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Onsen - Entspannen auf japanische Art

Unter Japans Inseln rumort es. Gleich vier tektonische Platten treffen in tausend Meter Tiefe aufeinander. Die dort freigesetzte Energie sorgt jedoch nicht nur für Katastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche, sondern beschenkt die Menschen auch mit einem der größten natürlichen Schätze des Landes: Onsen (温泉), die „heißen Quellen“ Japans.

Onsen – Entspannungsoasen im japanischen Arbeitsalltag

Onsen sind die traditionellen Entspannungsorte Japans.

Onsen bedeutet nicht nur körperliche Erholung durch das mineralienreiche Thermalwasser. Ebenso wichtig ist die beruhigende Wirkung auf den Geist. Noch heute ist es in Japan ungeschriebenes Gesetz, nur einen Teil der vertraglich zugesicherten Urlaubstage wirklich einzufordern. Lange Reisen sind so meist ausgeschlossen oder werden zu straff durchgeplanten Sightseeingtouren, die wenig mit dem deutschen Verständnis von Urlaub gemein haben. Umso wichtiger ist es, hin und wieder einen ein- bis zweitägigen Kurzurlaub einzulegen, um die verlorenen Energiereserven aufzutanken. Kaum ein Ort eignet sich hierzu besser als ein traditionelles Onsen. Allein die Erwähnung des Wortes reicht aus, um viele Japaner verzückt in Erinnerungen schwelgen zu lassen. Und tatsächlich: Bei jährlich 140 Millionen Übernachtungen in japanischen Onsen-Resorts, nutzt (statistisch gesehen) jeder Japaner mindestens einmal pro Jahr die Kraft der heißen Thermalquellen.

Japan, das Land der "heißen Quellen"

Von Kyūshū im Süden bis Hokkaidō im Norden sprudeln an über 28.000 Orten dampfend heiße Thermalquellen aus der Erde. 3.000 von ihnen sind offiziell als Onsen-Resorts lizenziert. Ein Titel, für den genaue Vorrausetzungen erfüllt werden müssen. Hierzu gehört, dass das Wasser einen festgesetzten Anteil an Mineralien enthält und mit mindestens 25°C aus der Erde quillt. Tatsächlich liegt die durchschnittliche Temperatur eines japanischen Onsen allerdings wesentlich höher. Bei schweißtreibenden 41-42°C empfinden die meisten Japaner die größte Entspannung. Ist die natürliche Wassertemperatur der Quelle ungeeignet, wird sie künstlich erhöht oder herabgekühlt.
Der Bedarf an Onsen ist so groß, dass durch Tiefenbohrungen sogar an eigentlich ungeeigneten Orten neue Bäder entstehen. Mitunter inmitten japanischer Großstädte. Aus über 1.400 Metern wird das Thermalwasser des riesigen Ōedo Onsen Monogatari (大江戸温泉物語) in Tokio an die Oberfläche gefördert. Seit 2003 tauchen hier täglich mehrere tausend Besucher in den unterschiedlichen Bade-Becken ab oder stärken sich in Imbissen und Restaurants, die das Flair des alten Tokio (Edo) aufleben lassen sollen. Dies mag für vergnügungssüchtige Großstädter eine willkommene Abwechslung sein, für wahre Onsen-Puristen sind solche Erlebnisbäder-Bäder allerdings keine wirkliche Alternative.

Onsen, Ryokan, Essen - Ein Fest für alle Sinne

Besonders im Winter verwandeln sich japanische Onsen-Resorts in nahezu magische Landschaften.

Der Besuch eines japanischen Onsen bedeutet Entspannung auf vielen Ebenen. Neben der Wirkung des heißen Thermalwassers spielt auch die Umgebung eine wichtige Rolle. Bereits bei der Einfahrt in ein ländliches Onsen-Resort fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Dampfende Flüsse, die unter geschwungenen Brücken fließen, traditionelle japanische Gasthäuser und Menschen, die in bequemen Yukata-Kimonos (wörtlich: „Bad-Kleidung“) zum nächsten Badegang schlendern, lassen die Hektik der großen Metropolen in weite Ferne rücken.
Jedes gute Onsen-Bad verfügt, neben hölzernen Innenbecken über mindestens ein aus Naturstein gefertigtes Freiluftbecken, ein so genanntes Rotenburo (露天風呂). Umgeben von warmem Wasser kann man hier, mit Blick auf schneebedeckte Berge oder das weite Meer, die Seele baumeln lassen.
Wer es sich leisten kann, verbringt die Nacht in einem traditionellen Ryokan (旅館) Hotel mit Tatami-Matten und Schiebetüren.
Neben der richtigen Unterbringung ist das Essen ein wichtiger Teil des Gesamterlebnis Onsen. Gerade Ryokan sind bekannt für ihre klassische japanische Küche mit regionalen und saisonalen Köstlichkeiten. Aufwendig arrangiert, werden die nicht selten von Spitzenköchen zubereiteten Menüs bequem direkt aufs Zimmer gebracht. Die ideale Stärkung vor dem nächsten Badegang.
Eine beliebte kulinarische Spezialität in Onsen-Resorts sind die so genannten Onsen Tamago (温泉卵) oder Onsen-Eier. Hierbei handelt es sich um eine Art pochiertes Ei, das über eine Stunde in einer 60-70°C heißen Onsen-Quelle gegart wurde. Eigelb und Eiweiß erhalten eine wachsweiche Konsistenz, während die im Wasser gelösten Mineralien dem Ei seinen besonderen Geschmack verleihen. Überhaupt sagt man Onsen-Wasser verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften nach. Getrunken soll es beispielsweise bei Magenbeschwerden helfen.

Berühmte Onsen-Badeorte in Japan

Yubatake Onsen (湯畑温泉) in Kusatsu gehört zu den beliebtesten heißen Quellen Japans.

Schon in Japans zweitältesten Buch, dem 720 n. Chr fertigestellten Nihonshoki, werden „Japans drei alte warme Quellen“ erwähnt: Dōgo Onsen (道後温泉), in der heutigen Präfektur Ehime, Arima-Onsen (有馬温泉) in Hyogo und Nanki-Shirahama Onsen (南紀白浜温泉) in Wakayama.
Neben diesen sind heute jedoch vor allem drei Orte für ihre vielen Onsen-Bäder bekannt:
Die Stadt Beppu, auf der südlichen Hauptinsel Kyūshū gelegen, besitzt über 3.700 Thermalquellen und ist mit 12 Millionen Gästen im Jahr eines der drei beliebtesten Onsen-Gebiete Japans. Ebenfalls bekannt für seine Quellen ist Atami in der Präfektur Shizuoka. Schon seit der Edo-Zeit (1603-1868) galt die Region als beliebtes Onsen-Gebiet und auch der Name („heißes Meer“) der Küstenstadt weist auf seine berühmtesten Sehenswürdigkeiten hin.
Für alle Menschen im Großraum-Tokio ist Hakone, in der Nachbarpräfektur Kanagawa, das ideale Ziel für einen kurzen Onsen-Trip.
Ebenfalls ganz oben in den von Zeitschriften und TV-Sendern verbreiteten Onsen-Rankings liegt der 7.000 Einwohner-Ort Kusatsu mit seinen berühmten Yubatake Onsen (湯畑温泉). Über drei Millionen gestresste Gäste finden hier jährlich ideale Bedingungen für Ruhe und Entspannung.

Die wichtigsten Onsen-Baderegeln

Um sich beim ersten Onsen-Besuch nicht gleich als totaler Neuling zu outen, gilt es, ein paar typisch japanische Baderegeln zu beachten:

  • Das Onsen-Becken ist nicht zum Waschen da!
    Gewaschen wird der Körper gründlich vor dem Betreten des Wasserbeckens. Handduschen, die im Sitzen benutzt werden, befinden sich im Vorbereich des Bades.
  • Onsen sind eine textilfreie Zone!
    Außerhalb des Wassers kann ein kleines Handtuch, ein so genanntes Tenugi (手ぬぐい), zum Verdecken des Intimbereichs verwendet werden. Während des Badens wird es in der Regel außerhalb des Beckens abgelegt oder auf dem Kopf getragen, um das Wasser nicht zu verschmutzen.
    Wer sich prinzipiell nicht gerne vor anderen entblößt, sollte sich besser einen privates Becken reservieren.
  • Gemischte Bäder sind die Ausnahme!
    Männer und Frauen baden in einem Onsen in der Regel getrennt. Gemischte Bäder, auf Japanisch Konyoku (混浴) genannt, sind eher unüblich.

 

Wo gibt es Onsen in Deutschland?

Kurz und knapp: Es gibt sie nicht! Zwar werben viele Thermen und Erlebnis-Bäder neuerdings mit angeblich „japanischen“ Onsen-Becken, diese haben in der Realität jedoch nicht viel mit dem originalen Erlebnis gemeinsam. Abgesehen davon, dass es sich hierbei in der Regel um keine aus Thermalquellen gespeisten Bäder handelt, ist die Temperatur mit 32°C wesentlich geringer als im japanischen Original.
Selbst in Süddeutschland, wo es viele heiße Thermalquellen gibt, beträgt die Badetemperatur der Kurbäder kaum mehr als 38°C Grad, meist ist sie geringer.
Das Gesamterlebnis Onsen mit all seinen optischen und kulinarischen Reizen ist so ohnehin nur in Japan erlebbar.

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