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Ama Taucherinnen – die Meerfrauen von Japan

Ama Taucherinnen in Japandie Meerfrauen : Ohne Atemgerät tauchen die Apnoe- Freitaucherinnen in Japan bis zu 20 Meter tief nach Muscheln, Meeresfrüchte und Perlen.

Japan ist trotz der rasenden Modernisierung des Landes ein Land vieler bis heute erhalten gebliebener Traditionen. Eine dieser Traditionen sind die Ama (海人, Meermensch, auch: 海女Meerfrau). Auf den südlichen Inseln um Okinawa werden die Ama auch Uminchu genannt, auf der Izu-Halbinsel wiederum tragen sie den Namen Kaito.

Seit jeher waren die Ama hauptsächlich Frauen. Um die Ursprünge rankt sich die Legende, dass sie von einem einstmals seefahrenden, nomadischen Stamm abstammen.

Es ist erstaunlich, dass sich diese alte Tradition bis heute erhalten hat – immerhin gibt es inzwischen diverse, sehr viel weniger arbeitsintensive Wege, Meeresfrüchte vom Meeresboden zu sammeln.

 

Ama - diese Frauen sind für das Meer geboren

Ama Meerfrauen Arbeit
Die harte Arbeit der Ama um ca. 1950 - Bild: © 岩瀬禎之 – Wikimedia

Die erste historisch gesicherte Erwähnung der Ama findet sich im Man’yoshu, der ältesten Anthologie von Gedichten Japans aus dem Jahr 750. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Tradition der Ama schon damals alt war und daher der Aufnahme in diese frühe Sammlung japanischer Lyrik würdig.

Eine weitere wichtige Rolle spielt natürlich auch das Meer und seine Ressourcen, das im Inselstaat Japan schon seit der ersten Besiedlung eine besondere Rolle als Nahrungslieferant, mystischer Ort, als Quell der Gefahren und Wunder gespielt hat.

Dass vor allem Frauen Ama sind, liegt zum einen daran, dass Frauen einen höheren Körperfettanteil haben, der sie gegen die Kälte in den Tiefen besser isoliert. Hinzu kommt, dass die Männer in Japan traditionell das ganze Jahr zur See fuhren. Die Arbeit als Ama gewährte Frauen also auch eine gewisse Unabhängigkeit und die Möglichkeit der Selbstversorgung.

 

Ausrüstung einer Meerfrau

Früher tauchten Ama allein mit einem Lendenschurz (褌, fundoshi) bekleidet und mit einem Bandana (手ぬぐい, tenugui) auf dem Kopf.

Die romantische Vorstellung dieser fast nackten „Meeresgöttinnen“, die bis auf den Meeresboden tauchen, hat der Fotograf Fosco Maraini in Bildern festgehalten und führte wohl auch zu der Aufnahme der Ama im James Bond Roman (und Film) „Man lebt nur zweimal“.

Seit der Meiji-Zeit nutzen die Ama Taucherbrillen, um unter Wasser besser sehen zu können, und seit etwa 1964 tragen sie Neoprenanzüge.

Gerade die letzte Veränderung hing wohl neben neu eingeführter Hygiene- und Sicherheitsvorschriften und wohl auch mit der moralischen Entrüstung westlicher Touristen zusammen.

Statt der Neoprenanzüge sieht man die Ama auch oft weiße Gewänder tragen.

Auch Flossen und orange Westen sieht man heute häufiger an den Ama. Dies dient natürlich der Erleichterung der Arbeit, aber auch der besseren Sichtbarkeit und damit dem Schutz der Frauen. Ansonsten wird kein modernes Gerät verwendet, nur eine Art Stock oder Messer, je nach Art der Beute.

 

Besondere Tauchtechnik & die traditionelle Beute der Ama

Für ihre Tauchgänge erreichen Ama Tiefen von bis zu 20 Metern ganz ohne Sauerstoffmaske (Apnoe Tauchen).

Diese beeindruckende Leistung wiederholen sie bis zu 60-mal pro Stunde bei einer Arbeitszeit von ca. 4 Stunden am Tag. Mit einem Seil gesichert tauschen sie vom Boot aus in die Tiefe, in der Regel für maximal zwei Minuten.

Apnoe Tauchen ist nicht ungefährlich, wenn man bestimmte Sicherheitsregeln nicht beachtet. Seit etwas über 90 Jahren werden Ama daher auch wissenschaftlich in Bezug auf Langzeiteffekte begleitet.

Nur durch Beachtung der Sicherheitsregeln, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, können Ama bis ins hohe Alter unfall- und langzeitfolgenfrei tauchen.

Eine Besonderheit der Tauchtechnik, die von den Ama genutzt wird, ist das so genannte isobue, ein tiefes, pfeifendes Ausatmen direkt nach dem Auftauchen, das Schäden der Lunge vermeiden soll.

Ihre Beute besteht aus allerlei Meeresfrüchten wie Austern, Abalonen (auf Deutsch auch Seeohren genannt, in Japan eine Delikatesse), und Seegras; auch Perlen gehören heute dazu.

Die in Japan früher fälschlicherweise als Muscheln geltenden Seeschnecken werden bis heute als hochbegehrte und teure Delikatesse in manchen Restaurants angeboten und zumeist roh als Sashimi verspeist.

 

Die Ama heute

Ama Meerfrauen in Japan heute
Auch heute tauchen die Ama in der traditionell weißen Kleidung. Bild: © By Fg2 - Wikimedia  

Heute ist die Zahl der traditionell arbeitenden Ama um einiges gesunken. Die meisten der noch verbleibenden Ama arbeitet auf Perlzucht-Farmen und nur wenige tauchen noch frei nach Meeresfrüchten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Schätzungsweise gibt es heute noch weit weniger als 1000 Ama in Japan, deren Zahl aber immer weiter abnimmt. Ein Grund dafür ist natürlich die sehr anstrengende Tätigkeit sowie technische Neuerungen, mit denen ihre Arbeit schneller und günstiger erledigt werden kann.

Auch die Veränderungen des Klimas und damit des Meeres spielen eine Rolle beim Verschwinden dieses Berufes. Zudem stehen japanischen Frauen heute alle Tätigkeiten in der Wirtschaft offen, was den Beruf der Ama insgesamt weniger attraktiv erscheinen lässt, wenn man keine Leidenschaft fürs Tauchen hat.

Erstaunlich ist aber das hohe Alter, bis zu dem die Ama ihre Tätigkeit ausüben. So ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Ama bis weit in ihre 80er auf Tauchgänge geht.

Ama Taucherinnen mit dem Perlenzüchter Kokichi Mikimoto um 1921.
Ama Taucherinnen mit dem Perlenzüchter Kokichi Mikimoto um 1921. - Bild: © By Nationaal Archief - originally posted to Flickr as Parelduikers / wikimedia

Viele der noch aktiven Ama arbeiten auf der Perleninsel Mikomoto (Mikimoto Pearl Museum Co., Ltd.), die von Mikimoto Kōkichi gegründet wurde.

Er produzierte seit etwa 1893 Zuchtperlen und nutzte die Erfahrung der Ama, um seine Firma aufzubauen. Hier kann man auch als Tourist den Ama bei der Arbeit zusehen. Und obwohl es nicht die traditionelle Art der Arbeit ist, die sich vielleicht einige Ama wünschen, so erhält es doch diese Tradition am Leben.

 

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Foto Titel: 岩瀬禎之 - Wikimedia

 

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