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Bonsaikunst – Natur im Miniaturformat genießen

Zu den bekanntesten japanischen Traditionen gehört Bonsai. Es handelt sich dabei um die Technik, natürliche Landschaften mit Bäumen im Miniaturformat in einer Blumenschale nachzubilden und dabei ästhetisch schöne Wuchsformen zu erreichen. Besonders begehrt sind Bonsai Bäume, die wie ihr großes Pendant in der Natur geformt wurden, nur eben im Miniatur-Format. Diese Bonsai sind viele Jahre alt und wurden in dieser Zeit von fachkundigen Bonsai Experten bearbeitet, was sich in ihrem oft vierstelligen Preis niederschlägt. Aber Bonsai gibt es auch in weniger exklusiven Ausführungen. Ob man die kleinen Bäume draußen im Garten gestaltet oder zu Hause in der eigenen Blumenschale bewundert – mit den Bonsai holt man sich die Natur ein Stück näher und formt sie zu einer wahren Pracht. Der folgende Artikel beschreibt die Geschichte von Bonsai, seine Formen und die Möglichkeiten, die Bonsaikunst sogar selbst umzusetzen.

Japanischer Bonsaigarten – die Geschichte von damals bis heute

Bonsai Baum im Kengai Stil
Dieser Bonsai Baum ist im Kengai-Stil bearbeitet und stellt den Überlebenswillen des Baumes in einer unwirtlichen Umgebung dar.

Heutzutage ist vor allem die Bonsaikunst im japanischen Stil sehr weit verbreitet. Das mag auf den ersten Blick erstaunen, schließlich liegen die Ursprünge in China, nicht in Japan. Dort ist die Nachstellung von ganzen Landschaften im Miniaturformat bereits seit etwa 200 n. Chr. bekannt. Erst durch buddhistische Mönche wurde etwa um das 10. bis 11. Jahrhundert die Bonsaikunst nach Japan gebracht. Dies legte den Grundstein dafür, dass ein japanischer Bonsaigarten zum heutigen Standard werden konnte.

Blühende Azalee im Bonsai Format
Blühende Bäume wie die japanische Azalee oder die japanische Kirsche bieten mit ihren zarten Blüten einen besonders schönen Anblick. - Bild: © Sage Ross - commons.wikimedia.org - Lizenz: CC-BY-SA

Im 17. Jahrhundert kam es schließlich zu einem deutlichen Aufschwung dieser Kunst, sodass Bonsai nun wesentlich intensiver betrieben wurde. Vor allem waren damals Pflanzen populär, deren Wuchs ungewöhnlich oder deren Blüten und Blätter mutiert waren und die daher so nicht in der Natur vorkamen. Diese wurden schnell zu hoch gehandelten Spekulationsobjekten. Nach Ende der Edo-Zeit wandte man sich in der Bonsai Kunst allerdings wieder der Natur zu und nutzte heimische Arten wie Kiefer und Ahorn, die man nach natürlichem Vorbild formte. Stilformen wie Kengai und Chokkan entstanden. Bei Kengai wird die Wuchsrichtung des Baumes in einem aufrecht stehenden Topf nach unten gebogen. So erreicht man hängende Bonsaipflanzen, die den Überlebenswillen der Pflanze in unwirtlichen Gebieten wie an Felswänden symbolisieren. Chokkan hingegen fördert das schnurgerade Wachstum nach oben mit kleinen Ästen, die in horizontaler Richtung wachsen. Dieser perfekte Baum ist quasi das Gegenteil zum Kengai Bonsai. Daneben gibt es viele weitere Formen, nach denen sich Bonsai Experten in ihrer Gestaltung richten.

Im Laufe der Zeit verkörperte die Bonsaikunst mehr als nur ein rein dekoratives Hobby. Sogar politische Aussagen waren teilweise damit verbunden. Während der Isolierung Japans war zeitweise ein Besuch Chinas unter Androhung der Todesstrafe verboten. So formten vor allem Gelehrte aus Gestein und Bonsaibäumen ein eigenes China in Miniaturform. Eine internationale Präsentation der Bonsaikunst durch Japan wurde erstmals 1867 auf der Weltausstellung in Paris durchgeführt. Eine echte Internationalisierung fand jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Seitdem verbreitet sich die Bonsai Kunst als Hobby und künstlerische Ausdrucksform auf der ganzen Welt.

Übrigens ist auch die Chrysantheme, die Nationalblume Japans, eine beliebte Wahl für Bonsai. Die Ergebnisse in der Gestaltung der blühenden Pflanze sind vor allem während der Blütezeit ein echter Hingucker. Bei den meisten Bonsai handelt es sich aber nach wie vor um klassische Holzgewächse wie Kiefern.

Bonsaigärten in Deutschland

Fächer-Ahorn im Miniaturformat
Bonsai Bäume werden ihrem natürlichen Vorbild in verkleinertem Maßstab nachempfunden. Darin liegt die Bonsai Kunst.

Die Verbreitung der Kunst ist nicht an Mitteleuropa vorübergezogen. So gibt es auch einige Bonsaigärten in Deutschland. In Großstädten wie Mannheim oder Berlin hat man die Möglichkeit, öffentliche Bonsaigärten zu besichtigen, wie beispielsweise den Bonsaigarten in Ferch bei Berlin, in dem man auch viele Chrysanthemen bewundern kann. Daneben gibt es Fachgeschäfte für Bonsai, in denen man nicht nur fachkundige Beratung erhalten, sondern auch verschiedenste Bonsai Bäume anschauen kann. Auch ein paar  Gartengeschäft bieten diese spezielle Pflanzenform an und präsentiert sie nicht selten auch auf unterschiedlichen Flächen. Wer also gerne Bonsaigärten in Deutschland besichtigen möchte, sollte sich darüber informieren, ob es in seiner Umgebung sogar einen öffentlichen Bonsaigarten oder zumindest ein Fachgeschäft mit Bonsaibäumen gibt.

Wer es gerne etwas traditioneller mag, wird natürlich auch in Japan fündig. Hier ist die Kunst deutlich weiter verbreitet und stärker verwurzelt als im Westen. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn neben Finnland ist Japan mit 70 Prozent Baumbewuchs das Industrieland mit der größten Bewaldung. In der Stadt Saitama in der gleichnamigen Präfektur gibt es übrigens seit 2010 das Omiya Bonsai Art Museum, das sich ganz dieser Kunst verschrieben hat. Wer Bonsai mag und einen Japan-Besuch plant, sollte sich das nicht entgehen lassen, denn Saitama ist nur einen Katzensprung von Tokyo entfernt. Alle vier Jahre gibt es übrigens die World Bonsai Convention, im Jahr 2017 findet die 8. Ausstellung in der Stadt Saitama in der gleichnamigen Präfektur statt.

Wie Bonsaibäume kultiviert werden

Kleiner Obstbaum in Bonsai Form
Der Bonsai Baum muss regelmäßig beschnitten werden, um die gewünschte Wuchsrichtung zu erreichen. - Bild: © Jeremy norbury - commons.wikimedia.org - Lizenz: CC-BY-SA

Traditionell werden in Japan Hölzer wie Kiefer, Ahorn, Wacholder, asiatische Ulmen und einige Fruchtbäume genutzt. In Europa werden tendenziell eher einheimische Sorten verwendet. Ahorne mit kleinen Blättern, Fichte, Eiche, Buche oder Kiefer kommen dafür infrage. Um den Bonsai in Form zu bringen, werden verschiedene Schnitttechniken benutzt. Über den Formschnitt und Wurzelschnitt kann eine bestimmte Wuchsform und -richtung erreicht werden. Zusätzlich kann die Wuchsrichtung über eine individuelle Drahtung beeinflusst werden. Abschließend gehören Maßnahmen zum Blattschnitt zur Kunst, um das Gesamtbild abzurunden. Wichtig dabei ist die richtige Schere – neben speziellen Bonsai-Scheren kann auch die Ikebana Schere die richtige Wahl sein.

Neben Beschnittmaßnahmen dürfen die grundlegenden Bedürfnisse der Pflanzen nicht vernachlässigt werden, denn ein Baum ist ein lebendiges Wesen, ob er nun mehrere Meter hoch in der Natur wächst oder im Miniatur-Format in der Bonsai-Schale. Der Baum sollte immer genügend Licht und die richtige Menge Wasser und Dünger erhalten, außerdem brauchen manche Bonsai Arten auch ein bestimmtes Klima. Die richtige Mischung aus dem Stillen der Grundbedürfnisse der Pflanze und den Maßnahmen, um den Baum schlussendlich in die gewünschte Form zu bringen, sorgen für kräftige, gesunde Pflanzen und machen den Reiz der Bonsai Kunst aus. 

Abgesehen von den verschiedenen Stilen, in denen die Bonsai Bäume gestaltet werden können, sollte man auf ein bestimmtes Merkmal besonders achten: Soll der Bonsai das ganze Jahr über grün sein oder soll er die vier Jahreszeiten abbilden? Immergrüne Pflanzen wie Pinie und traditionelle Eiche bieten das gesamte Jahr über eine durchgehend grüne, wunderschöne Ansicht, während Ahorne und Ulmen im Herbst prachtvolle Laubfärbungen zeigen und Pflaumenbäume oder Satsuki Azaleen ihre Besitzer mit zarten Blüten erfreuen. Je nach Vorliebe sollte man dies bei der Auswahl des Bonsais beachten.

Kami Bonsai: Der neue Trend der Bonsaikunst

Mini-Bonsai im Moosballen
Ein neuer Bonsai Trend: Mini-Bonsai! Das müssen nicht immer Bäume sein - auch kleine Zimmerpflanzen sind beliebt. - Bild: © Gergely Hideg - Flickr.com

Mittlerweile ist es nicht nur möglich, Bonsaibäume aufwendig selbst in Form zu bringen oder teuer einzukaufen. Und seien wir ehrlich: Nicht jeder hat einen grünen Daumen, die nötige Geduld oder kann dem Bonsai die perfekten Bedingungen bieten. Für alle, die keinen japanischen Bonsai Baum in ihrer Wohnung, im Garten oder auf dem Balkon aufstellen können oder wollen, gibt es einen neuen japanischen Trend: Kami Bonsai! Hierbei handelt es sich um japanische Bonsaikunst auf Basis von Papier. Diese sind in unterschiedlichsten Farben und Wuchsformen erhältlich. Die kleinen Papierbäume sind natürlich pflegeleicht und sehen das ganze Jahr über hübsch aus – eine echte Alternative für Bonsai Liebhaber, die allerdings auch nicht ganz billig ist. Wer geschickt ist, kann sich einen Kami Bonsai auch selbst basteln.

Bei jungen Leuten werden auch die Mini-Bonsai immer beliebter. Dabei handelt es sich um etwa 10 bis 20 Zentimeter kleine Pflanzen in Schälchen oder in Moosballen. Diese sind nicht zwingend Bäume wie die Mini-Kumquat oder der Fächerahorn, sondern können auch kleine Blumen und Grünpflanzen sein. Mini Bonsai sind ideal für Studenten, Menschen mit Bürojobs oder für alle, die klassische Bonsai als zu viel Arbeit oder eine Freizeitbeschäftigung für Privilegierte ansehen. Die kleinen Pflanzen gibt es meist zu günstigeren Preisen als klassische Bonsai und Ergebnisse sind mit einem Bruchteil des Pflegeaufwands in viel kürzerer Zeit zu bewundern.

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