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Shimokitazawa – das hippste Stadtviertel Tokyos

Wer die Tokyoter fragt, welches wohl das angesagteste Viertel der Mega-Metropole sei, der wird immer wieder auf das kleine Viertel Shimokitazawa, von seinen Einwohnern kurz Shimokita genannt, verwiesen werden.

Dieses Shimokita gilt als eines, ja wenn nicht als das hippste Viertel Tokyos. Das liegt sicher auch mit daran, dass das im Westen der Innenstadt gelegene Viertel so ganz anders ist als Shibuya mit seiner berühmten Kreuzung, Shinjuku mit seinen von Neonlicht durchfluteten Straßen oder Harajuku, das pulsierende Herz der Modeindustrie in Tokyo.

Nur wenige Minuten Fahrt mit der Metro vom großen Bahnhof Shibuya entfernt erwartet Shimokita den Reisenden mit für Tokyo niedrigen Häusern, schmalen Straßen von oft kaum mehr als 4-5 Metern Breite, verwinkelten Hinterhöfen und vielen kleinen Läden, Bars, Clubs, Galerien und Foodtrucks. Fast wirkt es, als wäre man in eine ganz andere Welt gefahren.

Und ein bisschen ist Shimokita das auch, erstreckten sich vor knapp hundert Jahren hier doch noch Felder rund um ein kleines Bauerndorf. Erst nach dem verheerenden großen Kanto-Erdbeben im Jahr 1921 wurde das damals vor den Toren Tokios gelegene Viertel von Tokiotern besiedelt, die sich nicht weiter der Gefahr der überfüllten Stadt aussetzen wollten.

Die gefüllten Straßen von Shimokitazawa. Foto: Aw1805, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Selbst die Angriffe im 2. Weltkrieg hat Shimokita weitgehend überstanden, Zeuge dafür sind auch die Schwarzmarkt-Gässchen nördlich des Bahnhofsgebäudes. Wo früher unter Wellblechdächern illegal gehandelt wurde, stehen heute windschiefe Läden und Buden, die alles Mögliche anbieten – dazwischen immer mal wieder der eine oder andere Straßenmusiker, die zum Bild von Shimokita gehören, wie die Neonreklamen zum Bild vieler Innenstadtbezirke.

Das heutige Stadtbild des Viertels mit seinen unzähligen kleinen, oft alternativen Läden, kleinen Restaurants und Takeaways und gemütlichen Bars geht aber vor allem auf die 70er und 80er Jahre zurück, als sich viele Künstler, Musiker und alternativ bewegte junge Leute aus den Innenstadtbereichen Tokios nach günstigerem Wohnraum umzusehen begannen, um ihren anderen Lebensentwürfen besser folgen zu können.

Seit diesen ersten Wellen der Zuwanderung hat sich Shimokita nach und nach zu einem kreativen Zentrum mit viel alternativem Flair in der Nähe des Herzens der Metropole entwickelt. Hier findet man Vintage Klamotten in Second Hand Läden, jede Menge Vinyl, kleine Galerien, günstige Restaurants und Take-Aways, Trödlerläden, die nicht selten aussehen wie improvisierte Garagenverkäufe und – klar – jede Menge Bars und Clubs, oft mit Live-Musik Programm von Jazz und Rock bis Punk.

Dazu kommen die engen Straßen, in denen kaum Autos fahren und große Teile Shimokitas zu einer großen Fußgängerzone machen. So bunt wie die Läden sind auch die Bewohner des Viertels, von denen gefühlt jeder zweite was mit Kunst, (mehr oder weniger alternativer) Mode oder Musik macht. Wenn auch vielleicht nicht nur oder hauptberuflich. So gehören auch alle Arten von Kleinkünstlern und Straßenmusikern zum Bild des Viertels. Darunter auch so ungewöhnliche Gestalten wie Rikimaru Toho, ein professioneller Manga-Vorleser.

Bedrohte Andersartigkeit: Shimokita, Gentrifizierung & Straßenbauprojekte

In Shimokitazawa gehören kleine und kunstvolle Läden sowie Cafés zum Stadtbild. Foto: Guwashi999, CC BY 2.0, via Flickr

Natürlich hat hippness immer den Nachteil, dass dieser je nach Mode mitunter die Schönen und Reichen nach sich zieht. Der Zusammenhang zwischen Gentrifizierung und pulsierendem Leben mit Kunst, Cafés, Clubs und ganz viel Kreativität ließ sich in jüngerer Zeit überall auf der Welt erleben – sei es nun Williamsburg in New York (ein besonders hipper Teil von Brooklyn) oder Kreuzberg und Neukölln in Berlin.

Erst kommen die Künstler, die Kreativen, die Lebenskünstler auf der Suche nach niedrigen Mieten und Raum zum Experimentieren, dann die Immobilienentwickler, die jungen Leute mit Geld, die da wohnen wollen, wo es gerade „IN“ ist, dann steigen die Mieten rasant und im schlimmsten Fall findet ein regelrechter Austausch der Bewohner statt. Die Neuen verdrängen die Alteingesessenen und zumeist auch viele von denen, die das Viertel überhaupt erst lebenswert und „schick“ gemacht haben.

Davor hat man natürlich auch in Shimokita Angst – kein Wunder in einer Stadt mit so horrenden Mieten wie Tokyo, die obendrein auch nicht sonderlich für ihre Freiräume bekannt ist, in denen alternative Lebensentwürfe möglich sind.

Bislang hat sich Shimokita zumindest einer rasenden Gentrifizierung erwehren können, auch wenn manche Immobilienspekulanten und -entwickler sicher schon des längeren das eine oder andere gierige Auge auf das quirlige Viertel geworfen haben. Auch die ersten Ketten haben sich inzwischen hierhin vorgewagt, Star Bucks, McDonalds, das übliche eben, und ein paar „feine“ Geschäfte haben eröffnet. Bislang aber sind die großen Ketten klar in der Unterzahl.

Die aktuell größte Gefahr geht daher auch nicht von der Gentrifizierung sondern von der Stadtplanung aus. Durch die Reaktivierung einer alten Planung von 1946 soll nun eine 26 Meter breite Schnellstraße gebaut werden. Einmal quer durch den historischen Ortskern von Shimokita hindurch, wahrscheinlich einhergehend mit dem errichten moderner Hochhäuser. Das könnte gut und gern der Todesstoß für das Viertel bedeuten. Noch streitet man sich vor Gericht um den Straßenbau – in Japan die Ultima Ratio.

Aktivitäten in Shimokita in der Schnellübersicht

  • Vintage Fashion, kleine Designer
  • Buchhandlungen, Musikläden, Trödler
  • originelle Restaurants und quirlige Bars
  • viele Straßen- und Kleinkünstler

Tipps für einen Besuch des Shimokita Viertels

Einen Besuch von Shimokita plant man während eines Aufenthaltes in Tokyo am besten für den Nachmittag und Abend. Dann füllen sich die Straßen mehr und mehr mit hauptsächlich jungen Leuten, die Bars machen auf, schließlich zieht das bunte Partyvolk in die Clubs und zu Konzerten. Neben Accessoires, Buchhandlungen und originellem Trödel aus den vielen kleinen Läden kann man sich mit japanischer Musik eindecken und vor allem: Klamotten shoppen. Zumindest, wenn man auf Second-Hand und Vintage Chic steht!

Das Angebot ist riesig, viele Läden günstig und laden zum Stöbern ein. Für die Pausen zwischendurch sollte man eines der kleinen Cafés aufsuchen oder in einem der vielen kleinen Restaurants und Fast Food Läden in den gemütlichen Hinterhöfen, die eine oder andere Köstlichkeit probieren. Dabei findet sich in Shimokita neben typisch japanischem Essen auch immer wieder Küche aus aller Welt – nicht selten mit einem gewissen japanischen Touch. Am Abend dann ab in eine Bar, am besten eine, wo Live-Musik gespielt wird, und dort den Tag bei Bier und Sake ausklingen lassen.

Titelfoto: Guwashi, CC BY 2.0 CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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