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Krimispiele sind in China ein Hit – in Japan floppen sie aber eher

In den ruhigen Vorstadtstraßen von Kami-Ikebukuro in Tokio steht ein dreistöckiges Haus, das sich nicht von den anderen unterscheidet. Im Inneren jedoch versuchen Jugendliche in historischen chinesischen Kostümen, einen Mord aufzuklären.

Willkommen in der Welt der Krimispiele, in denen die Spieler mit einem Notizblock und einem Stift in der Hand um einen Tisch sitzen und versuchen, sich durch ein sorgfältig gewebtes Skript zurechtzufinden. Sie sollen dabei den Täter finden, der unter ihnen sitzt.

Chinesisches Mord-Mystery-Rollenspiel in Japan

Auf Chinesisch ist die Art der Unterhaltung als "jubensha" bekannt, was wörtlich "geskripteter Mord" bedeutet. Die ausgeklügelten Rollenspiele haben Chinas Jugend in den letzten Jahren im Sturm erobert. Prognostiziert war ein Umsatz von 15,42 Milliarden Yuan (2,12 Milliarden Euro) im Jahr 2021 bei 9,41 Millionen Verbrauchern.

Poju Murder Mystery richtet sich hauptsächlich an die chinesische Diaspora in Tokio und hat sich auf die "umfassende Morde" spezialisiert. Es handelt sich um eine kompliziertere Version der Spiele, bei der sich die Spieler als ihr zugewiesener Charakter verkleiden und den Mitarbeitern des Unternehmens zusehen, wie sie bestimmte Szenen für sie ausführen. Der Gründer der Unterhaltungskrimis, Zhang Yuexiao, erklärt die Idee wie folgt:

"Wir möchten, dass sich die Spieler von dem Moment an, in dem sie den Raum betreten, fühlen, als wären sie nicht mehr sie selbst."

Die explosive Anziehungskraft der Spiele liegt wohl in dem Einblick in ein anderes Leben und manchmal in eine andere Ära, welchen der Spieler erhält. Durch das neue Leben oder den anderen Weg kann es helfen, die Gefühle anderer Menschen zu verstehen.

Das Konzept der Krimispiele ist nicht neu, klassische Detektivspiele wie Cluedo und Werwolf sind mittlerweile Jahrzehnte alt. Aber während neue Inkarnationen solcher Spiele in China einen gesunden Boom erleben, gibt es nur wenige Anzeichen dafür, dass sie in Japans Mainstream noch vorstoßen werden.

Krimispiele brauchen große Motivation

Yoshiya Nishii, der seit dem Start im Juli 2019 rund 600 Mal entweder als Teilnehmer oder "Game Master" - so der Name des Moderators - dabei war, sieht durch die hohe erforderliche Motivation das Spiel in der Verbreitung gehindert.

Als Gründe für die schleppende Aufnahme nennt der 44-jährige Spieleentwickler die Notwendigkeit, dass die Spieler über starke Lese- und Kommunikationsfähigkeiten verfügen sowie die genaue Anzahl von Personen für jedes Skript sicherstellen müssen. Zudem kann jedes Spiel nur einmal von einer Person gespielt werden, da er danach die Geschichte kennt.

Masashi Kawaguchi, Gründer und Inhaber des Brettspiel-Cafés Dear Spiele im Tokioter Stadtteil Higashinakano, meint hingegen eher, dass die Pandemie die Verbreitung ausgelöscht hat, bevor das Spiel erblühen konnte.

Kawaguchi brachte im März 2018 erstmals Krimispiele nach Japan, nachdem ein taiwanesischer Freund ihm die Spiele vorgestellt hat. Es habe sich als schwierig erwiesen, Menschen, die es gewohnt sind, inmitten der Pandemie online zu spielen, davon zu überzeugen, auf persönliche Spiele umzusteigen.

Ideen zur Bekanntheitssteigerung für die Zukunft

Um mehr Menschen zu ermutigen, Krimiserienspiele auszuprobieren, sehen sowohl Kawaguchi als auch Nishii Live-Streaming-Spielsitzungen oder deren Übertragung im Fernsehen als einen potenziellen Wachstumspfad.

Tatsächlich könnte eine Besetzung von Prominenten die Popularität der Spiele in Japan immens steigern, da die Begeisterung in China erst richtig Fahrt aufnahm, bis das Varieté-Programm "Who's The Murderer" es im Jahr 2016 populär machte.

Die Spiele sind mittlerweile zu einer so beliebten sozialen Aktivität für chinesische Jugendliche geworden, dass Poju fast jedes Wochenende ausgebucht sei, obwohl der Betrieb inmitten der fünften Welle der Pandemie aufgenommen wurde.

Die deutlich unterschiedlichen Einstellungen zum persönlichen Spielen können auch darauf zurückzuführen sein, dass chinesische Spieler sich eher auf das umfassende Erlebnis selbst als auf das Lösen von Rätseln konzentrieren, während japanische Spieler mehr Wert auf die Logik der Erzählung legen. Masashi Kawaguchi fasst die Kultur des japanischen Spielens wie folgt zusammen:

„Japaner sahen Kriminalspiele ursprünglich als Deduktionsspiele an, daher sind sie eher an der Konsistenz der Geschichte als an ihrem Eintauchen interessiert. Ich denke, Japan hat eine Kultur des Rätsellösens, und es ist heutzutage sehr beliebt.“

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