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Tischmanieren in Japan – ein kurzer Essens-Knigge

Die traditionelle japanische Küche wird auf der ganzen Welt geschätzt und steht Liste der immateriellen Kulturgüter der UNESCO aufgenommen. Sie geht aber auch mit etlichen ausgefeilten Tischregeln einher. Bei einem Restaurant-Besuch in Japan oder bei formalen Einladungen empfiehlt es sich, zumindest die einige dieser Grundregeln zu kennen.

 

Vor dem Essen – O-shibori und Itadakimasu

Kanpai - Prosit - japanische Tischregeln
In Japan trinkt man niemals allein! Erst nach dem japanischen Prosit: „Kanpai!“ trinkt man zusammen und schenkt seinen Tischnachbarn ungefragt nach. - Bild: © Monet - Stocks.Adobe.com

 

Schon bei Betreten eines traditionellen japanischen Restaurants kann es durchaus sein, dass sich der Gast die Schuhe ausziehen muss.

Jedem Gast wird vor dem Auftragen des Essens ein O-shibori  ein kaltes oder heißes feuchtes Tuch - gereicht. Mit diesem werden sich schon vor dem Essen die Hände gereinigt. Während des Essens kann das O-shibori auch als Serviette genutzt werden. Die sich seit längerem ausbreitende Unsitte, sich mit dem O-shibori auch das Gesicht zu reinigen, gilt eigentlich als höchst unfein.

Nachdem das Essen mit all den dazugehörigen Schüsseln und Schälchen vollständig aufgetragen ist und kurz bewundert wurde, wünscht man sich mit dem Ausdruck „Itadakimasu“ (wörtlich in etwa: ich werde bekommen いただきます) gegenseitig einen guten Appetit. In dieser schwer zu übersetzenden japanischen Floskel schwingt aber neben dem „Signal“ mit dem Essen zu beginnen zusätzlich der demütige Dank an den Koch oder den Gastgeber mit.

 

Schüssel, Stäbchen, Reis – was man beachten muss

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Reis ist für die Japaner das wichtigste Grundnahrungsmittel und wird höflicherweise immer bis zum letzten Korn aufgegessen. - Bild: © hanack - Stocks.Adobe.com

Kommen wir zuerst zum Essbesteck und dieses ist in Japan bei den allermeisten Speisen das Hashi oder Essstäbchen. Richtig geführt werden die Speisen mit diesen in einem flachen Winkel aus den Schalen und Schüsseln gegessen.

Dabei sollte man unbedingt vermeiden, mit den Stäbchen auf andere Personen zu zeigen, mit diesen herumzuspielen oder zu wedeln, wie es Ausländern gerade bei einer angeregten Unterhaltung schnell passieren kann.

Wenn man die Hashi gerade nicht benutzt, sollte man sie auf die für diese vorgesehene Halterung (jap.: Hashioki) zurücklegen. Auch das Aufspießen von Speisen mit den Stäbchen gilt als sehr unfein.

Unbedingt vermeiden muss man das Hin- und Herreichen von Essen mit den Stäbchen oder diese senkrecht in den Reis zu stecken. Beides erinnert an japanische Totenrituale und ist somit für Japaner höchst schockierend. Ein Tabu, an welches man sich auch als Ausländer hält.

Zuletzt sollte man die Enden und nicht die Spitzen der eigenen Hashi dazu verwenden, Speisen aus gemeinsam genutzten Platten oder Schüsseln zu nehmen, wenn hierfür keine Extra-Stäbchen vorhanden sind.

Essen wird in Japan meist nicht auf einem Teller angerichtet, sondern in vielen kleinen Schüsseln und Platten präsentiert. Von diesen nimmt man sich in keinerlei bestimmter Reihenfolge und genießt die verschiedenen Häppchen ganz so, wie man es mag.

Die eigene Reisschale kann dabei auch schon mal bis auf Brusthöhe gehoben werden, anstatt sich – wie in Korea üblich – über den Tisch zu dieser herunterzubeugen. Wichtig ist es dabei, den in Japan als fast heilig verehrten Reis nicht mit anderen Speisen zu vermengen oder gar Sojasauce oder Dashi hineinzukippen. Dies gilt als schwerer Faux Pas.

Zudem sollte man insbesondere seinen Reis wirklich bis zum letzten Korn aufessen. Die Sitte, Anstandsreste zu hinterlassen, gibt es in Japan nicht und wird eher als Affront aufgefasst.

 

Tischordnung in Japan
Nach dem Essen sollten die Schalen und Teller genauso angeordnet werden, wie sie ursprünglich gereicht wurden. - Bild: © HLPhoto - Stocks.Adobe.com

 

Dafür kann und darf man in Japan nach Herzenslust Schlürfen und Schmatzen. Geräuschvolles Essen gilt als Zeichen dafür, dass es besonders gut schmeckt.

Nach dem Essen legt man die Stäbchen in ihrer Halterung ab und ordnet die Schälchen, Schüsseln und Servierplatten wieder so an, wie sie aufgetragen wurden.

Beendet wird ein Essen in Japan mit den Worten „Gochisosama deshita“ - es war ein Festmahl.

Ein Tipp für Japan-Reisende – die Rechnung wird nicht am Tisch, sondern an einer zentralen Kasse bezahlt. Trinkgeld ist in Japan absolut unüblich.

 

Der „Washoku-Knigge“

 

Alle Regeln der gehobenen Tischkultur werden regelmäßig in den Broschüren oder Büchern der Osagarawaras veröffentlicht. Der japanische Clans, dem seit 32 Generationen die Pflege des richtigen Verhaltens und Vorgehens unterliegt ist quasi der japanische Knigge. Hier finden sich alle Benimm-Regeln, von den Tischmanieren bis zur hohen Kunst des Bogenschießens.

In diesen sehr strengen und auch vielen Japanern oft nicht geläufigen Regeln finden sich viele weitere Besonderheiten und Skurilitäten. So sollte man beispielsweise während des Essens vermeiden, die Toilette zu besuchen, da dies dem Koch gegenüber unhöflich sei.

Wer sich wirklich für die gehobene japanische Esskultur interessiert oder gar bei einem formalen Dinner mit wichtigen Offiziellen eingeladen ist, dem wird ein Blick in diese Regelbücher aber sicher helfen zumindest die schlimmsten Unhöflichkeiten zu umschiffen. Aber Japaner sind Ausländern gegenüber selbstverständlich etwas nachsichtiger.

 

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