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Shodo – Kalligraphie auf japanische Art

Im japanischen Kulturkreis steht die Silbe „do“ stets für einen „Weg“, den jemand im Leben beschreitet. Häufig wird ihr eine bestimmte Tätigkeit vorangestellt. Während beispielsweise der Weg des Kriegers (Bushido) nicht zuletzt durch den berüchtigten Rapper auch Menschen ohne Japanaffinität bekannt ist, ist der „Weg des Schreibens“ in Gestalt des Shodo weit weniger bekannt. Erklärt man den Begriff jedoch mit dem uns vertrauten Überbegriff der Kalligraphie, fällt der Groschen sofort. Jeder kennt die Kanji Schriftzeichen, die für die japanische Sprache typisch sind. Sie sind für Japaner aber weit mehr als einfache Buchstaben. So ist es wenig verwunderlich,dass das Schreiben der Kanji zu einer echten Kunst erhoben wurde. Die japanische Kalligraphie unterscheidet sich aber nicht nur durch die fremdartigen Kanji Zeichen von der europäischen Kalligraphie, bei der es heute tatsächlich in erster Linie um eine Schönschrift für besondere Anlässe geht. Die japanische Kalligraphie ist weit mehr als das. Als Schriftkunst dient sie nicht selten sogar der Meditation und wird als solche nach exakten Vorgaben durchgeführt. Wichtig ist am Ende weniger, dass das Kanji Schriftzeichen schön aussieht, sondern dass die Ausführung mit den exakt vorgegebenen Bewegungen geschieht. Ein Shodo Meister drückt mit der Kalligraphie Schrift also nicht nur ein Wort oder einen Begriff aus, sondern auch seine geistige Haltung zu dem Zeitpunkt, als er das Kanji Zeichen niederschreibt.

Ein Prieser im Schrein in Nikko schreibt eine Kalligraphie in das Tempelbuch eines Besuchers.

Kalligraphie Schrift ist im Shodo mehr als Lesestoff

Es geht bei der japanischen Kalligraphie also nicht unbedingt um die Vermittlung einer Botschaft durch die Bedeutung der Schriftzeichen alleine, sondern auch um den Zusammenhang mit der künstlerischen Schöpfungskraft, die der Kalligraphie Schrift zugrunde liegt. Damit auch wirklich der Moment des Schaffens unverfälscht festgehalten werden kann, verwendet man im Shodo eigens für diesen Zweck erfundene Kalligraphiepinsel und eine entsprechende Tusche, die japanisch Sumi genannt wird. So wie das Schwert die Erweiterung des Körpers für den Schwertkämpfer ist, stellt der Kalligraphie Pinsel die Erweiterung der Hand im Shodo dar. Einmal zu Papier gebracht, kann eine Bewegung nicht mehr ungeschehen gemacht werden, denn Korrekturen sind weder möglich noch vorgesehen. Somit erlangt jeder Strich und jeder Schwung eines Kanji Zeichen besondere Bedeutung durch die individuellen Noten des Shodo-Meisters.

Es gibt verschiedene Schreibstile für japanische Kalligraphie. Hier dargestellt ist Shosho, bei dem alle Kanji ohne den Pinsel abzusetzen geschrieben werden und der einen sehr fließenden und dekorativen Charakter besitzt.

Wenngleich die Abfolge der Bewegungen für jedes Kanji Schriftzeichen vorgegeben ist, unterscheidet sich jedes Werk im Detail durch die unterschiedlichen Einflüsse des Geistes, was letztlich Rückschlüsse auf die Bedeutung des Werks für den Künstler selbst zulässt. Vereinfacht gesagt könnte man es mit einem Musikstück vergleichen, das vom Ablauf her durch die Noten vorgegeben ist, aber von jedem Künstler je nach Gemütszustand unterschiedlich gespielt werden kann und den Zuhörer im einen Falle tief bewegen kann, während es ihn im anderen Falle möglicherweise fröhlich stimmt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Schreibstil der Kanji, wobei hier vier Stile am wichtigsten sind: Kaisho, die gerade und neutrale Schrift, mit der jeder Kalligraphie Schüler beginnt; Reisho, die Kanzleischrift mit dem altertümlichem, geradlinigen Stil; Gyosho, die halbkursive Schrift, bei der die Einzelstriche gerade noch getrennt sind; und Shosho, bei der jedes Kanji ohne abzusetzen aus einem einzigen Strich geschrieben wird und die einen sehr fließenden und dadurch eher dekorativen Charakter erhält.

Was braucht man für die japanische Kalligraphie?

Für Kalligraphie benötigt man verschiedene Kalligraphie-Pinsel, Stangentusche und einen Tuschereibstein oder flüssige Tusche und ein Gefäß, eine Pinselablage, Japanpapier in mindestens DIN A4-Größe sowie einen Namensstempel und Stempelfarbe zur Signierung des Werkes.

Wer sich mit der japanischen Kalligraphie näher beschäftigt, bekommt vielleicht Lust, es selbst einmal auszuprobieren. Erste Versuche lassen sich sicherlich mit herkömmlichem Papier, Pinsel und Farbe durchführen, doch wer eine Kunstform ernsthaft betreiben möchte, kommt um die Anschaffung der richtigen Utensilien auch beim Shodo nicht herum. Der richtige Kalligraphiepinsel ist dabei nur das erste von mehreren Elementen, die für den Künstler wichtig sind. Die bereits erwähnte Sumi Tusche wird oftmals nicht in flüssiger, sondern fester Form als Tuscheblock verkauft und vor jedem Gebrauch mithilfe eines Tuschereibsteins (Suzuri) angemischt. Diese traditionelle und Zeit beanspruchende Art der Anfertigung wird aber heute nicht mehr so eng gesehen und durchaus auch durch gebrauchsfertige Kalligraphietusche ergänzt, die in seltenen Fällen sogar mit einer Kalligraphiefeder verwendet wird. Interessant ist hierbei, dass in Japan für Shodo nur schwarze Tusche verwendet wird, während man im Ausland oft auch mehrfarbige Varianten angeboten bekommt. Aufgetragen wird die Tusche in der japanischen Kalligraphie bevorzugt auf sogenanntes Japanpapier, das Washi. Es eignet sich bestens für diesen Zweck und wird darüber hinaus auch in anderen Kunstformen verwendet. So findet man es häufig bei Künstlern, die sich dem Sumi-e widmen, der traditionellen Tuschemalerei. Die Verwendung des Washi ist dabei nicht nur der Tradition geschuldet; durch seine sorgfältige und hochqualitative Herstellung eignet es sich einfach am besten, die Schwünge des Pinsels in der Kalligraphie perfekt abzubilden und zu konservieren.

Welche Rolle spielt die Meditation bei der japanischen Kalligraphie?

Oft liest man von der meditativen Wirkung, die von der Kalligraphie auf den Künstler ausgeht. Auch deshalb bevorzugen die meisten Shodo Künstler das eigenhändige Anmischen ihrer Sumi Tusche auf dem speziellen Tusche-Reibestein. Es ist für sie weniger eine lästige Notwendigkeit als vielmehr eine Vorbereitung des Geistes auf die bevorstehende Aufgabe, also die Erschaffung eines einmaligen und ganz besonderen Schriftzeichens auf dem leeren Papier. Außerdem ermöglicht das Anmischen dem Künstler, seine japanischen Kanji auch von der Konsistenz der Tusche her genauso abzubilden, wie er es sich in diesem Moment wünscht. Denn nicht nur Gestalt und Ausführung sind für die Bedeutung der Kanji Schriftzeichen beim Shodo wichtig, sondern auch die Farbintensität, die sich durch die Variation der Konsistenz der Tusche entsprechend verändern lässt. Natürlich drücken die Kalligraphien japanischer Shodo Künslter auch durch das jeweils verwendete Kanji Zeichen bereits eine bestimmte Richtung der zu vermittelnden Botschaft aus. Insofern kann es Sinn machen, sich eingehender mit der japanischen Schrift insgesamt zu beschäftigen. Natürlich ist es keine zwingende Voraussetzung, insbesondere dann, wenn man sich bereits fertige Meisterwerke zu Dekorationszwecken an die Wand hängt. Doch es kann nicht schaden, genau zu wissen, welches Zeichen auf der Wanddekoration dargestellt ist.

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