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Olympia 2020 – Tokio ist trotz vieler Hindernisse bereit

Endlich ist es soweit – 2020 trägt Japan zum ersten Mal seit 1964 wieder die Olympischen Sommerspiele sowie die Paralympics aus. Natürlich geht das nicht ohne die üblichen Probleme und Kritik von Kostenexplosion bis hin zu Anschuldigungen von Korruption vonstatten. Trotzdem setzt man in Japan große Hoffnungen auf die Spiele und die Bevölkerung ist trotz allem begeistert mit dabei. Die Tickets für die verschiedenen Disziplinen und Austragungsorte waren in Rekordzeit ausverkauft.

Endlich also wieder einmal Spiele, bei denen die Ränge wohl vollgepackt sein dürften. Für Japan und den Regierungschef Abe stellen die Olympischen Spiele eine Möglichkeit dar, ihr Land in den Fokus der weltweiten Öffentlichkeit zu bringen.

 

Roboter und fliegende Autos – die Besonderheiten bei Olympia 2020

Japan galt einmal als führendes Technologieland. Mit der immer mehr erstarkenden Konkurrenz aus Korea, China und den USA ist die Führungsposition in diesem Bereich heute hart umkämpft. Bei den Sommerspielen 1964 präsentierte sich Japan als ein modernes Land mit für damalige Verhältnisse hypermoderner Infrastruktur und technischen Wundern wie dem Shinkansen, dem damals bei weitem schnellsten Zug der Welt, der bis heute gebaut wird und in Betrieb ist.

Für die Spiele 2020 will sich Japan nun wieder von seiner innovativen Seite zeigen. Dabei setzt man auf Roboter und Robotik, eine Technik, in der Japan nach wie vor führend ist. Roboter sollen Besucher begrüßen und mit diesen interagieren – ein Blick in die Zukunft, wo doch die Anwendungsmöglichkeiten der Robotik sich gerade gewaltig ausweiten und wohl schon bald aus den Laboren und Fertigungsstraßen in das alltägliche Leben der Industriegesellschaften ausbrechen dürften. Gerade in der Pflege, Medizintechnik, als Gesellschafter und einfache Dienstleistungen werden die Roboter wohl bald einen Siegeszug antreten. Ein besonderes Gimmick wie aus einem James Bond Film wird das von Toyota eigens für die Olympischen Spiele entwickelte fliegende Auto sein, mit diesem soll die olympische Flamme entzündet werden.

Auch das Roboter Maskottchen wird von Toyota zur Verfügung gestellt

 

Nationalstadion & andere Austragungsorte – Japan liegt voll im Zeitplan

Wie kaum anders zu erwarten, beweist Japan seine Effizienz auch in der Infrastruktur und Bauprogrammen rund um Olympia 2020. Schon im November 2019 eröffnete das neue Nationalstadion in Tokio mit 60.000 Sitzplätzen, die nach den olympischen Spielen, für die besondere Vorschriften gelten, sogar auf 68.000 erhöht werden. Die Bauzeit für das 1,3 Milliarden teure Stadion liegt bei 3 Jahren. Natürlich werden die Eröffnungs- und Schlussfeiern für die olympischen Sommerspiele wie für die Paralympics dort stattfinden werden.

Stadion der Olympischen Spiele und Paralympics
Das Neue Nationalstadion wird Hauptaustragungsort der Olympischen Sommerspiele - Bild: © Arne Müseler - wikimedia

Auch die anderen Projekte, die für die olympische Infrastruktur gebaut werden mussten, sind größtenteils schon fertig gestellt oder stehen kurz vor der Abnahme. Natürlich gibt es auch in Japan Diskussionen um die nachfolgende Nutzung der demokratischen Austragungsorte. Man muss hoffen, dass sich Japan an dem wirklich vorteilhaften Erfolg der Spiele in London orientiert, die sich sehr positiv auf vorher randständige Teile der englischen Hauptstadt ausgewirkt haben.

 

Kontroversen rund um Olympia 2020 in Tokio

Olympia geht nie ohne Meinungsverschiedenheiten einher. Die Klassiker: Kosten, nachfolgende Nutzung, Skandale und Korruption. Natürlich gibt es daneben auch immer wieder generelle Kritik an den olympischen Spielen als solchen, diese soll hier aber vernachlässigt werden.

Der Austragungszeitpunkt: Spiele mitten im heißen Sommer

Eine Besonderheit für die Austragung in Japan ist der Zeitpunkt: Mitten im sehr heißen und oft schwülen Sommer. Die Spiele 1964 wurden noch im sehr viel milderen Oktober ausgetragen, was für Sportler wie Zuschauer sicher deutlich angenehmer und gesundheitlich besser war. 2020 finden die Spiele vom 27. Juli bis zum 09. August statt, mitten in der heißesten Zeit des Jahres in Japan. Und das bedeutet Schwitzen, immerhin starben in den letzten beiden Sommern rund 1000 Menschen an Begleiterscheinungen der großen Hitze, allein 150 davon in Tokio selbst.

In Tokio ist es heiß und schwül im Sommer
Im Sommer liegen die Temperaturen in Tokio um die 30 Grad, auch Nachts kühlt es kaum ab. - Bild: © Antoine Cantoro - Unsplash

Grund für die Austragung mitten im Sommer sind vor allem die Fernsehrechte, aus denen das internationale olympische Komitee (IOC) einen Großteil seiner Einnahmen generiert. Immerhin fast die Hälfte der Gesamteinnahmen durch Fernsehrechte entfallen auf den US-amerikanischen Markt, so dass besondere Rücksicht auf den amerikanischen Sportkalender und dessen Großereignisse wie die Superbowl genommen wird, obwohl allen Beteiligten klar sein dürfte, dass ein früherer oder späterer Zeitpunkt für die Austragung der Spiele deutlich besser für Sportler und Zuschauer wäre.

 

Die Kosten: mehr als doppelt so teuer

Die Austragung der olympischen Sommer- wie Winterspiele ist immer eine teure Angelegenheit. Hinzu kommt, das öffentliche Bauprojekte, ja Bauprojekte überhaupt, häufig die zuvor projizierten Kosten sprengen. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern auf der ganzen Welt eine bedauerliche Wirklichkeit. Die Gesamtkosten für die Baumaßnahmen und Infrastrukturprojekte in Japan sowie andere mit den Spielen verbundene Kosten belaufen sich inzwischen wohl auf rund 27 Milliarden Euro. Das ist gut doppelt so teuer, wie ursprünglich veranschlagt und natürlich ein Kritikpunkt in der japanischen Gesellschaft. Positiv muss hingegen gesagt werden, dass die Japaner mit ihrer stark alternden Bevölkerung wohl Olympische Spiele anbieten werden, die wirklich Barrierefrei sein dürften.

Olympiade ist oft meistens teurer als geplant
Im Durchschnitt sind die Kosten der Olympischen Spiele 156% höher als angesetzt - Bild: © 江戸村のとくぞう - wikimedia

 

Die gute alte Korruption

Keine Olympischen Spiele ohne Korruptionsskandal, das ist inzwischen ja schon beinahe gute alte Tradition. Diesmal hat es den 71-jährigen Tsunekazu Takeda erwischt, Präsident des JOC (Olympisches Komitee Japans) und Mitglied des IOC. Nach den Vorwürfen über Bestechungen, um neben den olympischen Sommerspielen auch die Paralympics nach Tokio zu holen, trat Takeda im Frühling 2019 von seinen Ämtern zurück. Ein herber Schlag und Gesichtsverlust für den langjährigen obersten olympischen Offiziellen in Japan und wieder mal ein Skandal, der zeigt, wie anfällig die Systeme internationaler Sportveranstaltungen für Korruption sind.

 

Fukushima – Kontroverse um den symbolischen Austragungsort

Nach dem schweren Erdbeben und Tsunami im Jahr 2011 ist die Region Fukushima mitsamt dem dort gelegenen Atomkraftwerk zu trauriger Berühmtheit gelangt. Das wohl schwerste Reaktorunglück seit Tschernobyl hat die ganze Region im Nordosten Japans wirtschaftlich zurückgeworfen und teilweise mit starken radioaktiven Belastungen zurückgelassen. Nach dem weitgehenden Abschluss der Aufräumarbeiten und einem deutlichen Absinken der Strahlung steht für die Region Fukushima jetzt der Wiederaufbau im Programm.

Hier soll Olympia 2020 einen Anstoß und ein Zeichen setzen. Dabei fällt das Engagement allerdings eher symbolisch aus und in Yokohama, der Hauptstadt der Region Fukushima, werden in dessen neu renoviertem Stadion Baseball und Softball durch die japanische Mannschaft ausgetragen. Gerade Baseball ist in Japan natürlich eine der beliebtesten Sportarten, was Medieninteresse und Zuschauer garantieren wird, die Menschen in der Region hätten sich wohl aber mehr erhofft – bei den riesigen Investitionssummen, mit denen bei olympischen Spielen hantiert wird.

Das Yokohama Stadium wurde 2007 renoviert
Das Stadion bietet Platz für 30.000 Zuschauer - Bild: © 大関章寛 - wikimedia

 

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