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Amaterasu die Sonnengöttin - japanische Mythologie

Die japanische Sonnengöttin Amaterasu (天照), mit vollem Titel Amaterasu Ōmikami (天照大御神, zu Deutsch: große erlauchte Gottheit, die den Himmel beleuchtet), ist in der japanischen Mythologie eine der wichtigsten Kami (Götter) des Shinto. Amaterasu herrscht über den Himmel, symbolisiert die Sonne und ist zudem eng mit dem japanischen Kaiserhaus und dessen Entstehung bzw. Legitimierung verbunden.

Eine immer wieder behandelte Besonderheit ist die Weiblichkeit eines Sonnengottes, was in der Weltmythologie die Ausnahme darstellt. Meist wird die Sonne mit einer männlichen und der Mond mit einer weiblichen Gottheit repräsentiert. In Japan ist dies mit Amaterasu und ihrem Bruder Tsukuyomi-no-Mikoto (月読命), dem Gott des Mondes, genau umgekehrt.  

 

 amaterasu sonnengöttin Schrein in Japan

Der Amaterasu Omioya-Schrein in Kazuno, Präfektur Akit

Foto ©掬茶 - Own work, CC BY-SA 4.0, wikimedia

Mythische Erzählungen um Amaterasu

Die mythischen Legenden oder Erzählungen um Amaterasu existieren teilweise in sehr unterschiedlichen Formen. Die beiden wichtigsten Quellen stellen die zwei ältesten bekannten Bücher Japans aus dem 8. Jahrhundert dar. Diese sind das auf Anregung von Kaiserin Gemmei erstellte Kojiki (古事記) und das wenig später entstandene Nihon Shoki (日本書紀), welches ihrer Nachfolgerin Kaiserin Genshō gewidmet ist.

Die wichtigsten Erzählungen drehen sich um die Entstehung Amaterasus, den Streit mit ihren Brüdern Tsukuyomi und Susanoo (スサノオdem Gott der Stürme), und die Entstehung des Kaiserhauses auf der materiellen Welt (mythologisch: Ashihara no Nakatsukuni). Ebenjene materielle Welt wird in der japanischen Mythologie getrennt vom Himmel (Takamagahara) und der Hölle (Yomi) gedacht.

 

Von der Geburt der Göttin Amaterasu

Amaterasu wird aus einer Träne aus dem linken Auge des Urgottes Izanagi no Mikoto (伊邪那岐命‚ der Mann, der einlädt) geboren, als dieser nach einer Reise in die Unterwelt Yomi ein reinigendes Bad nimmt.

Eigentlich wollte er aus der Unterwelt seine Geliebte oder Frau, die Urgöttin Izanami no Mikoto (伊邪那美命‚ die Frau, die einlädt), retten. Diese hatte aber von den Früchten der Unterwelt gekostet und war unrettbar verloren. Während des Bades entstehen zudem Tsukuyomi aus einer Träne des linken Auges und Susanoo entspringt aus der Nase Izanagis.

Zusammen bilden diese die Mihashira no uzu no miko (三貴子), die drei wichtigsten Kinder Izanagis und drei der bedeutendsten Kami des Shinto Glaubens. Amaterasu wird dann von ihrem Vater die Herrschaft über den Himmel anvertraut.

 

 Amaterasu Omikami Japan Göttin der Sonne

Darstellung Amaterasu Omikami aus dem Amano-Iwato-Mythos (gemalt von Shunsai Toshimasa, 1887)
Foto © Shunsai Toshimasa - en.wiki, Gemeinfrei

Entstehung von Tag und Nacht – Amaterasus Streit mit ihrem Bruder Tsukuyomi

Zu Beginn sind Amaterasu und ihr Bruder Tsukuyomi sich sehr nah und Sonne und Mond scheinen gleichzeitig.

Dies ändert sich, nachdem Tsukuyomi, der auf Weisung von Amaterasu die Kami Ōgetsu-hime (大宜都比売神) oder Ukemochi besucht. Ukemochi, die Göttin der Nahrung, erbricht für ein Festmahl hinter einem Stein unterschiedlichstes Essen für Tsukuyomi. Dieser findet dies heraus und ist so angewidert, dass er Ukemochi tötet.

Amaterasu ist darüber so aufgebracht, dass sie Tsukuyomi auf die andere Seite des Himmels verbannt, um ihn möglichst nie wieder zu sehen. Sonne und Mond sind nun getrennt und so Tag und Nacht entstanden. Zudem kommen so essbare Pflanzen und Tiere auf die Welt, die aus Ukemochis Körper entstehen.

 

Amaterasu und der „wilde Mann“ - der Streit mit ihrem Bruder Susanoo

Susanoo , der jüngste der Mihashira no uzu no miko, ist wild und ungestüm und sehnt sich nach seiner Mutter Izanami. Er wird weshalb er von seinem Vater Izanagi aus dem Himmel verbannt. Als er sich von Amaterasu verabschieden möchte, geraten die beiden in einem Wettstreit aneinander. Daraufhin verwüstet Susanoo die heiligen Reisfelder und den Palast von Amaterasu.

In einem letzten Akt der Auflehnung wirft er den Körper eines himmlischen Pferdes in die Webhalle des Palastes, in der drei Weberinnen Kleider für die Götter herstellen. Eine der Weberinnen erschrickt sich derart, dass sie sich mit der Webnadel in die Genitalien sticht und stirbt.

Amaterasu ist darüber so verzweifelt, dass sie sich in einer Höhle (in manchen Versionen auch die Unterwelt Yomi) einschließt. Die Sonne ist aus der Welt verschwunden und Dunkelheit regiert, der erste Winter hält Einzug. Erst ein großes Fest vieler Kami vor dem Eingang der Höhle macht Amaterasu schließlich so neugierig, dass sie wieder herauskommt.

Die Höhle wird sodann schnell verschlossen, damit Amaterasu und mit ihr die Sonne nie wieder ganz verschwinden. Susanoo hingegen wird auf die materielle Ebene gesandt.

 

Amaterasu als Begründerin des Kaiserhauses

Amaterasu und der mit Landwirtschaft in Verbindung gebrachte Urgott Takamimusubi (高御産巣日神) beschließen die Herrschaft über die materielle Ebene Ashihara-no-Nakatsukuni zu übernehmen. Die wurde zu dieser Zeit von Ōkuninushi, einem Kami und Sohn oder Nachfahre von Susanoo regiert.

Dazu sendet Amaterasu drei Boten (Kami) die bei ihrem Wettstreit mit Susanoo entstanden sind. Alle drei schließen sich aber auf die eine oder andere Weise Ōkuninushi an.

Daraufhin senden die himmlischen Kami die Krieger-Götter Futsunushi und Takemikazuch, die Ōkuninushi, der als Entschädigung die Herrschaft über die unsichtbare Welt der Geister zugesprochen bekommt, zur Abdankung bringen.

Nach einigem Hin und Her wird Ninigi, ein Urenkel von Amaterasu, auf die mittlere materielle Ebene geschickt, um dort zu herrschen. Dabei führt er das Schwert Ninigi Kusanagi, den Spiegel Yata-no-Kagami und das Juwel Yasakani no Magatama mit. Diese drei Schätze spielten eine wichtige Rolle bei dem Fest, das Amatersau aus der Höhle hervorlockte.

Ninigi wird in der Folge zum Begründer und Urahn des japanischen Kaiserhauses, zu dessen Insignien bzw. „drei geheimen Schätzen“ das Schwert, der Spiegel und das Juwel bis heute gehören.

 

 japanische Sonnengöttin Kaiser 3 Schätze

Übergabe der Sanshu-no-jingi (heilige drei Schätze) bei der Thronbesteigung des 125. Kaisers Akihito am 7. Januar 1989 im Kiefernzimmer der Haupthalle des Kaiserpalastes.
Foto © 首相官邸 - 1. Kantei.go.jp [1], 2. Jinja Honcho [2], CC 表示 4.0

 

Der Ise-Schrein – zentraler Ort der Verehrung von Amaterasu

Der Jingū (神宮) oder Großschrein von Ise ist der im Schrein-Shinto wichtigste Schrein und höchstes Heiligtum Japans, in dem Amaterasu als Hauptgöttin verehrt wird. Der Schrein soll etwa 2000 Jahre alt sein, und stammt von aus der Zeit, als die Verehrung Amaterasus aus dem damaligen Kaisersitz Yamato nach Ise in der Präfektur Mie verlegt wurde.

Die Anlage besteht aus den beiden Hauptschreinen Naikū (内宮, Innerer Schrein) und Gekū (外宮,Äußerer Schrein) sowie 125 Nebenschreinen, drei Museen, eine Bibliothek und Produktionsstätten für zeremonielle Gegenstände. Letztere befinden sich aber nicht nur in Ise und der Präfektur Mie. Die beiden Hauptschreine sind zwar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, trotzdem ist der Jingū eine der wichtigsten Pilgerstätten in Japan und zieht jährlich rund 6 Millionen Besucher an.   

 

 

 

Theorien über die Entstehung einer weiblichen Sonnengottheit

Weibliche Sonnengottheiten stellen eine Ausnahme in der Weltmythologie dar. Neben Amaterasu in der japanischen Mythologie ist vielleicht vor allem Sunna, die germanische Sonnengottheit zu nennen.

Wegen Sunna ist das Genus der Sonne im deutschen wohl weiblich, soweit sich das etymologisch nachvollziehen lässt.

Die beiden gängigsten Theorien zur Weiblichkeit der japanischen Sonnengottheit Amateratsu sind ein angenommenes Matriarchat in der Anfangszeit der japanischen Kultur, wozu die chinesischen Berichte über eine japanische „PriesterkaiserinHimiko im 3. Jahrhundert passen könnte.

Eine andere Theorie bezieht sich auf die Legitimation der Kaiserinnen Jitō, der Vorgängerin von Gemmei, unter der wohl die Sammlung der im Kojiki aufgezeichneten Mythen begann. Gemmei und Genshō sollen die Aufzeichnungen über die Schöpfungsmythen im Kojiki und im Nihon Shoki in Auftrag gegeben haben. Man vermutet, dass Shoki den ursprünglich männlichen Sonnengottheit zu einer weiblichen Sonnengottheit geändert hat.

 

  

 

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Titelfoto © Utagawa Kunisada (歌川国貞), Public Domain

 

 

 

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