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Benimmregeln für Japan: So vermeiden Sie Fettnäpfchen

In jeder Kultur gelten eigene Benimmregeln, wobei es in manchen Ländern strenger gehandhabt wird als in anderen. Ganz schlecht ist es jedoch immer, wenn man voll in ein Fettnäpfchen tappt und einen Gastgeber möglicherweise ungewollt verärgert. Gerade im Geschäftsleben kann das fatale Folgen haben. Die Sitten in Japan sind besonders streng, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich, weswegen man schnell Fehler machen kann. Nun könnte man mit einem Business Knigge für Japan sicher ganze Bücher füllen, aber einige der wichtigsten Benimmregeln für Japan möchten wir Ihnen doch näherbringen.

Was wird erwartet und was nicht?

Natürlich sind sich auch Japaner darüber im Klaren, dass ein ausländisches Gegenüber nicht unbedingt mit allen Gebräuchen und Benimmregeln Japans vertraut ist. Das erwartet auch niemand. Die Einhaltung bestimmter grundsätzlicher Regeln wird jedoch durchaus vorausgesetzt. Besonders schwierig ist dies für westliche Besucher, weil einige unserer üblichen Regeln im Japan Knigge dazu führen können, das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. So sollte man beispielsweise niemals direkte Kritik äußern, wenn man mit Geschäftspartnern ein Projekt bespricht. Viele Japanreisende eignen sich vor ihrem Besuch einige Sprachkenntnisse an, um besser im Land zurechtzukommen. Das ist prinzipiell in Ordnung und sogar sehr willkommen. Allerdings sollte man wissen, dass Japaner von einem Besucher, der die japanische Sprache spricht, auch die korrekte Einhaltung aller Sitten in Japan erwarten und voraussetzen, dass diese bekannt sind. Von einem Ausländer, der kein Japanisch spricht, wird dies hingegen nicht erwartet.

Was sagt der Japan Knigge über die Kleidung?

Das Äußere hat in Asien allgemein und in Japan im Speziellen einen sehr hohen Stellenwert. Häufig schließt man von Kleidung und dem restlichen Äußeren auf die Person. Hier gilt tatsächlich das Sprichwort „Kleider machen Leute“. Für den Business Knigge in Japan bedeutet dies in erster Linie eine korrekte Geschäftskleidung, also für Männer der klassische Anzug mit Krawatte. Frauen sollten bei geschäftlichen Anlässen einen Hosenanzug oder ein dezentes Kostüm tragen, wenn sie von den Geschäftspartnern ernst genommen werden möchten. Allerdings haben Frauen nach wie vor nicht denselben Stellenwert in der japanischen Gesellschaft wie die Männer, was man ebenfalls bedenken sollte. Es mag einem nicht gefallen, aber die Sitten in Japan sind nun einmal so, wie sie sind. Ganz wichtig ist es, dass die Kleidung stets korrekt sitzt und einen gepflegten Eindruck macht, was insbesondere bei Schuhen und Socken wichtig ist. Keinesfalls sollten Strümpfe mit Löchern angezogen werden – selbst wenn man sie unter den Schuhen nicht sehen würde. Man darf nicht vergessen, dass in Japan die Schuhe zu vielen Gelegenheiten ausgezogen werden. Dies gilt nicht nur für private Räumlichkeiten, sondern beispielsweise auch für traditionelle Restaurants und Hotels, Arztpraxen und Tempel. Oft stehen in Hotels und Restaurants spezielle Pantoffeln für die Gäste bereit.

Hygiene gehört zum guten Ton in Japan

Die Hygiene ist sehr wichtig in Japan. Man sollte sich so oft wie möglich die Hände waschen, ganz besonders aber vor (!) und nach dem Toilettengang. Auch hier werden die Schuhe meist ausgezogen und gegen spezielle Pantoffeln getauscht, die den Toilettenausgang jedoch nie verlassen sollten. Sind Tatami-Matten in einem Raum ausgelegt, werden weder Schuhe noch Pantoffeln geduldet; hier läuft man barfuß oder in Socken. Mit der Hygiene ist übrigens nicht gemeint, sich übermäßig mit Duftstoffen zu umhüllen (wie etwa mit After Shave oder Deo). Geruchsbelästigungen anderer sind unbedingt zu vermeiden – das gilt insbesondere in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Über die speziellen Eigenheiten der japanischen Toiletten haben wir übrigens einen eigenen Artikel verfasst, der in diesem Zusammenhang wichtige und nützliche Informationen bereithält.

In japanischen Häusern, Schulen und traditionellen Restaurants werden die Schuhe ausgezogen und Slipper dafür angezogen. Für die Toilette gibt es sogar separate Slipper.

Pünktlichkeit und richtige Begrüßung zählen zu den wichtigsten Benimmregeln Japans

Im Geschäftsleben wird Zeit mit Geld gleichgesetzt. Das ist in Japan nicht anders als in Europa oder Amerika. Doch in Japan wird es außerdem mit der Zuverlässigkeit des Geschäftspartners verbunden. Das „akademische Viertel“, das hierzulande gerne gewährt wird, ist im Business Knigge Japan ein absolutes No-Go. Hier gehört es sich, etwa fünf bis zehn Minuten vor dem vereinbarten Termin zu erscheinen, oft sogar eine halbe Stunde bis Stunde. Toleriert wird manchmal auch noch das exakt pünktliche Erscheinen. Verspätet man sich auch nur um wenige Minuten, ist es unbedingt erforderlich, dem Wartenden Bescheid zu geben und eine Zeit zu nennen, wann man eintreffen wird. Dies ist sowohl über Telefon als auch über eine E-Mail aufs Handy möglich. Hat man sich verspätet, entschuldigt man sich kurz und aufrichtig, gibt aber keine weitschweifenden Erklärungen ab, wie sie etwa in Deutschland oft vorgetragen werden. Der Japaner würde dies eher als lahme Ausrede ansehen.

Die bereits erwähnte Hygiene spielt auch bei der Begrüßung eine große Rolle. Obwohl das westliche Händeschütteln inzwischen nicht mehr vollkommen unangebracht ist, verbeugt man sich traditionell voreinander. Dabei sollte die Verbeugung umso tiefer ausfallen, je mehr Höflichkeit man erweisen möchte, ohne es jedoch zu übertreiben. Im Geschäftsleben ist ein Winkel von etwa 45 Grad angebracht, wobei Ausländer auch mit einer angedeuteten Verbeugung (wie etwa einem gut wahrnehmbaren Nicken) ihre Pflicht erfüllt haben. Bei der Anrede ist das an den (Nach)namen angehängte „san“ auch im Westen bekannt. Höflicher ist das Suffix „sama“, das grundsätzlich auch in geschäftlichen E-Mails verwendet wird. Diese Suffixe verwendet man aber nur im Umgang mit Fremden oder Höherrangigen; spricht man beispielsweise über ein Familienmitglied oder einen Kollegen aus der eigenen Firma, nutzt man diese Höflichkeitsform nicht oder greift auf kollegialere Suffixe wie „kun“ zurück.

Visitenkarten sind allgegenwärtig

Zu den Sitten in Japan, die sich auch im Privatleben durchgesetzt haben, gehört das Verteilen von Visitenkarten. Übergibt jemand eine Visitenkarte, nimmt man sie mit größter Hochachtung und Interesse mit beiden Händen entgegen (so werden sie auch überreicht). Die Karte sollte aufmerksam zur Kenntnis genommen werden. Üblich ist es, eine Frage zu stellen oder einen anerkennenden Kommentar abzugeben. Wird die Visitenkarte am Tisch überreicht, wird sie auf selbigem abgelegt; in allen anderen Fällen steckt man die Karte nach einer Weile ein. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass sie nicht verbiegt oder verknickt und nicht achtlos mit ihr umgegangen wird. Man kritzelt auch keine Notizen auf die Visitenkarte und steckt sie keinesfalls in die Hosentasche.

Gastgeschenke sind üblicher als in Europa

Als Gast bringt man in Japan Geschenke mit. Dabei gibt es jedoch einige Unterschiede zu deutschen Gewohnheiten. Zum einen darf das Geschenk den Beschenkten nicht durch einen zu hohen Wert in Verlegenheit bringen, zum anderen soll es aber natürlich auch nicht zu billig sein. Wichtig ist in Japan besonders ein guter Markenname und der gute Ruf des Produkts. Es kommt weniger darauf an, originell oder besonders einfallsreich zu schenken. Sehr wichtig ist eine perfekte Verpackung in Geschenkpapier, die man am besten bereits im Laden vornehmen lässt. Auf keinen Fall darf das Geschenkpapier schwarz sein, denn Schwarz gilt auch in Japan als Trauerfarbe. Ein weiteres Fettnäpfchen: Die Zahl Vier (shi) wird genauso gelesen wie das Kanji-Zeichen für Tod (shi) und gilt deswegen als Unglückszahl, sollte also ebenfalls vermieden werden. Geschenke werden übrigens normalerweise nicht in Anwesenheit des Schenkenden geöffnet. Darauf sollte man also weder drängen noch warten. Der Grund liegt darin, dass das Zeigen von Überraschung oder Enttäuschung einen erheblichen Gesichtsverlust darstellen würde.

Mobiltelefone unterliegen besonderen Regeln

Die Benimmregeln Japans für Mobiltelefone würden manchem im Westen ebenfalls gut zu Gesicht stehen. Die Telefone werden bei einem Meeting in der Firma grundsätzlich offen auf den Tisch gelegt und sind lautlos gestellt. Vibrationsalarm ist erlaubt. Das Entgegennehmen von Gesprächen ist jedoch nur den Ranghöheren gestattet. Idealerweise verlassen diese für das Telefongespräch den Raum. Überhaupt gehört es zum guten Ton, nicht in der Öffentlichkeit zu telefonieren. Wird man in der Bahn oder in einem Meeting angerufen und nimmt den Anruf entgegen, hält man die Hand vor den Mund und spricht so leise, dass andere nicht gezwungen werden, mitzuhören. Am besten teilt man dem Anrufer mit, dass man jetzt nicht sprechen kann oder nimmt das Gespräch gar nicht erst entgegen. In Hochgeschwindigkeitszügen mit abgeschlossenen Abteilen sollte man während eines Telefonats das Abteil verlassen.

Kontaktpflege gehört zum Business Knigge in Japan

Nach einem Treffen sollte man sich binnen 24 Stunden in einer E-Mail dafür bedanken, dass sich der Geschäftspartner Zeit für das Treffen genommen hat – diese Sitte ist übrigens auch im Privatleben durchaus angebracht. Man sollte sich später regelmäßig hin und wieder melden, da Kontaktpflege ein wichtiges Element im japanischen Geschäftsleben ist. Dafür muss kein konkreter Anlass vorliegen. Reist man später wieder nach Japan, sollte man um ein erneutes Treffen bitten, um die alten Kontakte aufzufrischen. Selbstverständlich ist auch eine Einladung in die eigene Heimat angebracht.

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