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Japanische Krieger: Vom frühen Kampfmönch bis zum Samurai

Meditation und die Erlangung geistiger Gelassenheit, Erleuchtung und Stärke ist ein wichtiger Aspekt fast aller Religionen Japans. Während die unterschiedlichen Ausprägungen zwischen Shinto und Buddhismus Variationen in alle Richtungen zulassen, ist die Mentalität der meisten Japaner hinsichtlich der Bedeutung von Meditation und Beherrschung von Geist und Körper durchaus miteinander vergleichbar.

Der Kampfmönch als solcher scheint den reinen Lehren von Buddha zu widersprechen, doch das hat in der Geschichte nie jemanden daran gehindert, friedliche religiöse Grundeinstellungen auf den Krieg zu übertragen. So lassen sich diverse Ausprägungen japanischer Krieger durchaus mit den christlich-orientierten Rittern Europas vergleichen, die schließlich ursprünglich einen sehr geistlichen und religiösen Hintergrund hatten.

Der Kampfmönch im alten Japan

Japanische Krieger sind nicht nur die Samurai. Auch Kampfmönche gab es vereinzelt in Japan.

In Japan gibt es sowohl historische als auch mythologisch begründete Geschichtsschreibung, weswegen die genauen Ursprünge der Kampfmönche kaum genau zu benennen sind. Im Westen denkt man hierbei meist an die buddhistischen Kampfmönche chinesischer Prägung, wie etwa die Shaolin. Dass auch ein japanischer Krieger durchaus als kämpfender Mönch zu bezeichnen sein kann, wissen viele nicht. Dazu muss man vielleicht verstehen, dass sowohl die Samurai als Ritter-Äquivalent der Feudalherren als auch die Sohei-Armeen der Kriegermönche so gut wie immer im Inland eingesetzt wurden. Konflikte außerhalb der Grenzen Japans waren sehr selten und die Ausnahme, während die unterschiedlichen Regionen Japans besonders im Mittelalter ständig in Machtkämpfe verstrickt waren.

Da religiöse Konflikte zwischen verschiedenen Ausrichtungen und Sekten nicht ausblieben, schützten die Mönche ihre Einrichtungen und Klöster mit eigenen Armeen und Sohei (wörtlich: „Mönch-Soldat“). Besonders im Raum Kyoto gewannen sie zeitweise sehr an Einfluss und Macht. Sie waren außerdem ernstzunehmende japanische Krieger, die den Samurai und anderen Kämpfern durchaus eine Bedrohung waren. Typisch für die Kleidung der Kampfmönche war ein schwarzes Gewand, das über der Rüstung getragen wurde. Die Köpfe waren kahlgeschoren und mit einem weißen Tuch umwickelt. Der Kampfmönch ist aber wie gesagt keine lokale Erscheinung in Asien; entsprechende Entwicklungen gab es nicht nur in Japan und China, sondern auch in Korea, Tibet und anderen Orten, die vom Buddhismus geprägt waren. Eine noch zu erwähnende Abart der Kampfmönche Japans waren die Yamabushi, die Bergkrieger. Während ihre Philosophie durchaus mit denen der in großen Gruppen und Armeen organisierten Sohei vergleichbar ist, kämpften Yamabushi eher als Einsiedler und lebten in Askese in den Bergen und nicht in Klöstern.

Japanische Krieger auf dem Schlachtfeld

Die Samurai stehen wie nichts anderes für Ehre, Tapferkeit und Loyalität. Dabei waren sie den europäischen Rittern gar nicht so unähnlich.

Der Samurai diente seit jeher seinem Herrn als Ritter. Er vertrat nie eigene Interessen, sondern setzte den Willen (und bei Bedarf auch das Gesetz) des jeweiligen Herrschers durch, dem er sich und sein Schwert verpflichtet hatte. Das Schwert ist die Hauptwaffe der Samurai, wenngleich auf dem Schlachtfeld auch andere Waffen zum Einsatz kamen. Im Gegensatz zu westlichen Rittern waren Samurai-Schwerter leichter und ermöglichten eine größere Beweglichkeit im Kampf. Ihre sehr hohe Qualität und Schärfe ist geradezu legendär. Ihre Rüstungen waren ebenfalls anders ausgelegt als im Westen; statt unflexiblen und schweren Eisenrüstungen verwendeten japanische Krieger leichtere Rüstungen aus Leder und Metall, die durch intelligentes Design (etwa überlappende Schuppen) in ihrer Schutzwirkung einer Ritterrüstung in nichts nachstanden. Im Gegensatz zum europäischen Ritter war der Samurai aber sehr viel beweglicher und konnte beispielsweise auch ohne Hilfe auf ein Pferd steigen. Ab dem 9. Jahrhundert wurde die Ideologie der Samurai zu einem echten Kodex weiterentwickelt. Ein Samurai zog in die Schlacht, um unbarmherzig aber dennoch ehrenvoll zu kämpfen. Der Ehre war übrigens meist erst dann Genüge getan, wenn der Feind vernichtet war oder der Samurai selbst im Kampf fiel. Loyalität und Tapferkeit japanischer Krieger haben in diesem Kodex ihren Ursprung. Er wird oft auch mit dem Wort Bushido bezeichnet, dem Weg des Kriegers. Dementsprechend wurden die japanischen Krieger zunächst auch als Bushi bezeichnet; der Titel Samurai (wörtl. „Dienender“) entwickelte sich erst später.

Die legendäre Selbstaufopferung japanischer Krieger

Zur Selbstaufopferung der Samurai gehörte neben der unbedingten Loyalität und Tapferkeit auch die Verpflichtung, sich selbst zur Perfektion zu bringen und die Kunst der Waffenbeherrschung auf die Spitze zu treiben. Dies trug den Samurai stets ein hohes Ansehen ein, sie waren respektiert wie sonst kaum jemand außerhalb des herrschenden Standes. Der legendäre Schwertkämpfer Miyamoto Musashi, der das noch heute oft verkaufte Buch „Die Fünf Ringe“ verfasste, das als Grundlage für die Schwertfechtkunst der Samurai gilt, widmete sein ganzes Leben der Perfektion im Umgang mit dem Schwert. Zusammen mit dem chinesischen Standardwerk „Die Kunst des Krieges“ von Sun Tzu gilt „Die Fünf Ringe“ als eines der beiden Bücher, die jeder angehende Offizier verinnerlicht haben sollte. Dies gilt ungeachtet des Alters der Texte noch heute, denn die strategischen und taktischen Lehrsätze haben sich über die Jahrhunderte hinweg nicht geändert. Nicht wenige Armeen (und auch Wirtschaftsunternehmen) geben zumindest „Die Kunst des Krieges“ als Leseempfehlung an ihre Soldaten weiter. Eine Besonderheit unter den Samurai sind übrigens die Ronin. Ein Ronin ist ein Samurai, der seinen Herren verloren hat oder verstoßen wurde und nun niemandem dient. Er zieht auf eigene Faust durchs Land und bietet bisweilen unterschiedlichen Auftraggebern seine Dienste an. Ronin gelten als weniger ehrenhaft als Samurai, selbst wenn sie dem gleichen Kodex folgen mögen. Doch allein die Tatsache, dass ein Samurai das Ende der Herrschaft seines Gebieters überlebt hat oder gar von ihm verbannt wurde, gilt bereits als anrüchig. Nichtsdestotrotz wurden Ronin häufig von Feudalherren als Söldner angeheuert, da ihre Kampfkraft dadurch natürlich nicht geringer wurde. Manchmal entschieden sich die Ronin aber auch dafür, der Gerechtigkeit zu dienen und Schwächere zu beschützen.

Die Ninja Geschichte – viel Legende, wenig Fakten

Die Geschichten um Ninja sind weit verbreitet und voller spannender Details. Doch manches, was den japanischen Ninjas nachgesagt wird, stimmt gar nicht.

Die Ninja sind ebenso geheimnisvoll wie faszinierend. Kein Wunder, dass sie neben den Samurai zu den bekanntesten japanischen Kriegern zählen. Doch das Bild, das vor allem die (schlechten) Filme zum Thema Ninja Geschichte bei den meisten Menschen geprägt haben, ist bestenfalls lückenhaft und in der Regel ziemlich weit von der Wirklichkeit entfernt. Ein Ninja, also ein „Verborgener“, ist zunächst nichts anderes als ein hochspezialisierter Spion und Kundschafter, der still und leise im Dunkeln agiert, um die Feinde seines Auftraggebers auszuspionieren. Ninjas achteten naturgemäß darauf, nicht entdeckt zu werden, so dass vermutlich nur ein kleiner Teil der Ninja tatsächlich kämpfen musste. Über die Ursprünge der Ninja als Spione ist dementsprechend auch nur wenig gesichertes Material vorhanden, denn im Gegensatz zu berühmten Kriegern der Samurai sind berühmte Spione in der Regel selten – denn ein berühmter Spion macht irgendwas falsch. In der Klassifizierung japanischer Krieger sind Ninja am ehesten als Partisanen einzustufen, die meist als Spion und manchmal auch als Attentäter oder Mörder eingesetzt wurden.

Das Bild des typischen, schwarz gekleideten Attentäter-Ninjas ist es auch, das von den meisten Filmen verbreitet wird. Mit der tatsächlichen Geschichte der Ninja hat dies aber nicht viel zu tun. Auch die vielen technischen Spielereien, die selbst James Bond bisweilen alt aussehen lassen, wurden zwar oft in jener Zeit entwickelt; ob sie jedoch von den Ninja im Kampf tatsächlich sinnvoll eingesetzt werden konnten, bleibt zweifelhaft. Bei der Waffenwahl wird der Ninja in Filmen und auf Bildern meist mit einem geraden Schwert, dem Ninjato, dargestellt. Tatsächlich haben die meisten Ninja jedoch die gleichen Waffen wie die Samurai genutzt, da mit der geraden Klinge viele Techniken nicht umsetzbar sind. Gleiches gilt für das Tragen der Waffe auf dem Rücken; in Wirklichkeit trugen die Ninja ihr Schwert meist ebenfalls im Gürtel, dem sogenannten Obi, den auch die Samurai verwendeten.

Der Kampfmönch und der Samurai in der modernen Welt

In der modernen Welt sind die Werte der Samurai noch immer aktuell, wenn auch ein wenig verändert.

Sowohl die klassischen Kampfmönche als auch die Samurai waren seit jeher ein beliebtes Darstellungsobjekt bildender Künste und des Theaters. Es gibt zahllose Theaterstücke, die sich mit dem Leben und Wirken berühmter japanischer Krieger auseinandersetzen. Daher überrascht es nicht, dass sie auch als populäres Motiv auf allen möglichen Gegenständen erscheinen. Sei es auf Kissen, Kimonos, Teetassen oder sogar auf Regenschirmen – es gibt fast nichts, worauf man nicht einen Samurai abbilden kann. Eine besondere Form der Ehrung in der Kunst ist aber sicherlich der Film. Während es sehr viele wenig authentische Werke über die Samurai gibt, haben einige Filme durchaus Kultstatus erlangt. Der Film „Die Sieben Samurai“ von Altmeister Kurosawa ist vermutlich der Klassiker, den jeder gesehen haben sollte, der sich mit dem Thema japanische Krieger beschäftigt. Die Geschichte um die sieben Samurai wurde in vielfältiger Form adaptiert und abgewandelt, von Comics bis hin zu Western („Die glorreichen Sieben“). Selbst der erste „Star Wars“ Film von 1977 orientiert sich stark an Szenen aus Kurosawas Werk, was George Lucas als Hommage an den japanischen Regisseur versteht, dessen Filme er sehr schätzt. Daher erscheint es auch nicht überraschend, dass viele Motive aus „Star Wars“ Parallelen zu japanischen Kampfmönchen und der Samurai-Kultur aufweisen. So kann man die Jedi-Ritter mit ihren Lichtschwertern sicherlich direkt mit den Samurai vergleichen, zumal sie eine dem Buddhismus sehr ähnliche Philosophie verfolgen.

Aber auch Namen und Design hat George Lucas der japanischen Kriegerkultur entliehen. Der bereits erwähnte „Obi“ findet sich im Namen von Obi-Wan Kenobi wieder, während der berühmte Helm von Darth Vader denen der Samurai-Krieger nicht nur zufällig ähnelt. Etwas weniger fantastisch, aber dennoch bemerkenswert ist hingegen der Film „The Last Samurai“ mit Tom Cruise. Hier werden die Ereignisse (wenngleich etwas frei) nacherzählt, die den endgültigen Niedergang der Samurai im modernen Japan betreffen. Im Zeitalter der Industrialisierung und der Öffnung gen Westen gewannen Kräfte an Einfluss, die Japan aus dem Mittelalter herausholen wollten. Dies wurde so weit getrieben, dass japanische Krieger wie die Samurai irgendwann als gefährlich eingestuft wurden und ihre Traditionen systematisch eliminiert werden sollten. Diese Periode, die mit der Ankunft amerikanischer Kriegsschiffe in Edo im Jahre 1853 und der erzwungenen Öffnung Japans begann, gipfelte im Ende des Tokugawa-Shogunats im Jahre 1868. Im nun nach europäischem Vorbild geschaffenen neuen Japan war kein Platz mehr für die Samurai, sie verloren ihre Privilegien und ihren Status. Als der Kaiser das Tragen und Herstellen ihrer Schwerter untersagt, kommt es 1876 zu einem Aufstand traditioneller japanischer Krieger. Der auch im Film „The Last Samurai“ porträtierte Krieger Saigo Takamori scheiterte jedoch mit seinen 25000 Kriegern, da sie den modernen Waffen der Regierungssoldaten letztendlich nichts entgegensetzen konnten. Während des Zweiten Weltkrieg wurden die Traditionen dieser Krieger vom Regime wiederbelebt, etwa in Form der Kamikaze-Flieger und der (rituellen) Verwendung von Schwertern. Speziell die Kamikaze-Piloten, die sich selbst heldenhaft opfern sollten, um den Krieg doch noch zu gewinnen, sahen sich in direkter Tradition der Samurai. Das mag damit zusammenhängen, dass sich Jagdflieger insgesamt eher als moderne Ritter der Lüfte sehen; ein Phänomen, das auch in Europa und Amerika durchaus verbreitet war und ist. Hier wurden die japanischen Krieger aber von einer gnadenlosen und sinnlosen Propaganda missbraucht, zumal die Niederlage letztlich unausweichlich war. Heute ist das Heldentum der Samurai legendär und sie werden in Japan wieder sehr verehrt und geschätzt. Zahllose Filme, Mangas und Theaterstücke moderner Prägung beweisen, dass die Samurai nicht vergessen sind. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Bild japanischer Krieger in der Öffentlichkeit von den übertriebenen Darstellungen der Vergangenheit hin zu einem historisch authentischen Umgang mit den Samurai, den Ninja und den Kampfmönchen wandelt, um dem kulturellen Vermächtnis gerecht zu werden.

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