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Japans Bildungs- & Schulsystem einfach erklärt

Japans Bildungs- und Schulsystem hat den Ruf, eines der Besten der Welt zu sein. Dieser Anspruch wird auch regelmäßig durch die alle drei Jahre von der OECD  international unter 15-jährigen durchgeführten PISA-Studie (Programm zur internationalen Schülerbewertung) bestätigt. Demnach zeigen japanische Schüler vor allem in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern herausragende Leistungen.

Die Organisation des japanischen Schulsystems ähnelt dem angelsächsischen Modell und kann grob in drei Stufen unterteilt werden: Grundbildung (Primary Education), weiterführende Bildung (Secondary Education) und höhere Bildung (Higher Education, Universität etc.). Das Schuljahr oder akademische Jahr ist je nach Schule bzw. weiterführender Hochschule oder Universität in Semester oder Trimester unterteilt, wobei die Unterteilung in Trimester (dreiteiliges Schuljahr/akademisches Jahr) häufiger anzutreffen ist.

Die Schulpflicht in Japan erstreckt sich über 9 Jahre und umfasst zwingend den Besuch der Grundschule sowie der an diese anschließenden Junior High School. Neben öffentlichen Schulen sind in Japan auch private Schulen nicht unüblich. Die privaten Schulen haben oft einen besonders guten Ruf, dafür aber auch schwere Aufnahmeprüfungen.

 

Was ist an Japans Schulsystem so besonders?

Das japanische Schulsystem hat einige Besonderheiten, die es nicht nur vom deutschen Schulsystem teils deutlich unterscheidet. Zum einen gibt es in Japan in der Schule kein Sitzenbleiben – alle Schüler werden immer in die nächste Stufe bzw. Klasse versetzt.

Das System zur Vergabe von Noten ändert sich je nach Schulform. In der japanischen Grundschule werden die Noten A, B und C vergeben. In der anschließenden, obligatorischen Junior High School hingegen Noten zwischen 1 und 5. In den verschiedenen Oberschulen kommen teils verschiedene Notensysteme zum Einsatz, die von 1-5 oder 1-10 reichen können.

Eine weitere Besonderheit an Japans Grundschulen ist neben den typischen Schulfächern wie Mathe, Japanisch, Naturwissenschaften usw. das Unterrichtsfach für Ethik und Moral. In dem Pflichtfach sollen sich die Grundschüler mit sozialen Situationen und moralischen Dilemmata auseinandersetzen, wobei es in der Regel keine richtigen oder falschen Antworten gibt.

Dazu passt auch, dass es an japanischen Schulen in der Regel keine Hausmeister gibt (bei privaten Schulen kann es Abweichungen geben) und die Schüler in kleinen Teams für die Sauberkeit und Ordnung verantwortlich sind.

 

Japanisches Schul- und Bildungssystem: Besonderheiten

Japanische Ordnung: Die Schüler in japanischen Schulen wechseln die Schuhe beim Betreten des Gebäudes.
Foto © Priscilla Du Preez auf Unsplash

 

Zuletzt sind die Aufnahmeprüfungen für die unterschiedlichen Typen von Oberschulen (High Schools, Vocational Schools, College of Technology) sowie anschließend für den Besuch von Universitäten ein deutlicher Unterschied zum deutschen Schulsystem.

Je nach High School oder Universität sind diese Aufnahmeprüfungen so schwer, dass japanische Schüler teils schon Jahre vorher für diese zu Lernen beginnen und spezielle private Kurse zur Vorbereitung belegen. Eine Abiturprüfung wie hierzulande gibt es demgegenüber aber nicht.

 

Ist die Schule in Japan sehr schwer?

Die Schule in Japan ist anspruchsvoll und gerade die Aufnahmeprüfungen für die gewünschte Oberschule oder Universität bedeuten für die Schüler viel Stress und einen hohen Zeitaufwand für das Lernen.

In Japan nennt man dies daher mitunter auch shiken jigoku (試験地獄) „Prüfungshölle“. Der Druck auf die Schüler führt leider immer wieder zu Burn-Outs und mentalen Problemen sowie zu Mobbing, wenn man keine „gute“ Oberschule besuchen kann. Allerdings wird in Japan schon seit einigen Jahren intensiv daran gearbeitet, den Druck auf die Schüler zu mildern.

Wie schwer die Aufnahmeprüfungen gerade auch für die Universitäten sein können, sieht man daran, dass in der Regel nur etwa 56% der Schüler eines Jahrgangs diese beim ersten Versuch schaffen.

Die anderen – nach den herrenlosen Samurai „Ronin“ (浪人) genannt – lernen in der Regel ein ganzes Jahr dafür, die Aufnahmeprüfung für ihre Wunsch-Universität im zweiten Durchgang zu bestehen.

 

Wie ist Japans Bildungssystem im Vergleich zu Deutschland?

Im Vergleich zum deutschen Bildungssystem zeichnet sich das japanische Bildungssystem vor allem nach der Junior High School (in der üblicherweise auch Schuluniformen getragen werden müssen) durch einen hohen Wettbewerb aus.

Nicht wenige japanische Schüler besuchen neben der regulären Schule und den dort angebotenen Club-Aktivitäten zusätzlich Juku (塾) genannte Nachhilfeschulen, die explizit auf die Aufnahmeprüfungen vorbereiten. Viel Freizeit bleibt da außerhalb der Ferien nicht.

Dafür ist der Anteil der japanischen Schüler, die eine weiterführende Bildungseinrichtung (also nach der Junior High School und dem Ende der Schulpflicht) besuchen mit 99% extrem hoch. Dies liegt natürlich auch an einem anderen Ausbildungssystem, da eine „Lehrausbildung“ wie in Deutschland in Japan in dieser Form eher nicht üblich oder bekannt ist.

Zur reinen Qualität der Schulbildung kann man abseits der PISA-Studien, bei denen Japan aber regelmäßig besser abschneidet als Deutschland, wenig qualifiziert aussagen.

 

Arten von Bildungseinrichtungen und Klassen im japanischen Schulsystem

 

Krippen und Kindergarten

Kinderkrippen (保育園, hoikuen) nehmen in Japan Kinder schon ab 2 Monaten auf. Der Kindergarten (幼稚園, yōchien), in dem wie bei uns spielend gelernt wird, betreut Kinder ab drei Jahren bis zum Eintritt in die Grundschule mit 6 Jahren. Es gibt private und öffentliche Krippen und Kindergärten. In einigen Kindergärten herrscht auch schon Uniformpflicht.

 

Bildung und Schule in Japan: Kindergarten, Kita und Kinderkrippen

Japanische Kindergärten sind ähnlich wie in Deutschland organisiert.
Foto © note thanun auf Unsplash

 

Grundschule

Die japanische Grundschule (小学校, shōgakkō) erstreckt sich über sechs Jahre, also für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Normalerweise besuchen die Kinder dabei die öffentliche Grundschule in ihrem Bezirk, allerdings gibt es auch einige private Grundschulen.

Eine Schuluniform ist nicht an allen Grundschulen Pflicht. Die Klassengröße beträgt im Durchschnitt etwa 25 Schüler, wobei allerdings starke Schwankungen je nach Bezirk vorkommen.

Teilweise gibt es an Grundschulen auch gemischte Klassen aus unterschiedlichen Stufen, dies ist aber landesweit nur bei etwa 2% der Klassen der Fall. Unterrichtet werden Grundkenntnisse in Mathematik, Lesen und Schreiben, Sport, Musik, Naturwissenschaften und als eigenes Fach wie schon angesprochen Ethik und Moral.

 

Junior High School

Die japanische Junior High School oder Mittelschule (中学校, chūgakkō) wird für drei Jahre im Alter von 12-15 Jahren besucht. Mit dem Abschluss der Junior High School endet auch die offizielle Schulpflicht, allerdings besuchen im Anschluss 99% der japanischen Schüler weiterführende Bildungseinrichtungen.

Der Abschluss der Junior High School kann man am ehesten mit der Mittleren Reife nach Abschluss der Realschule in Deutschland vergleichen. Am Ende der Junior High School stehen für japanische Schüler die teils sehr schwierigen Aufnahmeprüfungen für weiterführende Oberschulen an.

Unterrichtet werden weiterführende Kenntnisse in Sprache, Naturwissenschaften und Kunst. An den meisten privaten und öffentlichen Mittelschulen besteht die Pflicht zum Tragen einer Schuluniform.

 

Oberschule (High School)

Die meisten japanischen Schüler besuchen nach Abschluss der Mittelschule eine öffentliche oder private Oberschule (高等学校 kōtō gakkō). Bei den Oberschulen nimmt der Anteil der privaten Schulen stark zu und die Aufnahmeprüfungen für prestigeträchtige Oberschulen können sehr hart sein.

Neben herkömmlichen Oberschulen zur Erlangung der Hochschul- und Universitätsreife, besteht auch die Möglichkeit des Besuches eines nur 1-jährigen Besuches einer so genannten „Vocational School“. Dies sind technische oder Handelsschulen, in der berufsspezifische Fähigkeiten gelehrt werden.

Eine andere Möglichkeit ist der Besuch eines College of Technology, einer Art technischen Hochschule. Hier beträgt die Ausbildungszeit dann aber nicht nur drei, sondern fünf Jahre. Diese Colleges verbinden die Oberschule mit einer weiterführenden Ausbildung.

Schuluniformen sind üblich, aber nicht an jeder Schule Pflicht. Anders als in Deutschland schließt man die Oberschule nicht mit einer Abiturprüfung ab, sondern allein durch die während der Zeit erlangten „Credits“.

 

Universität und andere weiterführende Ausbildungsstätten

Neben dem Besuch einer regulären Universität (大学, daigaku), in der man meist nach vier Jahren einen Bachelor macht, kann alternativ auch ein Junior College oder eine Kurzhochschule besucht werden, bei der die Ausbildung nur 2 Jahre dauert.

Auch der in der Regel nur einjährige Besuch eine Vocational School (s.o.) ist nach dem Abschluss der Oberschule möglich.

Anders als hierzulande nehmen nur wenige Studenten in Japan die Möglichkeit wahr, im Anschluss an den Bachelor in weiteren vier Jahren einen Master zu machen. An diesen wiederum schließen dann Postgraduate Programme an, um einen Doktortitel zu erlangen.

Die Dauer unterschiedlicher Studienbereiche können dabei leicht variieren, so ist die Erlangung eines medizinischen Abschlusses zeitaufwendiger als bei anderen Studiengängen und verlangt mehr als vier Jahre Engagement.

 

Wie lange dauert der Schultag in Japan?

Der Schultag in Japan beginnt in der Regel mit der Morgenversammlung um 8 Uhr 15 und endet nach 6 Unterrichts Perioden á 50 Minuten inklusive einer einstündigen Mittagspause um 15.30.

Nach den Unterrichtsstunden oder Perioden gibt es jeweils kurze Pausen. Am Ende des Schultages wird der Unterrichtsraum – meist in Schichten – von den Schülern gesäubert.

 

Japan Schule und Universität – studieren und lernen

Der Schulalltag japanischer Schüler und Schülerinnen ist von viel Disziplin und Stress geprägt.  
Foto © Egor Myznik auf Unsplash

 

Schul-Clubs – die japanische Variante der AG

An jeder japanischen Schule, spätestens ab der Junior High, gibt es eine Reihe von Clubs, an denen Schüler nach Ablauf des regulären Unterrichts teilnehmen können. Das Spektrum dieser Aktivitäten kann von Sportarten über Kunst & Kalligraphie bis hin zu Schülerzeitungen und Debattierclubs reichen.

Die Teilnahme an diesen außerschulischen Aktivitäten im Rahmen der Schule ist in Japan vollkommen normal und wird von fast allen Schülern wahrgenommen.

 

Ist in Japan am Samstag Schule?

An öffentlichen Schulen in Japan herrscht gewöhnlich eine fünf Tage Woche genau wie bei uns. Viele Privatschulen haben dagegen auch regelmäßig an Samstagen Unterricht. Gewöhnlicherweise geschieht dies in einem 2-Wochen Rhythmus, aber auch hier kann es von Schule zu Schule natürlich Abweichungen geben.

 

 

 

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