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Die große Welle vor Kanagawa – eines der berühmtesten Kunstwerke Japans

Eines der bekanntesten Werke japanischer Kunst ist der Farbholzschnitt im Ukiyo-e Stil. Drei Boote müssen sich mit der unruhigen See von Edo (dem heutigen Tokio) auseinandersetzen. Sie drohen in einer hohen Welle zu kentern. Zwischen den Wogen öffnet sich ein seichtes Tal der Wellen und gibt den Blick auf den anmutigen Fuji preis – der seit Jahrhunderten in Japan im Zuge der Shinto-Religion als heiliger Berg verehrt wird.

"Die große Welle vor Kanagawa" (神奈川沖浪裏, Kanagawa oki nami ura) trägt eigentlich den Namen "Unter der Welle im Meer vor Kanagawa". Das Kunstwerk wurde von dem japanischen Künstler Katsushika Hokusai (1760-1849) geschaffen. Es handelt sich dabei um das erste und bekannteste Blatt der Bildserie 36 Ansichten des Berges Fuji, welche zwischen 1830 und 1836 entstanden sind. Inspiriert wurde das Werk von der niederländischen Kunst.

Der Asakusa Honganji Tempel im Vordergrund und der Fuji im Hintergrund
“Der Hongan-Tempel bei Asakusa in Edo“ – Dach und Giebel des Tempels sind klar erkennbar, im Hintergrund erhebt sich der Fuji. Bild: Katsushika Hokusai, Public domain, via Wikimedia Commons.

Katsushika Hokusai – der japanische Künstler der großen Welle

Katsushika Hokusai (葛飾 北斎) wurde in Japan vermutlich am 31. Oktober 1760 geboren. Sein Geburtsort wird meist mit Warigesui, Honjo, Edo (heute: Sumida, Tokio) angegeben. Er gilt heute als bedeutendster Vertreter des Ukiyo-e-Genres.

Darstellung des roten Fuji im Morgengrauen
Der rote Fuji von Hokusai wird eigentlich „Klare Morgendämmerung bei Südwind“ genannt. Bild: Katsushika Hokusai, Public domain, via Wikimedia Commons.

Über die leiblichen Eltern des Künstlers ist nichts bekannt. Er wurde mit drei Jahren von Nakajima Ise (中島 伊勢) adoptiert. Er war Spiegelmacher am Hof des Shogun. Mit adoptieren Namen wurde er Nakajima Tokitaro (中島 時太郎) genannt. Er begann eine Blockschnitzerlehre mit 15 Jahren. Mit 18 Jahren hat er in der Kunstwerkstatt des Ukiyo-e-Meisters Katsukawa Shunshō angefangen. Der Meister begründete die Katsukawa-Schule, welche in der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts zur dominierenden Schule wurde.

Die ersten Arbeiten des japanischen Künstlers stammen aus dem Jahr 1979 und zeigen verschiedene Schauspieler, welche vor allem durch die individuellen Gesichtszüge sehr spannungsreich waren. Für die Werke verwendete er den Künstlernamen Katsukawa Shunrō (勝川 春朗). Er ließ sich von der Kano-Schule des Meisters Yusen beeinflussen und erlangte in dieser Zeit Zugang zur westlichen Malerei. Nach dem Tod des Meisters Shunshōss verließ er die Schule, führte den Künstlernamen aber noch ein Jahr weiter.

Der Künstler reiste durch ganz Japan, wie es in der Zeit für seine Zunft üblich war. Insgesamt wohnte er an 100 verschiedenen Orten und nutzte mehr als 30 Künstlernamen. Während einer besonders produktiven Zeit nannte er sich Gakyojin (übersetzt etwa: verrückt auf Malen).

Den Namen Katsushika Hokusai nahm der Meister erst im Jahr 1798 an. Er hatte damals begonnen, eigene Schüler in der Kunst des Holzschnittes und der Zeichenkunst zu unterweisen. Er verwendete den Namen bis zu seinem Tod am 10. Mai 1849. Er wurde auf einem Friedhof in Tokio im Bezirk Taito beigesetzt. Sein Grabmal befindet sich noch heute dort.

Das Privatleben des Meisters war sehr durchwachsen. Seine erste Frau starb 1793 und hinterließ ihm zwei Töchter und einen Sohn. Vier Jahre später heiratete er erneut. Sein erstgeborener Sohn stab 1812. Im Jahr 1828 starb die zweite Frau. Seine Töchter hatten unglückliche Ehen, welche geschieden wurden – sie kehrten in seinen Haushalt zurück.

Ukiyo-e – Bilder einer fließenden Welt

Ukiyo-e ist ein Sammelbegriff in der japanischen Malerei und Druckgrafik. Der Begriff stammt aus der Edo-Zeit (1603-1868). „Ukiyo“ stammt als Begriff aus dem Buddhismus und ist mit der „Vanitas“-Vorstellung vergleichbar. Das angehängte „e“ bedeutet dabei Bild, sodass man den Terminus meist mit „Bilder der fließenden Welt“ übersetzt.

Der Fluss Tama mit Fischer und Fuji
“Der Fluss Tama in der Provinz Musashi“ – im Hintergrund ist wie immer der Fuji gut erkennbar. Bild: Katsushika Hokusai, Public domain, via Wikimedia Commons.

Holzblöcke dienen im Prinzip als Stempel für die Drucke. Der Künstler schnitzt die entsprechenden Motive und dann werden die einzelnen Farben in verschiedenen Schichten aufgedruckt.

Die ersten Drucke wurden dabei in Schwarz-Weiß hergestellt. Später kamen weitere Farben hinzu, wobei für jede Farbe ein separater Holzblock verwendet wurde. Normalerweise haben Ukiyo-e Drucke sich auf Darstellungen von Kurtisanen und Theaterakteuren beschränkt. Hokusai wich extrem von der Tradition ab und bediente er sich dem Alltag verschiedener japanischer Gesellschaftsschichten, darunter fällt beispielsweise der Kampf der Fischer mit den Wellen.

Die große Welle als Teil der 36 Ansichten des Berges Fuji

Der Künstler war 70 Jahre alt, als er die ersten Skizzen für die Farbholzschnittserie „36 Ansichten des Berges Fuji“ (富嶽三十六景, Fugaku sanjūrokkei) anfertigte. Auf allen Seiten der Serie ist der heiligste Berg Japans, der Fuji, zu sehen. Der Künstler war sich der Bedeutung seiner Werke bewusst. Er war sich sicher, dass nichts, was er in den vorherigen 70 Jahren geschaffen hat, die gleiche Bedeutung hätte.

Die Serie hatte in Japan sehr viel Erfolg, sodass eigentlich „Die hundert Ansichten des Berges Fuji“ angekündigt wurden. In den folgenden Jahren kamen von 1831/1832 aber nur 10 weitere Werke zustande. Die ersten Bilder zeigen den Fuji von der Vorderseite (omote Fuji), wie man ihn von Tokio aus sieht. Die letzten 10 zeigen den Vulkan von der östlichen Seite, daher stellen sie die Rückseite (ura Fuji) dar.

Es ist nicht verwunderlich, dass der Fuji eine große Faszination auf die Menschen und den Künstler ausgelöst haben. Der Vulkan ist immerhin mit 3776 Metern der höchste Berg Japans. In der Shinto-Religion gilt als heiliger Berg und seit 2013 ist er offiziell ein Weltkulturerbe der UNESCO. Als er die Bilder anfertigte bediente er aber ebenso den inländischen Tourismus. Zu seinen Lebzeiten strömten viele Menschen nach Edo, suchten Souvenirs und Bilder vom Fuji waren bereits damals sehr beliebt.

Die Besonderheiten des ersten Blattes „der Hokusai Welle“

Der Druck der „großen Welle vor Kanagawa“ ist im Original 25x37cm groß. Von Edo (Tokio) aus kommen drei Fischerboote, welche auf eine riesige sich aufbauende Welle zusteuern. Die Fischer kauern sich auf den Booten (Typ Oshiokuri-bune, klassische Fischerboote mit einer Länge von 12 bis 15 Metern) zusammen, um dem Schicksal zu entrinnen. Während sich auf der linken und rechten Seite die Wellen erheben, gibt es in der Mitte eine leichte Senke, durch den man den Fuji im majestätischen Grau mit seiner schneebedeckten Kuppel sieht. Das Spiel mit der Perspektive ist außerordentlich. Der Fuji erscheint nur als kleiner Hügel in weiter Ferne beeindruckt aber dennoch mit seiner Erscheinung.

die-grosse-welle-von-kanagawa

Das Werk zeigt am besten den niederländischen Einfluss bei dem Gemälde. Der Meister Hokusai begann sich mit der linearen Perspektive auseinanderzusetzen. Er schuf eine japanische Interpretation. Zudem wurde eine niedrige Horizontlinie gewählt, die der niederländischen Malerei eigen war. Wichtiger ist aber das unverkennbare europäische Farben genutzt werden. Dazu gehört das Berliner oder Preußisch Blau, durch das die Wellen gekennzeichnet werden. Die Farbe musste importiert werden.

Die große Welle vor Kanagawa und die Bedeutung für Europa

Die große Welle von Hokusai hat viele Besonderheiten. Zum einen wurde die Themenvielfalt des gesamten Genres durch die Darstellung erweitert. Zum anderen zeigt sich auch ein westlicher Einfluss in der japanischen Kunst. Von 1640 bis in die 1850er-Jahre schottete sich Japan von der Welt ab. Handel war höchstens mit den Niederlanden und China erlaubt. Der Marineadmiral Matthew C. Perry hatte lange nach Hokusais Tod den Handel zwischen dem Westen und Japan erzwungen. Bei der Weltausstellung in Paris 1867 waren die Arbeiten des heute berühmten Künstlers zu sehen. Damit waren die ersten japanischen Kunstwerke einem europäischen Massenpublikum zugänglich.

Reflektion des Fuji im Kawaguchi See
“Oberfläche des Misaka-Sees in der Provinz Kai“ – Der Fuji spiegelt sich auf besondere Weise in dem See. Bild: Katsushika Hokusai, Public domain, via Wikimedia Commons.

Der Hype in Europa war enorm. Vor allem japanische Impressionisten wie Claude Monet sammelten die Kunst. Der französische Künstler erwarb 250 japanische Drucke, darunter 23 von Hokusai. Im 19. Jahrhundert wurden Maler des Jugendstils von seinen Zeichnungen inspiriert. Edgar Degas nutzte die Bilder ebenfalls als Quelle der Inspiration. Selbst Literaten wie Rainer Maria Rilke bezogen sich auf das Meisterwerk, wie man am Gedicht „Der Berg“ sieht. Claude Debussy hat dem Kunstwerk zudem das Orchesterwerk „La Mer“ gewidmet.

Repliken des bekannten Drucks gibt es auf der ganzen Welt. Man geht davon aus, dass im Laufe der Zeit 5000 bis 8000 Drucke der „großen Welle vor Kanagawa“ erstellt wurden. Von den Darstellungen kennt man meist die Replik vom Orchesterwerk Hokusai-Museum Sumida in Tokio. Allerdings gibt es Abzüge auf der ganzen Welt, so im Metropolitan Museum of Art in New York oder im British Museum in London. Je älter die Repliken, desto hochpreisiger werden sie verkauft. Bilder der Erstauflagen haben in den letzten Jahren bis zu 50.000 Dollar eingespielt. Bei den Repliken der zweiten Auflage fallen die Preise bereits um 50 Prozent.

Die Ukiyo-e Kunst von Katsushika Hokusai ist weltberühmt. Fast überall lassen sich Kunstdruck der berühmten Gemälde finden. Selbst im Japanwelt-Shop finden Sie die große Welle sowie weitere Kunstwerke aus der Fuji-Serie des großen Meisters.

Titelfoto: Die Große Welle vor Kanagawa von Katsushika Hokusai, Public domain, via Wikimedia Commons.

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