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Gusseisenkanne oder Porzellan-Teekanne - eine Entscheidungshilfe

In Ostasien wird Tee schon seit mindestens 2000 Jahren zubereitet und ist tief in der Kultur verwurzelt. Insbesondere gilt dies für China und Japan, wo sich neben dem einfachen Genuss des mit heißem Wasser aufgebrühten Getränkes sogar je eigene zeremonielle Zubereitungen mit strengen Vorschriften und festem Ablauf entwickelt haben.

Dabei spielt neben der Zubereitung und dem Ablauf einer solchen Teezeremonie natürlich auch das verwendete Teegeschirr eine wichtige Rolle. In Japan haben sich so zum Beispiel zwei grundverschiedene und ursprünglich je für ihre ganz eigene Rolle gedachte Formen der Teekanne entwickelt.

Traditionelle japanische Teezeremonie Chado
Die Teezeremonie ist sehr eng mit dem Zen verbunden. - Bild: © Roméo A. - Unsplash

Die Tetsubin (jap. 鉄瓶) genannten Gusseisenkannen sind ursprünglich vor allem als Teekessel gedacht gewesen, in denen das Wasser über einem Feuer erhitzt werden kann. Mit diesem heißen Wasser kann der Tee dann entweder in einer anderen Kanne oder direkt in der Teetasse zubereitet werden. Das in einer Tetsubin Gusseisenkanne erhitzte Wasser bleibt lange heiß, ohne dafür mit einem Stövchen oder ähnlichem durchgehend warmgehalten werden zu müssen.

Demgegenüber eignen sich die in Japan als Kyūsu (jap. 急須) bezeichneten Teekannen aus Porzellan zur Zubereitung, Präsentation und Bewirtung mit Tee, nicht aber zum Aufbrühen des Wassers selber. Ein Kyūsu wird dabei traditionellerweise mit dazu passenden Teeschalen verwendet, welche die gleiche Farbgebung oder Musterung aufweisen, wie die Teekanne. Hierzulande ist besonders die Form des Kyūsu mit abstehendem Seitengriff bekannt und so wird der Name Kyūsu häufig nur für diese eine spezielle Form japanischer Teekannen verwendet, was allerdings nicht ­zutreffend ist.

 

Tetsubin – vom Teekessel zum Allrounder

 

Eine japanische Gusseisen-Kanne oder Tetsubin, ist ursprünglich vor allem ein Teekessel, in dem über offenem Feuer oder einem Herd, Wasser zur Zubereitung von Tee erhitzt werden kann. Die Zubereitung von Tee selber in einem Tetsubin ist so ursprünglich nicht vorgesehen, funktioniert aber natürlich auch. 

Der große Vorteil einer Tetsubin gegenüber Teekannen aus Porzellan ist die oben schon angesprochene Fähigkeit die Hitze auch für lange Zeit zu speichern. Die guten Wärmeleitungseigenschaften der Tetsubin stammen dabei von der porösen Struktur des Gusseisens. Ein Nachteil ist dabei allerdings, dass Gusseisen einfach und schnell zu rosten beginnt. Daher sind moderne Tetsubin im Inneren auch zumeist mit Emaille beschichtet, um der Rostbildung im Inneren vorzubeugen. In Würde gealterte Tetsubin mit leichtem Rostansatz eignen sich natürlich auch ganz wunderbar als schmuckes Objekt für die Inneneinrichtung. 

Tetsubin als Teekanne mit schönem Muster
Tetsubin sind häufig mit Mustern und Reliefs verziert. - Bild: © faye_yuyun - Pixabay

Die meisten Tetsubin eignen sich zudem auch für die Verwendung mit moderner Küchenausstattung und können als „Wasserkocher“ auf Gas- und Elektroherden wie auf Induktionsplatten und Ceranfeldern genutzt werden. Die Mischung aus Vielseitigkeit und rustikalem Aussehen macht eine Tetsubin zu einem echten Hingucker, bei dem kein elektrischer Wasserkocher mithalten kann.

 

Kyūsu – japanische Teekannen aus Porzellan

 

Der japanische Begriff Kyūsu wird für Teekannen aus Porzellan mit bestimmten ästhetischen Designmerkmalen verwendet. Häufig wird dieser Begriff in Europa fälschlicherweise ausschließlich für japanische Teekannen mit Seitengriff verwendet.

Tatsächlich werden unter dem Begriff Kyūsu aber drei unterschiedliche Formen von Teekannen aus Porzellan zusammengefasst. Neben der „typisch japanischen“ Teekanne mit dem außergewöhnlichen Seitengriff gehören dazu auch Teekannen mit einem Henkel-Griff sowie solche mit einem Griff am Rücken der Teekanne, wie sie auch bei uns in Europa ansonsten am üblichsten sind. Moderne Kyūsu haben heute häufig einen integrierten Teefilter, was die Zubereitung vereinfacht. Gerade wenn man handwerklich hochwertig verarbeitete Kyūsu benutzt, ist deren Qualität oft herausragend.

Kyusu mit Seitengriff
Die Tekannen mit Seitengriff nennt man yokode kyūsu. - Bild: © Chris Lawton - Unsplash

Eine besonders für die Herstellung von Kyūsus aus Keramik bekannte Gegend Japans ist die Kleinstadt Tokoname in der Präfektur Aichi, in der schon seit der Heinan-Zeit (749 – 1185) hochwertige Keramik-Kyūsu gebrannt werden und japanweit als Tokoname-yaki bekannt sind.

 

Porzellan oder Gusseisen? Für wen eignet sich welche Art?

 

Der wichtigste Unterschied zwischen den gusseisernen Tetsubi und den aus Porzellan oder Keramik gefertigten Kyūsu ist deren hauptsächliche Nutzung. Während man mit Tetsubi das Wasser selbst erhitzen und warmhalten kann, muss heißes Wasser in eine Kyūsu Teekanne hineingegossen werden. Zwar sind auch Keramik oder Porzellan je nach Stärke dazu in der Lage, die Wärme zu halten, dies ist aber im Normalfall weit weniger effektiv als bei einer gusseisernen Tetsubi. Die Entscheidung für oder gegen eine der beiden Kannen-Arten schließt sich dabei auch nicht aus. Wer wirklich alles für sein japanisches Teegedeck dahaben möchte, der erhitzt und verwahrt das Wasser in einem Tetsubi und gießt aus diesem den Tee mehrmals in der dazu bereitstehenden Kyūsu-Teekanne auf.

Verwendung von Gusseisenkanne und Porzellan-Teekanne
Eine Tetsubin wird als Wasserkessel und ein Kyūsu als Teekanne verwendet. - Bild: © 五玄土 ORIENTO - Unsplash

Ansonsten ist die Entscheidung für oder gegen eine der beiden Arten vor allem auch eine Frage, wie man seinen Tee am liebsten zubereitet. Wer den Tee auch mit losen Blättern gerne direkt in der Tasse oder Teeschale aufbrüht, der wird mit einem Tetsubi nicht nur einen sehr schönen Kessel zum Wasserkochen erstehen, sondern auch die perfekte Kanne, um seinen Tee aufzugießen. Wer seinen Tee hingegen lieber in einer Teekanne ansetzt und ziehen lässt, bevor er ihn sich oder seinen Gästen einschenkt, der wird sicher eine Kyūsu Teekanne bevorzugen.

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