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Rituale in Japan: skurrile Bräuche aus Nippon

Japan ist seit jeher ein Land der Rituale. Diese reichen allerdings weit über die mit Ritualen oft assoziierte Sphäre des Religiösen hinaus. So sind zum Beispiel ritualisierte Formen des Umgangs miteinander in Japan heute deutlich weiter verbreitet als in den meisten anderen Ländern. Solche Sitten und Bräuche – wie die Verbeugung statt dem Händeschütteln – treiben mitunter für uns Westeuropäer reichlich skurrile Blüten. Manche dieser Rituale sind dabei historisch tief verwurzelt, andere teils auch noch recht neu.

Wussten Sie, dass in Japan Weihnachten gefeiert wird und man zu diesem Anlass gern zu KFC geht? Oder dass die Japaner Angst vor der Nummer vier haben? Das sind nur zwei der vielen skurrilen Rituale in Japan.

Im Folgenden stellen wir Euch die skurrilsten Sitten und Bräuche in Japan vor. Von Sitten wie dem Vermeiden bestimmter Farben beim Einpacken von Geschenken bis hin zu skurrilen, ritualisierten Festivals wie dem Nackt- oder dem Penis-Festival.

 

Schräge Sitten und Umgangsformen

Vieles an den japanischen Umgangsformen erscheint uns auf den ersten Blick fremd. Da sind Verbeugungen statt Händedruck oder die Ehrerbietung gegenüber Älteren und Vorgesetzten. Das Schuhe ausziehen beim Betreten eines Hauses scheint noch der am wenigsten verwunderliche Brauch.

 

Nase hochziehen, nicht putzen

In Japan gilt es als äußerst ungehörig, sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen oder zu Niesen. Daher wird man in Japan so gut wie nie einen Japaner sehen, der sich die Nase putzt. Stattdessen ist es in Japan durchaus üblich, den Schnupfen durch die Nase „hochzuziehen“, was hierzulande mit unserem Knigge und seinen Ideen zu Niesen und Nase putzen natürlich absolut verpönt ist.

Am besten geht man in Japan auf die Toilette, um sich die Nase zu putzen. Da erregt man dann keinen kleinen Skandal.

Nase putzen in Japan verboten

Nie in der Öffentlichkeit! Schon die Kleinen werden dazu erzogen, sich beim Naseputzen zurückzuziehen.

Foto © Luisella Planeta Leoni auf Pixabay 

Sag niemals Nein

Der Bond Film heißt „Sag niemals nie“, in Japan muss es hingegen „Sag niemals Nein“ heißen. Zwar existiert ein Wort für „Nein“ in der japanischen Sprache, dieses wird aber so gut wie nicht genutzt.

Statt etwas direkt und klar abzulehnen, werden Japaner immer einen Umweg suchen, um ihre Ablehnung auszudrücken und greifen dafür auch gerne auf Gesten und Körperhaltung zurück. So ist die Verbindung eines leicht schief gelegten Kopfes mit dem Fassen in den Nacken z.B. solch ein Zeichen, dass etwas leider nicht möglich ist.

 

Verbotene Farben

Farben haben in Japan eine ihnen zugeordnete Bedeutung, die auch heute noch eine wichtige Rolle spielen. Gerade bei Geschenken und dem Mitbringen von Blumen sollte man daher in der Regel die Farben Weiß und Gelb meiden.

Weiß steht für Trauer – und weiße Blumen gehören sich damit nur zu Beerdigungen. Gelb wiederum steht für Hinterlist und sollte damit generell vermieden werden, wenn man keinen schlechten Eindruck hinterlassen möchte.

Weitere Tabus, die man beim Schenken in Japan vermeiden sollte, erfahren Sie in unserem Artikel „So funktioniert schenken in Japan – eine Kunst für sich“.

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In japanischen Gebäuden fehlen oft die Stockwerke 413 und 14.

Foto © Chrisobyrne, bearbeitet, CC BY-SA 3.0

Tetraphobie – die Angst vor der 4

Die Tetraphobie ist kein rein japanisches Phänomen, sondern lässt sich in fast allen Teilen Ostasiens finden, vor allem in China und Korea. Hintergrund ist der Aberglaube, dass die Zahl „Vier“ Unglück bringt.

Eine Vorstellung, die übrigens auch in Teilen Italiens verbreitet ist, wo die Form der Zahl vier mit einem offenen Sarg verglichen wird. In Japan geht man so weit, die 4 in Gebäuden und Hausnummern möglichst ganz zu vermeiden. So gibt es kein Haus Nummer vier und keine vierte Etage. Oft fällt heute zusätzlich aufgrund des westlichen Aberglaubens auch noch die dreizehnte Etage weg.

Skurrile Rituale und Festivals

Japan ist ein Land der rituellen und religiösen Feste. Als buddhistisch und shintoistisch geprägtes Land sind diese uns dabei nicht selten fremd oder kommen dem Westeuropäer gleich rundheraus skurril vor. Die Festivals haben dabei alle einen religiösen Hintergrund, sind aber heute teils auch beliebte Touristenattraktionen.

Teilnehmer des Hadaka Matsuri in Saidaiji in Okayama erhalten die  Reinigung durch Wasser.

Teilnehmer des Hadaka Matsuri in Saidaiji in Okayama erhalten die  Reinigung durch Wasser.

Foto © CESHadaka Matsuri smallCC BY-SA 3.0

Hadaka Matsuri – das Nackt-Festival

Die Teilnahme an den im Sommer oder Winter an über 20 Orten in Japan stattfindenden Hadaka Matsuri (裸祭り) oder Nackt-Festivals soll den Teilnehmern Glück für ein ganzes Jahr bringen.

Bei dem Festival treffen sich lediglich mit einem japanischen Lendenschurz und einem Stirnband bekleidete Männer. Selten sind manche Teilnehmer auch völlig nackt dabei. Schätzungen zufolge nehmen rund 9.000 japanische Männer jährlich an Hadaka Matsuri Festivals teil.

 

Kanamara-Matsuri – das Penis-Festival in Kawasaki

Die Ursprünge des erst 1969 erstmals durchgeführten Kanamara-Matsuri (かなまら祭, „Fest des stählernen Penis“) gehen wohl auf eine ursprünglich noch von den Ainu, den Ureinwohnern Japans stammende Legende zurück.

In dieser versteckt sich ein verliebter Dämon in der Vagina eines jungen Mädchens und beißt ihren Männern den Penis ab. Ein Schmied half dem Mädchen, indem er ihr einen stählernen Penis schmiedete, an dem sich der Dämon wortwörtlich die Zähne ausbiss.

Zum heutigen Festival am shintoistischen Kanayama-Schrein in Kawasaki dreht sich damit auch alles um den Phallus – als stählerne Statue, die in einer Prozession herumgetragen wird, als Backwerk zum Naschen und geschnitzt oder gezeichnet als Souvenir.

Historisch zogen Prostituierte zum Schrein, um sich Schutz vor Geschlechtskrankheiten zu erbitten. Daneben steht der Schrein für geschäftliches Wohlergehen, einfache Geburt und ähnliches. Heute wird das Festival auch für Spendenkampagnen für die Aids-Forschung genutzt.

 

Das Mukonage-Festival: Wiedergutmachung für die „geraubten“ Töchter des Dorfes

Bei dem in der Region um die Stadt Tokamachi wohl in der Edo-Zeit entstandene Mukonage-Festival werden neu vermählte Ehemänner um das neue Jahr als Silvester-Brauch von einem Schrein in den tiefen Schnee geworfen. Anschließend sitzt man gemeinsam an einem Lagerfeuer, bis dieses heruntergebrannt ist und schmiert sich dann gegenseitig das Gesicht mit einer Mischung aus Asche und Schnee ein.

Ursprünglich sollte mit diesem Festival der Verlust einer Tochter in einem Dorf durch Heirat an einen Mann aus einem anderen Dorf sozusagen wiedergutgemacht werden. Heute ist der Brauch ein Ritual, mit dem eine glückliche Ehe erbeten und das Band zwischen den frisch Vermählten gestärkt wird.

 

Weihnachten in Japan: ganz viel Liebe und KFC

In Japan, wo der Anteil an Christen bei gerade mal um die 1% liegt, ist Weihnachten kein religiöses Fest und die Weihnachtsgeschichte rund um die Geburt Jesus Christi spielt keine Rolle. Trotzdem feiern die Japaner Weihnachten auf ihre eigene Art.

Die noch recht neue Tradition hat aus Weihnachten dabei so etwas wie einen zweiten Valentinstag gemacht. So verbringt man dieses Fest insbesondere mit dem oder der Liebsten und genießt die aufwendigen weihnachtlich-winterlichen Lichtdekorationen, die in Japan sehr beliebt sind.

Skurril ist der Brauch mit seinem Partner romantisch Hühnchen essen zu gehen – und das möglichst bei der Fast-Food-Kette KFC (Kentucky Fried Chicken). Schuld an dieser Tradition ist ein Werbespot aus 1970er Jahren. Der Slogan Kurisumasu ni wa Kentakkii (an Weihnachten KFC) und die Kampagne waren so erfolgreich, dass der Filialleiter, der die Idee zu dieser hatte, anschließend gar zum Chef von KFC Japan wurde.

Nein

Für Nicht-Japaner schwer zu entschlüsseln: verneinende Geste in Japan.

billow926 on Unsplash

 

Yakudoshi: der Aberglaube von den Unglücksjahren

In der japanischen Vorstellung sind manche Jahre im Leben eines Menschen durch besonderes Glück oder Unglück geprägt. Die Unglücksjahre werden als Yakudoshi bezeichnet und sind für Männer und Frauen unterschiedlich.

Yakudoshi für Männer:

  • 25 Jahre
  • 42 Jahre
  • 61 Jahre

Yakudoshi für Frauen:

  • 19 Jahre
  • 33 Jahre
  • 37 Jahre

Besonders unglücklich gilt für den Mann das Lebensalter 42, auch taiyaku (大厄) genannt, für Frauen hingegen gilt das Alter von 33 Jahren oder honyaku (本厄) sowie das davor wie danach gelegene Jahr als kritisch. Die 30er sind für Frauen in Japan so scheinbar die schlimmste Zeit – zwei Yakudoshi knapp hintereinander.

Natürlich gibt es aber auch Ratschläge, wie man dem Unglück begegnen und das Schlimmste verhindern kann:

  • Maeyaku: man soll große Investitionen vermeiden und auf Konflikte zwischen den Menschen achten sowie Pläne vorbereiten und diese reflektieren.
  • Hon´yaku: Vorsicht walten lassen, um Unfälle, Krankheiten und Probleme möglichst zu vermeiden. Außerdem soll man auf geistige und körperliche Ausgeglichenheit achten.
  • Atoyaku: Ruhe bewahren und keine überstürzten Entscheidungen treffen. Eigentlich immer ein guter Rat gilt dies bei einem Unglücksjahr besonders.

 

 

Lesen Sie mehr zum Thema: 

Dajare – japanische Wortspiele mit Humor und Tiefgang

Omikuji – heilige kleine Glückslose aus Japan

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Titelfoto: Catrin JohnsonUnsplash

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