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Hikeshi – die legendären Feuerwehrmänner Japans in der Edo-Zeit

Das Bild des historischen Japans ist untrennbar mit Holzarchitektur, dichter Bebauung und einer ständigen Brandgefahr verbunden. Besonders in den Städten war Feuer eine allgegenwärtige Bedrohung. In den dicht bebauten Städten der Edo-Zeit reichte ein Funke aus, um ganze Viertel zu zerstören. Aus dieser ständigen Bedrohung heraus entstand eine besondere Gruppe von Männern – die Hikeshi, die Feuerwehrmänner des alten Japans. Sie waren keine stillen Helfer, sondern sichtbare Helden des Alltags: furchtlos, körperlich extrem belastbar und fest im Leben der Stadt verankert.

Dieser Beitrag widmet sich der Geschichte der Hikeshi, der japanischen Feuerwehr in der Edo-Zeit und ihrer besonderen Rolle innerhalb der Gesellschaft. Sie erfahren, wie Feuer im alten Japan bekämpft wurde, warum Stadtbrände in Edo zum Alltag gehörten und weshalb die Hikeshi weit mehr waren als einfache Brandbekämpfer. Neben Organisation, Arbeitsweise und Ausrüstung beleuchtet der Artikel auch kulturelle Aspekte wie Ehre, Männlichkeitsideale und Gemeinschaft – sowie ein Thema, das untrennbar mit den Hikeshi verbunden ist: ihre kunstvollen Tätowierungen (Irezumi) als Ausdruck von Mut, Zugehörigkeit und Stolz.

 

Großer Ryōgoku-Brand 1881 in Tokio – historischer Stadtbrand mit Feuerwehrmännern auf Dächern

Der Große Ryōgoku-Brand , auch Großer Kanda-Brand genannt , ereignete sich am 26. Januar 1881 in Tokio , Japan. Es war der größte und verheerendste Brand der Meiji-Zeit.

Gegen 2 Uhr morgens brachen gleichzeitig zwei Brände entlang des Kanda-Flusses aus . Aufgrund starker Winde breitete sich das Feuer aus und wurde über die Ryōgoku-Brücke durch ganz Tokio getragen . Die Brände zerstörten 15.221 Häuser auf einer Fläche von über 40 Hektar, darunter einen Großteil der Architektur aus der Edo- Zeit. Über 36.000 Menschen wurden obdachlos.

Foto © Kobayashi Kiyochika - Princeton University Art Museum, Public Domain

 

Was bedeutet Hikeshi? – Herkunft und Bedeutung des Begriffs

Der Begriff Hikeshi (japanisch 火消し) lässt sich wörtlich mit „Feuer löschen“ oder „Feuer beseitigen“ übersetzen. Er bezeichnete im historischen Japan jene Männer, die in den Städten der Edo-Zeit für den Kampf gegen Brände zuständig waren.

Anders als die moderne Feuerwehr waren die Hikeshi jedoch keine staatlich einheitlich organisierten Einsatzkräfte, sondern Teil eines vielschichtigen Systems aus städtischen Gruppen, Handwerkerverbänden und feudalen Einheiten. Ihre Aufgabe war klar definiert: Wenn Feuer ausbrach, mussten sie schnell handeln – oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens.

Im Kontext der japanischen Feuerwehrgeschichte ist der Begriff Hikeshi untrennbar mit der Stadt Edo verbunden, dem heutigen Tokio. Hier lebten im 17. und 18. Jahrhundert Hunderttausende Menschen dicht gedrängt in überwiegend aus Holz errichteten Häusern.

Feuer waren keine Ausnahme, sondern eine alltägliche Gefahr. Die Hikeshi entwickelten sich daher nicht nur zu praktischen Brandbekämpfern, sondern zu einem festen Bestandteil des städtischen Lebens. Ihr Name stand für Schutz, Ordnung und die Hoffnung, dass ein Feuer nicht zur vollständigen Katastrophe wurde.

 

Feuerlöschen als gesellschaftliche Aufgabe

In der Edo-Zeit war Feuerbekämpfung keine rein technische Tätigkeit, sondern eine gemeinschaftliche Verantwortung. Die Hikeshi agierten im Auftrag der Stadtviertel, der Fürstenhäuser oder der lokalen Gemeinschaften.

Dabei ging es nicht nur um das Löschen von Flammen, sondern um Schadensbegrenzung für die gesamte Nachbarschaft. Ein schneller und entschlossener Einsatz konnte darüber entscheiden, ob ein einzelnes Haus oder ein ganzer Straßenzug verloren ging.

Feuerlöschen bedeutete in diesem Zusammenhang auch Organisation, Disziplin und körperliche Stärke. Die Hikeshi mussten sich in verrauchten, einsturzgefährdeten Gebäuden bewegen, Dächer erklimmen und schwere Holzbalken entfernen. Diese Anforderungen prägten ihr Selbstverständnis ebenso wie das Bild, das die Bevölkerung von ihnen hatte: als Männer, die bereit waren, ihr eigenes Leben für das Wohl der Gemeinschaft zu riskieren.

 

Warum der Begriff Hikeshi bis heute Bedeutung hat

Auch wenn die traditionelle Form der Hikeshi mit der Modernisierung Japans verschwand, lebt der Begriff bis heute weiter. In historischen Texten, Museen und kulturellen Darstellungen steht „Hikeshi“ symbolisch für Mut, Zusammenhalt und den Umgang mit ständiger Gefahr im urbanen Raum. Für das Verständnis der Feuerwehr im alten Japan ist der Begriff daher zentral – er beschreibt nicht nur einen Beruf, sondern eine Haltung gegenüber Risiko, Verantwortung und Gemeinschaft.

Wenn Sie sich mit der Geschichte der Hikeshi beschäftigen, öffnen Sie zugleich den Blick auf das Alltagsleben der Edo-Zeit. Der Begriff fungiert als Schlüssel, um zu verstehen, wie eng Stadtentwicklung, Architektur und soziale Strukturen im historischen Japan miteinander verflochten waren.

 

Bürgerliche Feuerwehreinheiten Edos mit Matoi-Standarten – Machi-bikeshi in der Edo-Zeit

Die bürgerlichen Feuerwehreinheiten Edos mit ihren Matoi (Standarten), die dazu dienten, die Einsatzorte zu markieren; Farbholzschnitt von Utagawa Yoshitsuna, 1852.
Foto © Utagawa Yoshitsuna, Public Domain

 

Edo – eine Stadt aus Holz und Flammen

Um die Bedeutung der Hikeshi zu verstehen, ist ein Blick auf die Stadt Edo unerlässlich. Im 17. und 18. Jahrhundert wuchs Edo zu einer der größten Städte der Welt heran. Die meisten Gebäude bestanden aus Holz, Papier und Bambus – Materialien, die leicht entflammbar waren.

In der dicht bebauten Stadt genügte oft ein einziger Funke, um ganze Straßenzüge in Brand zu setzen. Feuer gehörte daher zum Alltag der Stadtbewohner und prägte das Leben ebenso wie die Arbeit der Feuerwehr in der Edo-Zeit.

 

Warum es in Edo so häufig brannte

Die Ursachen der zahlreichen Stadtbrände lagen vor allem in der Bauweise und im täglichen Leben. Offene Feuerstellen zum Kochen und Heizen, Öllampen zur Beleuchtung sowie enge Gassen begünstigten eine rasche Ausbreitung der Flammen.

Besonders im Winter verstärkten trockene Luft und starker Wind die Gefahr zusätzlich. Brände konnten sich innerhalb kürzester Zeit von Haus zu Haus ausbreiten und ganze Viertel zerstören.

 

Stadtbrände als Teil des Alltags

Zeitgenössische Quellen bezeichnen Brände als „Edo no hana“, die „Blumen von Edo“. Der Begriff verdeutlicht, wie sehr Feuer als wiederkehrender Bestandteil des Stadtlebens akzeptiert war. Nach einem Brand wurde schnell wiederaufgebaut, oft an derselben Stelle.

Für die Hikeshi bedeutete dies permanente Einsatzbereitschaft. Ihre Aufgabe war es, in einer Stadt zu handeln, in der Feuer keine Ausnahme, sondern eine ständige Bedrohung darstellte.

 

Großer Brand von Meireki 1657 – über 100000 Tote und Zerstörung weiter Teile Edos
Der Große Brand von Meireki (1657) forderte schätzungsweise über 100.000 Todesopfer und zerstörte große Teile Edos. Die Katastrophe führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Stadtplanung, darunter breitere Straßen, neue Brandschneisen und eine stärkere Organisation der Brandbekämpfung.

Foto © 田代幸春 - 戸火事図巻Edo-Tokyo Museum, Gemeinfrei

 

Die Organisation der Feuerwehr in der Edo-Zeit

Die Feuerwehr in der Edo-Zeit war nicht zentralstaatlich organisiert, sondern folgte den sozialen und politischen Strukturen der Stadt. In Edo existierten mehrere Formen der Brandbekämpfung, die sich nach Zuständigkeiten und gesellschaftlichen Gruppen gliederten. Die Hikeshi bildeten dabei das Rückgrat der städtischen Feuerbekämpfung.

Wurde ein Brand entdeckt, alarmierten Glocken und Holzklappern die Feuerwehrmänner. Innerhalb kurzer Zeit sammelten sich die zuständigen Einheiten. Schnelligkeit, Ortskenntnis und körperliche Belastbarkeit bestimmten, ob ein Feuer eingedämmt werden konnte.

 

Daimyō-bikeshi – die Feuerwehr der Fürsten

Die Daimyō-bikeshi standen im Dienst der feudalen Fürsten und schützten vor allem Samurai-Residenzen und herrschaftliche Viertel. Sie waren hierarchisch organisiert und militärisch geprägt. Ihr Einsatz diente nicht nur dem Brandschutz, sondern auch der Demonstration von Ordnung und Macht innerhalb der Stadt.

 

Machi-bikeshi – die Feuerwehr der Stadtviertel

Die Machi-bikeshi waren für die Wohnviertel der Stadtbevölkerung zuständig. Sie bestanden überwiegend aus Handwerkern, insbesondere Zimmerleuten, die mit Holzbau vertraut waren. Diese Nähe zur Baupraxis machte sie besonders effektiv. Gleichzeitig entstand ein starkes Gemeinschaftsgefühl, oft begleitet von Rivalitäten zwischen den Vierteln.

 

Ein flexibles, aber wirkungsvolles System

Bei größeren Bränden arbeiteten Daimyō-bikeshi und Machi-bikeshi parallel, auch wenn ihre Zuständigkeiten unterschiedlich waren. Die Feuerwehrorganisation der Edo-Zeit war pragmatisch, lokal verwurzelt und an die Gegebenheiten der Stadt angepasst. Sie erklärt, warum die Hikeshi nicht nur als Feuerwehrmänner, sondern als unverzichtbarer Teil der urbanen Ordnung galten.

 

Wie arbeiteten die Hikeshi wirklich?

Die Arbeitsweise der Hikeshi unterschied sich deutlich von moderner Brandbekämpfung. In der Edo-Zeit stand nicht das Löschen mit Wasser im Vordergrund, sondern das schnelle Eindämmen der Flammen. In einer Stadt aus Holz war es oft effektiver, dem Feuer den Brennstoff zu entziehen, als es direkt zu bekämpfen. Ziel der japanischen Feuerwehr war es, größere Stadtbrände zu verhindern.

Die Hikeshi bewegten sich gezielt an die Ränder des Brandherdes. Dort entschieden sie in kurzer Zeit, welche Gebäude geopfert werden mussten, um die Ausbreitung des Feuers zu stoppen. Schnelligkeit und Erfahrung waren dabei entscheidend.

 

Historische Ausrüstung der Hikeshi – Werkzeuge der japanischen Feuerwehr im 19. Jahrhundert
Historische Ausrüstung der japanischen Feuerwehr (Hikeshi): Leitern, Haken, Seile, Eimer und Standarten, wie sie im 19. Jahrhundert zur Brandbekämpfung in Edo eingesetzt wurden. Die einfache, robuste Technik verdeutlicht, dass Feuerbekämpfung vor allem auf Muskelkraft, Organisation und Erfahrung beruhte.

Foto © Raimund Stillfried von Rathenitz - Galerie Bassenge, Gemeinfrei

 

Feuerbekämpfung durch Abriss und Brandschneisen

Eine zentrale Methode der Feuerwehr in der Edo-Zeit war das kontrollierte Niederreißen von Häusern. Mit Haken, Äxten und Seilen schufen die Hikeshi Brandschneisen, die dem Feuer den Weg versperrten. Diese Vorgehensweise war gefährlich, galt jedoch als wirksam, um ganze Viertel zu schützen.

 

Werkzeuge und Ausrüstung der Hikeshi

Die Ausrüstung der Hikeshi war einfach, aber funktional. Zu den wichtigsten Werkzeugen gehörten lange Hakenstangen, Leitern und Seile. Wasser kam nur begrenzt zum Einsatz. Charakteristisch waren die dicken Baumwolljacken, die Hikeshi-Banten, die oft vor dem Einsatz gewässert wurden und einen gewissen Hitzeschutz boten.

 

Körperliche Stärke als Grundlage

Die Arbeit der Hikeshi verlangte enorme körperliche Belastbarkeit. Klettern, Tragen und Arbeiten unter extremer Hitze gehörten zum Alltag. Viele Feuerwehrmänner stammten daher aus handwerklichen Berufen. Mut, Stärke und Entschlossenheit prägten ihr Selbstbild – Eigenschaften, die ihren Ruf als außergewöhnliche Figuren der Edo-Gesellschaft begründeten.

 

Hikeshi als Heldenfigur der Edo-Gesellschaft

In der städtischen Gesellschaft der Edo-Zeit nahmen die Hikeshi eine besondere Rolle ein. Sie gehörten nicht zur Samurai-Schicht, genossen jedoch hohes Ansehen. Ihre Bereitschaft, sich offen der Gefahr von Stadtbränden zu stellen, machte sie zu bewunderten Figuren des Alltags.

 

Ehre, Stolz und öffentliche Wahrnehmung

Die Arbeit der Hikeshi war eng mit Ehre und sozialem Ansehen verbunden. Erfolgreiche Einsätze stärkten den Ruf der Feuerwehr eines Viertels, Misserfolge konnten ihn beschädigen. Entsprechend groß war der Stolz auf die eigene Gruppe. Die Feuerwehrmänner waren im Stadtbild präsent und wurden als verlässliche Stütze der Gemeinschaft wahrgenommen.

 

Rivalität zwischen den Feuerwehren

Vor allem unter den Machi-bikeshi herrschte eine ausgeprägte Rivalität zwischen den Stadtvierteln. Diese Konkurrenz äußerte sich im Auftreten, in der Kleidung und im gegenseitigen Vergleich der Einsatzbereitschaft. Trotz gelegentlicher Spannungen trug dieser Wettbewerb dazu bei, Motivation und Leistungsbereitschaft hochzuhalten.

 

Gefahr als Teil der Identität

Die ständige Konfrontation mit Lebensgefahr prägte das Selbstverständnis der Hikeshi. Verletzungen und Todesfälle wurden als Teil des Berufs akzeptiert. Mut bedeutete, trotz der Risiken zu handeln – ein Ideal, das den legendären Ruf der Hikeshi bis heute erklärt.

 

Die Kleidung der Hikeshi – Schutz, Symbolik und Stolz

Die Kleidung der Hikeshi war funktional und zugleich Ausdruck von Identität. In der japanischen Feuerwehr der Edo-Zeit ersetzte sie moderne Schutzausrüstung und machte die Feuerwehrmänner im Stadtbild sofort erkennbar. Gleichzeitig zeigte sie Zugehörigkeit, Stolz und Gemeinschaftssinn.

 

Hikeshi-Hanten mit Schutzsymbolen – historische Feuerwehrjacke der Edo-Zeit
Historischer Hikeshi-Hanten (Feuerwehrjacke) mit innenliegendem Motiv eines Vogels über Wasser und Wellen. Solche Darstellungen verbanden Schutzsymbolik mit persönlichem Stolz und wurden von Feuerwehrmännern der Edo-Zeit unter der schlichten Außenseite ihrer Einsatzkleidung getragen.

Foto © Daderot - Own work, Public Domain

 

Der Hikeshi-Banten

Zentrales Kleidungsstück war der Hikeshi-Banten, eine dicke Baumwolljacke, die vor dem Einsatz häufig mit Wasser getränkt wurde. Sie bot begrenzten Schutz vor Hitze und Funkenflug. Charakteristisch war der Gegensatz zwischen schlichter Außenseite und kunstvoll gestalteter Innenseite – ein verborgenes Zeichen von Individualität und Stolz.

 

Farben, Zeichen und Zugehörigkeit

Farben, Muster und Embleme machten deutlich, zu welchem Stadtviertel oder welcher Einheit ein Hikeshi gehörte. Diese visuelle Zuordnung stärkte den Zusammenhalt innerhalb der Gruppen und spielte auch bei Rivalitäten eine Rolle.

 

Kleidung als Teil der Identität

Für die Hikeshi war der Banten mehr als Arbeitskleidung. Er stand für Einsatzbereitschaft, Mut und Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Auch außerhalb von Brandeinsätzen wurde er getragen und trug so zur öffentlichen Wahrnehmung der Feuerwehrmänner bei.

 

Tätowierungen der Hikeshi – Mut unter der Haut

Die Tätowierungen der Hikeshi zählten zu den markantesten Merkmalen der Feuerwehrmänner der Edo-Zeit. In einer Gesellschaft, in der Tätowierungen meist Randgruppen vorbehalten waren, trugen viele Hikeshi ihre Irezumi bewusst und mit Stolz. Sie galten als Zeichen von Mut, Leidensfähigkeit und Zugehörigkeit und waren eng mit dem Selbstverständnis der japanischen Feuerwehr im alten Japan verbunden.

Meist lagen die Tätowierungen unter der Kleidung verborgen und wurden nur in besonderen Momenten sichtbar. Gerade diese Zurückhaltung verlieh ihnen zusätzliche Bedeutung.

 

Typische Motive und ihre Symbolik

Häufige Motive waren Drachen, Karpfen (Koi) oder mythische Heldenfiguren. Sie standen für Stärke, Ausdauer und Schutz. Wasserbezogene Symbole sollten vor Feuer bewahren und wirkten wie persönliche Talismane, die Mut und Zuversicht verliehen.

Während Tätowierungen gesellschaftlich ambivalent betrachtet wurden, genossen sie innerhalb der Feuerwehr hohes Ansehen. Sie galten als Zeichen von Erfahrung und Tapferkeit.

 

Hikeshi Feuerwehrmänner mit Irezumi-Tätowierungen – Sen-Gruppe um 1833
Feuerwehrmänner der „Sen“-Gruppe (um 1833) auf einem Votivbild aus der Edo-Zeit. Die Darstellung aus dem Edo-Tokyo Museum zeigt deutlich die großflächigen Irezumi-Tätowierungen. 

Foto © Joe Mabel, CC BY-SA 3.0

 

Hikeshi in Kunst, Holzschnitten und Theater

Die Hikeshi waren nicht nur Teil des Alltagslebens in Edo, sondern auch ein beliebtes Motiv der zeitgenössischen Kunst. Besonders in der Edo-Zeit fanden Feuerwehrmänner Eingang in Holzschnitte, Theaterstücke und populäre Erzählungen. Diese Darstellungen trugen maßgeblich dazu bei, ihren Ruf als mutige und kraftvolle Figuren dauerhaft zu festigen.

 

Ukiyo-e-Holzschnitte als visuelle Erinnerung

In Ukiyo-e-Holzschnitten erscheinen Hikeshi häufig in dramatischen Brandszenen: auf Dächern arbeitend, umgeben von Rauch und Flammen. Kleidung, Werkzeuge und Körperhaltung wurden dabei bewusst betont. Diese Bilder vermittelten nicht nur Spannung, sondern hielten auch den Umgang mit Stadtbränden und die Rolle der Feuerwehr im alten Japan fest. Für Historiker sind sie bis heute eine wichtige Quelle zur Geschichte der japanischen Feuerwehr.

 

Hikeshi auf der Theaterbühne

Auch im Kabuki-Theater wurden Hikeshi als starke, entschlossene Charaktere inszeniert. Der Kampf gegen das Feuer diente hier als Sinnbild für Mut, Loyalität und Opferbereitschaft. Das Publikum erkannte in diesen Figuren vertraute Werte des städtischen Lebens wieder.

 

Kulturelles Erbe der Hikeshi

Durch Kunst und Theater wurden die Hikeshi zu festen Symbolen der Edo-Kultur. Ihre Darstellung prägte das gesellschaftliche Bild von Feuerwehrmännern nachhaltig und wirkt bis heute nach. Im folgenden Abschnitt zeigt sich, wie diese traditionsreiche Figur mit der Modernisierung Japans allmählich verschwand.

 

Das Ende der Hikeshi – Modernisierung und Wandel

Mit der Öffnung Japans und der Meiji-Restauration ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich auch der Umgang mit Feuer grundlegend. Westliche Technologien, neue Baumaterialien und eine moderne Stadtplanung machten die traditionellen Methoden der Hikeshi zunehmend überflüssig. An ihre Stelle traten staatlich organisierte Feuerwehren nach europäischem Vorbild.

Die Hikeshi verschwanden damit allmählich aus dem Stadtbild. Ihre Aufgaben wurden professionalisiert, ihre Arbeitsweise standardisiert. Was blieb, war die Erinnerung an eine Epoche, in der Mut, körperliche Stärke und Gemeinschaft den Kern der Brandbekämpfung bildeten. Die Geschichte der Hikeshi markiert so den Übergang von einer vormodernen Stadtgesellschaft zur modernen Feuerwehr in Japan.

 

Hashigo-nori Leiterakrobatik – Tradition der japanischen Feuerwehr mit Bezug zu den Hikeshi

Hashigo-nori (Leiterakrobatik) ist eine bis heute gepflegte Tradition der japanischen Feuerwehr, die auf die Hikeshi zurückgeht. Mit dieser Technik trainierten Feuerwehrmänner Balance und Körperkontrolle, um bei Stadtbränden Dächer zu erreichen und Brandausbreitung zu stoppen. Heute wird Hashigo-nori vor allem bei Zeremonien und Matsuri vorgeführt.

Foto © Yukoshi Keita - Eigenes Werk, lizenziert unter CC BY-SA 3.0

 

Hikeshi heute – Museen, Erinnerungskultur und Popkultur

Die Hikeshi sind heute kein Teil des Alltags mehr, doch ihre Geschichte ist in Japan weiterhin präsent. Besonders Museen zur Edo-Zeit greifen das Thema gezielt auf. Im Edo-Tokyo Open Air Architectural Museum oder im Edo-Tokyo Museum werden historische Stadtstrukturen, Holzarchitektur und Feuerwehrwesen anschaulich erklärt. Originale Werkzeuge, Hikeshi-Banten und zeitgenössische Holzschnitte vermitteln, wie Brandbekämpfung im alten Edo funktionierte und welche Rolle die Feuerwehrmänner im Stadtleben spielten.

Auch auf lokaler Ebene wird die Erinnerung gepflegt. In einigen Stadtvierteln Tokios finden bei Matsuri (Volksfesten) Vorführungen traditioneller Feuerwehrtechniken statt. Dabei tragen Teilnehmer historische Kleidung, schwingen Leitern oder zeigen symbolische Löscharbeiten. Diese Darstellungen knüpfen bewusst an die Tradition der Machi-bikeshi an und verbinden Geschichte mit lebendiger Gemeinschaft.

In der Popkultur tauchen Hikeshi vor allem in historischen Romanen, Manga und Fernsehserien mit Edo-Bezug auf. Sie erscheinen dort als mutige Nebenfiguren oder als Helden des städtischen Alltags, die zwischen Feuer, Rivalität und Gemeinschaft agieren. Auch moderne Darstellungen von Tätowierungen und Kleidung greifen Motive der Hikeshi auf und transportieren deren Ästhetik in die Gegenwart.

 

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E-E-A-T · Quellenbasiert · Zuletzt aktualisiert: 05.02.2026

 

 

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Titelfoto © Kobayashi Kiyochika (Japan, 1847-1915), The Great Fire at Ryogoku Bridge, Viewed from Asakusa Bridge on the 26th of January, 1881 LACMA M.71.100.50, gemeinfrei, Wikimedia Commons

 

 

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