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Keramik aus Japan: 10 unterschiedliche Steingut-Stile aus Nippon

Keramik aus Japan zeichnet sich durch eine hohe Handwerkskunst und japanische Muster aus. Jede der 47 Präfekturen in Japan produziert die Keramik aus lokal verfügbaren Materialien. Die Art der Keramik wird in Japan aus dem Grund nach ihren Herkunftsorten benannt. Im Blog möchten wir einige wichtige Keramik-Stile vorstellen, leider können wir die Keramikerzeugnisse aller Präfekturen nicht in einem Blogbeitrag würdigen.

Die Töpferei ist eine alte und sehr ausgereifte Kunst in Japan. Erste Keramikerzeugnisse lassen sich in die Zeit der Jomon-Kultur (13.000 - 10.000 v. Chr) einordnen. Die Irdenware war über ganz Japan verbreitet, wobei gegen Ende der Kultur auch erste Muschelverzierungen hergestellt wurden. Die Keramikerzeugnisse haben sich im Laufe der Zeit deutlich verändert, Glasuren kamen hinzu und wurden verbessert.

Im 16. Jahrhundert haben sich dann die drei bekanntesten japanischen Keramikarten herausgebildet: Imari-Keramik (oder Arita-Keramik) aus der Präfektur Saga, Mino-Keramik aus der Präfektur Gifu und Seto-Keramik aus der Präfektur Aichi sind die perfekten ersten Steingut-Stücke, um die Kunst des japanischen Töpferhandwerks zu verstehen.

Altes japanisches Porzellan - die wichtigsten Zentren der Keramikherstellung

Da die Entwicklung der einzelnen japanischen Keramikstile regionalen Begebenheiten geschuldet ist, werden an dieser Stelle die Keramikerzeugnisse nach den Regionen vorgestellt und die Geschichte sowie Entwicklung für die jeweilige Präfektur zusammengefasst.

Mino-Keramik aus der Präfektur Gifu

Mino Porzellan aus Japan
Mino-Keramik aus der Provinz Gifu kann sehr umfangreich gestaltet sein. Das Steingut im Bild wird zwischen 1573-1615 datiert. Foto: von mharrsch, CC BY 2.0, via flickr.

Mino-yaki (美濃焼) wird in der Region um Tono, in der Präfektur Gifu, hergestellt. Bereits im 5. Jahrhundert hat man mit der Herstellung japanischer Sue-Keramik begonnen, wobei Töpferscheiben und Brennöfen aus Korea nach Japan importiert wurden. Es handelt sich um dunkelgraue und schlichte Keramik für den Alltag. Während der Heian-Zeit (794-1185) wurde das Sue-Steinzeug mit einer weißen Glasur versehen, um seine Schönheit hervorzuheben.

In der Azuchi-Momoyama- (1573-1600) und der Edo-Zeit (1603-1868) steigerte der Aufstieg der Teezeremonie die Vorliebe für künstlerische Keramik. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Keramik mit weißer Glasur, die wie Porzellan aussieht, für den täglichen Gebrauch sehr geschätzt. Während der letzten Hälfte der Edo-Zeit (1603-1868) begann die Herstellung von durchscheinendem Porzellan. Während der Showa-Zeit (1926-1988) wurden feine Gegenstände und Fliesen hergestellt – Mino-Keramik wurde zu einem der wichtigsten Handelsgüter.

Unter der Kategorie des Mino-Steinguts lassen sich 15 verschiedene Keramikarten einordnen. Oribe ist sehr bekannt und wird vor allem dank der tiefgrünen Glasur mit geometrischen Mustern. Sie wird vor allem für die Teezeremonie aufgrund der Schlichtheit gerne verwendet.

Setoguro ist ein Stil, der sich auf komplett schwarz glasierte Stücke, die hauptsächlich während der Tensho-Zeit (1573-1593) hergestellt wurden. Sie tragen auch die Namen tensho guro oder hikidashi guro (herausziehen), da sie noch glühend aus dem Ofen herausgezogen werden. Ansonsten war Shino-Keramik in der Azuchi-Momoyama-Periode (1573-1600) sehr beliebt. Durch die Muster unter seiner Glasur hat es eine schöne weiche rote Farbe und eine sprudelnde Textur.

Arita-Imari-Keramik aus der Präfektur Saga

Arita Porzellan aus Japan
Schmuckvolle Arita-Keramik in Weiß und Blau – ein sehr aufwendiges Dekor. Foto: von Brooklyn Museum, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons.

Imari-Keramik (伊万里焼) wird in der Nähe der Stadt Arita in der Präfektur Saga hergestellt. Die Ursprünge der aktuellen Produktionen gehen auf die Edo-Zeit (1603-1868) zurück. 1616 entdeckte Sam-Pyeong Yi, ein koreanischer Töpfer, eine Kaolin-Porzellanerde-Lagerstätte auf dem Izumi-Berg. Mitte des 17. Jahrhunderts entstand eine einfache Produktion von dicken Keramikstücken, die mit blauer Emaille veredelt wurden. Um 1688 entstand der Kinrande-Stil mit goldenen und roten Mustern. Ab 1870 entwickelte sich Porzellan mit Kobalt als Rohstoff.

Arita-yaki (有田焼) ist leicht, aber auch empfindlich vom Dekor. Das feine weiß-transparente Porzellan überzeugt mit den Farben Indigo, leuchtendem Rot und Gold als Verzierungen.

Seto-Keramik von Aichi-Präfektur

Seto Porzellan aus Japan
Malerische Seto-Sake-Flasche mit grünem Hals und verschiedenen japanischen Mustern. Foto: von Fæ, CC BY 2.0, via flickr.

Seto-yaki (瀬戸焼) wird in den Städten Seto und Owariasahi in der Präfektur Aichi hergestellt. Seto ist neben Bizen, Echizen, Shigaraki, Tamba und Tokoname einer der sechs antiken Brennöfen Japans. Seto kann auf eine Jahrtausende alte Keramikkunst zurückschauen. Die moderne und bekannte Seto-Keramik geht dabei auf das 19. Jahrhundert zurück.

Ein Töpfer aus Seto brachte das Porzellanverfahren von Kyushu in seine Heimatstadt. Die lokalen Handwerker erlernten die chinesische Keramikmalereikunst und erschufen liebevolle Landschaftsdarstellungen aus der Region Seto. Während der Meiji-Zeit (1868-1912) florierte die Herstellung der wertvollsten japanischen Keramik und umfasste Geschirr, Tische, Laternen und Blumenvasen.

Seto-Keramik zeigt sich als weiße unglasierte Töpferware mit raffinierten Designs und kraftvollen Farben. Zum Einsatz kommen dabei vor allem lokale Materialien: Motoyamakibushi-Ton, Motoyamagairo-Ton und Sanage-Feldspat. Besonders beliebt ist Asbolit als Farbstoff, welcher den Darstellungen eine indigoblaue Farbe verleiht. Die gemalten Motive werden dabei direkt auf die Keramik aufgetragen, eine Glasur wird in der Regel nicht verwendet.

Tokoname-Keramik aus der Präfektur Aichi

Tokoname Porzellan aus Japan
Schale der Tokoname-Keramik – ein sehr schlichtes Modell aus dem 14. Jahrhundert. Foto: von Metropolitan Museum of Art, CC0, via Wikimedia Commons.

Tokoname in Aichi ist der größte unter den sechs antiken Brennöfen Japans, wobei sich das früheste erhaltene Stück auf 1125 datieren lässt. Dank der Küstenlage gelangten die dortigen Keramikstücke leicht in andere Regionen und wurden im ganzen Land beliebt.

Der örtliche Ton besitzt einen hohen Eisengehalt, sodass die Keramik nach dem Brennen in einem leuchtend roten-braunem Farbton erstrahlt. Es handelt sich um eine landwirtschaftliche Region, welche vor allem strapazierfähige Keramik bedurfte und produzierte.

Shigaraki-Keramik aus der Präfektur Shiga

 Shigaraki Porzellan aus Japan
Schlichte Shigaraki Keramik aus dem 14. Jahrhundert aus der Muromachi-Zeit. Foto: von Daderot, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Shigaraki-yaki (信楽焼) stammt aus der gleichnamigen Stadt in der Präfektur Shiga. Die Brennöfen der Stadt gab es bereits als Kaiser Shomu (701 bis 756) für den Bau des Shigaraki-Palastes Fliesen benötigte. Bis zur Mitte der Kamakura-Zeit (1185-1333) wurden vor allem Wasserkrüge in der Region produziert. Erst während der Azuchi-Momoyama-Zeit (1573-1600) und Edo-Zeit (1603-1868) begann die Produktion von Teegeschirr und später auch von Sake-Flaschen sowie Tontöpfen. Anfang des 20. Jahrhunderts waren vor allem Shigaraki-Hibachi-Töpfe sehr beliebt aus der Region.

Die Shigaraki-Keramik-Stücke verfügen über eine charakteristische rotbraune Färbung. In der Regel werden dicke und große Gefäße hergestellt. Der Stil passt dabei gut zur Wabi-Sabi-Ästhetik, weshalb die Gefäße auch bei Teezeremonien geschätzt werden.

Karatsu-Keramik aus den Präfekturen Saga und Nagasaki

Karatsu Porzellan aus Japan
Karatsu-Schale mit Tierdekor – Vögel sind meist ein beliebtes Motiv in der Region. Foto: von BrokenSphere, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Karatsu-yaki (唐津焼) ist Porzellan, welches seit dem 16. Jahrhundert in den Präfekturen Saga und Nagasaki hergestellt wird. Während der Azuchi-Momoyama-Zeit (1573-1600) wurde auch hier die Produktion von Teegeschirr angeregt. In der Edo-Zeit (1603-1868) wurden die Öfen von Saga stillgelegt und Arita als Keramikstandort fokussiert. Erst in der Meiji-Zeit (1868-1912) nahm die Produktion wieder an Fahrt auf und durch den Töpfer Nakazato Muan wurde die Karatsu-Keramik zum Nationalschatz.

Charakteristisch ist die einfache und unvollkommene Schönheit, die dem Wabi-Sabi-Stil entspricht. Vögel, Blumen und Bäume werden als beliebte Dekorationsobjekte in den Regionen genutzt.

Kutani-Keramik aus dem japanischen Ishikawa

Kutani Porzellan aus Japan
Reich verzierte Schale der Kutani-Keramik mit verschiedenen Ornamenten und Berglandschaften. Die Schale stammt aus dem 19. Jahrhundert. Foto: von Daderot, Public domain, via Wikimedia Commons.

Kuntani-Keramik kam in der frühen Edo-Periode zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf. Als Zentrum gilt die Stadt Kaga in der Präfektur Ishikawa. Seit 1655 ist die japanische Art der Keramik offiziell anerkannt und nach dem eigentlichen Ursprungsdorf benannt.

Kutani-yaki (九谷焼) ist berühmt für seine kräftigen und leuchtenden Farben sowie die Aufglasurmalerei. Ein Muster wird mit Pigmenten über eine Glasur gemalt und danach wird das Stück erneut gebrannt. Je nach Unterart der Stile können verschiedene Farben verwendet werden Grün, dunkles Blau, Lila, Rot und Gelb sind recht beliebt.

Onta-Keramik aus der Region Ōita

Onta Porzellan aus Japan
Braune Onta-Keramik mit strahlender Glasur und feiner Malerei. Foto: von Fæ, CC BY 2.0, via flickr.

Onta-Keramik (小鹿田焼) blickt auf eine Tradition von 300 Jahren zurück. Bis heute wird Flusswasser verwendet, damit eine Mühle den Tonstein mahlen kann. In den 1930er Jahren wurde die Keramik nach einer Kampagne des Begründers der Volkskunstbewegung Yanagi Sōetsu japanweit populär. Mit Techniken wie dem Hakeme-Pinsel-Stil bietet das alltägliche Handwerk aus diesem Stil eine Mischung aus alter und neuer Ästhetik.

Die Keramikerzeugnisse sind aus dem Grund in helleren oder dunkleren Brauntönen gehalten. Zudem ist meist ein charakteristisches Pinselstrich-Muster als filigrane Wellenlinie erkennbar. 

Bizen aus der Präfektur Okyama

Bizen Porzellan aus Japan
Rotbraune Bizen-Keramik mit spielerischen Verzierungen. Foto: von Daderot, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Bizen-yaki (備前焼) ist einer der sechs ältesten japanischen Keramikstile. Die Tradition der Keramikkunst hat sich bis heute erhalten. In der Heian-Zeit (794-1185) wurden dort vor allem Schalen und Dachziegeln für den täglichen Gebrauch hergestellt. Während der Kamakura-Periode (1185–1333) wurde rotbraune Keramik produziert, die später die Gunst des Shoguns Toyotomi Hideyoshi und des Teemeisters Sen no Rikyu gewann. Seine Einfachheit ergänzte die Wabi-Sabi-Ästhetik.

Die Keramik aus Bizen ist unglasiert und hat ein schlichtes rustikales Aussehen. Das Problem ist dabei, dass auf dem genutzten Hiyose-Ton keine Glasur vernünftig hält – daher hatte man eigentlich keine andere Wahl.

Echizen-Keramik aus der Präfektur Fukui

Echizen Porzellan aus Japan
Echizen Keramik ist in Erdtönen gehalten und besticht durch verschiedene Pinselstriche. Foto: von The Cleveland Museum of Art, CC0 1.0, via clevelandart.org.

Die Herstellung von Echizen-yaki (越前焼) begann in der Heian-Zeit (794-1185). In den folgenden 500 Jahren verbreitete sich der Keramikstil in ganz Japan. Während der Meiji-Zeit (1868-1912) schrumpfte die Nachfrage nach Keramik aus Echizen.

Besondere Zeichen ist, dass die Keramik ohne Emaille oder Glasur gebrannt wird. Die Keramikerzeugnisse haben folglich eine einfache Textur. Es handelt sich eigentlich um eine Form von Steingut zwischen Keramik und Porzellan, daher wird es auch Yakishime oder Halbporzellan genannt. Es werden vor allem Gegenstände des alltäglichen Bedarfs hergestellt.

Die 10 Keramik-Stile sollen einen kleinen Überblick über die Steingut-Kunst in Japan geben. Falls Sie sich für modernes japanisches Geschirr interessieren, können Sie auf Japanwelt sich einmal die Geschirr-Sets ansehen. Ein anderer neuer Trend aus Japan ist Kintsugi, bei dem zerbrochene Keramikgefäße mit goldenem oder silbernen Kleber repariert werden. Ein Blogbeitrag zum Kintsugi erklärt Ihnen die Hintergründe zur Entstehung der neuen Bruchstückkunst.

Titelfoto: von taityan03270516 , via pixabay.

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