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Japanische Vornamen und Ihre Bedeutung

Namen spielen eine besondere Bedeutung in allen Gesellschaften. Immerhin stellt die Namensgebung den Schritt zu einer sozialen Existenz her. Namen allgemein können dabei Merkmale der Träger, den sozialen Rang oder auch einen Beruf anzeigen. Ebenfalls können sie Aufschluss über die Reihenfolge der Geschwister geben und sind somit für die Erbfolge wichtig. Wie in allen Gesellschaften wandelt sich die Bedeutung der Namen so langsam – traditionelle Vornamen werden unter anderem von internationalen Namen abgelöst.

Traditionell wurden japanische Vornamen zur Volljährigkeit mit 15 Jahren leicht verändert. Zusätze für die Kindernamen wurden abgelegt und das Kind wurde zu einem vollwertigen Mitglied der japanischen Gesellschaft. Mittlerweile erreichen Japaner die Volljährigkeit mit 20 Jahren. Für alle Japaner in dem Alter gibt es einen ritualisierten Tag am 15. Januar, am sogenannten Volljährigkeitstag (成人の日, Seijin no hi). Eine Namensänderung gibt es an diesem Tag nicht mehr in Japan.

Japanische Namen – Jungen und Mädchen lassen sich einfach unterscheiden

Bei den klassischen japanischen Vornamen lässt sich das Geschlecht bei einigen traditionellen Namen sehr einfach bestimmen. Wenn der Name beispielsweise auf ko, mi oder ka endet, sind die Chancen recht hoch, dass der Name einer Frau gehört.

Wenn der Name dagegen wenigstens vier Silben lang ist und auf „o“ endet (Ausnahme bildet das zuvor erwähnte „ko“) handelt es sich eher um einen männlichen Vornamen. Es gibt natürlich auch japanische Vornamen, welche für beide Geschlechter genutzt werden -  die Namen Tomomi oder Kei sind dafür gute Beispiele. Wenn man sich die beliebtesten Mädchen- und Jungennamen in Japan 2020 ansieht, wird man folgende Werte finden. 

 

Jungennamen

Mädchennamen

 

Name in Kanjis

Umschrift

Bedeutung

Name in Kanjis

Umschrift

Bedeutung

1

Ren

Lotus

陽葵

Himari

Sonne

2

陽翔

Haruto

Quelle, Frühling; sonnig/aufklarend

芽依

Mei

Knospe / Bitte, Gesuch

3

Minato

Hafen

陽菜

Hina

Sonne, Gemüse

4

悠真

Yūma

Grenzenlos

結愛

Yua

verbundene Liebe

5

Blau

結菜

Yūna

Verbindung / Gemüse

6

Itsuki

Baum

さくら

Sakura

Kirschblüte

7

大翔

Hiroto

hiro -> gross, großzügig;
to ->hochfliegen, fliegen
à der Großzügige

あかり

Akari

Licht, Schein, Helligkeit

8

大和

Yamato

„großer Frieden“, „große Harmonie“

Aoi

„Malve" bzw. die Malvengewächse (z. B. Stockrose oder Hibiskus)

9

Ritsu

Anime-Figur, bedeutet „aufstehen“

Tsumugi

Steht für „zupfen“ und „Freude“

10

Aoi

Blau

莉子

Riko

Kombination aus „Jasmin“ und „Kind“

Bei den japanischen Namen für Mädchen fällt schnell auf, dass diese das Kanji „結“ beinhalten, was etwa “Zusammenbinden” oder ”Verbindung” bedeutet. Im Pandemiejahr 2020 hat sich dieser Bestandteil des Namens deutlich verstärkt. Ansonsten ist Sonne () als Schriftzeichen bei den Namen häufiger vertreten. Einige Experten leiten den daraus resultierenden Wunsch der Eltern nach sonnigeren Zeiten ab.

Damit wurden die eher klassischen Endsilben der weiblichen japanischen Vornamen leicht verdrängt. Üblich waren sonst Endungen von „-ko“ (子), was für Kind steht, oder die enthaltene Silbe „mi-„ (美), welche sich mit schön, oder Schönheit übersetzen lässt.

Der Wechsel von männlichen japanischen Vornamen

Viele männliche Vornamen in Japan enden mit „-rō“ (郎, -ter Sohn, junger Mann). In Kombination mit verschiedenen Vorsilben konnte früher die Geschwisterrolle angegeben werden. So steht „ichi“ (一, eins) in Ichirō für den ersten Sohn. Die Vorsilbe „ji“ (二, zwei) in beispielsweise Jirō steht für den zweiten Sohn. Die Vorsilbe „san“ (三, drei) in beispielsweise Saburō für den dritten Sohn.

Zu Feudalzeiten war es in Japan Standard, dass Jungen Kindernamen (幼名, yomyō) erhielten, welche mit der Volljährigkeit von 15 Jahren geändert wurden. Bis zur Reformation des Koseki-Systems in der Meji-Zeit war der Wechsel des Namens unproblematisch. Heute wird die Sitte in Japan nicht mehr praktiziert. Ausnahmen sind Sumo-Ringer und Kabuki-Schauspieler. Der Volljährigkeitstag (成人の日, Seijin no hi) wird heutzutage generell am 15. Januar begangen und zum 20. Geburtstag des Menschen.

Wer wird in Japan mit dem Vornamen angesprochen?

Nur enge Freunde und Kinder werden mit Vornamen angesprochen. Außerdem sprechen sich Menschen selten nur mit Namen an, sondern fügen dem Namen meist eine entsprechende Nachsilbe bei. Je nach Geschlecht und sozialer Stellung des Angesprochenen gibt es eine Vielzahl solcher Titel. Einige der am häufigsten verwendeten Titel sind:

Fahnen mit Kanjis an einem Tempel
Japanische Fahnen mit Kanjis und Segenssprüchen an einem Tempel. Foto: von himuraseta, via Pixabay.
  • san: (zum Beispiel Sato-san) - Es ist der neutralste und bekannteste Titel und kann in den meisten Situationen verwendet werden.
  • sama: (zum Beispiel Sato-sama) - Es ist eine höflichere Form von San, die häufig gegenüber Kunden oder in formellen Schriften verwendet wird, aber in einem lockeren Kontext zu höflich ist.
  • kun: (zum Beispiel Yusuke-kun) - Es ist ein informeller Titel, der für Jungen und Männer verwendet wird, die jünger sind als der Sprecher selbst.
  • chan: (zum Beispiel Megumi-chan) - Es ist ein informeller Titel, der für kleine Kinder und enge Freunde oder Familienmitglieder verwendet wird.
  • Sensei: (zum Beispiel Sato-sensei) - Es ist ein Titel, der für Lehrer, Ärzte und andere Personen mit Hochschulbildung verwendet wird.

Weissagungen durch Namen – Seimei-Handan

Seimei Handan oder Namensdiagnose ist eine Art Wahrsagerei in Bezug auf Namen. Seine Theorien konzentrieren sich auf die Anzahl der Striche, die erforderlich sind, um die Zeichen eines Namens zu schreiben. Für jedes japanische Zeichen gibt es eine definierte Anzahl von Strichen. Abhängig von der Gesamtzahl der Striche und der Summe der Striche für verschiedene Teile eines Namens im Verhältnis zueinander, wird ein Name als mehr oder weniger günstig angesehen. Manche Leute wenden sich an seimei handan, wenn sie den Namen ihres Kindes oder ihren eigenen Künstlernamen auswählen.

„Seimei-Handan“ wurde aus China eingeführt. Es wurde nach der Meiji-Ära (in den späten 1800er Jahren) vorgeschlagen. Zu dieser Zeit begannen die Japaner, Nachnamen zu verwenden und interessierten sich mehr und mehr für die gute oder schlechte Qualität des Namens. Anhand den Namen sollen sich Ableitungen zum Erfolg im Leben, der Liebe, dem Glück in der Ehe und zur Gesundheit und eventuellen Krankheiten machen können.

Beim Namen 山本優子 (Yuko Yamamoto) lassen sich für die ersten beiden Kanjis 3 und 5 Striche sowie 17 und 3 Striche für die letzten beiden Kanjis festhalten. In Kombination ergeben 山子 (Kanji 1 und 4) die Zahl 6, welche für „großes Glück“ steht. Die beiden ersten Schriftzeichen (山本) ergeben zusammen 8, was ebenfalls Glück bedeutet. Die anderen Kanjis ergeben zusammengerechnet 22 und 20, was beides für Unglück steht. Die Gesamtsumme von 28 bedeutet ebenfalls Unglück.

Ausgehend von den Ergebnissen steht die 8 für Glück und Vermögen. Die 22 steht aber für Unglück. Es wird angenommen, dass die Person hart für andere arbeitet, sie aber das Gefühl hat, dass sie verraten würde. Psychische Schäden sind durchaus möglich. 20 ist ebenfalls eine Unglückszahl, dadurch hat sie keine gute Konstitution und Unglück in der Kindheit. Sie kann aber Talent als Künstler und Akademiker.

Die 6 ist etwas sehr Positives, was sich in der Bildung und eventuell im Traumberuf ausdrücken kann. Zudem wird sie später einen starken Unterstützer im Leben haben. Die 28 ist dagegen ein großes Problem. Wenn die Person Erfolg hat und sich ihr zu überlegen fühlt, kann sie scheitern. Es fällt leicht, viele Dinge auszuprobieren, aber nichts zu beenden. Indem sie sich auf die Ziele der Person und die eigenen Bemühungen konzentriert, findet sie den Weg zum Erfolg.

Für Europäer besteht bei japanischen Namen auch Verwechslungsgefahr

Neben den bereits genannten Namen ist als Frauenname immer wieder Ai (愛) beliebt gewesen, was im Japanischen für Liebe steht. Im Deutschen wie Englischen werden daraus gerne Wortspiele diverser Art erstellt. Zudem gibt es den japanischen Vornamen Mami, welcher im Deutschen und Englischen umgehend Gedanken an die Mutter weckt. In der Vergangenheit war auch der weibliche Vorname Mao sehr beliebt, der aber Europäer sofort an den Diktator denken lässt.

Ovaler Stein mit einem Kanji
Ovale Steine mit Kanjis werden gerne in Japan verkauft. Foto: von Antranias, via Pixabay.

Sie sollten unbedingt auch bei der Aussprache Vorsicht walten lassen. Das „ei“ bei Keiko muss als langes „e“ wie im Wort „beige“ ausgesprochen werden. Andernfalls bedeutet der ausgesprochene Name „Kaiko“ lediglich „Seidenraupe“, wobei Frauen nicht gerne als Insekt benannt werden – das gilt in Europa und Japan.

Das Verwechslungsproblem besteht auch umgekehrt. Marko als deutscher Name könnte an den weiblichen japanischen Frauenvornamen „Maruko“ erinnern, der „rundes Kind“ übersetzt bedeutet. Der Name Jan klingt wie das japanische „ian“, was für Trost steht.

Ansonsten bleibt die Aussprache ein großes Problem. Beim Namen „Akiko“ liegt die Betonung beispielsweise auf einem kurzen „A“. Das „i“ wird nicht betont. Eine weitere Hürde stellt die Aussprache des „j“ dar. Bei dem Namen Jun muss es wie im Englischen „jam“ ausgesprochen werden, sodass die Umschrift wohl am besten „Dschun“ lauten sollte.

Japanische Jungen- und Frauennamen in der Moderne

Japanische Tafel mit Kanjis
Steintafel mit verschiedenen Kanjis. Foto: von otakphoto, via Pixabay.

Im Bereich der japanischen Vornamen gibt es einen Trend zu ungewöhnlichen Namen – wie es im Westen auch der Fall ist. „Kira Kira Namen“ (キラキラネーム) wurden Mitte der 1990er Jahre eingeführt. Es steht für Vornamen, die als besonders ungewöhnlich oder einzigartig gelten. Kira kira bedeutet „funkelnd“ oder „glänzend“. Die Namen sollen aus der Masse herausstechen. Erste Beispiele für solche Namen lassen sich durch Animes finden:

  • Naushika (今鹿) – der Name stammt aus dem Ghibli-Film „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ (1984). Die verwendeten Schriftzeichen sind 今 (ima), was für „jetzt“ steht, allerdings als nau (von Englisch now) gelesen wird und 鹿 (shika) für „Hirsch“.
  • Pikachu (光宙) – der Name des beliebten Pokémon. Das Schriftzeichen „光“ bedeutet „Licht“ (hikari, kō). Es wird hier aber als pika gelesen, was vom Wort pika pika kommt und “funkelnd” oder “leuchtend” bedeutet. Das Schriftzeichen 宙 (chū) bedeutet „Weltraum“.

Ausgehend von diesen Namen hat sich ein leichter Wildwuchs in der japanischen Namenslandschaft gebildet, weil Kanjis teilweise anders als gewohnt ausgesprochen werden. Einige solcher komischen Namen sind:

  • 凸 (deko/totsu = hervorstehen, Stirn) = ausgesprochen Tetorisu. Der Name leitet sich vom Computerspiel „Tetris“ ab, weil das Kanji so ähnlich wie ein Tetris-Stein aussieht.
  • 男 (otoko/dan = Mann) = ausgesprochen Adamu. Es geht auf den biblischen Adam zurück.
  • 愛猫 (愛 ai = Liebe + 猫 neko = Katze) = ausgesprochen Kitty (きてぃ). Es stellt eine moderne Ableitung der „Hello Kitty“-Figur dar.
  • 月 (tsuki = Mond), ausgesprochen wird es Raito (vom engl. „light“). Es werden teilweise nur (mehr oder weniger) bedeutungsverwandte Kanjis verwendet.
  • 皇帝 (koutei = Kaiser), welches Shiizā ausgesprochen wird und sich vom römischen Kaiser Caesar ableiten lässt.

Japanische Vornamen sind im Wandel und nicht mehr so traditionell wie vor einigen Jahrzehnten. Dieser Wandlungen zeigen sich bei weiblichen wie männlichen Vornamen. Tradition mag in Japan wichtig sein, die Moderne zeigt aber einige Abwandlungen mit neuen Ideen, die nicht jedem Japaner gefallen.

Titelfoto: von Evelyn_Chai, via Pixabay.

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