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Der neue Wohntrend Kanso – Zen-Philosophie für japanische Wohnräume

Aus Japan gibt es immer wieder neue Wohntrends. Das moderne Japan ist dabei vor allem für die großen Städte mit ihren Hochhäusern und den relativ kleinen Wohnungen bekannt. Japanische Einrichtungen sind daher vor allem auf praktische Gesichtspunkte ausgelegt, was sich ebenfalls bei dem neuen Wohntrend Kanso zeigt, der durch die in Japan verbreitete Zen-Philosophie beeinflusst wird.

Kanso steht dabei für Minimalismus und Wertschätzung. Die Einrichtung der Wohnung oder des Hauses soll auf das Nötigste reduziert werden. Die Möbel, Textilien und Deko-Gegenstände sollen die größtmögliche Wertschätzung erhalten und mit Bedacht ausgewählt werden, sodass sie nicht nach einem halben Jahr wieder in der Mülltonne landen. Daher steht der Einrichtungsstil für die Reduktion auf das Wesentliche – Ablenkungen sind unerwünscht.

Der Einrichtungsstil nach Prinzipien der buddhistischen Philosophie

Kanso ist eines der sieben Prinzipien der Zen-Philosophie. Ziel ist es dabei, einen Zustand des Bewusstseins zu erreichen, der die Unvollkommenheit und Unbeständigkeit der Dinge (Wabi Sabi) erkennt. Neben dem Kanso (Schlichtheit) sind die Konzepte Fukinsei (Asymmetrie), Koko (Sparsamkeit) und Shizen (Natürlichkeit), Yugen (Gnade), Datsuzoku (Freiheit) und Seijaku (Ruhe) von besonderer Bedeutung.

Stein-Dekoration in der Zen-Philosophie
Steine werden bei Zen-Einrichtungen gerne als symbolische Deko genutzt. Foto: von wuestenigel, CC BY 2.0.

Diese 7 Zen-Prinzipien finden sich in der Natur, dem menschlichen Charakter und auch seinem Verhalten wieder. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es ebenfalls einen Einrichtungsstil gibt, welcher dem Prinzip der Schlichtheit entspricht. Im Gegensatz zum Wabi Sabi steht beim Kanso aber der Minimalismus im Vordergrund.

Was bedeutet das Kanso-Prinzip für die Zimmereinrichtung?

Im praktischen Sinne wird Kanso in der Innenarchitektur mit der Beseitigung von Unordnung durch das Gefallen der Einfachheit übersetzt. Marie Kondo ist eine japanische Essayschreiberin, und hat diese Regel für die Kanso-Einrichtungsstile definiert.

Ein minimalistisches Kaminzimmer nach Kanso
Beim Kanso wird bewusst auf unnötiges Interieur verzichtet. Minimalistische Raumgestaltung steht im Vordergrund. Foto: von Jeremy Levine Design, CC BY 2.0.

Am wichtigsten bei der Anwendung von Kanso im täglichen Leben ist es, nicht an Dekoration, sondern an Klarheit zu denken. Alle Gegenstände, die nicht wesentlich sind, sollen weggelassen oder ausgeschlossen werden.

Japanische Innenräume werden häufig nach dem Kanso-Prinzip organisiert. Der Platz ist in den kleinen Räumen oft begrenzt. Außerdem teilen sich zuweilen mehrere Familienmitglieder einen Raum, was eine Begrenzung auf das Wesentliche unausweichlich macht. Hinzu kommt der Faktor der ständigen Bedrohung durch Naturkatastrophen, der Japan zum Land der Vergänglichkeit macht. Durch das Wissen wird es verständlicher, warum manche Japaner weniger Besitztümer in ihre Wohnung stellen, denn dann verliert man auch weniger.

Die Leere steht im Vordergrund

Durch die Vereinfachung der Inneneinrichtung kommt es zu einer stärkeren Wertschätzung der verbliebenen Gegenstände. Der leere Raum („ma“ genannt) steht für die Ästhetik im Kanso. Er kombiniert dabei die Einfachheit mit dem Vorhandensein von notwendigen Elementen und lenkt somit die Aufmerksamkeit auf das wirklich Wichtige.

Leere und aufgeräumte Zimmer stehen für den Kanso-Stil
Die Leere macht das Kanso aus, auch wenn sie gespenstisch sein kann. Foto: von NeilGHamilton, CC BY 2.0.

Die Bewegung der Energie in einem Raum wird durch die Anzahl der Gegenstände beeinflusst. Je mehr Objekte sich in einem Raum befinden, desto schwieriger ist der Energiefluss. Es entsteht eine hektische Atmosphäre. Die Reduktion auf das Nötigste, also das Behalten von Gegenstände mit einer Funktion, hilf dabei mehr Raum für ruhige Momente der Kontemplation zu schaffen.

Kanso kann dabei in jedem Raum Anwendung finden, denn fast überall gibt es Gegenstände, die eigentlich keinen Nutzen haben. Fallen Ihnen spontan einige Dekorationsartikel in Ihrer Wohnung ein?

Das Nötigste im Wohnzimmer

Was braucht es in einem modernen Wohnzimmer? Eigentlich lediglich ein einfaches und bequemes Sofa und vielleicht einen Tisch. Die Schrankwand ist vielleicht schön anzusehen, aber viele Gegenstände in ihr braucht es eigentlich gar nicht. Ihnen fallen bestimmt einige Gegenstände sofort ein, die Sie immer wieder sehen, aber nie benutzen. Wenn nicht, machen Sie einmal eine Schranktür an und fragen sich, wann Sie diese oder jene Tasse das letzte Mal benutzt haben.

Nur das nötigste in einem Wohnzimmer
Beim Kanso wird die Inneneinrichtung im Wohnzimmer auf das notwendigste reduziert. Foto: von Rooey202, CC BY 2.0.

Es geht demnach darum, die menschliche Sehnsucht nach Ruhe und Einfachheit zu stillen. Eine bescheidende Möbelauswahl und minimalistische Kunstwerke können dabei helfen. Vielleicht empfinden Sie auch den Fernseher oder Beamer als notwendig – diese Entscheidungen müssen von Ihnen individuell getroffen werden.

Kanso im Schlafzimmer

Braucht es mehr als ein Bett, ein kleines Nachtschränkchen, eine Lampe und vielleicht einen Kleiderschrank im Schlafzimmer? Ordnung im Äußeren sorgt für Klarheit im Inneren. Das minimalistische Prinzip kann auch im Schlafraum gute Ergebnisse erzielen.

Nur das Notwendigste im Kanso-Schlafzimmer
Ein Schlafzimmer nach Kanso - Futonbett und ein kleiner Nachttisch. Foto: von Jeremy Levine Design, CC BY 2.0.

Die beruhigende Atmosphäre kann durch dezente Farben, ein hohes Maß an Ordnung, wenige sowie spezielle ausgesuchte Accessoires erreicht werden. Die Reduktion der Schlafzimmergestaltung auf das Nötigste sorgt für einen Raum frei von Unordnung, was sich auch am Geist bemerkbar machen wird.

Reine Funktionalität in der Küche

Im Kern von Kanso steht die Wertschätzung der Dinge, mit denen wir uns umgeben. Wir nehmen die Gegenstände täglich in die Hand und pflegen sie, weil sie eine Funktion für uns haben. Bei der Kücheneinrichtung geht es um das Geschirr, die Töpfe, die Kochutensilien und Pfannen, den Esstisch und vielleicht die Stühle. Eine Sammlung von Dekor-Tassen wäre nach dem Prinzip völlig unnötig. Zudem sollten Sie sich genau überlegen, welche Küchengeräte wirklich notwendig sind. Nicht immer braucht es ein spezialisiertes Kochutensil.

In der Kanso Küche gibt es keine Deko
Die Küche kann ebenfalls im Kanso-Stil eingerichtet werden. Entfernen Sie alles, was sie nicht unbedingt nutzen. Foto: von Rooey202, CC BY 2.0.

Braucht es einen Wasserkocher, die Eismaschine, den Sandwichmaker oder den Spargeltopf? Man benutzt einige Gegenstände ein paar Mal und den Rest der Zeit stehen sie im Schrank. Es geht immer auch einfacher – denken Sie einmal nach, wie Sie sich auf das Nötigste beschränken können.

Ein Bad ohne Dekoration

Beim Kanso Bad ist Verzicht unerlässlich
Im Kanso-Bad gibt es keine überflüssigen Gegenstände. Foto: von NancyHugoCKD.com, CC BY-ND 2.0.

Das Bad wird in modernen Zeiten gerne als Wellness-Tempel ausgebaut. Nach dem Kanso-Prinzip sollte hier ebenfalls die Beschränkung auf das Wesentliche erfolgen. Eine Waschmaschine, ein kleiner Schrank für Wasch- und Putzmittel und vielleicht ein Handtuchhalter könnten als Einrichtungsgegenstände reichen. Ansonsten wäre ein Spiegel über dem Waschbecken noch hilfreich. Die Toiletten und wenigstens eine Dusche gehört zur Minimalausstattung.

Welche Unterschiede gibt es zum Wabi Sabi Einrichtungsstil?

Wabi Sabi wird oft als asiatisches Innenarchitekturkonzept erwähnt. In der Ästhetik ist es ebenfalls als „melancholische Schönheit“ bekannt. Es sagt uns, dass Dinge nicht perfekt oder super raffiniert sein müssen, um schön zu sein. Im großen Lauf des Lebens ist alles in einem nie endenden Kreis von Tod und Wiedergeburt in Bewegung.

Bücherregal mit Wabi Sabi Dekoration
Wabi Sabi ist mehr als nur Verzicht – einzelne dekorative Elemente kommen dezent hinzu. Foto: von rabiem22, CC BY 2.0.

Währenddessen ist Kanso im japanischen Design die Beseitigung von Verzierungen. Einfache Gegenstände sollen ihre Natur und damit Wahrhaftigkeit ausdrücken. Wabi Sabi lässt sich aber nicht ohne das Prinzip des Kanso erreichen, es ist ein Teil davon. Daher wird es bei den Wohnraumstilen immer Überschneidungen geben, wobei jedoch andere Gesichtspunkte herausgestellt werden.

Kanso als Hilfe zum Ausmisten?

Kanso Wohn- und Fernsehzimmer
Im Kanso kann auch ein Fernseher einen Platz finden. Foto: von Qu1m, CC BY 2.0.

Mit Hilfe des Kanso-Prinzips können Sie in ihren Räumen und Zimmern endlich einmal alles ausmisten, was sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten bei Ihnen angesammelt hat. Vieles hatten Sie wahrscheinlich nicht einmal in der Hand. Haben Sie Mut und reinigen Sie ihre Räume von dem unnötigen Ballast. Erst danach steht das Zimmer für die Reinigung des Ballastes der Seele zur Verfügung – das ist die Funktion, welche ein Raum im Kanso haben sollte.

Titelfoto: "Orange22 Design Lab Shop - Modern Innovations, Furniture and Home Decor — Minimal Float Wall Desk - Walnut" von Wicker Paradise, via flickr.

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