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Kyoto – Stadt, Präfektur und Heimat von Fächern

Zu Freuden der Reisenden hat Kyoto vier voneinander unterscheidbare Jahreszeiten, in denen sich die Stadt immer in einem anderen Gewand präsentiert. Während es beispielsweise im Sommer schwülwarm ist, wird es während des Winters sehr kalt. Generell herrscht Kyoto ein feuchtwarmes, subtropisches Klima. Kyoto war in der Vergangenheit lange Zeit Japans Hauptstadt und beherbergt heute etwa 1,5 Millionen Einwohner.

Die Stadt Kyoto liegt nahe des Biwa-Sees im Südosten der Präfektur Kyoto und ist für viele der Inbegriff von Historie und Kultur. Mit über 2000 Tempeln und Schreinen sowie zwei Palästen kann man sich an Kyoto kaum sattsehen. Die antike Stadt blickt auf 1200 Jahre Geschichte zurück. In der Heian-Zeit, in der sich auch die Fächer-Kultur durchzusetzen begann, ging die politische Macht im Wesentlichen von Kyoto aus. Während die Stadt im weiteren Verlauf der Geschichte stetig an Macht verlor, wuchs zugleich (z.B. durch Tempelbauten) ihr kultureller Wert, der sie im zweiten Weltkrieg schließlich vor der Bombardierung durch Luftangriffe bewahrte. Kyoto ist heute eine der besterhaltenen Städte und das beliebteste Touristenziel Japans. Es ist unmöglich, alle Sehenswürdigkeiten aufzuzählen, aber die berühmtesten seien hier genannt:

  • Der Kinkakuji, ein buddhistischer Tempel im Nordwesten Kyotos. Die oberen Stockwerke sind vollständig mit Blattgold überzogen, deshalb trägt der Tempel auch den Namen „Goldener Pavillon“.
  • Der Ginkakuji, ein buddhistischer Tempel mit einer Gartenanlage aus der Edo-Zeit, gehört zum Weltkulturerbe Historisches Kyoto. Sein Aussehen hat ihm den Namen „Silberner Pavillon“ eingebracht.
  • Der Kiyomizu-dera bzw. der Otowasan Kiyomizudera in Ost-Kyoto ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auch dieser Tempel gehört zum Weltkulturerbe Historisches Kyoto und ist außerdem der sechzehnte Tempel des Saigoku-Pilgerweges. Er liegt auf einer Anhöhe und bietet eine wunderbare Sicht auf die Stadt.

Neben dem Tourismus sind kleinere Betriebe, die sich dem traditionellen Handwerk verschrieben haben, ein wichtiger Wirtschaftszweig Kyotos. Dazu zählen unter anderem Seidenmanufakturen, Kimono-Schneidereien sowie Brauereien, die sich der Sake-Herstellung verschrieben haben, ist die Präfektur Kyoto ebenfalls für ihren Grüntee bekannt. Bei grünem Tee aus der Region Uji handelt es sich um einen der besten Grüntees aus Japan. Eine weitere Spezialität Kyotos ist die Herstellung von Fächern. Wie auch in anderen kulturellen Belangen kann die Präfektur hier auf eine lange Geschichte zurückblicken

Der Uchiwa Fächer – Vom Statussymbol zum Alltagsprodukt

Uchiwa (Blattfächer) sind eine Spezilität aus Kyoto. Seit dem 6. Jahrhundert werden diese Fächer in Manufakturen in Kyoto gefertigt.
Uchiwa (Blattfächer) sind eine Spezilität aus Kyoto. Seit dem 6. Jahrhundert werden diese Fächer in Manufakturen in Kyoto gefertigt. - Bild: © miya227 - Fotolia.com

Die Blattfächer (Uchiwa) sind nicht zusammenfaltbar, wodurch sie sich vom bekannten Sensu (Faltfächer) unterscheiden. Uchiwa stellen die erste bzw. früheste Variante des japanischen Fächers dar. Die Papierfläche, die auf einem filigranen Stabgerüst am Ende eines Stiels aufgespannt ist, war zumeist mit typisch japanischen Motiven dekoriert.

Seinen Ursprung hat der Fächer allerdings in China. Von dort kamen die ersten Varianten im 6. Jahrhundert nach Japan und verschafften den Menschen Abkühlung an schwülen Sommertagen. Galten die Uchiwa Fächer zunächst als sehr wertvoll, womit sie für die normale Bevölkerung unzugänglich waren, wurden sie später zum Alltagsprodukt, nachdem sich japanische Handwerker auf deren Herstellung spezialisierten. So wurden die Fächer, die bis dahin der Kaiserfamilie und dem gehobenen Klerus als Statussymbol dienten, auch für die breite Masse zugänglich gemacht. Die Kunst der Uchiwa-Herstellung ist seit Jahrhunderten in Japan überliefert. Auch heute werden noch traditionelle Blattfächer hergestellt, die sich durch ihre hochwertige Ausarbeitung auszeichnen. Im Gegensatz zum Uchiwa ist der Sensu, der Faltfächer, eine tatsächlich japanische Erfindung und gilt heute zu Recht als typischer Vertreter des japanischen Fächerhandwerks.

Eine Tradition aus der Heian-Zeit

Faltfächer (Sensu oder Ogi) sind eine japanische Erfindung und galten früher als Statussymbol der oberen Bevölkerungsschicht. Teure Sensu sind aufwändig gefärbt und handbemalt.
Faltfächer (Sensu oder Ogi) sind eine japanische Erfindung und galten früher als Statussymbol der oberen Bevölkerungsschicht. Teure Sensu sind aufwändig gefärbt und handbemalt. - Bild: © blue_moon_images - Fotolia.com

Seit der Heian-Zeit (794–1185) gibt es sogenannte Nakama – Berufsgenossenschaften, zu denen sich die Fächermacher damals zusammengeschlossen haben. Sie erfanden den Faltfächer, der unter dem Namen Sensu oder auch Ogi bekannt ist. Die älteste Variante dieses Fächers wurde aus Zypressenholz gefertigt und trägt den Namen Hi-Ogi. Auch hierbei handelte es sich um ein Statussymbol – das der Hofdamen. Später entwickelte sich dann der Papierfächer (Kami-ogi), der mittlerweile die weitverbreitetste Fächerart auf der ganzen Welt ist. Nahe des Kaiserhofes in Kyoto lebend, verkauften die Handwerker in der Heian-Zeit ihre Produkte an den Adel. Etwa vier Jahrhunderte später, in der Edo-Zeit, gehörte das Fächerherstellen dann zum bürgerlichen Handwerk. Es entstanden richtige Fächergeschäfte (Ogi-Ya), die Fächer sowie deren Einzelteile verkauften. Japanische Fächer galten als wichtiges Accessoire zu besonderen Festlichkeiten und waren ein gern gesehenes Geschenk zu Neujahr, mit dem zugleich gute Wünsche verbunden wurden. Außerdem schenkten Geishas und Maikos ihren Stammkunden sowie ihren Lieblingsgeschäften Fächer als Sommergruß. Diese Tradition ist bis heute im Vergüngungsvietel von Kyoto erhalten. Neben dem Zufächeln von Luft an heißen Tagen, dem Vertreiben von Insekten sowie dem Verstecken des Gesichts, dienten Fächer auch als Accessoire beim Tanz, um der Gestik noch stärkeren Ausdruck zu verleihen.

Die Kyoto Fächer und ihre Herstellung

Sensu werden nicht nur zur Abkühlung an heißen Tagen benutzt, sondern auch beim Tanzen. Sie verleihen der Gestik des Tänzers oder der Tänzerin noch mehr Ausdruck.
Sensu werden nicht nur zur Abkühlung an heißen Tagen benutzt, sondern auch beim Tanzen. Sie verleihen der Gestik des Tänzers oder der Tänzerin noch mehr Ausdruck. - Bild: © photolife95 - Fotolia.com

Bereits zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert wurden die Kyoto Fächer nicht mehr aus Holz, sondern aus Papier und Bambus hergestellt. Dabei ergaben sich nachhaltig verschiedene Varianten zu diversen Anlässen wie zum Beispiel für Noh-Aufführungen, für Kyogen-Aufführungen, Tänze oder auch für Teezeremonien.

Drei Jahre alter Bambus aus der benachbarten Präfektur Shiga dient heute als Grundmaterial für die Sensu Kyoto Fächer, auch Kyo Sensu genannt. Der Bambus wird zu Fächerstäben zugeschnitten, gefeilt und nach drei bis vier Tagen des Trocknens nach Kyoto gesandt. Das speziell für die Fächer geschöpfte Papier (usui washi) muss in drei bis fünf Papierlagen laminiert werden, um ausreichend fest für die weitere Verwendung zu sein. Nach dem Zuschneiden des Papiers für die unterschiedlichen Fächer Größen, werden die Papiere dekoriert, indem man sie mit unterschiedlichen Farben, Motiven oder Schriftzeichen schmückt. Besondere Exemplare werden dabei von Künstlern mit der Hand bemalt.

Die traditionelle Fächer Herstellung in Kyoto erfordert viel Geschick und viele Arbeitsschritte. In den Manufakturen entstehen so Schritt für Schritt Alltagsfächer oder atemberaubende Fächerkunstwerke.
Die traditionelle Fächer Herstellung in Kyoto erfordert viel Geschick und viele Arbeitsschritte. In den Manufakturen entstehen so Schritt für Schritt Alltagsfächer oder atemberaubende Fächerkunstwerke. - Bild: © yayoicho - Fotolia.com

Insgesamt sind 30 Arbeitsschritte für die Herstellung eines Fächers notwendig. 17 davon benötigt die sorgfältige Verarbeitung des Papiers. Das macht das japanische Fächer Basteln in hoher Qualität schwierig, sodass die Herstellung bis heute den japanischen Profis vorbehalten bleibt. Da die Beliebtheit japanischer Fächer zwar auch heute noch ungebrochen ist, aber sich nicht mehr mit der Popularität in der Vergangenheit vergleichen lässt, besteht die größte Schwierigkeit dieses Handwerks darin, den aufwändigen Herstellungsprozess der Kyo Sensu und der Kyo Uchiwa am Leben zu erhalten. Beide Bezeichnungen (Kyo Sensu und Kyo Uchiwa) sind übrigens geschützte Markennamen – gehörig zur Kyoto Sensu Uchiwa Commercial and Industrial Cooperative Association. Wer einen Kyo Uchiwa ergattern möchte, der kann das Geschäft Komaruya Sumii in der Nähe des Maruyama-Parks in Kyoto besuchen. Von Anfang bis Mitte Juni werden außerdem im Vergnügungsviertel in vielen Restaurants und Geschäften farbenfrohe Fächer ausgestellt. Für wen der Weg in die traditionsreiche Stadt nicht möglich ist, bietet Japanwelt ein vielseitiges Sortiment hochwertiger Fächer, die zum Teil original japanischer Herstellung sind.

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