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Shintō-Schrein: Wie funktioniert die japanische Religion?

Der Shintoismus ist neben dem Buddhismus die wichtigste Religion in Japan. Es handelt sich um einen Volksglauben in Japan, der sich aus vielen regionalen Kulten und Glaubensvorstellungen zusammensetzt. Die Götter werden als Kami verehrt und können Menschen, Tiere, Gegenstände oder abstrakte Wesen sein. Dieser Volksglauben ist aber tief in der japanischen Kultur verwurzelt. Damit stellt die Shintō-Religion einen krassen Gegensatz zum importierten Buddhismus dar, der im 6. Jahrhundert aus China übernommen wurde.

Shintō bedeutet übersetzt Weg der Götter. Mehr als 100 Millionen Menschen haben sich 2012 zum Shintoismus bekannt. Das entspricht 80% der japanischen Bevölkerung. Es ist nicht verwunderlich, dass den Shintō-Schreinen (神社 – Jinja) in Japan eine große Bedeutung beigemessen wird. Sie sind die Orte, an denen die Götter (神社 – Jinja) verehrt werden. Außerdem sind sie Verwahrungsorte für heilige Gegenstände, die der Öffentlichkeit meist nicht zugänglich sind. Die Shintō-Priester und Mönche kümmern sich um die sichere Aufbewahrung der Gegenstände.

Die Shintō-Tempel werden in aller Regel nur mit einem triftigen Grund besucht. Es kann aus touristischen Zwecken, zum Studium der Geschichte oder zur Befragung der jeweiligen Gottheiten geschehen. Manche Japaner reisen zu den Schreinen, um für Glück für eine Prüfung, Gesundheit für einen Angehörigen oder auch den Erhalt eines gesunden Babys zu beten. Ansonsten gibt es noch wichtige Feiertage zu denen die Tempel aufgesucht werden:

  1. Neujahr (正月 – Shōgatsu)
  2. Frühlingsbeginn (節分 – Setsubun)
  3. Fest der Kinder (七五三 – Shichigosan)
  4. Traditionelle Hochzeiten (神前結婚 – Shinzenkekkon)

Vor dem Besuch die passende Gottheit durch den Shintō-Tempel auswählen

Die unterschiedlichen Shintō-Schreine sind verschiedenen Gottheiten geweiht. Wenn Sie beispielsweise Hilfe für schulische Prüfungen suchen, sollten Sie Tenjin aufsuchen, da er als Gott der Gelehrten gilt. Ebisu ist der Gott des Handels und des Glücks. Falls Sie Hilfe bei geschäftlichen Unternehmungen benötigen, sollten Sie einen Schrein aufsuchen, der ihm gewidmet wurde. Es lohnt sich immer nach dem passenden Gott zu suchen, welcher Ihnen Ihre Wünsche erfüllen kann.

Füchse als Wächter des Gotts Inari
Inari ist in der japanischen Religion sehr bekannt. Sie ist eine klassische Fruchtbarkeitsgöttin. Als Wächter dienen die Füchse. Foto: von phxcoyotes_097, via Pixabay.

Trotzdem ist es möglich, dass Sie an jedem Shintō-Tempel andere Kami um Hilfe bitten, selbst wenn er nicht in dem Tempel verehrt wird. Der Volksglaube nimmt an, dass die Wünsche von dem lokalen Gott gehört und an die richtige Partei weitergeleitet werden. Die Shintō-Gottheiten sind damit immer auch ein Stück Vermittler.

Welche Shintō-Götter sind von besonderer Bedeutung?

Die meisten Schreine sind im Shintoismus dem Gott Hachiman geweiht. In Japan sind landesweit knapp 40.000 Schreine dem Gott geweiht. Der Gott wurde durch den Buddhismus gefördert, war aber auch ein Ahnengott vieler Shōgun-Dynastien. Hachiman wird heute als kriegerischer Gott verehrt, der gegen das Böse und für die Gerechtigkeit kämpft. Aufrichtige Anliegen unterstützt er. Zudem beten die Leute für einen Ehepartner, Kinder, Heilung von sexuellen Krankheiten oder gute Ernten zu ihm.

Heiliger Weg eines Shinto-Schreins
In jedem Heiligtum sind die Hauptwege den Göttern vorbehalten. Gehen Sie nicht in der Mitte, damit die Götter immer Kommen und Gehen können.Foto: von Ving N Toma, via Unsplash.

Inari ist ebenfalls besonders erwähnenswert. Sie ist eine Reisgottheit und die Tempel werden meist von Füchsen (kitsune) bewacht. Ihre Schreine sind jedoch kleiner als die von Hachiman. Sie gilt als klassische Fruchtbarkeitsgöttin.

Amaterasu ist die wichtigste Gottheit des Shintō. Sie gilt als Personifizierung von Sonne und Licht. Zudem ist sie die Begründerin des japanischen Kaiserhauses (Tennō). Beim Ahnenkult spielt sie eine besondere Rolle in Japan.

Sanpai – Respekt an den Orten der japanischen Götter

Zu welchem Gott und Heiligtum es Sie auch verschlägt, Shintō-Schreine sind heilige Orte. Daher erwartet man eine respektvolle Verhaltensweise und eine angemessene Bekleidung. Für spezielle Bereiche des Tempels sind daher beispielsweise Anzüge und Kleider vorgeschrieben. Der Respekt vor den Götter ist auch eine Art der Verehrung und wird als Sanpai (参拝) bezeichnet. Ohne Respekt gehen Gebete nicht in Erfüllung, daher sollten Sie diese wichtigste Regel vor dem Betreten verinnerlichen.

Das Betreten des Tempels - wichtige Regeln

Wenn Sie sich einem Jinja nähern, werden sie zuerst das rote Torii-Tor sehen. Die rote Farbe soll böse Geister, Gefahren und jegliches Pech abwehren. Neben der spirituellen Funktion hat die Farbe aber ebenfalls eine Schutzfunktion für das Holz vor der Witterung. Das Torii markiert die Trennung zwischen der Welt der Menschen und der der Götter.

Um Ihren Respekt zu erweisen, sollten Sie sich vor dem Betreten vor dem Tor verneigen. Beim Passieren dürfen Sie unter dem Tor nicht in der Nähe der Pfosten und nicht in der genauen Mitte gehen. Dieser Weg (Sei-chu) ist als Durchgang reserviert, damit die Götter jederzeit kommen und gehen können.

Der Eingang zum Shinto-Tempel wird durch ein Torii symbolisiert
Bei jedem Tempelbezirk der japanischen Religion müssen Sie einen rotes Tor durchschreiten. Halten Sie sich unbedingt an die Regeln. Foto: von peaksignal, via Pixabay.

Gleiches gilt für den Weg (Sando) zum Hauptschrein (Haiden). Falls Sie den Weg in der Mitte überqueren müssen, sollten Sie den Kopf senken oder sich kurz in die Richtung des Altars verbeugen. Sie müssen den Gottheiten Respekt erweisen, wenn Sie ihre Wege kreuzen könnten.

Die rituelle Reinigung in der Shintō-Religion

Bevor Sie am Haiden (Hauptschrein) ankommen, gibt es einen großen gemeinschaftlichen Wasserpavillon, der als Temizuya (manchmal auch Chōzuya, 手水舎) bezeichnet wird. An dieser Stelle müssen Sie das Ritual Misogi durchführen. Es stellt die Reinigung von Ihrem Geist und Körper dar, bevor Sie der Gottheit gegenüberstehen. Um sich zu reinigen, nehmen Sie einen auf dem Temizuya ruhenden Schöpflöffel (Hishaku) und füllen Sie ihn mit Wasser.

Wasserstelle zur Reinigung im Shinto-Tempel
Vor dem Betreten des Tempelbezirks müssen Sie sich rituell reinigen. Es gibt spezielle Vorschriften, welche befolgt werden müssen. Foto: von Gio Almonte, via Unsplash.

Gießen Sie mit der rechten Hand etwas Wasser über die linke Hand und wiederholen Sie den Vorgang für die andere Hand, indem die linke Hand auf die rechte Hand das Wasser gießt. Der letzte Schritt besteht darin, den Mund mit Wasser auszuspülen. Die linke Hand wird dafür mit etwas Wasser aus der Kelle gefüllt. Das Wasser darf nicht geschluckt werden. Sie sollten es in einem gekennzeichneten Bereich ausspucken.

Entleeren Sie zum Schluss das restliche Wasser aus der Kelle über Ihrer linken Hand, dazu halten Sie die Schöpfkelle aufrecht, damit auch der Griff gespült wird. Es kann auch eine große Rauchschale mit vielen Räucherstäbchen geben, Sie können den Rauch verwenden, um Ihren Körper zu reinigen.

Das Opfer an den Kami - die Höhe spielt keine Rolle

Im Hauptschrein zollen Sie dem Kami-Sama Ihren Respekt. In der Halle des jeweiligen Gottes werden kompliziertere Zeremonien von einem schintoistischen Priester durchgeführt, aber Sie beten außerhalb des Hauptschreins. Sie werden ebenfalls einen großen Opferstock (Saisenbako 賽銭箱) sehen. Dort müssen Sie ebenfalls der Gottheit durch eine Gabe als Art des Opfers Respekt zollen. Sie sollten auch vor dem Schrein bedenken, dass der Hauptweg dem Kami vorbehalten ist. Stehen Sie also nicht im Weg, auch nicht beim Beten oder opfern.

Wasserstelle zur Reinigung im Shinto-Tempel
Nur die Priester dürfe in die inneren Bereiche der Tempelgebäude und dort ihre Rituale vollziehen. Foto: von jeniffertn, via Pixabay.

Es wird erwartet, dass Sie Ihr Opfer (eine Münze oder Banknote) vorsichtig in einen der oberen Schlitze werfen. Sie sollten dabei ruhig und demütig sein, damit Sie keine negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Betrag, den Sie opfern, hat keinen Einfluss auf das Ergebnis Ihrer Gebete. Es geht mehr um die Aufrichtigkeit Ihrer Gabe und Gebete.

Der Volksglaube besagt jedoch, dass bestimmte Yen-Beträge Glück oder Unglück bringen. Die 5-Yen-Münze gilt als gute Wahl, da sie wie „go-en“ klingt, das japanische Wort für Glück. Die 10-Yen-Münze gilt jedoch als unglücklich, obwohl sie einen höhere Wert hat, da sie sich wie "tou-en" anhört, was bedeutet, dass Ihr Glück weit weg ist.

Das Gebet in Shintoismus - Lernen zu schweigen

Wenn sich vor dem Haiden eine Glocke befindet, fassen Sie das Seil mit beiden Händen und ziehen fest daran, um den Kami anzurufen. Traditionell wurde angenommen, dass das Läuten der Glocke böse Geister abwehrt. Das Glockenklang hilft somit dabei, den Raum für die Ankunft des Kami zu reinigen. Wenn es keine Glocke gibt, können Sie diesen Schritt einfach überspringen und Ihr Gebet beginnen.

Zwei Japaner beten vor dem Shinto-Schrein
Japaner beten in Stille vor dem Schrein des Gottes. Das Haupt wird leicht geneigt und die Hände müssen flach vor der Brust zusammengedrückt werden. Foto: von Kentaro Toma, via Unsplash.

Beim Gebet gibt es natürlich ebenfalls einige Regeln. Sie müssen zu Beginn den Gott grüßen, indem Sie sich zweimal tief verbeugen. Danach klatschen Sie zweimal mit den Händen. Sie öffnen die Hände auf Schulterhöhe und klatschen in Brusthöhe zusammen, um dem Kami Ihre Wertschätzung auszudrücken. Wenn Ihre Handflächen zusammenkommen, sollte Ihre rechte Hand etwas unterhalb Ihrer linken positioniert sein, da die linke Hand den Kami darstellen soll, während die rechte Hand Sie darstellt.

Das Klatschen hilft auch, böse Geister abzuwehren. Dann bieten Sie dem Kami Ihr stilles Gebet an. Wenn es Ihr erster Besuch im Schrein ist, sollten Sie dem Gott Ihren Namen und Ihre Adresse mitteilen und sich bedanken, bevor Sie mit Ihren Anfragen und Wünschen fortfahren.

Beim Betten werden die Hände auf Brusthöhe flach zusammengedrückt. Entschuldigen Sie sich am Ende Ihres Gebets mit einer letzten tiefen 90-Grad-Verbeugung und dann ist das Gebet beendet. Es gibt feste Regeln die befolgt werden müssen. Der Respekt steht während des ganzen Prozesses an oberster Stelle.

Aktivitäten rund um den Schrein - Erhöhung des Glücks

Auf dem Gelände des Schreins gibt es viele Aktivitäten, welche das Glück qualitativ oder auch zeitlich verbessern sollen. Falls Sie sich also kurzfristig mehr Glück oder das Glück auf das ganze Jahr ausdehnen wollen, sollten Sie sich informieren, welche Möglichkeiten der Tempel noch bietet.

Omikuji (御神籤) sind kleine japanische Papierstreifen, die persönliche Zukunftsvorhersagen versprechen sollen. Sie kosten zwischen 100 und 200 Yen (80 Cent und 1,60 Euro) und werden über Automaten oder traditionelle Vorrichtungen vergeben. Die Omikuji Weissagungen lassen sich grundsätzlich in 5 Kategorien einteilen. Dazu gehören: Großes Glück (大吉  – Daikichi), Glück (吉 – Kichi), mittleres Glück (中吉 – Chūkichi), kleines Glück (小吉 – Shōkichi) bis hin zu Pech (凶 – Kyō). Traditionell werden Pech-Vorhersagen nicht mit nach Hause genommen, sondern an einer besonderen Stelle am Schrein aufgehängt, damit Sie das Pech loswerden können.

Omamori (御守り) können Sie ebenfalls in den Shintō-Tempeln kaufen. Es sind kleine Säckchen als Glücksbringer. Sie sollen den Trägern Glück bringen. Omamori können im Bereich Liebesleben, der Arbeitswelt oder im Straßenverkehr für glückliche Fügungen sorgen. Sie werden traditionell zu Beginn des Jahres gekauft und verlieren ihre Kraft im Laufe des Jahres. Am Ende des Jahres sollten Sie sie in einem Schrein verbrennen. Die japanische Tennisspielerin Naomi Osaka hatte für einen Boom bei den Glücksbringern gesorgt.

Holztafeln mit Gebeten sogenannte Ema
Die Holztafeln tragen Gebete und können im Tempelbezirk gekauft werden. Sie sollen die Erfüllung der Gebete begünstigen. Foto: von Lily Tsutsumida, via Unsplash.

Ema (絵馬) werden auch als „Pferdebilder“ bezeichnet. Es sind kleine Holzplaketten, die Gebete und Wünsche tragen, damit sie am Schrein aufgehängt werden können. Auf diesem Wege sollen die Götter eben jene Gebete erhalten und vielleicht sogar in die Tat umzusetzen.

Falls Sie alles erledigt haben, was Sie im Tempel erledigen wollten, müssen sie respektvoll zum Ausgang gehen und in der bekannten Weise das Torii durchschreiten. Beim Verlassen des japanischen Heiligtums gelten die gleichen Regeln wie beim Betreten. Damit ist der Besuch ein geschlossener Kreis, der Ihnen hoffentlich ein wenig mehr Glück einbringt.

 

Titelfoto: Schrein Fushimi Inari Taisha im Süden von Kyoto, Bild von jackmac34 , via Pixabay.

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