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Ojigi – Verbeugen auf japanisch

Ojigi (お辞儀) bezeichnet als Oberbegriff die formalisierten Formen des Verbeugens, wie sie in Japan bis heute zur Begrüßung, zum Abschied sowie zu anderen besonderen Angelegenheiten genutzt wird. In gewisser Weise ist Ojigi damit das japanische Händeschütteln und wer wirklich in die japanische Kultur eintauchen will, der tut gut daran, sich mit den Grundzügen dieser genau ausformulierten Kunst des Verbeugens ein wenig auseinanderzusetzen.

Verbeugen auf japanisch gehört zum Ersten, was in Japan arbeitende Ausländer lernen sollten. Die Umstellung von den als „casual“ zu bezeichnenden Begrüßungsregeln in Europa und Nordamerika auf die stark genormte und zeremonielle Form in Japan verlangt allerdings einiges Einfühlungsvermögen. Allein in großen internationalen Unternehmen mit Sitz in Japan ist heute auch der Händedruck verbreitet, wenn Nichtjapaner begrüßt werden. Sogar eine Mischform ist entstanden, bei der sich die Begrüßenden beim Händeschütteln leicht voreinander verbeugen.

Die unterschiedlichen Haltungen bei der Verbeugung
Die unterschiedlichen Körperhaltungen bei den Verbeugungen. Foto: Asanagi, CC0, via Wikimedia Commons

Die japanische Kunst des Verbeugens Ojigi und seine Geschichte sowie die verschiedenen Formen wie Eshaku (会釈), Keirei (敬礼) und Saikeirei (最敬礼) werden im Folgenden eingehender beleuchtet. Dazu gibt es natürlich auch Infos, wann, wo und wem gegenüber man welche Form der Verbeugung nutzt. Gesondert vorgestellt werden zudem die Begrüßung zwischen Freunden und seltenere Formen des Ojigi, die heute nur noch selten oder zu bestimmten Anlässen genutzt werden.

Die Geschichte von Ojigi – Verbeugen auf japanisch

Historiker gehen davon aus, dass sich die ritualisierte Begrüßung durch eine Verbeugung, während der Asuka- (552-710 n.Chr.) und Nara-Zeit (710-794 n.Chr.) über Vermittlung des sich von China aus in Japan ausbreitenden Buddhismus in Japan verbreitete. Im Buddhismus gilt die Verbeugung als Anerkennung des sozialen Status des Gegenübers.

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Buddhisten beim Verbeugen während einer Zeremonie. Foto: von truthseeker08 via Pixabay

In Japan hat sich diese ursprüngliche Funktion zu der allgemein gültigen Form der Begrüßung und des Abschieds weiterentwickelt, wobei aber Teile der ursprünglichen Anerkennung des Status beibehalten wurden. Zudem wird Ojigi in Japan auch bei institutionalisierten Anlässen genutzt. So verbeugt man sich z.B. zu Beginn oder Ende eines Meetings, einer Unterrichtsstunde oder einer Zeremonie.

Auch persönliche Beziehungen wie jemandem Dank auszudrücken, eine Entschuldigung auszusprechen, bei einer Gratulation, der Bitte um einen Gefallen und ähnlichem zieht in der Regel eine spezielle Form des Ojigi nach sich. Dabei spielt meist die Tiefe der Verbeugung eine Rolle. Dabei gilt: umso tiefer man sich vor dem Gegenüber verbeugt, desto mehr Respekt und Ehrerbietung drückt man diesem Gegenüber aus.

Wann verbeugt man sich in Japan?

Ojigi – Verbeugen auf japanisch ist angebracht bei:

  • Begrüßung und Abschied

  • Beginn und Ende eines Meetings, einer Unterrichtsstunde oder einer Zeremonie

  • beim Bedanken, Entschuldigen, Gratulieren

  • bei der Bitte um einen Gefallen

Die Technik von Ojigi – wie verbeugt man sich richtig?

Im Grunde genommen ist die japanische Form der Verbeugung der europäischen Variante nicht unähnlich. Wichtig für die korrekte Ausführung von Ojigi ist vor allem, den Rücken beim Verbeugen gerade zu halten. Das Verbeugen kommt dabei aus der Hüfte, das heißt der ganze Oberkörper wird dem Gegenüber entgegen geneigt. Dies sollte möglichst natürlich wirken und weder zu schnell noch zu langsam ausgeführt werden.

Deutlich anders als bei europäischen Varianten der Verbeugung ist die Arm- und Handhaltung beim Ojigi. Hier gehören die Arme und Hände flach an die Seite des Körpers gelegt. Frauen ist es auch erlaubt, die rechte über die linke Hand auf den Oberschenkeln abzulegen. Während man sich verbeugt, sollte man zudem stillstehen und nichts sagen.

Zumeist wird erst gesprochen und sich dann verbeugt – auch bei einer Begrüßung. Zu der gehört nicht selten auch eine gesprochene Begrüßungsformel, mit der unter Umständen auch noch zusätzlich Respekt ausgedrückt werden kann. Die Begrüßung in Japan heißt übrigens Aisatsu. Die Länge und Tiefe der Verbeugung wiederum hängt ursprünglich mit der sozialen Stellung des Gegenübers zusammen. Reste hiervon haben sich im japanischen Ojigi erhalten.

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Eine Frau verbeugt sich vor einem Wal. Foto: von Paul Synnott from Osaka, Japan, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

So verbeugt sich der Schüler tiefer und länger als der Lehrer, der Gastgeber länger und tiefer als der Gast, der Angestellte tiefer und länger als der Vorgesetzte usw. – in einem Laden verbeugt sich sogar häufig nur der Verkäufer vor dem Kunden. Um diese Unterschiede möglichst definiert ausführen zu können, haben sich in Japan drei besonders übliche Arten der Verbeugung herausgebildet: Eshaku (会釈), Keirei (敬礼) und Saikeirei (最敬礼). Daneben gibt es weitere spezifizierte Formen der Verbeugung, insbesondere auch solche, die im Sitzen durchgeführt werden.

Eshaku, Keirei und Saikeirei – welche Verbeugung nutzt man wann und wie unterscheiden sie sich?

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Kniende Verbeugung beim Material Arts. Foto: von Ignat Gorazd CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Eshaku, Keirei und die seltener im Alltag zu benutzende Form Saikeirei unterscheiden sich vor allem durch die Tiefe der dabei auszuführenden Verbeugung.

Die mit an der häufigsten genutzten Form ist dabei das informelle und alltägliche Eshaku. Beim Eshaku verbeugt man sich nur leicht in einem Winkel von etwa 15 Grad. Diese Form ist angebracht bei Gleichaltrigen oder gleichgestellten Arbeitskollegen.

Das schon deutlich förmlichere Keirei verlangt eine Neigung des Oberkörpers um ca. 30 Grad und wird gegenüber Älteren oder Höhergestellten gebraucht, so z.B. gegenüber einem Lehrer oder einem Vorgesetzten. Keirei ist neben Eshaku die häufigste Form der Verbeugung und zeigt den Respekt gegenüber der anderen Person deutlich an. Keirei ist auch im geschäftlichen Umgang miteinander die wohl üblichste Form der Verbeugung.

Das seltener genutzte Saikeirei wiederum verlangt nach einer Verbeugung um 45 Grad und ist die formellste und höflichste Form von Ojigi, die im Stehen ausgeführt wird. Sakeirei wird in Japan zum Beispiel für eine aufrichtige und reuevolle Entschuldigung genutzt.

Mokurei – das Grüßen zwischen Freunden

Neben den üblichen Formen des Ojigi, die mehr oder weniger formell sind, gibt es mit dem so genannten Mokurei (目礼もくれい) noch eine Sonderform, die vor allem von guten Bekannten, engen Freunden und in der Familie genutzt werden, wo eine formellere Form der Verbeugung sozusagen unnötig oder sogar eher störend wäre. Beim Mokurei wird die eigentlich notwendige Verbeugung nur durch ein leichtes Nicken des Kopfes angedeutet, manchmal sogar nur durch intensiven Augenkontakt impliziert.

Weitere Formen von Ojigi

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Comic-Darstellung von Ninjas, die sich vor dem Kampf verbeugen. Foto: von OpenClipart-Vectors, Pixabay

Die folgenden beiden Formen von Ojigi sind zumindest im Alltag kaum relevant und werden in der Regel noch seltener genutzt, als das sehr formelle Saikeirei.

  • Nirei-Nihakushu (二礼二拍手にれいにはくしゅ) – ist beim Besuch eines Shinto Schreins nach Darbietung eines Opfers und dem Läuten der Suzu (eine runde Shinto-Glocke) angezeigt. Setzt sich aus zwei kurzen Keirei Verbeugungen, einem Klatschen in Brusthöhe und einer abschließenden Saikeirei Verbeugung zusammen.

  • Dogeza (土下座どげざ) – hier presst der Verbeugende kniend sein Gesicht und die Hände auf den Boden. Außerhalb von Samurai-Filmen wird man Dogeza kaum jemals sehen. Japanische Krieger baten so ihren Herren um ihr Leben, wenn sie einen Fehler begangen hatten.

Titelfoto: Japanische Verbeugung von Maya-Anaïs Yataghène from Paris, France, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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