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Irezumi – die Tradition der japanischen Tattoos

Irezumi – japanische Tattoos: Wilde Tiere, starke Krieger und Blumen – japanische Tattoos sind weltbekannt für ihren einzigartigen Stil, ihre Symbolik und die hoch pigmentierten Farben, die man besonders durch die tebori-Technik erzielt (手彫り, wörtlich: Schnitzen mit der Hand).

Irezumi ist nur ein japanischer Begriff für die Tätowierung. Die Kunst die Haut mit Tinte zu bemustern wird auch Bunshin, Shishei oder Gei genannt. Allerdings ist Irezumi der gängigste Begriff.

In der japanischen Tattoo-Kunst haben die Motive tiefe Bedeutungen. Interessant ist auch wie die Kunst im Land der aufgehenden Sonne entstand und warum manche Badehäuser Tätowierten den Zutritt verbieten.

 

Die Anfänge japanischer Tattoos

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Eines der ältesten Zeugnisse eines Irezumi Tattoos. Antike Dogu Figur "mit Schneebrille", aus der Jōmon-Periode zwischen 1000 und 400 v. Chr.

Foto © Rama, Dogu figurine-MA 1714-IMG 9045-gradientCC BY-SA 3.0 FR

Die erste Erwähnung japanischer Tattoos findet sich in einem chinesischen Geschichtswerk aus dem dritten Jahrhundert, das das damalige Japan beschreibt. Auch bei den Ainu, der Urbevölkerung des japanischen Nordens, finden sich bereits frühe Nachweise für Tattoos.

Die bisher ältesten Tätowierungen weltweit fand man auf Mumien aus Oberägypten im Jahr 2018, sie sind sogar älter als der Ötzi, der bis dahin als ältester Fund für Tattoos galt.

Es ist nicht klar, welchen Ursprung diese ersten Tattoos in Japan hatten. Religiöse bzw. spirituelle Gründe sind denkbar. Es gibt aber auch Theorien, dass mit Tätowierungen ein bestimmter Status markiert wurde. In der Kofun Zeit, etwa 300 – 600 n.Chr., wurden Tattoos vermehrt benutzt, um Straftäter zu kennzeichnen.

Deutlich sichtbare Markierungen im Gesicht sollte ihnen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft erschweren. Dekorative Tattoos verschwanden jedoch nie ganz aus der Bevölkerung, obwohl die Sicht der Leute auf diese Kunstform weiterhin von Gegensätzen gezeichnet war.

 

Japanische Tattoos ab der Edo Zeit

Japanische Tätowierungen historisch

Darstellung eines tätowierten Zimmermanns auf einer Baustelle aus dem 19. Jahrhundert.

Foto @ 柳下亭種員, Carpenter, gemeinfrei auf Wikimedia Commons

Die Veröffentlichung des chinesischen Romans Suikoden in der Edo Zeit sorgte für einen unvergleichlichen Aufschwung der japanischen Tattoo-Kunst. Der Roman erzählt die Geschichte von 108 Rebellen, die gegen Korruption und Unterdrückung kämpften.

Untermalt wird die Erzählung von Holzschnitten, auf denen viele dieser Krieger selbst Tattoos tragen, die mystische Kreaturen, religiöse Zeichen und Blumenmuster zeigen. Im Zuge dessen begannen viele Holzschnittkünstler mit den ihnen bekannten Werkzeugen und Tusche ihre Kunstwerke von Holz auf Haut zu übertragen.

Es gibt Diskussionen darüber, wer die Menschen waren, die diese Tattoos trugen. Einige sehen vor allem Arbeiter niedrigerer Klassen und Feuerwehrmänner als Träger. Andere nehmen an, dass reiche Händler die Tattoos unter ihrer Kleidung trugen, weil es ihnen verboten war, ihren Reichtum nach außen zu zeigen.

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Kunstvolle Tätowierungen aus der Meji-Ära um 1870

Foto © anonym, Beato, Felice (1834 – 1907) - Tattooed japanese men - ca. 1870, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Als sich Japan mit Beginn der Meiji Zeit dem Westen öffnete, wollte man ein möglichst gutes Bild nach außen zeigen, weswegen Tattoos in dieser Zeit komplett verboten wurden.

Im Zusammenspiel mit der früheren Praxis, Straftäter mit Tattoos zu kennzeichnen, entstand so der Eindruck, Kriminalität und Tattoos gehörten zusammen, obwohl auch diese Art der Strafe im Zuge der Restauration aufgehoben wurde. Und obwohl Tattoos 1948 von den Besatzungsmächten wieder legalisiert wurden, blieb und bleibt das Stigma bestehen.

Der Wandel zu einer positiveren Wahrnehmung vollzieht sich nur langsam. Unter vielen jungen Japanern ist das Interesse an Tattoos, auch durch Einflüsse aus dem Westen, aber deutlich gewachsen.

Heute gibt es übrigens etwa 300 aktive Tattoo Künstler in Japan, die nach alten Traditionen ihre Kunst auf Haut verewigen.

 

Das Handwerk hinter den japanischen Tattoos

horiyoshi-III-japan-tattoos-Irezumi Horishi

Einer der berühmtesten Horishi (Tätowierer) Japans: Horiyoshi III (三代 目 彫 よ) hat sich auf traditionelle japanische Ganzkörpertattoos oder "Anzüge“ spezialisiert.

Foto © Holyfox, Horiyoshi 3CC BY-SA 3.0

Die Kunst des Tätowierens nennt man in Japan irezumi (入れ墨, wörtlich: Einbringen von Tinte). Holzschnittkünstler verwendeten vor allem die sogenannte Nara Tusche, die sich durch tiefes Schwarz auszeichnet, das unter der Haut blaugrün wirkt.

An ein langes, dünnes Rohr aus Bambus, Metall oder Elfenbein wurden mit Seidenfaden die Nadeln befestigt. Die Haut wird dann mit der linken Hand (bei Rechtshändern) gespannt, während die rechte den Stab führt und die Nadeln wiederholt in die Haut sticht.

Die meisten Künstler verwenden verschiedene Stäbe mit entsprechend unterschiedlicher Nadelanzahl für Linien oder Füllungen und Schattierungen. Tattoo-Künstler nennt man in Japan horishi (彫り師, Holzschnitzer oder Tätowierer).

Die Ausbildung der traditionellen Kunst dauert mehrere Jahre, und in der Regel nehmen die Schüler dann einen Namen an, der sich zusammensetzt aus dem Wort Hori und einem Teil des Namens des Lehrers.

Ein typisches Ganzkörper-Tattoo dauert meistens mehrere Jahre, und wird von einem einzigen Meister gestochen. Es entsteht eine enge Bindung zwischen dem Kunden und dem Tätowierer.

Im Gegensatz zum Westen hat der Künstler in Japan auch oft viel mehr Einfluss auf das Ergebnis.

 

Bokkei und Yakuza – warum viele Badehäuser Tätowierten den Zutritt verweigern

Yakuza-Schrein in Asakusa - japanische Tätowierungen

Yakuza-Schrein in Asakusa, Tokio. Nach japanischem Recht dürfen Yakuza oder japanische Mafia ihre Tätowierungen nur bei einem Sansha Matsuri (Festival) öffentlich zeigen.

Foto © by apes_abroad -, CC 表示-継承 2.0

Die Praxis der Straftätowierung (jap. bokkei, 墨刑) stammt aus dem alten China. Verurteilte Straftäter wurden zur Identifikation im Gesicht oder an den Armen tätowiert.

Dies erschwerte das Zusammenleben mit anderen, sorgte aber dafür, dass viele Straftäter zusammenfanden, weil sie sich gegenseitig an den Markierungen erkannten – die Basis war geschaffen, die Tätowierungen zu einem Erkennungszeichen machten.

Als Yakuza werden japanische kriminelle Organisationen bezeichnet (im Ausland wird fast synonym „japanische Mafia“ als Begriff verwendet), die sich früher vor allem aus Menschen sogenannter niederer Stände zusammensetzten (Bauern, Handwerker, arme Kaufleute).

Yakuza bezeichnet also die „Wertlosen“ der Gesellschaft, das Wort kommt von der Aussprache der Zahlen 8-9-3, einer Zahlenkombination ohne Wert im japanischen Kartenspiel Kabufuda.

Tätowierungen galten lange Zeit vor allem bei den Yakuza als Gruppenbekenntnis und viele Mitglieder ließen sich bereits zur Initiation großflächig tätowieren, um ihre Entschlossenheit und Treue zu zeigen.

Mittlerweile gehen die Zahlen tätowierter Yakuza aber zurück. Das liegt vor allem daran, dass seit 1993 die Zugehörigkeit zu einer Bande (und das Zeigen dieser) in Japan strafbar ist – man möchte also möglichst unerkannt bleiben.

Kriminalität und Tattoos gehören in den Köpfen vieler Japaner immer noch zusammen. Deshalb ist in vielen öffentlichen Bädern und Fitnessstudios der Zutritt nicht gestattet, wenn man Tattoos trägt.

Diese Einstellung ändert sich bei jungen Menschen langsam, und immer mehr von ihnen tragen mehr oder weniger offen ihre Tattoos.

Auch fließt der Stil japanischer Tattoos immer mehr in die Kunst westlicher Tätowierer ein, und es gibt durchaus einige irezumi Künstler, die keine Japaner sind. Die soziale Wahrnehmung verändert sich also langsam, aber stetig.

 

Die Bedeutung der wichtigsten Motive bei Irezumi Tattoos

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Der Status der Yakuza ist deutlich an ihren Tätowierungen zu erkennen. Sanja Matsuri Festival in Japan, 2007

Foto © elmimmoYakuza at Sanja MatsuriCC BY 2.0

Die Motive japanischer Tattoos sind vor allem durch die Holzschnittbilder des Suikoden geprägt. Wir möchten euch an dieser Stelle ein paar der beliebtesten Tattoo Motive vorstellen:

  • Drache: während im Westen das Motiv des Drachen eher negativ konnotiert ist (Grausamkeit, Habgier), ist dieses Fabelwesen seit jeher ein Zeichen für Güte, Kraft und Intelligenz. Außerdem symbolisiert er im Gegensatz zum Westen, wo er mit Feuer assoziiert wird, in Asien das Element Wasser
  • Phönix: gilt wie in den meisten Mythologien auch in Asien als Symbol für Wiedergeburt und einhergehend damit für Unsterblichkeit. Er symbolisiert außerdem das Element Feuer.
  • Koi: Legenden zufolge verwandelt sich ein Koi in einen Drachen, wenn er den Gelben Fluss/Wasserfall bezwingen und zum Drachentor hinauf schwimmen kann. Daher symbolisiert er Stärke und Entschlossenheit sowie Selbstverbesserung und Erfolg
  • Kirschblüten: eines der beliebtesten Blumenmotive generell, die Kirschblüte steht für Schönheit und die Vergänglichkeit des Lebens.
  • Päonien/Pfingstrosen: stehen für Eleganz und Wohlstand, aber auch für Mut und Glück.
  • Chrysantheme: Chrysanthemen symbolisieren das Kaiserhaus, Langlebigkeit und Glück.

Das ist natürlich nur ein kurzer Auszug, die japanische Symbolwelt ist riesig. Wer sich ein solches Tattoo wünscht, sollte also gut recherchieren, um für sich das passende Motiv zu finden.

 

Titelfoto: Tätowierungen aus der Meji-Ära um 1880 © Adolfo Farsari, Raimund von Stilfleet,  wikimedia

 

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