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Ofuro: die japanische Badewanne

Auch zur kleinsten japanischen Wohnung gehört eigentlich immer eine Badewanne. Diese wird von den Japanern beinahe schon ehrerbietig Ofuro (お風呂) genannt, was übersetzt Badewanne aber auch Badezimmer bedeuten kann.

Eine Besonderheit ist das dem eigentlichen Begriff Furo vorangestellte Präfix O (お). Dieser wird in der japanischen Sprache als Ehrenbezeichnung vor Begriffe gesetzt, auf die man entweder besonders Aufmerksam machen will, oder denen eine besonders ehrwürdige Bedeutung zukommt.

Ursprünglich wurde mit dem Begriff Ofuro eine eher kurze, dafür aber hohe Holzbadewanne bezeichnet. Bis heute findet man in ganz Japan, vor allem aber in traditionellen Ryokans (traditionelle japanische Gasthäuser, oft an heißen Quellen gelegen, den so genannten Onsen) diese Ofuro.

Eine der ältesten erhaltenen Ofuro stammt aus dem 16. Jahrhundert und befindet sich in einem liebevoll restaurierten und erhaltenen traditionellen japanischen Anwesen in Kyoto.

Historischer Ofuro - die japanische Badewanne

Das historische Modell in Form einer runden Wanne wurde mit einem Holzofen im unteren Teil seiner Struktur integriert erhitzt.

Foto © Shinichi Suzuki, photo from the Tom Burnett Collection - flickr, Public Domain

Die traditionelle Form der Ofuro mit den hohen, nicht selten senkrechten Wänden ist bis heute auch bei modernen Designs japanischer Badewannen wiederzufinden. Allerdings werden Ofuro heute statt aus Holz meist aus rostfreien Materialien wie Keramik oder PVC konstruiert.

Besonders hochwertige moderne Ofuro werden in Japan aber auch heute noch mit edlen Hölzern verkleidet, so dass sie zumindest äußerlich dem traditionelles Ofuro ähneln.

Ein weiterer deutlicher Unterschied zu Badewannen westlichen oder europäischen Typs ist die Abdeckung, mit der die Badewanne nach einer Nutzung mitsamt des enthaltenen Wassers geschlossen werden kann.

Auch haben viele moderne japanische Ofuro zusätzliche technische Vorrichtungen. Manche lassen sich zum Beispiel präzise auf eine einstellbare Temperatur aufheizen oder befüllen sich automatisch zu einem wählbaren Zeitpunkt.

Aber nicht nur die Form und Funktionen der Ofuro unterscheidet die japanische Badekultur von westlichen.

Traditioneller Furo im Tamahan Ryokan in Kyoto

Traditioneller Furo im Tamahan Ryokan in Kyoto

Foto © MichaelMaggsOfuro at Tamahan ryokan, KyotoCC BY-SA 3.0

Dies zeigt sich auch in der Konstruktion der Badezimmer selbst. Die sind in der Regel komplett als Nasszelle angelegt, in dem das Wasser überall fließen kann und durch Abflüsse im Boden abgeleitet wird.

Noch wichtiger ist aber die rituelle Bedeutung, die das Bad im Ofuro für die Japaner hat. Das Bad wird traditionell nicht zum Waschen genutzt. Dafür wird eine Dusche, noch häufiger ein Hocker und ein Schwamm genutzt. Ein Bad im Ofuro dient vielmehr zur rituellen Entspannung am Ende eines Tages.

Lesen Sie hier alles zum japanischen Trend Waldbaden Shirin-Yoku

 

Baden als Ritual im Ofuro

Wasser spielt für die Japaner schon immer eine wichtige Rolle. Als Inselnation war und ist Japan immer schon auf die Ressourcen aus dem Meer angewiesen.

Gleichzeitig geht vom Wasser auch immer wieder Gefahr aus: durch Stürme, Tsunamis und Überflutungen.

Die spirituelle Bedeutung sieht im Wasser den Weg einer Reinigung, nicht der hygienischen sondern eher einer rituell-seelischen. Dafür nutzen Japaner ihre Ofuro – und das jeden Tag.

Jeden Abend nach der Arbeit reinigen sich die Japaner zuerst mit einem Schwamm auf einem Hocker zu Waschen um dann sauber, also äußerlich gereinigt, ein ausgiebiges Bad im Ofuro zu nehmen.

Ofuro im traditionellen Oobuka Onsen in Akita

Der Ofuro im traditionellen Oobuka Onsen in Akita

Foto © CC 表示-継承 3.0, Commons Wikimedia

 

Der Unterschied beim Baden im Ofuro

Viele Japaner lieben es außerdem in wirklich heißem Wasser zu baden, nicht selten hat das Wasser in einem Ofuro manchmal Temperaturen bis 42 Grad oder mehr. Eher gewöhnungsbedürftig für uns Westeuropäer, die wir im Baden ganz klar eher den Hygieneaspekt sehen.

Noch  ungewöhnlicher für Nicht-Japaner ist die japanische Sitte, den einmal befüllten Ofuro durch verschiedene Mitglieder der Familie hintereinander wieder und wieder zu benutzen.

Dabei wird traditionell eine bestimmte Reihenfolge eingehalten. Zuerst gehen die Älteren und männlichen Mitglieder einer Familie in das Ofuro, danach die Jungen und weiblichen.

Bei jüngeren Paaren wird sich aber heute nicht mehr unbedingt an diese traditionelle Reihenfolge gehalten.

Lesen Sie hier mehr zu der japanischen Hygiene-Kultur

 

Ofuro von Shōkoku-ji in Kyoto

Der Ofuro von Shōkoku-ji in Kyoto wurde bereits im sechszehnten Jahrhundert erbaut.

Foto © PlusMinus, Syokokuji senmyoCC BY-SA 3.0

 

Spirituelle Reinigung in der japanischen Badewanne

Wem das mehrfache Nutzen ein und desselben Badewassers auf den ersten Blick unhygienisch vorkommt, der sei noch einmal daran erinnert, dass sich die Japaner waschen, bevor sie in ihre Badewanne, den Ofuro, klettern und sich dort der Entspannung hingeben. So bleibt das Badewasser auch nach mehrfacher Nutzung weitgehend sauber.

Viele moderne Ofuro haben zudem ein zirkuläres Pumpsystem, das an den Wasserboiler der Wohnung angeschlossen und zudem mit Filtern ausgestattet ist.

Ein modernes privates Ofuro - japanische Badewanne aus Kunststoff

Ein modernes privates Ofuro aus Kunststoff

Foto © MC MasterChefModern OfuroCC BY-SA 2.5

 

Ressourcensparendes Baden – auf die japanische Art

Schon die mehrfache Nutzung des Badewassers durch verschiedene Personen eines Haushaltes (wenn es sie denn gibt) hilft dabei, Wasser zu sparen. Zwar leidet Japan nicht unbedingt unter Wassermangel, aber weltweit kommen Ressourcensparenden und -schonenden Maßnahmen eine immer größere Bedeutung zu.

Dies betrifft auf der einen Seite den Umweltschutz, auf der anderen aber auch den rücksichtsvollen Umgang mit potentiell endlichen Ressourcen, zu denen eben auch „Wasser“ im weitesten Sinne gezählt werden muss.

Manche der modernen Designs von Ofuro in Japan gehen daher sogar noch einen Schritt weiter und ermöglichen es, das Wasser des abendlichen Bades am nächsten Tag für die Waschmaschine wiederzuverwenden.

Hierfür wird das Wasser über Nacht in dem dann meist zugedeckten Ofuro aufbewahrt und dann für die Waschmaschine angepumpt. Diese erneute Nutzung des Wassers ist aber nicht nur unter Aspekt der Ressourcenschonung sinnvoll, sie spart natürlich zusätzlich auch Geld.

 

Hier finden Sie noch mehr Informationen zu den Ofuro in Japan:

 

 

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Titelfoto © Adriano - Own work, CC BY-SA 3.0

 

 

 

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