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Japanische Firmen appellieren an Regierung Klimaneutralität stärker zu verfolgen

Die japanische Regierung hat ehrgeizige Ziele für die Energiewirtschaft des Landes. Der Premierminister, Yoshihide Suga, hatte 2020 ausgerufen, dass Japan bis 2050 klimaneutral sein soll. Dafür sollen bis dahin die Kohlenstoffdioxid-Emissionen um 80% reduziert werden. Bis 2030 sollen dazu 22 bis 24% des Strombedarfes des Landes aus Solar-, Wind- und anderen erneuerbaren Energien bezogen werden.

Große Firmen wie Sony, Panasonic und Nissan forderten die japanische Regierung, ihre Ziele für die Klimaneutralität doppelt so ehrgeizig zu verfolgen. Das kurzzeitige Ziel des Landes bis 2030 wurde vor drei Jahren festgelegt und soll in nächster Zeit erneut bewertet werden. Die Regierung wird dann die bisherige Energiestrategie überarbeiten und eventuell neu ausrichten.

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Forderungen von Japan Climate Initiative zur Verdoppelung der Anstrengungen

Die Japan Climate Initiative besteht aus 92 Unternehmen, zu denen unter anderem Sony, Panasonic, Fujifilm, Toshiba und Nissan gehören. Die Initiative fordert den Premierminister Japans auf, das Ziel von 2030 um 40 bis 50% zu verdoppeln. In der Erklärung heißt es:

"Damit Japan seiner Verantwortung als einer der weltweit führenden Akteure (gegen den Klimawandel) nachkommen kann, muss das Ziel viel ehrgeiziger sein. […] Ein ehrgeiziges Ziel wird den Einsatz erneuerbarer Energien fördern, und japanische Unternehmen werden in der Lage sein, eine größere Rolle im globalen Wettbewerb zu spielen, in dem sich die Dekarbonisierung beschleunigt."

Dekarbonisierung ist das Zauberwort der Initiative. Es beschreibt die Umstellung der Energiewirtschaft in Richtung eines niedrigeren Umsatzes von Kohlenstoff. Das eigentliche Ziel der Regierung muss die Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft sein. Da dieses Ziel bis 2050 spätestens in Japan erreicht sein soll, müssen die Zwischenziele ebenfalls dementsprechend gesteckt werden.

Aktuelle Anstrengungen zum Erreichen der Klimaziele

Im Jahr 2017 lag der Anteil von erneuerbaren Energien in Japan bei rund 17%. Einige Schätzungen von Experten besagen, dass Japan 2020 bereits die Klimaziele von 2030 erfüllt haben kann. Das Erreichen der Ziele lässt sich auf eine Kombination aus Wachstum im Bereich der grünen Energie sowie den Nachfragerückgang an Energie durch die Corona-Pandemie zurückführen.

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen hat Japan im Jahr 2019 rund 16,5 Milliarden Dollar in den Ausbau der erneuerbaren Energien investiert. Damit ist das Land der viertgrößte Investor auf der Welt in diesem Sektor. Trotzdem ist man hinter China, die 83,4 Milliarden Dollar investiert haben, und den USA, mit 55,5 Milliarden Dollar, weit zurück. Deutschland hat 2019 4,4 Milliarden in erneuerbare Technologie investiert.

Japan hat einen starken Fokus auf fossile Brennstoffe

Japan ist immer noch stark auf fossile Brennstoffe angewiesen. Vor allem nach dem Vorfall im Atomkraftwerk von Fukushima 2011, als alle Kernreaktoren vorrübergehend außer Betrieb gesetzt wurden, waren die fossilen Brennstoffe als Energielieferant wichtig. Die Öffentlichkeit stellt seitdem die Kernkraft infrage. Die Folge ist, dass Unternehmen Probleme hatten, die CO2-Emissionen zu senken.

Bis 2010 stammte 25% des japanischen Energiebedarfs aus Kernenergie. In der Folge der Katastrophe wurden alle Kernreaktoren heruntergefahren. Neue Sicherheitsstandards wurden für den Betrieb festgelegt. Die Kernkraft kann derzeit bei der japanischen Stromerzeugung lediglich auf einen Anteil von 6,4%.

33% der Stromerzeugung wird in Japan durch Kohle gewährleistet. 40% der Energie werden aus Flüssigerdgas (LNG) gewonnen. Im Jahr 2050 sollen 50 bis 60% des Energiebedarfs durch Solar-, Wind- und andere erneuerbare Energien gedeckt werden.

30 bis 40% der Energie sollen ab 2050 durch Wasserstoff, Kernkraft und fossile Brennstoffe erzeugt werden. Plan der Regierung ist es, die Kernenergie als Hauptenergiequelle beizubehalten. Der Premierminister beschrieb das Vorgehen wie folgt:

Wir werden eine stabile Energieversorgung herstellen, indem wir Energie gründlich einsparen und erneuerbare Energien so weit wie möglich einführen, sowie unsere Kernenergiepolitik mit höchster Priorität auf Sicherheit vorantreiben.“

Japan zwischen Tradition und Moderne

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In den Augen vieler Menschen in Deutschland ist Japan vor allem für lange Traditionen bekannt. Japan steht für traditionelle Werte, Disziplin und den Zen-Buddhismus. Wenn man an ein Japanzimmer (Washitsu) denkt, fallen zuerst die Tatamis, die Shoji-Trennwände und die tieferen Tische ein. Vielleicht denkt man auch an die japanischen Möbel oder traditionelle Kalligraphie, mit denen die Einrichtung geschmückt sein kann.

Das moderne Japan mit aufwendigen Lampen, Beleuchtungen und den technischen Errungenschaften (z. B. im Bereich der Spielekonsolen oder Computertechnik) der großen Konzerne tritt oft in den Hintergrund. Trotzdem muss man ebenfalls dieses moderne Japan sehen, zu dem das Energieversorgungsproblem gehört, wie wir es aus Deutschland ebenfalls kennen.

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