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Teil 2: Arbeiten und Leben in Japan

In den Ballungszentren der japanischen Großstädte ist die U-Bahn das effektivste Verkehrsmittel, um schnell größere Strecken zurückzulegen. Nur wenige Japaner fahren mit dem eigenen Auto zur Arbeit. In den Großstädten benötigt man allerdings auch eigentlich kein eigenes Auto, da man neben den Bahnen und Bussen überall problemlos Taxen findet – auch wenn das Taxifahren in Japan im Vergleich recht teuer ist. Das Zulassen eines Autos ist auch je nach Wohnort gar nicht so einfach, denn in manchen Städten muss man mittlerweile einen Parkplatz nachweisen. Autos sind in Japan ein wenig preiswerter als in Deutschland (jedenfalls solange man keine teuren Importwagen kaufen möchte). Eine Haftpflichtversicherung ist zwingend vorgeschrieben. Eine Besonderheit gibt es bei Neuwagen: Sie müssen nach drei Jahren zu einer Inspektion, die mit dem TÜV nur bedingt vergleichbar ist, denn sie ist sehr streng und kostet satte 100.000 Yen (ca. 730 Euro). Nach der ersten Dreijahres-Periode fällt diese Prüfung sogar jährlich an. Um sich diese Kosten zu sparen, verkaufen viele Japaner ihre Wagen relativ schnell wieder, was sich positiv auf das Angebot am Gebrauchtwagenmarkt auswirkt. Kurzfristige Besitzerwechsel (also nach maximal einem Jahr) sind durchaus üblich. Wirklich preiswert sind dagegen die allgegenwärtigen Fahrräder. Günstige Modelle gibt es schon ab 14.000 Yen (ca. 100 Euro). Viele japanische Städte sind bestens mit Radwegen präpariert; gibt es keine, kann auf dem Fußweg gefahren werden. Ernst genommen wird jedoch das Parkverbot für Fahrräder – ignoriert man dieses, wird das Rad entfernt und muss gegen Gebühr wieder ausgelöst werden.

Günstiger Wohnraum ist knapp

Viele Japaner, die mit der U-Bahn längere Strecken bis zur Arbeit oder Universität überbrücken müssen, nutzen die Zeit in den Verkehrsmitteln, um zu lesen oder sich mit elektronischen Geräten wie Tablets oder Smartphones zu beschäftigen. Nicht wenige Fahrgäste schaffen es, während der Fahrt noch ein Schläfchen zu machen, bevor es an die Arbeit geht. Der Arbeitstag ist ähnlich lange wie in Deutschland, doch es wird allgemein erwartet, dass Mitarbeiter bei Bedarf länger im Betrieb bleiben. Obwohl die Arbeitszeiten mit acht Stunden pro Tag denen in anderen Ländern entsprechen, kommen Japaner häufig auf eine bis zu 20 Prozent längere Arbeitszeit pro Jahr als beispielsweise die Deutschen. Der Urlaubsanspruch, der ebenfalls gar nicht so schlecht bemessen ist, wird von vielen Arbeitnehmern nicht vollständig ausgenutzt. Dahinter steht die Philosophie, nicht als Faulpelz erscheinen zu wollen und – noch wichtiger – den Arbeitskollegen keine Arbeit aufbürden zu wollen. So ist es nicht selten, dass Japaner sich bei Krankheit lieber einen Tag Urlaub nehmen als sich tatsächlich krank schreiben zu lassen. Eine weitere Rolle dabei spielt vermutlich auch die Tatsache, dass es nur verhältnismäßig wenige Festanstellungen gibt und die Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, allgegenwärtig ist. Um diesem Trend entgegenzuwirken, verordnet die japanische Regierung immer mehr Feiertage, um den Arbeitnehmern die erforderliche Erholung zu garantieren. Außerdem wirken sich freie Tage positiv auf den Binnenkonsum aus, der unter einer allzu hohen Arbeitsmoral eher leidet, weil keiner Zeit findet, Geld auszugeben. Der Bruttoverdienst ist in Deutschland im Vergleich ein wenig höher als in Japan. Das ist insofern interessant, als die Lebenshaltungskosten allgemein als besonders hoch angesehen werden, was jedoch nur bedingt zutrifft. Es ist zwar richtig, dass Städte wie Tokyo und Kyoto extrem teuer sind (was in erster Linie auf die Wohnraumknappheit zurückzuführen ist), doch in den vergangenen Jahren sind die Preise für Grundstücke im Zuge der Wirtschaftskrisen spürbar gesunken. Der Eindruck im Ausland, dass Japan ein besonders teures Pflaster ist, rührt von den Erfahrungen, die Ausländer dort machen – und die haben es nicht einfach, günstige Unterkünfte zu finden. Wer sich entschließt, in Japan zu leben, stellt schnell fest, dass viele Wohnungsbesitzer nur ungern an Ausländer vermieten und sehr zurückhaltend sind. Die Untervermietung ist bei Japanern hingegen eine der günstigeren Formen, auch in großen Städten eine bezahlbare Unterkunft zu bekommen. Sie kommen in den Genuss von Wohnungsangeboten, die Ausländern häufig verschlossen bleiben.

Japaner lieben es, auswärts zu essen

Aus Zeitmangel wird in Japan werktags eher selten gekocht, jedenfalls wenn man das richtige Kochen meint und nicht die Zubereitung von Fertiggerichten. Japaner gehen häufiger zum Essen in Restaurants als das in Deutschland der Fall ist. Dementsprechend wird das monatliche Budget höher belastet als bei Selbstkochern. Das gilt zumindest für Stadtmenschen – auf dem Land wird im Vergleich sehr häufig zu Hause gekocht. Allgemein hält sich bei Tourisen das Missverständnis, ihre Erfahrungen bei den Preisen in Lokalen in Großstädten auf das alltägliche Leben in Japan hochrechnen. Die typischen Touristenlokale und Restaurants nehmen durchweg höhere Preise als die „Geheimtipps“, in denen Japaner speisen. Hier kann je nach Wohnort die Verpflegung sogar um einiges günstiger ausfallen als in vergleichbaren Lokalen in Deutschland. Die pauschale Aussage, dass Japan zwangsläufig teuer ist, kann also so nicht unterschrieben werden, schon gar nicht in Regionen abseits der Ballungsräume. Sushi als schnelles Essen zwischendurch ist zwar auch verbreitet (z.B. in 100 Yen Sushi-Shops wie Kappa Sushi), doch Japaner essen auswärts auch besonders gern Karē (Curry), Rāmen bzw. Udon (verschiedene Nudelsuppen) oder Don-Gerichte (z.B. Gyudon, Rindfleischstreifen auf Reis) in Ketten wie Yoshinoya oder Sukiya. Die jüngere Generation besucht, genau wie hierzulande, oft Restaurants der internationalen Fast Food Ketten, wohingegen Familien abends eher in den relativ günstigen Family Restaurants essen. Auch in Izakayas, den japanischen Feierabend-Kneipen, gibt es kleine Gerichte, die an der Bar oder in der Küche frisch zubereitet werden. Sehr verbreitet ist es allerdings, sich nach der Arbeit oder Uni im Konbini oder im Supermarkt ein abgepacktes Gericht mitzunehmen und zu Hause aufzuwärmen.

Gas, Wasser, Strom

Hat man eine bezahlbare Bleibe gefunden und will längere Zeit in Japan leben, muss man sich natürlich auch um alle Details des Lebens kümmern, die auch in Deutschland anfallen. Die Bürokratie arbeitet erfreulich schnell in Japan, jedenfalls wenn es um Dinge wie Wasser, Strom, Gas oder Telefonanschlüsse geht. Hier reicht meistens schon ein Anruf, um in kürzester Zeit an das jeweilige Netz angeschlossen zu werden. Bei den Wasserwerken muss man allerdings oft selbst vorsprechen und eine Kaution hinterlegen. Die Gebühren sind gestaffelt nach Quadratmeterzahlen und schlagen für Wasser und Abwasser jeweils mit etwas mehr als 1000 Yen im Monat zu Buche (regionale Unterschiede vorbehalten). Beim Gasanschluss genügt hingegen ein Anruf, damit ein Techniker kommt. Das Gas wird in verschiedene Typklassen eingeteilt, was beim Kauf von Geräten wie einem Gasherd zu beachten ist; nicht alle Geräte sind mit allen Typen kompatibel. Eine ähnliche Besonderheit gibt es beim Strom. Während in den meisten Landesteilen 100 V mit 60 Hz Wechselstrom üblich sind, gibt es Regionen (vor allem im Norden), die mit einer Frequenz von 50 Hz versorgt werden. Dies ist beim Kauf elektrischer Geräte (z.B. Waschmaschine) zu berücksichtigen.

Abfallentsorgung

Die Müllabfuhr funktioniert ähnlich und doch ganz anders als in Deutschland. Gänzlich unbekannt sind große Abfallbehälter in Form von Containern, jedenfalls wenn es um private Wohnhäuser geht. Vielmehr sammeln die Bewohner ihre Abfälle getrennt nach Sorten (Hausmüll, PET-Flaschen, Dosen, Papier etc.), die dann an bestimmten Tagen der Woche abgeholt werden. Hierfür muss der Abfall in Säcke verpackt und nach Sorten getrennt an die Straße gestellt werden. Es ist übrigens unüblich, den Müll bereits am Vorabend raus zu stellen, dies macht man am frühen Morgen. Das Abgeben von Altpapier an vorbeifahrende Sammler wird nicht selten in Form von Papierprodukten wie Toilettenpapier oder Taschentüchern vergütet. Für den Sperrmüll wird ein Termin mit der Stadt vereinbart – ganz ähnlich wie in vielen deutschen Städten.

Geldgeschäfte und Gesundheitssystem

Ein Bankkonto lässt sich in Japan ähnlich leicht eröffnen wie in Deutschland, es werden ähnliche Formalitäten dafür erledigt. Hauptunterschied ist das Fehlen eines Systems wie der EC-Karte. Man bekommt vom Geldinstitut zwar eine Automatenkarte, mit der man jedoch nur an Automaten der eigenen Bank Geld abheben kann. Möchte man an allen japanischen Geldautomaten Geld abheben können, benötigt man unbedingt eine Kreditkarte. Üblich ist auch ein Kontoauszugsheft mit integriertem Magnetstreifen, das in entsprechende Automaten gesteckt wird, welche die Kontoauszüge direkt ins Heft drucken. Die Krankenversicherung ist in Japan eine Selbstverständlichkeit. Die meisten Mitarbeiter größerer Firmen sind über ihren Arbeitgeber versichert, ansonsten muss man sich selbst beim zuständigen Rathaus für die National Health Insurance anmelden. Hier erhält man eine Versichertenkarte, die allerdings ausgetauscht werden muss, wenn man in einen anderen Bezirk umzieht. Grundsätzlich trägt die Krankenversicherung in Japan 70% aller anfallenden Kosten. Ausgenommen davon sind Geburten und allgemeine Gesundheitschecks beim Arzt – diese müssen selbst bezahlt werden. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der jeweiligen Region, in der man wohnt, sowie nach der Anzahl der versicherten Mitglieder einer Familie.

Portokosten in die Heimat

Wer nach Japan gezogen ist, möchte vielleicht hin und wieder etwas nach Hause schicken. Die japanische Post arbeitet zuverlässig und pünktlich, wie alle japanischen Dienstleister. Normale Briefe kosten innerhalb Japans zwischen 80 und 90 Yen (abhängig vom Gewicht), eine Postkarte ist für 50 Yen zu versenden. Ins Ausland (also beispielsweise nach Deutschland) kostet das Briefporto bis 10 Gramm Gewicht 130 Yen. Für weitere zehn Gramm fallen zusätzlich jeweils 100 Yen Gebühren an. Sendungen nach Amerika und Asien sind etwas günstiger, bewegen sich aber in ähnlichen Preisspannen. Postkarten ins Ausland kosten grundsätzlich 70 Yen. Hinzu kommen Pakete, die per Luft- oder Seefracht verschickt werden können. Für ein 2 Kilogramm schweres Paket nach Europa zahlt man per Luftfracht rund 5.500 Yen (etwa 40 Euro). Für schwerere Pakete können auch schnell rund 60 Euro Portokosten anfallen. Über die tatsächlichen Kosten kann man sich vorab über die Website der japanischen Post informieren.

1 Kommentare

  • Tabidani, 17. Februar 2016 10

    Danke

    Viele hilfreiche Info zum Leben in Japan. Den Link zur japanischen Post habe ich mir gleich mal abgespeichert. Vielen Dank

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