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Japanische Lackware (Urushi-Mono) – Edle Optik mit robuster Seele

Japanische Lackwaren (Shikki oder Nuri-Mono) besitzen eine zeitlose Ästhetik. Ihre Schönheit macht die mit kostbarem Urushi-Lack veredelten Schalen und Becher zum perfekten Geschirr für alle kulinarischen Köstlichkeiten.
Lackwaren
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Japanische Lackware (Urushi-Mono) – Edle Optik mit robuster Seele

Traditionelle Lackwaren und Lackarbeiten aus dem Harz des Urushi Lackbaums (Rhus Verniciflua) werden in vielen ostasiatischen Ländern produziert. Die in Japan als Urushi-nuri, Nuri-mono oder Shikki bekannte Variante dieser Jahrtausendealten Kunst hat es jedoch zu besonderem Ruhm gebracht.
Als Ende des 16. Jahrhunderts erste europäische Händler japanische Häfen anliefen waren sie fasziniert von der Eleganz und Schönheit der japanischen Lackwaren. Wie das blau-weiße chinesische Porzellan wurden Lackarbeiten aus Japan zu einem geschätzten und teuren Exportgut jener Zeit.
Die Faszination die von japanischen Lackwaren ausgeht ist auch heute noch spürbar. Die meist in sattem Schwarz oder Rot gehaltenen Objekte verströmen einen warmen Glanz der seinesgleichen sucht. In ihrem makellosen Äußeren spiegelt sich nicht nur die zeitaufwendige Arbeit, sondern auch die Hingabe und jahrelange Erfahrung die ein Kunsthandwerker in ein solches Kunstwerk investiert hat.

Japanische Lackware - eine Kunst in vielen Schritten

Traditionelle japanische Lackware erfordert vom Künstler in ihrer Herstellung ein breites Wissen über das verwendete Material und ausgesprochenes Feingefühl im Umgang mit den mannigfaltigen Arbeitsgeräten. Vom Anmischen der vielfältigen Lackschichten und Grundierungen bis zum Auftragen der letzten Lackschicht, mit einem feinen, aus Frauenhaar gefertigten Pinsel, müssen 30 bis 50 Arbeitsschritte vollzogen werden, von denen jeder für den perfekten Glanz der Lackarbeit ausschlaggebend ist. Da alle diese Schritte eine hohe fachliche Kompetenz voraussetzen, ist es üblich, dass sich in traditionellen Produktionszentren für japanische Lackware, mehrer Betriebe auf einige wenige Teilaspekte der Produktion spezialisiert haben.
Der kleine Küstenort Wajima an Japans Westküste ist bekannt als „Heimat des Lacks“ (urushi no sato) und Ursprungsort der Wajima-nuri genannten Lackwaren. Hier widmen sich traditionell kleine Familienbetriebe einzelnen Arbeitsschritten der Shikki (japanische Lackware) Produktion.
Am Beginn jedes Urushi-nuri steht der „Körper“, also das zu ummantelnde Objekt. Urushi Lack lässt sich hierbei auf nahezu allen Untergründen auftragen. Am gebräuchlichsten sind Alltagsgegenstände aus Holz oder Bambus, wie Reisschalen, Suppenschalen, oder auch kleine Lunchboxen, die in Japan „Bento“ genannt werden. Es können jedoch auch Körper aus Papier, Stoffen, unbehandelter Keramik oder sogar aus Metall durch Lackarbeiten veredelt werden. Auch der Art und der Größe der Objekte sind keinerlei Grenzen gesetzt. Von einfachen Schmuckgegenständen und Accessoires bis hin zu kompletten Inneneinrichtungen und ganzen Räumen kann nahezu alles mit japanischem Lack bestrichen werden. Schon die Samurai wussten japanische Lackarbeiten an ihren Rüstungen zu schätzen. Neben den optischen Reizen einer solchen Verarbeitung, gewährte sie auch Schutz vor Rost auf Metal.

Japanische Lackarbeiten - ein Werk aus „tausend“ Schichten

Auch wenn es nicht wirklich tausend Schichten sind, ist der Aufwand den ein japanischer Lackanstrich mit sich bringt beeindruckend.
Nach einem ersten Grundanstrich, der bei Gegenständen aus Holz wie Reisschalen oder Suppenschalen auch kleinere Unebenheiten ausgleichen kann, werden Schicht um Schicht verschiedene Lack- und Grundierungsschichten aufgetragen.
Bei all diesen Arbeitsschritten ist höchste Konzentration erforderlich. Nicht nur können selbst kleinste Unebenheiten in einer Schicht die gleichmäßige Oberfläche der fertigen Lackware zerstören, auch kleinste Staubpartikel müssen beständig vom frischen Lack fern gehalten und gegebenenfalls wieder von diesem entfernt werden. Um die Japan Lackwaren und japanische Lackarbeiten möglichst Staubfrei aushärten zu lassen, bauten die Kunsthandwerker früherer Zeiten oft kleine Flöße auf denen sie, an ruhigen Tagen, ihre Lackwaren auf offener See treiben ließen, fern ab von Staub und Dreck.
Je nach Technik werden bei der Herstellung von Nuri-mono, in den ersten Schichten, auch dünne, in Lack getränkte Lagen aus Baumwolle oder Hanf verarbeitet. Es folgen mehrere matte Grundierungsschichten, für die der Lack mit unterschiedlichen natürlichen Zusätzen, versetzt wird. Erst auf diesen werden nach und nach Schichten aus gefärbtem Lack aufgetragen und poliert, bevor das ursprüngliche Holz-Objekt die für japanische Lackware typische, tief glänzende Oberfläche erhält.
Um dem Lack japanischer Lackarbeiten seine typische rote oder schwarze Färbung zu geben wird dieser beispielsweise mit Eisenoxid (rot) oder Ruß (schwarz) vermischt.
Oftmals werden japanische Lackwaren, in den äußeren Schichten, zusätzlich mit unglaublich zarten Motiven aus Gold- oder Metallpulvern verziert. Diese Kunstform ist als Maki-e bekannt und verantwortlich für einige der schönsten Accessoires aus Japan

Besonderheiten des japanischen Urushi Lacks

Eine Besonderheit des Urushi-Lacks ist hierbei, dass er zwischen den Arbeitschritten nicht einfach trocknet, sonder polymerisiert, was zu einer Aushärtung des Lackes führt. Dies führt zu einer erstaunlichen Langlebigkeit für japanische Lackwaren. Einmal fertig gestellt sind sie resistent gegen Wasser, Alkohol, Säuren und Lösungsmittel und können mehrer hundert Jahre überdauern. Diese Widerstandfähigkeit beweisen auch archäologische Funde von gut erhaltenen Lackwaren aus Japan, die sich auf mehrere tausend Jahre zurückdatieren ließen.
Einzig anhaltende, direkte Sonneneinstrahlung schädigt die glänzende Oberfläche und können diese trüben und kleine Risse im Lack entstehen lassen.
Das Harz des Lackbaums, aus dem der eigentliche Lack gewonnen wird, dient dem Baum in erster Linie als Schutz bei Verletzungen der Rinde. An diesen Stellen tritt es hervor, verschließt die „Wunde“ und sorgt mit seinen Inhaltsstoffen dafür, dass eingedrungene Keime und Pilze abgetötet werden. Diese Eigenschaft lässt sich auch bei japanischen Lackwaren feststellen. Sie sind immun gegen den Befall von Schimmelpilzen und sollen sogar, bei direktem Kontakt Keime von Salmonellen abtöten. Dies ist ein Grund warum traditionelle Bento-Lunchboxen seit Jahrhunderten aus Urushi Lackwaren bestehen, denn für den Menschen stellen die Bestandteile des Urushi in ausgehärtetem Zustand keinerlei Gesundheitsrisiko dar – sie sind lebensmittelecht.

Wer sich für den Kauf japanischer Lackwaren entscheidet, erwirbt nicht nur ein wundervolles Kunstwerk oder Accessoires aus jahrhundertealter Kunsthandwerkstradition, sondern ebenfalls einen äußerst praktischen Alltagsgegenstand, der bei sorgsamem Umgang mehrere Generationen überdauern wird. Trotzdem bleibt das entscheidende Kaufargument vermutlich die zeitlose und elegante Schönheit die japanische Lackware verströmen. Es ist schwer wenn nicht gar unmöglich, z.B. eine Suppenschale oder Reisschale aus anderem Material zu finden, die die besonderen Eigenschaften japanischer Lackware besitzt.
Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit sich, auf Japanwelt selbst von der Schönheit japanischer Shikki (Lackwaren) zu überzeugen!

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