomi, war darüber so erbost, dass sie sie niemals wiedersehen wollte. So kam es, dass Sonne und Mond getrennt wurden und der Mond nur noch des Nachts am Himmel strahlen durfte.

Weiteres Wissenswertes rund um das japanische Herbstmondfest

Auch wenn das Fest traditionell zu Ehren des Mondes abgehalten wird, muss dieser zum Feiern nicht einmal sichtbar sein. Sämtliche Bräuche wie das Aufstellen von Pampasgras oder der Verzehr der Reiskuchen finden in jedem Fall an den Abenden der genannten Tage statt, selbst wenn ein bewölkter Himmel keinen freien Blick auf den Mond gewährt. Wie bei Fest- und Feiertagen in der europäischen Kultur wird beim Jugoya nicht mehr nur auf die ursprüngliche Bedeutung Wert gelegt, stärker geht es um das gesellige Beisammensein und die Gelegenheit, Zeit mit lieben Menschen zu verbringen.

Das diesjährige Mondfest findet übrigens in der Nacht vom 27. September auf den 28. September statt. Dabei gibt es in Deutschland zeitgleich eine Mondfinsternis zu bewundern, also ein ganz besonderer Grund, das Mondfest auch hierzulande zu feiern. Wer es diesmal verpasst, hat nächstes Jahr am 15. September wieder die Chance dazu, Jugoya im Kreis seiner Familie und Freunde zu feiern.

Passende Artikel

Kommentar schreiben

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.