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Rikscha – eine japanische Erfindung wird weiterentwickelt

Die ersten Rischkas wurden in Japan von Hand gezogen. Heutzutage sind Handrischkas zwar weitestgehend verschwunden, aber Fahrradrischkas werden immer beliebter. In Zeiten in denen einige politische Parteien das Lastenfahrrad fördern möchten, kann man sich in einem Japanwelt-Blog Gedanken um die Herkunft dieser Lasten- und Personenfahrzeuge machen.

Das Wort Rikscha kommt eigentlich aus dem Japanischen. Das japanische Wort „Jin-riki-sha“ dient als Grundlage für das deutsche Lehnwort. „Jin“ steht für Person, „riki“ für Kraft und „sha“ bedeutet „Fahrzeug“. Somit ist die „Jin-riki-sha“ ein von Personen angetriebenes Fahrzeug, was die Form mit zwei Rändern und einem Tragegestell zum Ziehen erklärt. Bei der Übernahme des Wortes aus dem Japanischen wurde das „Jin“ gestrichen, sodass heute Rikscha als Begriff gebräulich ist.

Was ist eine Rikscha? Wann wurde sie erfunden?

Japanische Rikscha
Moderne japanische Rikscha, die man heute nur noch an Sehenswürdigkeiten für Touristen sieht. Foto: von djedj, via Pixabay.

Rikschas sind nicht Jahrhunderte oder gar Jahrtausende alt. Sie wurden in Japan um 1868 erfunden. Der Grund ist dabei relativ banal. Rikschas sind ursprünglich in Japan als Alternative zur Sänfte gedacht gewesen.

Die Form war grundsätzlich auch aus Frankreich bekannt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden solche Handkarren für den Warentransport genutzt, ein Gemälde von Glaude Gillot mit dem Titel „Les Deux Carosses“ von 1707 belegt es. Diese Art von Sänften konnte sich in Europa nicht durchsetzen und verschwand schnell wieder.

In Japan hat man den Rikschas eine etwas wendigere Form gegeben. Als Grund für die Erfindung wird angegeben, dass Europäer für die in Japan sonst üblichen Sänften (Kago) zu groß waren, sodass ein neues öffentliches Transportmittel notwendig wurde.

Wer hat die Rikschas nun erfunden?

Grundsätzlich gibt es hier drei Mögliche Erklärungen: Die erste Überlieferung stammt von dem Reporter Egon Erwin Kirsch aus seinem Buch „China Geheim“. Die Erfindung geht wohl auf den anglikanischen Geistlichen Reverend M. B. Bailey zurück. Er hatte als erster die Idee auf einem Handwagen einen Stuhl zu befestigen, der dann gezogen werden kann.

Sänfte zum Tragen von einer Person
Eine klassische Sänfte zum Tragen einer Person. Foto: von Livrustkammaren (The Royal Armoury), CC BY-SA, Public domain, via Wikimedia Commons.

Eine zweite Version erzählt dagegen eher von drei Japanern, welche die Rikscha erfunden haben – Japaner halten diese Version für richtig. Ein Gemüsehändler, ein Wagenbauer und ein Adliger haben sich nach der Geschichte zusammengetan, um ein gutes Transportmittel zu bauen. 1870 wurde die Erfindung dann offiziell in Tokio angemeldet.

In einer dritten Version wird von Baptistenmissionar Jonathan Gable erzählt. Er soll die Rikscha seiner invaliden Frau zum Geschenk gemacht zu haben. Für sie war es unerträglich sich von Männern in einer Sänfte umhertragen zu lassen. Da diese nicht nur sie, sondern auch einen Holzkasten tragen musste, viel es ihr umso schwerer. 

Sänften oder auch Pferdekutschen waren vor allem dem Adel und wohlhabenden Menschen vorbehalten. Die Rikschas wurden dagegen schnell in der Bevölkerung populär, da man mit ihnen, sofern der Fahrer jung und kräftig war, in der halben Zeit das Ziel erreichen konnte.

Der Siegeszug der Rikscha hin zur Fahrradrikscha

Vietnamesische Fahrrad-Rikscha
Eine moderne Fahrradrikscha in den Straßen von Hanoi in Vietnam. Foto: von Tho-Ge, via Pixabay.

Aus Japan gelangte die Rikscha um 1874 nach Shanghai. Einige Zeit später wurde sie in Hongkong eingeführt und hat anschließend den gesamten asiatischen Kontinent eingenommen. In den USA im Bundestaat New Jersey gab es sogar einen Rikschahersteller, der nach Asien lieferte. Während der Jahrhundertwende wurden die Handwagen auch in der indischen Stadt Kolkata (Kalkutta) populär. Kolkata ist heutzutage der einzige Ort, an dem noch sogenannte 40.000 „rickshaw pullers“, also Rikscha-Zieher in den Straßen der Großstadt ihre Arbeit von Hand verrichten. Heute wird aber auch in Indien die Arbeit des „Rikscha-Wallahs“ als unmenschlich und nicht mehr zeitgemäß angesehen, sodass sie dort ebenfalls immer mehr verschwinden.

In Japan können Sie Handrikschas immer wieder einmal sehen. Sie sind vor allem in der Nähe von Touristenattraktionen zu finden – allerdings gehören sie dort nicht mehr zum üblichen Stadtbild, sondern sollen nur das Ambiente vom früheren Japan unterstreichen.

Japaner zieht Rikscha aus Spaß
Japaner zieht Paar in Rikscha zur Belustigung. Foto: von Michelleraponi, via Pixabay.

In den 1920er Jahren haben die Menschen begonnen Zugtiere vor die Rikscha zu spannen, damit diese als Lastentiere wirklich schwere Lieferungen bewegen können. Wann genau die Fahrradrikscha entstanden ist, kann heute nicht mehr geklärt werden. In Deutschland gab es um 1900 sogenannte Fahrrad-Droschken, welche als erste Fahrradtaxi angesehen werden können. Auf dem Gepäckträger war dabei ein Sitz mit Stoffabdeckung montiert.

Mit der Erfindung der Fahrradrikschas wurde der Alltag der Fahrer („Rikscha-Wallahs“) wesentlich einfacher. Zudem konnten die Fahrgäste nun schneller und weiter transportiert werden. Mit der Erfindung der Rikschas gab es unterschiedliche Ausprägungen, was die Form angeht:

  • In „Samlors“ sitzen die Gäste hinter dem Fahrer. Sie kommen in Indien, Bangladesh, Nepal und Thailand zum Einsatz.
  • In „Cyclos“ sitzen die Passagiere vor dem Fahrer. Sie werden vor allem in Vietnam eingesetzt.
  • In „Becaks“ sitzen die Beifahrer Rücken an Rücken hinter dem Fahrer, diese Art gibt es vor allem in Myanmar und Indonesien.

In Asien sind neben Fahrradrikschas auch Moto- oder Autorikschas sehr beliebt. Es sind meist Dreiräder (Trikes), die mit einem Zweitakt- oder Dieselmotor angetrieben werden.

Fahrradrikschas in Deutschland

Moderne westliche Fahrradrikscha
Bild eines modernen Tranportfahrrads mit Rückbank für 2 Personen. Foto: von jnylee, via Pixabay.

In Deutschland sieht man in Großstädten wie Berlin in der Innenstadt immer wieder Fahrradrikschas. Sie können klassisch gehalten sein, es gibt aber inzwischen einige Modelle mit Elektromotor und Kunststoffverkleidung. In dem Fall werden sie rechtlich als Pedelec eingestuft. Rechtlich ist die Personenbeförderung durch Fahrradtaxis in Deutschland eher umstritten. Bisher gilt jedoch ein Beschluss vom Oberlandesgericht Dresden vom 11. Oktober 2004, welches die Personenbeförderung auf Fahrradtaxen ohne vorherige Genehmigung zulässt.

In der Regel werden die Fahrradtaxis in Großstädten für Stadtrundfahrten oder Sightseeing-Touren verwendet. Die modernen Rikschas dienen unter anderem auch als Werbefläche und werden teilweise gebucht. Die Fahrer arbeiten meisten selbständig und zahlen eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Rikschas und deren Wartung.

Rikschas haben im Laufe der Zeit zwar ihre große Bedeutung verloren, werden aber mit zunehmender Luftverschmutzung als motorisierte und umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Fortbewegungsmitteln immer wichtiger. In Deutschland sind Diskussionen um Zuschüsse von Lastenfahrrädern entstanden, die sich letztlich aus den Rikschas und den anschließenden Fahrradrikschas entwickelt haben. Für uns war das Grund genug, um einmal die japanischen Rikschas genauer vorzustellen, zudem einige Menschen immer die Vorstellung haben, sie würden aus Indien oder China stammen.

Titelfoto: von djedj, via Pixabay.

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