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Japanische Kultur: Dō – der „Weg“ der Japaner zu innerem Frieden

Japanische Kultur fasziniert mit ihren vielfältigen Facetten Menschen auf der ganzen Welt. Neben Ästhetik und Design oder popkulturellen Phänomenen wie Mangas spielen dabei auch eher philosophische Konzepte eine Rolle. So etwa bei den traditionellen Dō (道, japanisch dō oder minchi, übersetzt: Weg, Pfad), die man am ehesten als Wege zur Harmonie beschreiben kann.

Die japanischen Dō oder Wege entstammen dem in Japan entwickelten Zen-Buddhismus und ergänzen andere Formen der Verinnerlichung wie die Meditation. Dabei baut der Begriff auf einer noch älteren, chinesischen Philosophie auf, die im Westen als Daoismus bezeichnet wird. Dies zeigt sich auch in der Verwendung des Schriftzeichens oder Kanjis für Dō, das mit dem chinesischen Zeichen für Dào identisch ist. Die japanischen Dō bauen auf der strengen Einhaltung und repetitiven Wiederholung überlieferter Formen und Handlungen, den so genannten Kata, auf.

In dieser Limitierung der Möglichkeiten findet sich auch bis heute der stärkste Bezug zum Zen-Buddhismus wieder. Dieser geht davon aus, dass Meisterschaft und Selbsterkenntnis nur durch Selbstbeschränkung und durch die Beschränkung der Handlungsfreiheit sowie der Verneinung des gestaltenden Ichs zu erreichen ist.

Do-der Weg Ikebana

Kunstvolle Schlichtheit: die Kunst des Ikebana besteht darin, aus nur einzelnen, ausgewählten Pflanzen eine Harmonie von linearem Aufbau, Rhythmik und Farbe darzustellen.

Foto © Linh Le on Unsplash

Aber ganz soweit muss natürlich nicht jeder bei der Ausübung dieser japanischen „Wege“ gehen.

Was aber sind denn nun diese Wege? Die verschiedenen Disziplinen, die als Dō in Japan Verbreitung gefunden haben sind sehr vielfältig und reichen von der Kalligraphie über Blumenarrangements bis hin zu verschiedenen Kampfkünsten wie dem Judō. Diese stellen wir ihnen jetzt vor.

 

Japan Kultur: Die Disziplinen des Dō – Schreiben, Blumen, Tee und mehr

Zu den Disziplinen des Dō gehören ganz unterschiedliche Disziplinen oder Künste. Ursprünglich basieren die als Dō ausgeführten Künste auf überlieferten Katas. Durch Wiederholung wird die Ausübung eines dieser „Wege“ zu einer besonderen Form der Meditation.

Einige der Künste oder Disziplinen werden in unserem westlichen Kulturkreis mal als Sport, mal als Zeremonie oder als Kunsthandwerk wahrgenommen. Das ist gleichermaßen richtig wie falsch.

Kyudo-bogenschiessen Do - Japan

Kyūdō Anleitung von 1878: Ein Samurai mit gezogenem Bogen, kurz vor dem Abschuss eines Pfeils auf die verschiedene Arten von Zielen: Mato-Standardziel , 2 Hasami-Mono-Quadrat-Ziel , 3 Maru-Mono- Ziel; 4 kusajishi,

不明 - Library of Congress, パブリック・ドメイン, Wikimedia jp

Von vielen Dō bestehen Formen, die nicht streng auf Meditation ausgelegt sind, wie dies ursprünglich der Fall gewesen sein mag. Ein gutes Beispiel ist das Kadō: Blumenweg oder Weg der Blumen ist das Stecken von Blumenarrangements. Diese Disziplin hat in ihrer freieren, kunsthandwerklichen Form als Ikebana inzwischen weltweit glühende Anhänger gefunden.

Ganz ähnlich sieht es mit dem „Weg des Tees“, japanisch: Sadō oder Chado aus. Dieser wird gerne als japanische Teezeremonie bezeichnet und – in meist leicht abgewandelter Form – auch hierzulande angeboten bzw. zelebriert.

Sado-japanische Teezeremonie

Die japanische Teezeremonie folgt festen Ritualen und Bewegungsmustern. Ihr Studium erfordert viel Hingabe und Präzision.

Foto © Roméo A. on Unsplash

Eine ganze Gruppe unterschiedlicher Wege vereint das Budō, übersetzt „Weg des Kriegers“. Hieraus entwickelt sich auch das Bushidō, der Ehrenkodex der Samurai.

Zuletzt ist die japanische Kunst der Kalligraphie zu nennen. Zu dieser gibt es die meditative Wege-Form des Shodō, übersetzt „Weg des Schreibens“.

 

Die Disziplinen des japanische „Do“ im Überblick:

  • Kadō (華道, Weg der Blumen): das Anfertigen von Blumenarrangements nach vorgegebenen Mustern, Formen und Handlungsabläufen (kata).
  • Sadō (茶道, Weg des Tees): eine nach strengen Regeln ablaufende Zusammenkunft zum Tee trinken, zu der in ihrer strengen Form sowohl Poesie als auch meditative Betrachtung und Eingehen auf die Jahreszeiten gehören.
  • Budō (武道, Weg des Kriegers): Oberbegriff für die japanischen Kampfkünste, sowohl bewaffnet als auch unbewaffnet, in einer Form, die auf das Innere des Übenden abzielt und nicht auf reine Effizienz (dies wäre Bujutsu).
  • Shodō (書道, Weg des Schreibens): strengen Regeln und Formalien folgende Form der japanischen Kalligraphie.

 

Japan Budō – die japanischen Kampfkünste: Judō, Aikidō u.a.

Das japanische Budō bildet so etwas wie den Überbegriff für verschiedene japanische Kampfkünste. Diese reichen von bewaffneten Kampfstilen wie dem Schwertkampf (剣道 Kendō) oder dem Bogenschießen (弓道 Kyūdō) bis zu den hierzulande deutlich bekannteren unbewaffneten Kampfsportarten wie Judo oder Karate (eigentlich: Karatedō – Weg der leeren Hand).

Kendo - japanischer Schwertkampf

Kendō als Weg lehrt nicht nur die Techniken und Taktiken des Schwertkampfs, sondern soll vor allem Charakterfestigkeit, Entschlossenheit und moralische Stärke bilden.

Foto ©  Bernd Viefhues on Unsplash

Ein „Weg“ des Budō, der erst im 20. Jahrhundert aus dem Daitō-Ryū Aiki-Jūjutsu Kampfstil entwickelt wurde, ist das betont defensive Aikido bzw. Aikidō.

Wie bei den anderen „Wegen“ ist auch den unterschiedlichen Disziplinen des Budō die Verwendung der Kata gemeinsam. Vorgeschriebene Bewegungsabläufe und Haltungen (oft auch aneinandergereiht) werden immer wieder wiederholt.

In der im Westen eher üblichen Form des „Sportes“, der neben der inneren Einkehr stark auf körperliche Ertüchtigung und Wettkampf setzt, ist die Bedeutung dieser Kata im Training heute meist abweichend vom ursprünglichen Sinne der Meditation und Vervollkommnung.

Mokuso Meditation vor und nach dem Training in der Tradition des Zazen - Budo

Beim Mokuso (jap. 黙想 „ruhiges Denken“), der Meditation vor und nach dem Training in der Tradition des Zazen, sollen sich die Sportler vom Alltag lösen und geistig auf das Training vorbereiten.

Foto:  Thao Le Hoang on Unsplash

Die traditionellen Disziplinen des Budō spielen auch eine wichtige Rolle im Bushidō (武士道, Weg des Kriegers), dem Ehrenkodex der Samurai mit seinen sieben Tugenden:

  • Gi (義): Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Rechtlichkeit
  • Yu (勇): Mut
  • Jin (仁): Menschlichkeit
  • Rei (礼): Höflichkeit
  • Makoto (誠) oder Shin (真): Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Unverfälschtheit
  • Meiyo (名誉): Ehrbewusstsein
  • Chūgi (忠義), auch Chū (忠): Loyalität, Pflichtbewusstsein

Eine Sonderform der Kampfkünste in Japan ist das Ninjutsu (忍術), die Kampfkunst der auf Heimlichkeit und Spionage ausgelegten Ninja. Diese waren eher Agenten (jap. Shinobi, 忍) als Meuchelmörder, wie sie in Filmen heute gerne dargestellt werden.

 

Shodō – Japanische Kalligraphie oder der Weg des Schreibens

Wie die Form der „Wege“, die aus dem chinesischen Dào entwickelt wurden, stammt auch die traditionelle Kalligraphie in der japanischen Kultur ursprünglich aus China. Übrigens wurde von dem auch das Schriftsystem der Kanji übernommen.

Shodo ist „Der Weg der Schriftkunst“. Die Besonderheit am Shodō ist der streng regulierte Rahmen, der die Arbeit bestimmt. Dieser reicht vom Arbeitsmaterial wie Pinsel und Tinte über das Papier bis hin zu den Gesten, mit denen die Striche der Kanji gesetzt werden. Diese folgen ihren eigenen Kata. Jede Kalligrafie wird so zu einer Interpretation der an sich immer gleichen Darstellung innerhalb des vorgegebenen Rahmens.

Shodo Kalligraphie Pinsel

Der Kalligraphiepinsel ist das entscheidende Element, das die Tusche und das Washi-Papier zu einem harmonischen Kunstwerk verbindet. Er ist der verlängerte Arm des Shodo-Künstlers, über den er seine Interpretation der Schriftzeichen (Kanji) erschafft.

Foto © HeungSoon auf Pixabay

Insgesamt greift das Shodō dabei auf fünf unterschiedliche Schriftformen zurück, wie sie auch in China existieren:

  • Siegelschrift (篆書 tensho)
  • Kursivschrift (Semi-Kursivschrift, 行書 gyōsho)
  • Grasschrift (草書 sōsho)
  • Kanzleischrift (隷書 reisho)
  • Regelschrift (楷書 kaisho)

Heute setzt die Beschäftigung mit dem Shodō deutlich mehr auf das Finden eines eigenen Stils und eines expressiven Ausdrucks, als dies klassischerweise der Fall war.

Dabei werden auch die strengen Kata gedehnt oder abgewandelt. Damit wendet sich die Kunst der Kalligrafie in Japan heute mehr und mehr von ihren Wurzeln im Zen-Buddhismus und der Idee der Meditation in der Handlung ab.

Trotzdem ist Shodō nach wie vor tief in der japanischen Kultur verwurzelt. Ein Grund hierfür ist, dass die Kalligrafie lange Zeit eine prägende Kunst und Fertigkeit der japanischen Oberschicht und der Samurai war.

So sind denn auch die Werke bekannter Shodō-Meister aus allen Epochen nach wie vor unter Liebhabern dieser Kunstform nicht nur in Japan teils heiß begehrt.

 

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Origami – Die Kunst des Papierfaltens

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Titelfoto: Eine traditionelle, japanische Kalligraphie unserer Künstlerin Imako Umesaka, Do: Der Weg, im Kaisho-Stil.

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