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Kunstformen und Unterhaltung in Japan in Form des Noh Theater

Das Noh Theater ist eine japanische Form des Theaters, die seit dem 14. Jahrhundert aufgeführt wird. Traditionell wird es gemeinsam mit dem humoristischen Theater Kyogen gespielt. Die Kombination aus dem dramatischen No Theater und den humoristischen Zwischenstücken des Kyogen heißt Nogaku und wurde im Jahre 2001 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe Japans ernannt. Doch was sind die Besonderheiten des Theaters und wie sieht eine Aufführung dieser Kunstform aus? Antworten auf diese und weitere Fragen liefern die folgenden Absätze.

Wie genau ist der Ablauf der Darbietung strukturiert?

Noh Theater Bühne auf Miyajima
Beim Itsukushima Schrein auf der Insel Miyajima steht das älteste japanische Noh Theater. Dort finden noch immer Aufführungen statt. - Bild: © hacksss23 - Fotolia.com

Wie auch beim Kabuki-Theater werden im Noh Theater traditionell alle Rollen nur von Männern gespielt, auch die weiblichen Rollen. Selbst die Nebendarsteller und begleitende Musiker durften lange Zeit nur Männer sein. Dadurch hebt sich Noh Theater auch von den Aufführungen der Takarazuka Revue ab, in denen traditionell nur Frauen auf der Bühne stehen.

Die verschiedenen Themen der Stücke lassen sich anhand der teilnehmenden Personen einordnen. Ein weibliches Drama zum Beispiel handelt häufig von einer schönen Frau in einer tragischen Liebesgeschichte, während männliche Drama meist Schlachten zum Inhalt haben, die für den männlichen Helden oft tragisch ausgehen. Ein göttliches Drama bezieht sich auf mythologische Gestalten, die nicht unbedingt japanischen Ursprungs sein müssen. Dabei wird die wahre Identität des Helden (ein Gott, Buddha oder eine andere himmlische Gestalt) meist erst am Ende enthüllt. Hinzu kommen Wahnsinn-Dramen, die von aktuellen Ereignissen handeln, sowie Ungeheuer-Dramen, in denen Monster und andere Fabelwesen die Hauptrolle innehaben. Diese werden auf Japanisch „Oni“ genannt.

In einem No Theaterstück sind Realität und Traumwelt miteinander verwoben. Es gibt Ereignisse in den Geschichten, die in der Realität spielen und als Genzai Noh bezeichnet werden. Auf der anderen Seite enthält ein Noh-Stück auch Yume Gen Noh, das so viel wie Traumwelt oder Illusion bedeutet. Beide Arten finden sich in jedem Theaterstück und beeinflussen sich gegenseitig.

Tanz und Musik als zentrale Bestandteile im Noh Theater

Schlichte Noh Bühne aus Holz
Eine Noh-Bühne ist sehr schlicht und überall gleich. Die einzige Verzierung des hellen Holzrechtecks sind eine gemalte Kiefer an der Rückseite und gemalter Bambus an der Seite der Bühne. - Bild: © hayakato - Fotolia.com

Im Noh Theater wird der Fokus weniger auf realistische Schauspielkunst und Improvisation gelegt. Viel eher spielt der Tanz und jede noch so kleine Bewegung zur aufgeführten Musik eine größere Rolle. Dabei nutzen die Schauspieler verschiedene Posen und Figuren, wodurch ihre Rolle klar zu erkennen ist. Beispielsweise gibt es Bewegungen, die nur von Göttern oder nur von bestimmten männlichen Rollen ausgeführt werden.

Die musikalische Untermalung liefern die Musiker, die hinter oder neben den Schauspielern auf der Bühne sitzen. Die Musik ist ein Wechselspiel von Utai und Hayashi – ersteres bezeichnet Musik, die die Geschichte und die Gefühle des Protagonisten untermalt, zweiteres kreiert den Rhythmus und dadurch eine fließende Performance. Traditionelles japanisches Theater wird auch von einer Flöte und zwei Trommeln untermalt. Dazu vollführen die Darsteller extrem stilisierte Tänze, die über jahrelange Tradition perfektioniert wurden. Sie bestehen zumeist aus relativ simplen Grundschritten, die Muster genannt werden, und einer Vielzahl an stilisierten Gesten. Um Noh Theater spielen zu können, besuchen die Darsteller regelmäßig eine spezielle Tanzschule. Dabei gibt es Gesten, die bestimmte Tätigkeiten andeuten. Ein Beispiel dafür ist die heute noch gebräuchliche Geste „shiori“, bei der Weinen dadurch angedeutet wird, dass die Schauspieler ihre Hände vor das Gesicht halten und sie langsam anheben. Allerdings können auch andere Dinge mithilfe der Gebärden dargestellt werden. Zum Beispiel kann es das Scheinen des Mondes sein.

Der Aufbau und Stellenwert der Noh Masken im Theater

Noh Maske aus drei Perspektiven
Je nach Neigung der Noh Maske entsteht beim Betrachter ein anderer Eindruck. Damit spielen die Schauspieler gezielt.

Obwohl das Noh Theater traditionelles japanisches Theater ist, sind Noh Masken auch in westlichen Kreisen gar nicht so unbekannt. Allen voran sind sie unabdinglich für die Ästhetik des Theaters und aufgrund ihrer liebevollen Details auch bei Sammlern beliebt. Über die Jahre sind circa 250 verschiedener Maskentypen entstanden – darunter Frauen, Männer, Ungeheuer et cetera. Von diesen werden 60 immer noch sehr häufig genutzt. Es gibt nämlich nicht nur eine Maske für jede Figur, die dem Zuschauer auf Anhieb den Charakter der Rolle erklärt, sondern häufig auch einzelne Masken für verschiedene Emotionen einer Figur.

Da das ständige Wechseln der Masken jedoch die Aufführung beeinträchtigen würde, gibt es auch umso kunstvollere Masken, die mehrere Variationen in einem Modell vereinen. Das besondere an einer solchen Noh Maske ist die Bauweise. Je nachdem, wie die Noh Maske geneigt wird, wird dem Zuschauer ein anderer Gesichtsausdruck suggeriert. Der Prozess der Herstellung von Noh Masken ist sehr langwierig und detailorientiert. Nachdem das verwendete Zypressenholz zurechtgeschnitzt wurde, folgen aufwändige Verzierungen. Da diese Kunstfertigkeit jedoch höchste Begabung erfordert, sind einige Noh Masken mittlerweile sogar Museumsobjekte. Im westlichen Kulturkreis erfreuen sich an ihnen zumeist Sammler. Auch gibt es günstigere Replikate, die als Dekoration für das heimische Wohnzimmer fungieren.

Welche Kostüme werden für das Theater genutzt?

Noh Theater Kostüme an einer Puppe
Die Kostüme beim Noh-Theater sind aufwendig und opulent. Die Farben und Schnitte sind dabei spezifisch für jede Rolle. - Bild: © Belle - Fotolia.com

Ebenso bemerkenswert und individuell sind die traditionellen Kostüme. Einige besonders prächtige Exemplare werden ebenfalls in Museen oder Privatsammlungen ausgestellt. Da das Bühnenbild beim Noh Theater in Tokyo und in anderen japanischen Orten minimalistisch gehalten wird, stehen die aufwendigen, farbenprächtigen Kostüme in einem starken Gegensatz dazu. Der Stil der Kostüme entspringt dabei keiner genau festgelegten Zeitperiode, sondern ist eher eine Fusion der Stile zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert, wo wertvolle Gewänder ein gern gesehenes Geschenk wohlhabender Bekannter waren.

Auch Figuren, die sozial weniger anerkannt oder gar ärmlich wirken sollen, tragen wertvolle, aus edlen Materialien angefertigte Kostüme. Hierbei wird die Tracht lediglich etwas schlichter gehalten. Den Farben der Kostüme kommt hierbei eine wichtige Bedeutung zu, denn je nach Rolle unterscheiden sie sich gravierend.

Insgesamt handelt es sich beim Noh Theater um eine sehr traditionelle Form der japanischen Unterhaltung, die einen relativ hohen Status genießt. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert war es sogar nur den Samurai vorbehalten, als Schauspieler teilzunehmen oder sich das Theater anzuschauen. Zusammen mit Kyogen, Kabuki und Bunraku ist es eine der vier wesentlichen Theaterformen in Japan.

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