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Karate – Japans Kampfkunst aus Okinawa

Karate ist eine japanische Kampfkunst, die ihren Ursprung auf Okinawa bzw. den Ryūkyū-Inseln hat. In seiner heutigen Form entwickelte sich Karate im 19. Jahrhundert und verbreitete sich im 20. Jahrhundert zunächst im restlichen Japan und anschließend international. Heute ist Karate eine weltweit betriebene Kampfsportart, die auf allen Kontinenten ausgeübt und durch internationale Verbände organisiert wird. Es werden Weltmeisterschaften abgehalten und Karate ist seit etlichen Jahren Teil der Olympischen Spiele.

Dabei ist Karate nicht gleich Karate: Es existieren verschiedene Schulen (Stile) mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen sowie besonders harte Vollkontakt-Karate-Ableger, bei denen der reale Kampf stärker im Mittelpunkt steht.

International erlebte Karate insbesondere nach dem Erscheinen des Films „Karate Kid“ (1984) einen enormen Aufschwung und zählt heute zu den am weitesten verbreiteten Kampfsportarten weltweit. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen nicht nur, wie Karate auf Okinawa entstanden ist und welche Schulen es gibt, sondern auch wie das Training verläuft, welche Gürtelgrade existieren und wie Sie Karate in Japan erleben können – sei es als Zuschauer oder ganz praktisch als Schüler oder Teilnehmer eines Sensei-Lehrgangs.

 

Was ist Karate – und was macht es so besonders?

Karate (空手) ist eine der bekanntesten japanischen Kampfsportarten mit Praktizierenden rund um den Globus. Ursprünglich entstand es auf Okinawa im ehemaligen Königreich Ryūkyū im 19. Jahrhundert aus verschiedenen Vorläufer-Techniken. Das Wort Karate bedeutet wörtlich „leere Hand“ und verweist auf eine waffenlose Kampfkunst. Häufig wird auch der Begriff Karate-dō verwendet – der „Weg der leeren Hand“.

Im Suffix dō (Weg) liegt die enge Verbindung zur fernöstlichen Philosophie und zum Zen-Buddhismus, in dem ein dō als Weg zur geistigen Vervollkommnung verstanden wird. Diese spirituelle Dimension ist heute zwar gegenüber dem sportlichen Aspekt teilweise in den Hintergrund getreten, zeigt sich aber weiterhin in der Dojo-Etikette, den formellen Abläufen und den Verhaltensregeln.

Die Philosophie der meisten Karate-Schulen legt neben technisch anspruchsvollen Angriffs- und Abwehrtechniken – darunter Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken – großen Wert auf Selbstkontrolle, geistige Disziplin und Respekt. Diese Tugenden gehören bis heute zu den zentralen Werten des Karate, auch wenn der Wettkampfsport inzwischen häufig stärker im Fokus steht als früher.

Im Vergleich zu anderen japanischen Kampfkünsten wie Judo (Wurf- und Bodentechniken) oder Kendō (Waffenkampf mit Übungswaffen) zeichnet sich Karate durch präzise, lineare Schlag- und Tritttechniken aus. Ein wesentlicher Fokus liegt zudem auf der Distanzkontrolle, um den Gegner möglichst außer Angriffsdistanz zu halten. In dieser Hinsicht weist Karate gewisse Parallelen zu Kung-Fu – einem wichtigen Vorläufer des Karate – sowie zu Taekwondo auf, auch wenn sich Technik, Rhythmus und Gewichtung deutlich unterscheiden.

 

Wie entstand Karate auf Okinawa? – Der Ursprung einer Kampfkunst

Karate entstand auf Okinawa vor allem durch harsche Anti-Waffengesetze, die teils schon von den Herrschern des Königreichs Ryūkyū nach der – sehr kämpferischen – Einigung der Inseln unter einem zentralen Herrscher im 15. Jahrhundert erlassen wurden.

Diese restriktive Waffengesetzgebung wurde später durch die so genannten Satsuma-Herrscher (ab etwa 1609) während der Edo-Zeit (1603 bis 1868) noch verschärft. Während der meisten Zeit seiner Existenz war das Königreich Ryūkyū dabei eine Art Vasallenstaat Chinas, später dann gar Chinas und Japans.

 

Okinawa Karate Kaikan in Tomigusuku, Informationszentrum zur Geschichte und weltweiten Verbreitung des Karate

Karate-Training vor der Burg Shuri, Naha (Okinawa) Ende der 1930er Jahre.
Foto © Nakasone Genwa - The Japanese book "空手道大観"

 

Gerade die engen Beziehungen zu China, die durch umfassenden Handel schon vor der Einigung des Königreichs einsetzten, führte auch zu mehreren Wellen von chinesischen Einwanderern, die dabei das Wissen und Können chinesischer Kampftechniken mit auf die Inseln brachte.

Dieser chinesische Einfluss führte zur Entwicklung einer eigenen, erst als Te, später dann als Tōde bezeichneten Form der waffenlosen Kampftechnik, die sich auf Okinawa verbreitete und aus der sich Karate dann entwickelte. Ein wichtiger Einfluss aus China bestand dabei in der Integration von chinesischen Boxstilen, den so genannten „Quanfa“.

Für die Entwicklung und letztendlich sogar weltweite Verbreitung der Kampftechnik Karate waren auf Okinawa und darüber hinaus einige Pioniere verantwortlich. Zu diesen zählen u.a. Gichin Funakoshi (1868 bis 1957), der auch als „Vater des modernen Karate“ bezeichnet wird und die Kampfsportart zumindest systematisch als erster auf die japanischen Halbinseln gebracht hat, Ankō Itosu (1831 bis 1915), der die Kampftechnik Karate selber als erster systematisierte und Lehrer der meisten späteren Stilgründer dieses Kampfsports war, sowie Chōjun Miyagi (1888 bis 1953), der Gründer des Gōjū-Ryū-Karate-Stils, der u.a. auch in China die Shaolin- und Pakua-Form studierte.

Nach Japan als Ganzes schwappte Karate erst im 20.Jahrhundert, wo es dann in die japanischen Kampfkünste oder Budō integriert wurde. Mehr zum Budō, seinen Disziplinen und seiner Philosophie kannst du in unserem Beitrag über japanische Kampfsportarten nachlesen.

 

Welche Karate-Stile gibt es – und worin unterscheiden sie sich?

Karate hat viele verschiedene Stile, die jede ihre Eigenheiten aufweisen. Wir stellen hier die fünf großen vor, wobei unter der Bezeichnung Okinawa-Stile sind zwei unterschiedliche Stilformen zusammengefasst wurden, zu denen auch der wohl ursprünglichste Stil, das Uechi-ryū,  gehört.

So kann man je nach Zählweise auch von sechs Stilen sprechen. Neben diesen großen Stilen oder Schulen haben sich weltweit aber auch Mischformen und neue Kleinstile entwickelt, die aber immer auf diese älteren (und prominenteren) zurückgeführt werden können. 

 

Shōtōkan

Der Karate-Stil Shōtōkan (松濤館; „Haus des Pinienrauschens“) ist der heute wohl am weitesten verbreitete Stil des Karate-do (insbesondere international). Charakteristisch für Shōtōkan ist ein tiefer Stand, der besonders kraftvolle Bewegungen erlaubt. Dies wird mit klaren Hand- und Fußformen kombiniert, die dann mithilfe linearer Techniken angewendet werden.

Man unterscheidet beim Shōtōkan zusätzlich zwischen dem sportlichen Zweig und der Kampfkunst, die jeweils einer etwas abweichenden Struktur bei einem Wettkampf folgen. Jede Shōtōkan-Technik kann zudem sowohl als Angriffs- als auch als Verteidigungstechnik angewendet werden.

 

Gōjū-Ryū

Der Karate-Stil Gōjū-Ryū (剛柔流) oder „harter und weicher Stil“, wie man dies übersetzen könnte, nutzt wie der Name schon angibt einen Wechsel zwischen harten („Gō“) und weichen („Jū“) Techniken und beinhaltet besonders viele Elemente des ursprünglichen chinesischen Boxens (Quanfa). Zum Teil des Trainings beim Gōjū-Ryū Stil gehören dabei auch Atemübungen (Ibuki) sowie eine besondere Gewichtung der Körperspannung.

 

Shitō-Ryū

Shitō-Ryū (糸東流; "Schule von Shi und Tō") ist ein Karate-Stil mit besonders vielen Kata (Übungsformen, ca. 50), die aus unterschiedlichen anderen Schulen übernommen worden sind. Dabei werden japanische und chinesische Einflüsse aufgenommen und führen so zu einem Mischstil. In der Anwendung setzt Shitō-Ryū auf hohe Präzision und die diesem Stil durch die vielen Kata inhärente Vielfalt.

 

Wadō-Ryū

Der Karate-Stil Wadō-Ryū (和道流;  etwa: „Schule des Wegs des Friedens“) setzt stärker als andere Stile auf Ausweich- und Hebeltechniken und verbindet in diesem Sinne in gewisser Weise Karate mit der ebenfalls japanischen Kampfkunst Jiu-Jitsu, die von den Samurai gepflegt wurde. Für den Wadō-Ryū-Stil ist aufgrund des nötigen und präzisen Timings eine dynamische Fußarbeit besonders wichtig.

 

Okinawa-Stile

Unter der Bezeichnung Okinawa-Stile fassen wir hier zwei Karate-Stile zusammen, auch wenn der Oberbegriff in gewisser Weise irreführend ist, da alle Karate-Stile sozusagen aus Okinawa kommen, wo diese Kampfsportart ja entwickelt worden ist.

Das Uechi-Ryū (地流; „Schule des Uechi“) geht auf  Uechi Kanbun (1877–1948) zurück und kann heute als ursprünglichste Form des Karate gelten. Der Stil verwendet vor allem drei Grund-Kata und hat deutlich südchinesische Einflüsse.

Das Shōrin-Ryū ( 少林流, wörtlich: „Wäldchen-Stil“, auch: „Shaolin-Stil“) wiederum nutzt traditionelle Methoden und setzt auf schnelle und direkte Techniken. Gründer dieser zweiten sehr alten, traditionellen Technik war wohl Matsumura Sōkon (1792–1887), auch wenn hierüber keine Klarheit herrscht.

 

Welche Gürtel und Farben gibt es im Karate – und was bedeuten sie?

Die Gürtel und ihre Farben spiegeln im Karate die Lernstufen bzw. Entwicklung der Lernenden ab, wenn man so möchte. In der Regel gibt es Gürtel in sieben Farben in der Abfolge:

Weiß – Gelb – Orange – Grün – Blau – Braun – Schwarz.

Weiß steht dabei für einen Anfänger und Schwarz für einen vollständig in der Kampftechnik ausgebildeten Schüler. Der schwarze Gürtel wird dann noch einmal nach Dan-Graden unterschieden, die bei 1 starten und in aller Regel mit dem 10. Dan enden. Wer den 10. Dan erreicht, ist dann ein Karate-Meister. Die genaue Farbwahl für die Stufen kann allerdings je nach Verband leicht abweichend sein, sie enden aber immer mit dem schwarzen Gürtel und den daran anschließenden Dan-Graden.

 

Karate Gürtel in verschiedenen Farben als Symbol für Lernstufen und Graduierungen im Karate
Die Farben der Karate-Gürtel veranschaulichen das Graduierungssystem von den Kyū-Graden für Anfänger bis zu den Dan-Graden des schwarzen Gürtels und markieren den individuellen Lernfortschritt im Karate.

Foto © redsalsa2 auf Pixabay

 

Zusätzlich haben viele Dojo und Vereine wie Verbände zusätzlich spezielle Gürtel und Zwischenstufen für Kinder. Dies können entweder spezielle Kindergürtel sein oder auch Zwischenstufen mit Streifen oder weiteren Farben. Dies ist nicht verpflichtend geregelt, da es bei Kindern ohnehin weniger um den Wettkampfaspekt geht, als um die Vermittlung der Technik und der mit dem Karate verbundenen Werte sowie natürlich Spaß.

Für das Erreichen des jeweils nächsten Grades bzw. Gürtels müssen von den Karate-Schülern Prüfungen abgelegt werden, deren Anforderungen und technischen Vorgaben sich von Grad zu Grad steigern. Bei den Prüfungen werden dabei neben den Kata und Techniken auch das theoretische Wissen und Verhalten nach der Philosophie des Karate bewertet. Ab einem gewissen Grad gehören auch Kumite – ein sportliches Kräftemessen mit einem anderen Karate-Schüler bzw. ein Wettkampf – mit zu den Prüfungsanforderungen.

Karate wird im allgemeinen nach einer der bekannten Schulen bzw. Stile (oder Mischformen dieser) erlernt und so unterscheiden sich die Lehrinhalte dieser voneinander. In einer Shōtōkan Ausbildung lernt man so andere Techniken, als z.B. beim Wadō-Ryū-Stil.

 

Was ist Kyokushin-Karate – Der härteste Karate-Stil?

Kyokushin-Karate ist ein von Masutatsu Ōyama (1923 bis 1994) entwickelter und 1964 zu einem eigenen Verband erweiterter Karate-Stil, der, anders als andere Karate-Stile, im Wettkampf auf Vollkontakt setzt.

Kyokushin-Karate war der erste Vollkontakt-Karate-Stil und hat so die Entwicklung von Vollkontakt Karate angestoßen und alle darauffolgenden Vollkontakt-Karate-Arten zumindest inspiriert. Oyama legte dem von ihm entwickelten Stil und Trainingstechnik die Idee zugrunde, dass Schmerz ein Lehrmeister ist und prägte den Leitspruch: „1000 Tage Training beginnt den Weg, 10.000 Tage führen zur Meisterschaft.“

Allerdings ist nach den Regeln des Kyokushin-Karate der Vollkontakt insofern eingeschränkt, dass nach dieser Schule keine Treffer mit der Faust gegen den Kopf erlaubt sind. Davon einmal abgesehen liegt der Fokus dieser Karate-Spielart voll auf Härte, Schmerzresistenz und Kraft.

Beim Kyokushin-Karate werden die Kumite (Wettkämpfe) mit minimaler Schutzausrüstung (lediglich Tiefschutz) ausgeführt und sind so konzipiert, dass sie zu einem Knockdown führen sollen. Bis heute ist Kyokushin-Karate daher für seine besondere Härte bekannt.

Kyokushin-Karate ist heute weltweit verbreitet und hat je nach Quelle zwischen 10 und 20 Millionen Anhänger (Stand 2004), was diese Karate-Spielart bzw. deren Dachverband zu einer der größten Kampfkunstorganisationen der Welt macht. Außerhalb Japans und Ostasiens ist Kyokushin-Karate besonders in Osteuropa und Brasilien sehr verbreitet.

 

Wie wird Karate gelernt und gelehrt? – Trainingsformen

Karate nutzt für die Lehre drei grundlegende Techniken. Diese sind:

  • Kihon: Kihon (基本) bezeichnen im Budō (den japanischen Kampfkünsten) die Basis oder Grundlage. Man kann dies in etwa mit einer Grundschule für einzelne Techniken beschreiben, in denen diese wiederholt eingeübt werden, bis die Abläufe verinnerlicht wurden.
  • Kata: Kata (形) wiederum sind im Budō einzelne Übungsformen, die im Karate gegen einen imaginären Gegner ausgeführt werden. Durch das Training der Kata soll Technik, Präzision und Rhythmus vermittelt werden, die dann in einem Kampf gegen einen echten Gegner angewandt bzw. genutzt werden können. Unterschiedliche Karate-Schulen nutzen unterschiedliche und teils auch eine große Anzahl von Kata (insbesondere Shitō-Ryū).
  • Kumite: Kumite (組手; „Begegnung der Hände“) ist im Karate sowohl die Bezeichnung für das Training mit einem echten Gegner, als auch für den sportlichen Wettkampf. Kumite wird dabei außerhalb des sportlichen Wettkampfes in verschiedene Schwierigkeitsstufen abgestuft, in denen auch bestimmte Angriffs- und Verteidigungstechniken vorgeschrieben sein können.

Neben diesen drei Übungstechniken kommt beim Karate noch die Beachtung der Dojo-Kultur hinzu, die neben dem lehrerzentrierten Unterricht und der durch die Gürtel etablierten Hierarchie oft auch einen spirituellen Rahmen beinhaltet.

Die genaue Ausformung hängt dabei am jeweiligen Dojo. Zuletzt wird im Karate zumindest traditionell sehr hoher Wert auf die Etikette gelegt. Diese umfasst neben dem Rei genannten Begrüßungsritual, zu dem im Allgemeinen gleich mehrere Verbeugungen gehören, auch die korrekte Kleidung und natürlich der Respekt vor anderen Schülern und dem Lehrer.

 

Karate in der japanischen Gesellschaft heute – Sport, Kultur, Identität

 

Karate-Schüler und Lehrer verbeugen sich im Dōjō als Teil der Etikette und Philosophie des Karate
Die Verbeugung (Rei) gehört zur festen Etikette im Karate und symbolisiert Respekt, Disziplin und die philosophischen Grundlagen des Budō – sowohl gegenüber dem Lehrer als auch gegenüber den Mitschülern.
Foto © RDNE Stock project

 

Karate im Schul- und Vereinssystem

In Japan ist Karate gleich durch mehrere Verbände vertreten, zu denen u.a. die Japan Karate Association (JKA) und die All Japan Karate Federation gehören. Karate wird dabei als Breitensport betrieben und gehört unter anderem teils auch zum Schulsport.

Ansonsten gibt es neben Vereinen auch AGs an Schulen und entsprechende Universitätssport-Angebote. Die Lehrpläne und Prüfungsordnungen folgen dabei den Karate-Schulen oder eben den Verbänden, wenn es sich um ein nicht direkt mit einer Schule verbundenes Dojo oder Sportangebot handelt.

Die Verbände sind zudem auch für nationale wie internationale Wettkämpfe mitverantwortlich bzw. deren Ausrichter.

 

Karate als kulturelles Erbe

Karate und die anderen im Budō vertretenen japanischen Kampfsportarten sind in Japan mehr als einfach dieses: Sportarten. Sie bilden einen Teil des immateriellen kulturellen Erbes Japans. Daher sind in Japan auch Karate-Vorführungen bei lokalen und nationalen Kulturfesten durchaus üblich.

Das Okinawa-Karate wurde im Jahr 2020 sogar offiziell als Kulturgut Japans für die Aufnahme in das immaterielle Kulturerbe der Menschheit der UNESCO nominiert.

 

Veranstaltungen & Festivals

Neben nationalen und internationalen Wettkämpfen wie Meisterschaften oder der Olympiade wird Karate in Japan wie schon angesprochen auch in Form von Vorführungen bei Kulturfesten (Matsuri) gezeigt.

Daneben gibt es Demonstrationsveranstaltungen und sogar spezielle Karate-Festivals, die sich neben Einheimischen auch an Touristen richten, die sich für Karate interessieren. Ein besonderes Event in Japan ist der Tag des Sportes.

 

Okinawa Karate Kaikan in Tomigusuku, Präfektur Okinawa, kulturelles Zentrum und Trainingsstätte des Karate
Die Okinawa Karate Kaikan am Strand von Tomigusuku gilt als zentrales Informations- und Trainingszentrum zum Karate und unterstreicht Okinawas Rolle als historische Geburtsstätte dieser japanischen Kampfkunst.
Foto © Kugel~commonswiki - Own work, CC BY-SA 4.0

 

Wie kann man in Japan selbst Karate erleben oder erlernen?

In Japan bieten sich für Interessierte viele Möglichkeiten, Karate zu erleben oder auch zu erlernen (bei Anfängern natürlich nur Grundzüge) oder das eigene Wissen und Können zu vertiefen. Das gilt auch für Touristen, für die sogar spezielle Trainingsreisen, teils verbunden mit Kulturprogrammen, angeboten werden.

Solche Trainingsreisen umfassen so neben dem im Zentrum stehenden Karate-Training oft auch Sprach- und Kulturunterricht. Wer nicht gleich auf so eine Trainingsreise setzen will, für den bietet sich der Besuch in einem Dojo an, z.B.  In Tokio oder – noch  besser – auf Okinawa.

Sowohl  in Tokio als auch in vielen Dojo auf Okinawa wird auch Gasttraining für  Touristen angeboten, das teilweise sogar in Englisch durchgeführt wird. In manchen dieser Schulen kann man auch international gültige Dan-Prüfungen ablegen.

Für erfahrene Karate-Sportler kann auch der Besuch eines speziellen Seminars bzw. Sensei-Lehrganges (Gasshuku) bei einem namhaften japanischen Karate-Meister eine nicht nur lehrreiche sondern auch unvergessliche Erfahrung sein. Wer sich eher aus kulturellem und weniger sportlichem Interesse in Japan mit Karate beschäftigen will, der kann eine der Vorführungen oder eines der Karate-Festivals besuchen.

 

Weltweite Faszination – Wie Karate zum globalen Phänomen wurde

Karate ist heute ein weltweites Phänomen, von dem eine große Faszination ausgeht. Dabei spielen neben der schon früh einsetzenden internationalen Verbreitung dieser Kampfsportart (insbesondere in den USA) auch die gut organisierte Verbandsstruktur und natürlich die populärkulturelle Vermittlung durch Film, Fernsehen und andere Medien eine wichtige Rolle. Aber auch auf einem individuellen Level gibt es durchaus besondere Anreize, die Karate zu seinem weltweiten Erfolg gebracht haben.

 

Der Einfluss von Film & Fernsehen

Kein Film hat den Begriff Karate international wohl so bekannt gemacht, wie Karate Kid aus dem Jahr 1984 mit Ralph Macchio und Pat Morita in den Hauptrollen. Der große Erfolg des Films hat diesen sogar zu einer Filmreihe werden lassen, die inzwischen nicht nur fünf Filme, sondern obendrein noch die Fernsehserie Cobra Kai mit hohem Nostalgiefaktor umfasst.

Der Erfolg insbesondere der ersten drei Filme führte dazu, dass viele westliche Kinder mit Karate anfingen – dies allerdings meist aus Faszination mit dem Film und eher weniger aus kulturellem Interesse heraus.

Neben den Karate Kid Filmen und der Cobra Kai Serie tragen aber auch verschiedene Anime, Manga und Computerspiele zur anhaltenden weltweiten Faszination der Kampfsportart Karate bei und halten diese lebendig. So kommt immer wieder Nachwuchs in die Vereine, die durch populäre Medien mit Karate zumindest oberflächlich vertraut gemacht wurden.

 

Persönlicher Antrieb durch Vorbilder

Die Aufnahme von Karate als Sport wird gerade von Kindern und Jugendlichen durch Vorbilder angetrieben, denen diese nacheifern wollen. Ein typisches Beispiel für ein solches Vorbild ist Mr. Myagi (Pat Morita) aus den Karate Kid Filmen.

Die kulturelle Verbindung und Bedeutung insbesondere für Okinawa spielt hingegen wenn überhaupt dann nur eine untergeordnete Rolle. Diese Medien-Vorbilder prägen bis heute die Trainingsmotivation der meisten jungen Karate-Schüler.

 

Reale Verbreitung außerhalb der Leinwand

De reale Verbreitung von Karate beginnt in den 1950er Jahren erst durch das amerikanische Militär mit seiner starken Präsenz auf Okinawa, dann aber auch mit der Auswanderung von Japanern aus Okinawa nach Hawaii am Ende dieses Jahrzehnts.

Auch in Europa begannen sich schon Ende der 1950er Jahre die ersten Vereine zu bilden, allerdings schritt die Verbreitung in den USA deutlich schneller voran. Heute ist Karate eine wirklich internationale Sportart, die auf allen Kontinenten ausgeübt wird.

 

Karate als Lebensweg und Disziplin

Karate ist, wie alle Kampfsportarten des Budō, nicht nur Sport, sondern auch spirituelle Reise und Philosophie. Die im Zentrum stehenden Werte von Disziplin, Respekt, Selbstkontrolle und Zielstrebigkeit beeinflussen die Persönlichkeitsentwicklung von Karate-Schülern und bieten einen Mehrwert, der weit über körperliche Fitness und kämpferisches Können hinausgehen kann.

Je nach Ansicht ist Karate für viele Praktizierende so auch mehr eine Philosophie, als ein Kampfsport, allerdings wird diese eher metaphysische Dimension nicht an allen Schulen gleichermaßen gepflegt und manche sind so heute deutlich stärker auf den rein sportlichen Aspekt ausgelegt, wenn sich auch allein schon durch die Begrüßungsregeln immer Reste der spirituell-philosophischen Idee finden lassen.

 

Weltweite Organisation & Turnierstruktur

Karate wird international durch Verbände wie WKF (World Karate Federation) oder JKA (Japan Karate Association, hat nationale Ableger in vielen Staaten, u.a. auch in Deutschland) vertreten.

Diese sind u.a. für die Organisation von Wettkämpfen wie den Weltmeisterschaften zuständig. Zudem organisieren sie die offiziellen Graduierungssysteme und legen die Regeln für die international gültigen Dan-Prüfungen fest.

 

 

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Titelfoto © Thao LEE auf Unsplash

 

 

 

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