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Kumano Fude – Traditionelle Pinsel-Manufaktur in der Präfektur Hiroshima

Umgeben von den Städten Hiroshima, Kure und Higashi-Hiroshima liegt die Kleinstadt Kumano, ein Ort innerhalb der Präfektur Hiroshima. Die einst blühende Handels- und Kulturstadt Hiroshima, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden ist, hat sich nach ihrem vollständigen Wiederaufbau erneut zu einem der wichtigsten Zentren im Westen Japans entwickelt. Und so ist auch die vornehmlich bergige Präfektur geprägt von kulturellen Besonderheiten. Neben der Glaskunst aus Hiroshima-Stadt und der Holzkunst aus Miyajima, die zur selben Präfektur gehören, bietet Kumano noch eine weitere künstlerische Ausprägung. Denn Kumano ist bekannt für seine Pinselmanufaktur.

Von 25000 Einwohnern stellen 1500 Pinsel her – sie sind die sogenannten Fude-shi, die Pinselhersteller. Zwanzig von ihnen sind sogar hochbegabte Meister der Pinselherstellung. Das Verfertigen von Pinseln ist ein traditionelles Handwerk und die hochqualitativen Pinsel (Fude) stellen ein berühmtes Produkt (ein sogenanntes Meisan) aus Kumano dar. Das japanische Frauen-Fußballteam, das im Jahr 2011 die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gewann, bekam beispielsweise als besondere Auszeichnung Pinsel aus Kumano von der japanischen Regierung geschenkt. Die Herstellung der Pinsel hat eine weit zurückliegende Geschichte: Früher kauften Reisbauern Pinsel und Tinte aus Nara, die sie dann den Einheimischen weiterverkauften, um auch nach der Reisernte einen Verdienst zu erlangen. Die lokale Regierung hat dieses Unterfangen unterstützt, woraus sich schließlich eine eigene Pinsel-Manufaktur entwickelte. Nach der Einführung der Kalligraphie als Schulfach sorgte der erhöhte Bedarf an Pinseln für mehr Stabilität der Industrie in Kumano. Nach der Abschaffung des Schulfaches Kalligraphie begann man, auch Pinsel für die Malerei und für die Kosmetik herzustellen. 80 Prozent aller in Japan hergestellten Pinsel (15 Millionen pro Jahr) für die Bereiche Malen, Schreiben und Kosmetik stammen inzwischen aus Kumano.

Wie sich die Pinsel aus Japan zusammensetzen und was sie können

Normale japanische Pinsel sind für den vertikalen Gebrauch konzipiert (wie auf dem Bild gezeigt). Kumano Fude Pinsel werden so hergestellt, dass auch der horinzontale Gebrauch und damit normales Schreiben möglich ist.
Normale japanische Pinsel sind für den vertikalen Gebrauch konzipiert (wie auf dem Bild gezeigt). Kumano Fude Pinsel werden so hergestellt, dass auch der horinzontale Gebrauch und damit normales Schreiben möglich ist. - Bild: © hiroshiteshigawara - Fotolia.com

Für die Herstellung eines japanischen Pinsels werden verschiedene Materialien verwendet. Hauptsächlich werden Tierhaare von Ziegen, Pferden Wieseln, Rehen und Waschbären für die Pinselspitzen benutzt – Materialien, die nicht aus Kumano oder der Präfektur Hiroshima stammen, sondern in großen Mengen aus China und Nordamerika importiert werden. Das Material für die Griffe, das zumeist aus Bambus oder hochwertigem Holz besteht, kommt wiederum aus den Präfekturen Okayama und Shimane, sowie aus Taiwan und Südkorea.
Pinsel aus Japan werden für Kalligraphie, für Sumi-E (Tuschmalerei), Kosmetik und vieles mehr verwendet. Aber während die Kalligraphie-Pinsel die älteste Tradition haben, wurden die Herstellungsverfahren für Pinsel für Kunst und Makeup erst nach dem 2. Weltkrieg entwickelt.

Die Pinselmanufaktur hat inzwischen einen derart hohen Stellenwert, dass jedes Jahr in Kumano das "10.000 Fude Festival" stattfindet, bei dem 10.000 Pinsel auf beiden Seiten der Straße aufgehängt werden, die zum Schrein führt. Diese Szenerie ist in Japan einzigartig.
Da die Pinsel in einem manuellen Prozess hergestellt werden, braucht es 70 Arbeitsschritte, um einen Pinsel herzustellen. Mindestens 10 Jahre, so sagt man, dauert es, bis man dazu in der Lage ist, auf die richtige Art und Weise mit dem Tierhaar umzugehen. Der Preis eines Pinsels variiert dabei stark. Während man bereits für 10 Euro einen herkömmlichen Kalligraphie-Pinsel erstehen kann, kosten die professionellen Varianten für Kosmetik oder Kalligraphie zwischen 300 und 3000 Euro pro Stück.

Was macht die Kumano Fude so besonders?

Kumano Fude werden in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Beispielsweise sind die Pinsel aus der Präfektur Hiroshima aufgrund ihrer Weichheit und hohen Qualität beliebte Kosmetikpinsel.
Kumano Fude werden in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Beispielsweise sind die Pinsel aus der Präfektur Hiroshima aufgrund ihrer Weichheit und hohen Qualität beliebte Kosmetikpinsel. - Bild: © tsuppyinny - Fotolia.com

Üblicherweise werden japanische Pinsel für den vertikalen Gebrauch gemacht. Sie entsprechen damit der traditionellen japanischen Schreibweise. Die Kumano Fude sind dagegen durch ihre spezielle Verarbeitung so gemacht, dass die Pinselspitzen wie ein Stift benutzt werden können, was eine horizontale Schreibweise ermöglicht. Das macht die Pinsel vielseitig einsetzbar. Die Pinsel sind außerdem für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet.

Die Spitzen der handgemachten Pinsel sind darüber hinaus natürlicherweise uneben. Diese Beschaffenheit führt zu einem ganz besonderen Kontakt mit dem Papier, auf dem geschrieben wird, oder dem Gesicht, das geschminkt wird. So werden ganz charakteristische Ergebnisse möglich. Neben der hohen Qualität und Weichheit der Borsten ist es auch dieser Eigenschaft zuzuschreiben, dass die Pinsel aus Kumano sich unter berühmten Make-Up Artists so großer Beliebtheit erfreuen.

Japanische Malpinsel und ihre Bedeutung für die japanische Malkunst

In der Kalligraphie werden Kumano Pinsel gern eingesetzt aufgrund ihres charakteristischen Schriftbildes.
In der Kalligraphie werden Kumano Pinsel gern eingesetzt aufgrund ihres charakteristischen Schriftbildes. - Bild: © NOBU - Fotolia.com

Die japanische Tuschmalerei (Sumi-e) hat, ebenso wie die Kalligraphie bzw. Shodo (wörtl.: der Weg des Schreibens), eine lange Tradition. Aber auch in der Gegenwart sind die Tuschmalerei und Shodo immer noch von großer Bedeutung und großem Ansehen. Für die Künstler ist es dabei überaus wichtig, das richtige Utensil zur Hand zu haben, um das, was sie malen wollen, auch auf die gewünschte Weise abbilden zu können. Die Kumano Fude Pinsel bieten durch ihre besonders sorgfältige Beschaffenheit und den langen, manuellen Herstellungsprozess für viele Künstler das richtige Werkzeug.

Während das geschriebene Wort bei Stifte häufig keine starke Präsenz besitzt, ermöglichen es japanische Malpinsel, Emotionen direkt auf dem Papier abbilden zu können. Insbesondere die Kumano Fude Pinsel, die durch ihre Eigenschaften gleichermaßen weich und fest sind, erschließen vielen Künstlern neue Möglichkeiten. Shodo bezeichnet zum Beispiel nicht nur die Kunst des schönen Schreibens, sondern ist gleichzeitig ein Ausdruck von Geist und Seele. Damit ist ein japanischer Malpinsel nicht nur ein Utensil bzw. Gerät, sondern auch ein persönlicher Gegenstand, der dem Künstler hilft, sich Ausdruck zu verleihen.

Dieses japanische Video vermittelt einen kleinen Eindruck davon, wie die Kumano Fude hergestellt werden:

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