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Ainu – die unbekannten Ureinwohner Japans

 

Bei dem heute als Ainu bezeichneten Volk handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nach um die Nachfahren der in zentral und Nordjapan siedelnden Jōmon Kultur. Diese erreichten um 30.000 Jahre vor Christi wohl als erste Menschen die japanischen Inseln. Die Ainu finden sich heute hauptsächlich auf Hokkaidō, der nördlichsten der japanischen Hauptinseln. Nah verwandte Kulturen finden sich zudem auf der russischen Halbinsel Sachalin sowie auf den Kurilen.

Die Ainu (einfach „Menschen“ in ihrer Sprache) bezeichnet die Ureinwohner Japan. Sie gehören zu den bedrohten Kulturen und sind spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert weitgehend assimiliert worden. Sich selbst bezeichnen die Ainu weitgehend als Utari, was übersetzt so viel wie „Kamerad“ bedeutet. Vom japanischen Staat wurden die Ainu und ihre Sprache erst im Jahr 2008 als Minderheit anerkannt. Seitdem bemüht man sich um den Erhalt der allerdings nur wenigen Reste dieser ursprünglichen Kultur.

Ainu - Ureinwohner Japan
Bild eines Ainu-Mannes aus Hokkaido um 1910 mit eher europäischem Aussehen.
Foto © gemeinfrei, wikimedia

Offiziellen Zählungen nach gibt es heute in Japan etwa noch 13.000 Ainu. Die Sprache sprechen gerade noch einmal etwa 15 Menschen – kaum mehr als eine Handvoll sozusagen. Trotzdem hat einiges von ihrer faszinierenden Kultur überlebt und wird heute wieder – auch touristisch – gepflegt.

 

Die Ainu und die Japaner – eine lange und oft schwierige Beziehung

Die Jomōn Kultur, aus der die Ainu hervorgegangen sind, hielt sich in Zentral- und Nordjapan bis ins dritte Jahrtausend vor Christi. Sie wurde dann aber von einer zweiten Einwanderungswelle von aus China und Korea stammenden Menschen verdrängt, die als Vorfahren der heutigen Japaner gelten können. Entscheidend war dabei vor allem die technologische Überlegenheit der Einwanderer gegenüber den weitgehend als Jäger und Sammler lebenden Jomōn.

Karte Verbreitung der Ainu Völker in Japan
Historisch belegtes Verbreitungsgebiet der Ainu (rot) und vermutetes früheres Verbreitungsgebiet (rosa).
Foto © Kwamikagami, Historical expanse of Ainu, CC BY-SA 3.0

Anschließend entwickelte sich im äußeren Norden Honshus die Kultur der Ainu. Besonders auf der Nordinsel Hokkaidō siedelten sich Ainu an, die von den neu eingewanderten Japanern erst ungefähr ab dem 1. Jahrtausend nach Christi besucht wurde. Nach einigen Revolten intensivierte sich sogar die Beziehungen zwischen den beiden Völkern. Ab dem 15. Jahrhundert brachte der Handel engen Kontakt. Die Japaner gründeten Handelsposten und die ersten festen Siedlungen auf Hokkaidō.  

Ureinwohner Japan - Häuser

Die Ainu-Häuser ähnelten den Langhäusern der frühen Europäer.

Foto © gemeinfrei, wikimedia

Doch die Einflussnahme der Japaner auf die sich als eigenständiges Volk begreifende Ainu führte zu einer ganzen Reihe von teilweise auch kriegerischen Konflikten und endeten erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Die vorher als Enzo bezeichnete Insel Hokkaidō wurde damals endgültig von den Japanern besetzt. Die anschließende intensive Besiedelung durch Japaner von Honshu und die erzwungene Assimilierung der Ureinwohner Japans in die japanische Gesellschaft führte dazu, dass die einzigartige Kultur der Ainu und ihre Sprache heute weitgehend verloren sind.

 

Die Kultur der Ainu: Matriarchat und Bären-Kult

Es gibt deutliche Unterscheidungen zwischen der Kultur der Ainu und der Japaner. Das Leben der Ainu, oder auch Aynu, weist Konzepte auf, die sich sonst eher bei indigenen Völkern Nord- und Ost-Sibiriens finden lassen. Ursprünglich waren die Aufgaben im Leben der Ainu streng nach Geschlechtern getrennt: die Frauen kümmern sich um das Sammeln und den Ackerbau, die Männer um die Jagd und das Fischen. Soweit, so klassisch. Die Bedeutung der Frau in der Gesellschaft geht aber bei den Ainu deutlich weiter und so wird dieser eine im Grunde matriarchalische Struktur zugeschrieben.

Ainu-Ureinwohner Japans - Tattoos bei Frauen

Eine Ainu-Frau mit den charakteristischen Tattoos und einem Bärenjungen

Foto © gemeinfrei, wikimedia

So wird die Abstammung je nach Geschlecht entweder auf Vater oder Mutter zurückgeführt und nur in diesen recht strikt getrennten Abstammungslinie gelten familiäre Hilfestellungen. Der wichtigste männliche Verwandte einer jungen Frau wäre damit nicht deren Vater, sondern ein Bruder der Mutter.

Ainu Häuser

Innenraum des Hauses der Ainu auf Hokkaido.

Foto © Yanajin33National Museum of Ethnology, Osaka - Interior of the house of Ainu - Saru River basin, HokkaidôCC BY-SA 3.0

Äußere Zeichen der Ainu Kultur sind neben den traditionellen, aus Ulmenrinde hergestellten einfachen Kleidungsstücke die wallenden Bärte der Männer. Ab einem bestimmten Alter war es untersagt, sich zu rasieren, noch heute legen davon beeindruckende historische Photographien Zeugnis ab. Die Frauen haben demgegenüber für die Ainu typische Tätowierungen um den Mund, die ihnen ein lächelndes Aussehen geben und manchmal auch als „Ainubart“ bezeichnet werden.

 

Der Bären-Kult der Ureinwohner Japans

Die Religion der Ainu ist, im Gegensatz zu anderen Religionen in Japan animistisch. Die Ainu beten verschiedenste Naturgeister an, die potenziell alle Dinge und Lebewesen beseelen. Einige der wichtigsten Geister sind „Kamuy Fuchi“, die Gottheit der Feuerstelle, „Kim-un Kamuy“, die Gottheit der Bären und Berge und „Repun Kamuy“, die Gottheit der See, des Fischens und der Meereslebewesen.

Bärenjagd der Ainu in Japan

Gemälde einer Bärenjagd des japanischen Ainu-Künstlers Yoshinori Murase

Foto © gemeinfrei, wikimedia

Schamanistische Aufgaben wie die Rücksendung der Geister, wenn zum Beispiel ein Tier getötet wurde, werden sowohl von Schamaninnen als auch von männlichen Schamanen ausgeführt.

Ein zentrales, den Männern vorbehaltenes Moment der Ainu Religion, der sich in ähnlicher Form auch in vielen anderen ostasiatischen Naturreligionen wiederfinden lässt, ist der Bären-Kult. Dieser geht mit beeindruckenden Ritualen und Tänzen einher, die heute – natürlich – auch für Touristen als Aufführung inszeniert werden.

 

Diskriminierung, Assimilation, Anerkennung – der schwierige Weg zur Anerkannten Minderheit

Die Ainu sahen sich seit ihrer endgültigen Unterwerfung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer heftigen Diskriminierung ausgesetzt, die teils immer noch andauert. Aus diesem Grund bezeichnen sich auch nicht alle Ainu als solche, um keine eventuell daraus entstehenden Nachteile zu erleiden.

Diese heute zum Glück abklingende Diskriminierung der Ainu wurde auch durch ihr sich deutlich von den anderen Japanern unterscheidendes Aussehen bedingt. Ainu sind fast so hellhäutig wie Europäer und deutlich stärker behaart, was sich insbesondere am Bartwuchs sehen lässt.

Ainu Japan Musik
Die Oki Ainu Dub Band live bei einem Konzert 2007 in Rudolstadt.
Foto © I, Johannes Rohr, Oki Ainu Dub Band at tff.Rudolstadt 2007, CC BY-SA 3.0

Zu den Maßnahmen der zwangsweise Assimilierung, die von den Japanern seit Anfang ihrer Besiedlung Hokkaidōs in der Mitte des 19. Jahrhunderts angestrebt wurde, gehörte der Zwang, japanische Namen anzunehmen und die Kinder auf japanische Schulen zu schicken. Dort war zu dieser Zeit die Sprache der Ainu natürlich Tabu. Erkennungsmerkmale, wie die typischen Tätowierungen, wurden verboten.

Durch die 2008 erfolgte Anerkennung der Ainu als „Einheimische Bevölkerungsgruppe“, wie der japanische Staat Minderheiten nennt, sind die Kultur und Sprache der Ainu, die beide nur noch in Resten existieren, jetzt anerkannt.

Dadurch erhalten sie zwar noch keine konkrete Hilfe von der Regierung, aber es greift so rechtlich die Deklaration über die Rechte indigener Völker der Vereinten Nationen. In Russland sind die Kurilen-Ainu bereits ausgestorben. Informationen über die ursprüngliche Kultur dieses Volkes stammen daher größtenteils aus dieser Region.

 

 

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Die Geschichte Japans Teil 2: Das moderne Japan

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