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Japanisches Neujahr – der Oshōgatsu Survival-Guide

Oshōgatsu (お正月), das japanische Neujahr ist eines der wichtigsten Feste Japans. Viele Firmen bleiben vom 29. Dezember bis 3. Januar geschlossen, damit ihre Angestellten den Jahreswechsel gemeinsam mit ihren Familien verbringen können.
Die umfangreiche Vorbereitung auf den Feiertag beginnt allerdings bereits im Dezember. Für Ausländer bietet das stark von Religion und Tradition geprägte Fest, unzählige Gelegenheiten in das eine oder andere Fettnäpfchen zu treten. Um Sie vor den schlimmsten Fehltritten zu bewahren, haben wir an dieser Stelle einen kleinen Survival-Guide für das japanische Neujahrsfest zusammengestellt.

Die Vorbereitung auf das japanische Neujahr

Neujahrskarten, Geschenke, und Dekorationen - um den japanischen Jahreswechsel beruhigt genießen zu können ist es nötig rechtzeitig mit den Vorbereitungen für die ersten Tage des neuen Jahres zu beginnen. Lassen Sie sich dabei nicht von den Weihnachten ablenken, in Japan ist das Neujahrsfest wesentlich bedeutsamer.

Die "Vergiss-das-Jahr-Versammlung" - Bōnenkai (忘年会)

Der Dezember ist die Zeit, in der man in Japan das vergangene Jahr Revue passieren lässt. Viele Arbeitgeber organisieren einen gemeinsamen Abend, an dem die Angestellten mit Unterstützung von Alkohol das Jahr emotional abschließen können. Diese Trinkgelage sind kein Teil des offiziellen Neujahrsfestes in Japan, aber ein sicherer Hinweis darauf, dass sich das alte Jahr dem Ende neigt. Wenn Sie Ihrem Vorgesetzten schon lange einmal die Meinung sagen wollten, ist nun die Gelegenheit ohne Konsequenzen ein wenig Dampf abzulassen und entspannter ins neue Jahr zu gehen.
Das Gegenstück zum Bōnenkai, die so genannte "Neujahrs-Versammlung" (Shinnenkai 新年会), findet übrigens im Januar unter gleichen Bedingungen statt, um alle Mitarbeiter gebührend auf das neue Jahr einzustimmen.

Japanische Neujahrskarten - Nengajō (年賀状)

Zum Jahresende sollten Sie die Chance nutzen sich bei all jenen Menschen in Erinnerung zu rufen, mit denen Sie während der vergangenen 12 Monaten geschäftlich und privat zu tun hatte. Das einfachste Mittel hierzu ist die japanische Neujahrskarte, auf der man seinen Dank und gute Wünsche für das kommende Jahr übermittelt.
Neujahrskarten sind so wichtig, dass die japanische Post größte Anstrengungen unternimmt, um der Flut an Karten gerecht werden zu können. Tausende Hilfskräfte und spezielle Briefkasten für Neujahrskarten sorgen dafür, dass alle Neujahrs-Grüße exakt am 1. Januar ausgeliefert werden können. Der Einsendeschluss für eine garantierte Zustellung an Neujahr ist der 25. Dezember.

Japanische Neujahrsgeschenke - Oseibo (お歳暮)

Wenn eine einfache Neujahrskarte nicht mehr ausreicht, müssen Sie zu größeren Kalibern greifen. Wichtige Geschäftspartner und Bekannte sollten deshalb mit speziellen Neujahrsgeschenken bedacht werden. Seien sie ruhig pragmatisch beim Inhalt der Pakete: Waschmittel, teurer Schinken, Öle zum Kochen und Braten oder einfach ein paar kunstvoll verpackte Bierdosen gehören zu den absoluten Hits unter den japanischen Neujahrsgeschenken.
Um es den Menschen besonders einfach zu machen werden in japanische Kaufhäuser bereits Wochen vor Neujahr fertig gepackte Oseibo-Pakete ausgestellt, die nur noch darauf warten an den entsprechenden Adressaten verschickt zu werden.

Der Neujahrsputz - Susuharai (煤払い)

Das „Ruß-Wegwischen“ gehörte seit der Edo-Zeit (1603-1868) zur festen Vorbereitung auf das japanische Neujahr. Am 13. Dezember wurden Tempel, Geschäfte und private Häuser vom Staub des letzten Jahres befreit. Heute sind die Menschen bei der Wahl des Termins flexibler. Nur in Shintō-Schreinen und buddhistischen Tempel wird noch exakt am 13.12 der Besen geschwungen. In sauberes Zuhause gehört jedoch noch immer zur Vorbereitung auf das japanische Neujahrsfest.

Neujahrsdekorationen in Japan - Kadomatsu (門松) und Kagami-Mochi (鏡餅)

Kadomatsu (門松) Bambusgestecke sind die typische japanische Neujahrs-Dekoration

Ist das Haus gesäubert wird es Zeit, dass Sie es für den Besuch der „Jahresgötter“ (Toshigami 年神) vorbereiten. Um diesen Glück bringenden Geistern den Weg zu weisen müssen bis zum 28. Dezember spezielle Dekorationsgegenstände aufstellt werden. Das Datum ist deshalb wichtig, weil es nach dem 28. Dezember nur noch einen einzigen Tag gibt, an dem Sie ihre japanische Neujahrsdekoration rechtzeitig aufstellen können. Da die japanische Lesung der Zahl 9 auch „Schmerz oder Leid“ bedeuten kann ist der 29.12 für das Dekorieren tabu. Eine am 31.12. aufgestellte Neujahrsdekoration verfehlt ebenfalls ihren Sinn, da es als äußerst unhöflich gilt die Glücksgötter mit einer erst einen Tag vor Neujahr aufgestellten Dekoration zu begrüßen. Somit bleibt Ihnen nur noch der 30. Dezember, um das Haus für den göttlichen Besuch herzurichten.
Die wichtigste japanische Neujahrsdekoration ist der Kadomatsu (門松), ein Gesteck aus Bambusrohren, das im Eingangsbereich von Häusern und Wohnungen aufgestellt wird. Sie sollten auf keinen Fall hierauf verzichten, da der Kadomatsu als eine Art Wegweiser gilt, um den Toshigami den Weg zu Ihrem Heim zu weisen.
Ebenfalls von Bedeutung ist der auf dem Hausaltar aufgebauten Kagami-Mochi (鏡餅). Der „Spiegel-Reiskuchen“, bestehen aus zwei übereinander gestapelten Reiskuchen auf denen eine „Daidai“ genannte Zitrusfrucht thront. Beide Reiskuchen repräsentieren das vergangene und kommende Jahr. Die Frucht wird verwendet, weil die Lesung ihres Schriftzeichens auch „Generationen“ bedeuten kann und für die Kontinuität der Familie stehen soll. Heute wird die seltene Daidai-Frucht jedoch meist gegen eine leichter erhältliche japanische Mandarine ausgetauscht. Der Name „Spiegel-Reiskuchen“ rührt daher, dass die Anordnung der Mochi Ähnlichkeit mit der Form traditioneller Bronzespiegeln aus Japans Frühgeschichte aufweisen soll.
Die eigentliche Aufgabe der Kagami-Mochi ist es, während der Feiertage als Opfergabe an die Jahresgötter zu dienen. Erst am zweiten Samstag oder Sonntag des neuen Jahres dürfen Sie ihn mit Hilfe eines Holzhammers zerbrechen und gemeinsam mit Ihren Familienmitgliedern essen.

Ōmisoka (大晦日) - Sylvester in Japan

"Yoi Otoshi o!" (良いお年を) - „Ein schönes neues Jahr“ ist der Ausdruck den Sie am 31. Dezember überall auf Japans Strassen hören können. Die meisten Japaner verbringen Sylvester und Neujahr im Kreise ihre Familie und verabschieden sich so von allen Menschen, die sie erst im neuen Jahr wieder sehen werden. Da viele von ihnen ursprünglich nicht aus den Ballungszentren wie Tokio oder Osaka stammen, haben Sie während der Zeit vom 29. Dezember bis zum 3. Januar die einmalige Gelegenheit Japans Metropolen in nicht ganz so überfülltem Zustand zu erleben. Besonders Fahrten in der U-Bahn werden Sie während dieser Tage neu zu schätzen lernen.
Ōmisoka, das japanische Sylvester, hat nicht die gleiche Bedeutung wie in Deutschland. Es ist nicht der Höhepunkt, sondern der Auftakt der eigentlichen Neujahrsfeierlichkeiten und wird deutlich weniger spektakulär und ohne Feuerwerk zelebriert. Folgende Dinge sollten Sie am japanischen Sylvester nicht verpassen:

Der „rot-weiße Gesangswettstreit“ - Kōhaku Uta Gassen (紅白歌合戦)

Für viele Japaner beginnt die Einstimmung auf das Neujahrsfest mit einem seit über 60 Jahren bestehenden Fernsehritual. Etwa um halb acht beginnt die Übertragung des „rot-weißen Gesangswettstreits“, ein Wettbewerb bei dem zwei Teams (Rot und Weiß), bestehend aus den gegenwärtig beliebtesten Sängerinnen und Sängern des Landes, gegeneinander antreten. Das rote Team setzt sich ausschließlich aus weiblichen und das weiße Team ausschließlich aus männlichen Sängern und Gruppen zusammen. Entschieden wird der „Kampf“ der Geschlechter kurz vor Mitternacht, durch eine Bewertung von Jury und Zuschauern.
Kōhaku Uta Gassen war lange Zeit die erfolgreichste Sendung des Jahres und gehört auch heute zum japanischen Sylvester, wie in Deutschland die Ausstrahlung von „Dinner for one“.

„Jahreswechsel Soba“ - Toshikoshi Soba (年越しそば)

Irgendwann im Lauf des Sylvesterabends sollten Sie, der Tradition folgend, eine Portion „Toshikoshi Soba“ zu sich nehmen. Die langen Nudeln sollen ein ebenso langes Leben bescheren und Kraft für das neue Jahr verleihen. Sie sind gleichzeitig der Auftakt für eine ganze Reihe von Glücks verheißenden Speisen, die Japaner an den kommenden Tagen genießen werden. Wichtig ist es dabei, dass Sie nicht eine einzige Nudel übrig zulassen, da eine solche Nachlässigkeit die Glück bringende Wirkung ins Gegenteil umkehren könnte.

Die Sylvester Glocken - Joya no kane (除夜の鐘)

Das neue Jahr beginnt in Japan nicht mit dem lauten Knall von Feuerwerk, sondern mit dem Klang buddhistischer Tempelglocken. 108 Mal wird die große Glocke jedes Tempels geschlagen. Mit jedem Klang soll eine der 108 weltlichen Begierden der Menschen die Erde verlassen, damit Sie frei von Sünde und Leid ins neue Jahr starten können. Viele Japaner nutzen diesen Anlass um Hatsumōde (初詣), den ersten Tempelbesuch des Jahres, zu absolvieren und für Glück und Gesundheit in den kommenden zwölf Monate zu beten.

Oshōgatsu (お正月) - das japanische Neujahr

Es ist soweit: Das eigentliche japanische Neujahr besitzt viele Ähnlichkeiten zum Weihnachtsfest in Deutschland. Es ist das wichtigste Familienfest des Jahres, man besucht gemeinsam religiöse Einrichtungen, Kinder erhalten Geschenke und vor allem wird viel und ausgiebig gegessen und getrunken. Hier sind die wichtigsten Neujahrs-Bräuche aus Japan:

Das japanische Neujahrsessen - Osechi Ryōri (御節料理)

Das japanische Neujahrsessen: Osechi Ryōri (お節料理)

Osechi Gerichte sind das traditionelle Neujahrsessen in Japan. Ähnlich wie bei einem Bentō bestehen sie aus verschiedenen Speisen, die fein arrangiert in einem Kasten serviert werden. Alles wurde bereits vor dem Jahreswechsel zubereitet, so dass an den ersten Tagen des neuen Jahres in Japan niemand kochen muss.
Den einzelnen Speisen eines Osechi werden positive Eigenschaften zugeschrieben. So gilt beispielsweise die „in Salz gebratene Seebrasse“ (Tai no Shioyaki 鯛の塩焼き) als besonders Glücks verheißendes Essen und Heringsrogen (Kazu no ko 数の子) als Garant für gesunden Nachwuchs im neuen Jahr. Dazu gibt es reichlich Sake und andere alkoholische Getränke.
Ebenfalls beliebt ist Ozōni (お雑煮), eine Suppe mit Mochi-Reiskuchen, die Sie jedoch mit gebührender Vorsicht genießen sollten. Denn jedes Neujahr kommt es in Japan zu Unfällen, bei denen besonders älteren Menschen und Kindern sich an der klebrigen Suppeneinlage verschlucken und den Jahresanfang in einem Krankenhaus verbringen müssen.

Das Neujahrsgeld - Otoshidama (お年玉)

Kinder erhalten am japanischen Neujahr Geldgeschenke von Eltern und Verwandten. Verpackt in edlen Umschlägen, ist es nicht üblich den Jüngsten jeweils Scheine im Wert von bis zu 100 Euro zu überreichen. Je nach Größe der Familie kann ein Kind so der neuen Spielkonsole oder ähnlich teuren Wünschen einen entscheidenden Schritt näher kommen.

Der erste Schrein- und Tempelbesuch - Hatsumōde (初詣)

Wenn Sie nicht schon um Mitternacht einen den örtlichen Tempel und Schrein besucht haben sollten Sie dies wie die meisten Japaner am 1. oder 2. Januar nachholen. Es ist die Zeit in der Tempel und Schreine, wie deutsche Kirchen zur Weihnachtsmesse, die größte Besucherzahlen verzeichnen. Fast drei Viertel aller Japaner nutzt die Feiertage um nach einer kleine Spende für Glück und Gesundheit im neuen Jahr zu beten. Treffen Sie hierbei zufällig auf einen Bekannten grüßen Sie diesen nun mit einem freundlichen "Akemashite omedetō!" (明けましておめでとう), was von der Verwendung her einem „Frohes neues Jahr!“ entspricht.

Japanisches Neujahr - viele "erste Male"

Neben dem Besuch in einem shintoistischen Schrein oder buddhistischen Tempel gibt es weitere Dinge, die Sie während der japanischen Neujahrstage unbedingt zum ersten Mal im neuen Jahr machen sollten:

  • Der „erste Sonnenaufgang“ (Hatsuhi no de 初日の出) des Jahres sollte am besten an einem landschaftlich schönen Ort wie einem Berg oder am Ufer eines Gewässers beobachtet werden. Spezielle Webseiten geben Auskunft über die besten Aussichtspunkte in Ihrer Nähe und informieren über die genaue Uhrzeit des Sonnenaufgangs.
  • Der "erste Traum" (Hatsuyume 初夢) des Jahres, soll Hinweise auf das Glück im Neuen Jahr geben. Als perfekt gilt es nach traditioneller Auffassung wenn Sie einen Traum haben, in dem erst der Berg Fuji, dann ein Falke und schließlich eine Aubergine auftaucht. Warum das so ist, ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt. Eine mögliche Erklärung für diese obskure Reihenfolge finden Sie hier.
  • Der „Erste-Verkauf“ (Hatsuri 初売り) des Jahres, ist eine moderne „Neujahrstradition“ in Japan. Pünktlich zum 1. oder 2. Januar beginnen die Geschäfte eine Art japanischen Winterschlussverkauf. Besonders für ältere Kinder die Gelegenheit ihre Otoshidama gegen eine Tüte voller Kleidung einzutauschen. Wen Sie es lieber ein wenig mysteriöser mögen können Sie, anstatt selbst zu wählen, einen so genannten Fukubukoro (福袋) "Glücksbeutel" erwerben. In diesen undurchsichtigen Tüten befinden sich Produkte, die im normalen Verkauf bis zu 50% mehr gekostet hätten. Erhältlich sind die schnell vergriffenen Wundertüten in unterschiedlichen Preiskategorien von durchschnittlich 30 bis 100 Euro.
Zum Verkauf verpackte Kagami-Mochi (鏡餅) mit Mandarine

Nachdem der Urlaub der meisten Angestellten bereits ab dem 3. Januar zu Ende gegangen ist endet das japanische Neujahr auch optisch mit dem Entfernen der letzten Neujahrsdekorationen am 7. Januar. Kadomatsu (門松) und andere religiöser Schmuck wird in einer von Priestern durchgeführten Zeremonie feierlich verbrannt. Die Jahresgötter ziehen weiter um in einem Jahr erneut vorbeizuschauen.

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