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Osechi Ryōri: Das traditionelle japanische Neujahrsessen und die Bedeutung

Das japanische Neujahrsfest (正月 shōgatsu) wurde bis 1873 entsprechend dem Mondkalender wie das chinesische, vietnamesische und koreanische Neujahrsfest im ersten Quartal des Jahres nach gregorianischen Kalender begangen. Mit der Öffnung zum Festen entschied man 1873 den gregorianischen Kalender einzuführen und das Neujahrsfest damit fest auf den 1. Januar zu legen.

Osechi Ryōri (御節料理 oder お節料理) sind traditionelle Neujahrsgerichte, welche auf die Heian-Zeit (794 bis 1185) zurückgeführt werden können. Osechi – wie das Neujahrsessen kurz genannt wird – ist die aufwendigste Art von Speisen für das neue Jahr. Das Essen besteht aus vielen kleinen Gerichten, deren Zubereitung Tage in Anspruch nehmen kann. Im modernen Japan kann man sie aber auch in Supermärkten und Restaurants kaufen. Die Gerichte haben dabei eine glückverheißende Bedeutung für das neue Jahr.

Welche Neujahrsgerichte sind in Japan wirklich beliebt?

Verschiedene Neujahrsgerichte in der praktischen Tragebox
Das traditionelle Osechi Ryōri in der dazugehörenden Jūbako. Foto: von Nullumayulife, CC BY 2.0, via flickr.

Beliebt sind vor allem Speisen aus Fisch und Gemüse zum neuen Jahr. In der Regel werden kleine Portionen in speziellen abgetrennten Schachteln serviert, wobei Omeletts, gedämpfte Fischpasteten, Meerbrasse, schwarze Sojabohnen, Kletterwurzeln sowie eingelegter Rettich enthalten sein können. Die Speisen können gut gelagert werden, da Japaner in den ersten drei Tagen des Jahres möglichst nicht arbeiten und auch nicht kochen sollten.

Dadai - Bitterorange aus Asien
Ein Baum mit Bitterorangen, die in Japan Dadai genannt werden. Foto: von Raul654, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Die Speisen werden in den sogenannten Jūbako (重箱) gereicht. Es handelt sich um spezielle quadratische Bento-Boxen, die aus wenigstens neun kleinen Feldern für die Speisen bestehen, sodass sich die unterschiedlichen Gerichte nicht durchmischen.

Für das Kochverbot gibt es unterschiedliche Erklärungen. Die Götter sollen beispielsweise nicht durch den entstehenden Lärm gestört werden. Außerdem besagt der Volksglaube, dass es Pech bringt, wenn man während der Neujahrstage schneidet oder Material verbrennt. Schließlich sollen sich aber auch alle Familienmitglieder an der schönen Zeit erfreuen und entspannen können – keiner muss sich um die Hausarbeit kümmern.

Der Ursprung der Tradition ist in der Heian-Zeit (794-1185) zu finden. Das japanische Neujahrsfest war damals eines der fünf Jahreszeitenfeste (sekku) am Hof des Kaisers in Kyoto. Die Feste sollten die Übergänge zu den Jahreszeiten einleiten und wurden auch sechinichi genannt, wovon Osechi Ryōri abgeleitet wurde. Ein Teil der Gerichte wurde im Frühling zum Neujahrsfest den Göttern als Opfer dargeboten, im Anschluss aßen die Japaner am Königshof aber selbst auch. In der Edo-Zeit (1603 bis 1868) wurde der Brauch in alle anderen Bevölkerungsschichten übernommen.

Daidai (橙)

Daidai ist eine japanische Bitterorange. Der Name bedeutet auch „von Generation zu Generation“, wenn es in der Schreibweise 代々auftritt. Die japanische Frucht steht für den Wunsch nach Kindern im neuen Jahr.

Datemaki (伊達巻)

Zusammengerolltes Neujahrsomelett
Datemaki ist ein traditionelles Neujahrsomelett mit Fischpaste. Foto: von matsuyuki, CC BY-SA 2.0, via flickr.

Datemaki ist ein süßes zusammengerolltes Omelett, welches eine Füllung aus Fisch- oder Garnelenpastete besetzt. Die Form der Omeletts soll dabei vor allem an Schriftrollen erinnern. Das Gericht steht für den Wunsch nach Gelehrsamkeit und dem erfolgreichen Lernen.

Kazunoko (数の子)

Neujahrsgericht aus Fischrogen
Traditionelles japanischen Neujahrsgericht aus Heringseiern. Foto: von takaokun, CC BY 2.0, via flickr.

Kazunoko besteht vor allem aus Heringsrogen, wobei tausende von kleinen Eiern kunstvoll in Form gebracht werden. Das Gericht soll den Wunsch nach reichem Kindersegen symbolisieren, was bereits im Namen steckt. Das japanische Wort Kazu bedeutet Zahl, währen „ko“ für Kind steht. Die Bedeutung „viele Kinder“ lässt sich daraus ableiten. Zudem heißt Hering auf Japanisch nishin, was wie „zwei Elternteile“ (二親) klingt, aber mit anderen Kanjis geschrieben wird.

Kamaboko (蒲鉾)

Neujahrsgericht aus Fischpaste in Pink und Weiß
Ein buntes Neujahrsgericht in Pink oder Rot und Weiß - Fischpaste wird verwendet. Foto: von Qurren, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Kamaboko ist gedämpfte Fischpastete. Sie wird in halbmondförmige Stücke geschnitten, die meisten Pink und Weiß von der Farbgebung erscheinen. Die Farbe ist für die glückverheißende Rolle notwendig. Weiß steht dabei für Reinheit und Pink (als Rotton) soll böse Geister abschrecken. Zudem soll die aufgehende Sonne durch die Färbung symbolisiert werden, welche aber ebenfalls eine glückverheißende Rolle hat.

Tai (鯛)

Tai ist die Meerbrasse im Japanischen. Der Fisch wird in Japan gerne zu festlichen Anlässen serviert. Der Fisch soll dabei vor allem Freude und Glück für das neue Jahr symbolisieren. Der Begriff Tai steckt auch im Japanischen medetai, was glücklich oder fröhlich beudetet.

Kuri Kinton (栗金団)

Neujahrsgericht aus Süßkartoffelbrei
Der Brei wird aus Maronen und Süßkartoffeln hergestellt. Foto: von kazuh, CC BY 2.0, via flickr.

Kuri kinto ist ein japanisches Gericht aus kandierten Maronen und Süßkartoffelbrei. Die leuchtend gelbe Farbe des Gerichts soll an Gold erinnern, daher symbolisiert das Gericht den Wunsch nach Wohlstand und Reichtum.

Kuromame (黒豆)

Kuromama sind schwarze Bohnen, die traditionell in Zucker und Sojasauce gekocht werden. Mame steht im Japanischen für Bohne, kann aber auch Gesundheit bedeuten, wodurch des den Wunsch nach Gesundheit in neuem Jahr symbolisiert.

Tazukuri (田作り)

Tazukari sind kleine Babysardinen, welche in einer herzhaften und süßen Sauce kandiert und anschließend getrocknet werden. In der Vergangenheit hatte das Gericht vor allem für Landwirte eine tiefere Bedeutung, da sie für den Wunsch nach reicher Ernte stehen.

Kobumaki (昆布巻き)

Kobumaki und andere Gerichte
Japanisches Neujahrsessen mit Kobumaki in der Mitte. Foto: von DocChewbacca, CC BY-SA 2.0, via flickr.

Kobumaki sind sogenannte Kombu-Rollen mit verschiedenen Zutaten wie Fisch oder Gemüse. Kombu ist dabei eine bekannte Braunalge, welche oftmals für Rollenspeisen verwendet wird. Kobu erinnert an das Jjapanische Wort yorokobu (sich freuen), wodurch das Gericht vor allem für Glück im neuen Jahr stehen soll.

Tataki gobo (たたき牛蒡)

Tataki gobo sind zerstoßene Kletternwurzeln in Sesammarinade. Da die Klettenwurzel schwer zu ernten ist, steht Tataki gobo für Stärke und Durchhaltevermögen. Durch die gespaltenen Enden der Wurzel soll zudem das Glück vergrößert.

Renkon namasu (酢れんこん)

Kuromame, Renkon namasu und andere Gerichte
Japanisches Neujahrsessen mit schwarzen Bohnen und Lotuswurzeln. Foto: von yoshinagasaki, CC BY 2.0, via flickr.

Renkon Namasu sind Lotuswurzelscheiben, welche in süßer Essigsauce mariniert wurden. Lotuswurzeln haben Löcher, welche eine Zukunft ohne Hindernisse symbolisieren sollen. Wenn dennoch Schwierigkeiten auftauchen, sollen die Löcher zumindest einen klaren Blick auf das neue gewähren.

Ebi no umani (えびのうま煮)

Beim Ebi no umami werden Schrimps in einer Sauce aus Dashi, Sojasauce, Sake, Zucker und Mirik geköchelt. Die rote Farbe der Schrimps soll dabei böse Geister abschrecken, zudem symbolisiert der gekrümmte Rücken mit den beiden Antennen den Wunsch nach einem langen Leben.

Weitere Neujahrsgerichte aus Japan

Ozoni-Suppe mit Muscheln
Japanisches Neujahrsuppe mit Muscheln. Foto: von watashiwani, CC BY 2.0, via flickr.

Kobumaki sind sogenannte Kombu-Rollen mit verschiedenen Zutaten wie Fisch oder Gemüse. Kombu ist dabei eine bekannte Braunalge, welche oftmals für Rollenspeisen verwendet wird. Kobu erinnert an das Jjapanische Wort yorokobu (sich freuen), wodurch das Gericht vor allem für Glück im neuen Jahr stehen soll.

Neben den traditionellen japanischen Gerichten haben sich auch Reiskuchen und Suppen in Japan für das neue Jahr etabliert. Folgende japanische Neujahrsgerichte sollten Sie daher ebenfalls kennen:

  • Kagami mochi (鏡餅): Der Begriff steht für Spiegel-Reiskuchen, wobei auf zwei runde Mochi-Reiskuchen Mandarinen als Dekoration gelegt werden. Sie werden an verschiedenen Stellen des Hauses als essbare Dekoration beispielsweise am Shinto-Hausaltar aufgestellt.
  • Toshikoshi soba (年越しそ): Ab dem 13. Jahrhundert gibt es Toshikoshi soba, aber erst in der Edo-Zeit verbreitete sich die Neujahrsspeise. Es handelt sich um eine Nudelsuppe mit Soba-Nudeln aus Dashu-Brühe. Als Toppings sind Fischkuchen, Tōfu, Algen und Frühlingszwiebeln sehr beliebt. Toshikoshi (年越し) bedeutet wörtlich „das Jahr überschreiten“, daher steht die Suppe für den Jahresübergang.
  • Otoso (お屠) ist ein Neujahrssake der in verschiedenen Heilkräutern ziehen gelassen wird. Japanischer Pfeffer, getrockneter Ingwer oder auch Zimt können enthalten sein. Eigentlich wird er am Neujahrsmorgen zusammen mit der Familie genossen – vom jüngsten bis zum ältesten Familienmitglied trinken alle aus den Bechern. Die Zeremonie soll Geister und Dämonen abhalten.
  • Ozōni (お雑煮) ist eine traditionelle japanische vegane Neujahrssuppe. Es handelt sich um eine klare Suppe auf Dashi-Basis, ein Rezept finden Sie auch im Japanwelt-Blog! Mochi-Reiskuchen und verschiedene Fisch- und Gemüsesorten dienen als Einlage, sie unterscheiden sich aber regional. Seit dem 16. Jahrhundert ist es eine traditionelle Opfergabe für Götter.
  • Nanakusa gayu (七草) wird am 7. Januar im Rahmen des Nanakusa-Festes verspeist. Beim „Fest der sieben Kräuter“ gibt es einen einfachen Reisbrei mit sieben verschiedenen Kräutern. Japanische Petersilie, Hirtentäschel, Baumwollgras oder Rettich werden auf jeden Fall verwendet, die restlichen Kräuter unterscheiden sich regional. Das Gericht soll langes Leben und Gesundheit versprechen.

In Japan wird Neujahr etwas anders begangen als in Deutschland. Das ist nicht sonderlich verwunderlich, aber durch den Blog haben Sie zumindest die Chance ein paar der Neujahrsbräuche besser kennenzulernen. Vielleicht gefallen Ihnen auch die verschiedenen Gerichte und Sie probieren zumindest die traditionelle Neujahrssuppe aus!

Titelfoto: von wilmtap, CC0 1.0 , via flickr.

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