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Hiroshima – Eine blühende Stadt und eine eindrucksvolle Präfektur

Am 6. August ist es wieder so weit: Der Tag des Atombomben-Abwurfs auf die Stadt Hiroshima jährt sich. Am 6. August 1945 stand die Welt still und Hiroshima wurde – viel mehr noch als Nagasaki, das auch von einer amerikanischen Atombombe getroffen wurde – zum Sinnbild für die Unmenschlichkeit des Krieges und Mahnmal des Friedens. Hiroshima ist aber weit mehr als die Atombombe. Die Präfektur im westlichen Zentraljapan umfasst wunderschöne Landschaften, beeindruckende touristische Ziele, Jahrhunderte altes Handwerk und berühmte kulinarische Köstlichkeiten.

Hiroshima – Westjapans Handels- und Militärzentrum

Die Präfektur Hiroshima ist Teil der "Chugoku"-Region, die noch vier weitere Präfekturen im äußersten Westen der japanischen Hauptinsel Honshu umfasst. Das Klima ist subtropisch mit milden Wintern und heißen, schwülen Sommern. Die Stadt Hiroshima wurde im Jahr 1589 an der Küste der Seto-Inlandsee gegründet, während der Meiji-Zeit wuchs die Hafenstadt zu einem der bedeutendsten Zentren Japans heran. Im breiten, flachen Flussdelta des Ota-Flusses gelegen, wird die Stadt von dessen Armen in sieben kleine Inseln unterteilt, im Norden und Nordwesten erheben sich ein paar Hügel über die Ebene der Stadt. Ansonsten zeichnen viele Berge und Hügel das landschaftliche Bild der Präfektur, nur an den Küsten im Süden gibt es von Flüssen durchzogene Ebenen. Schon vor der Stadtgründung Hiroshimas war die Präfektur ein Handels- und Kulturzentrum Japans, seit es Aufzeichnungen über den Inselstaat gibt.

Der Genbaku Dome (Atombombenkuppel) dient heute als Mahnmal des Friedens. Er befindet sich am nördlichen Ende des Friedensparks in Hiroshima.
Der Genbaku Dome (Atombombenkuppel) dient heute als Mahnmal des Friedens. Er befindet sich am nördlichen Ende des Friedensparks in Hiroshima. - Bild: © Stefanie Klawitter - japanwelt.de

Während des ersten sinojapanischen Krieges (1894–1895) bildete die Stadt Hiroshima eine wichtige militärische Versorgungs- und Logistik-Basis, die sie bis zum Ende des zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 blieb. Mit dem Abwurf der Atombombe "Little Boy" als ersten militärischen Atomwaffeneinsatz überhaupt, veränderten sich das Gesicht der Stadt und ihr Bild in der Welt grundlegend. Siebzigtausend Menschen starben direkt bei der Detonation der Bombe in Hiroshima, Strahlung und Verletzungen forderten bis zum Jahresende noch bis zu 96.000 weitere Todesopfer – das entspricht fast der Hälfte der damaligen Bevölkerung. Außerdem waren 70 Prozent der Stadt vollkommen zerstört, ein Taifun im September 1945 verursachte noch weitere Schäden an Gebäuden sowie der ohnehin schwachen Infrastruktur und forderte weitere Todesopfer.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs setzte die japanische Regierung eine auf Frieden ausgerichtete Verfassung fest. Man entschied man sich zum Wiederaufbau von Hiroshima und der Einrichtung eines Friedensparks an der Stelle, über der die Atombombe explodiert war. Die Überreste der Produktausstellungshalle wurden als Mahnmal des Friedens in ihrer Form erhalten und sind nun als "Genbaku Dome" (Atombombenkuppel) zusammen mit anderen Objekten wichtiger Teil des Hiroshima Friedensparks "Heiwa Koen".

Hiroshima heute und wie sich die Präfektur verändert hat

Der Friedenspark Heiwa Koen, der an der Stelle angelegt wurde, über der die Atombombe detonierte, ist heute ein Mahnmal für den Frieden.
Der Friedenspark Heiwa Koen, der an der Stelle angelegt wurde, über der die Atombombe detonierte, ist heute ein Mahnmal für den Frieden. - Bild: © Stefanie Klawitter - japanwelt.de

Hiroshima heute ist mit etwa 1,17 Millionen Einwohnern die größte Stadt im Chugoku-Gebiet in Westjapan und damit auch heute noch – oder wieder – eines der wichtigsten Zentren im Westen des Landes. Die Stadt wurde vollständig wiederaufgebaut, einzig der Friedenspark mit der Atombombenkuppel erinnert noch an die furchtbaren Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs. Gleichzeitig fungiert die Stadt in ihrer Gesamtheit als Mahnmal für den Frieden, am 6. August findet seit 1947 im Friedenspark jedes Jahr eine große Gedenkveranstaltung für die Opfer des Angriffs statt.

Auch im Hiroshima heute gibt es – genau wie in anderen japanischen Großstädten – Wolkenkratzer und belebte Einkaufsstraßen, die mit den kleinen Schreinen und traditionellen, gemütlichen Restaurants den typisch-japanischen Kontrast zwischen Tradition und Moderne bilden. Allerdings fragen sich viele Japan-Besucher – besonders nach dem Super-Gau im Kernkraftwerk in Fukushima im Jahr 2011, durch den ein großes Gebiet für viele Jahrzehnte unbewohnbar geworden ist –, ob in Hiroshima Strahlung noch immer ein Problem ist. Die Antwort ist: Nein. Hiroshima heute ist ganz normal bewohnbar, die Strahlenwerte liegen nicht höher als im Rest der Welt. Das hängt mit der Beschaffenheit der Atombombe und der kurzen Freisetzungsdauer der Strahlung zusammen und kann nicht mit den noch immer Strahlung abgebenden Ruinen in Tschernobyl oder Fukushima verglichen werden. Die Sorge um Strahlung in Hiroshima ist also unbegründet, denn es gibt keine Gefahr für Reisende.

Über ein Torii im Wasser, Rehe, grünes Glas und Schlösser

Das rote Torii im Wasser vor dem Itsukushima-Schrein auf Miyajima ist weltberühmt und ein beliebtes Fotomotiv.
Das rote Torii im Wasser vor dem Itsukushima-Schrein auf Miyajima ist weltberühmt und ein beliebtes Fotomotiv. - Bild: © Stefanie Klawitter - japanwelt.de

Wer Hiroshima bereist, sollte allerdings auch über die Grenzen der Stadt hinaus gehen. In der Präfektur Hiroshima liegt eine der drei schönsten Landschaften Japans: Die Insel Miyajima mit dem Itsukushima-Schrein und seinem weltberühmten roten Torii im Wasser. Von Hiroshima aus ist die Insel etwa eine halbe Stunde mit dem Zug entfernt und stellt zu jeder Jahreszeit ein sehenswertes Ausflugsziel dar. Besonderes Highlight der Insel sind die friedlichen, freilaufenden Rehe, die keine Scheu vor Menschen zeigen – was zur Folge hat, dass sie mitunter hartnäckig werden können, wenn sie etwas Essbares in der Hand oder der Tasche eines Besuchers entdecken. Auf Miyajima hat Holzkunst eine lange Tradition: Neben Alltagsgegenständen wie Reislöffeln fertigen geschickte Handwerker filigrane Kunstwerke aus Holz, die von der jahrhundertelangen Perfektionierung ihrer Zunft zeugen. Eine andere Form der Holzkunst findet man in einem kleinen Laden in Hatsukaichi, in dem das japanische Kendama Kugelspiel in vielen verschiedenen Ausführungen gefertigt wird. Das traditionelle Holzspielzeug trainiert die Geschicklichkeit, man kann damit allerdings auch allerhand Tricks vorführen. Mittlerweile gibt es in einigen Ländern sogar Kendama-Meisterschaften. Ein Besuch in Hatsukaichi lässt sich übrigens wunderbar mit einem Ausflug nach Miyajima verbinden, denn die Stadt liegt auf halbem Wege zur Insel.

Wer Glaskunst mag, sollte dem Glasdorf in Hiroshima-Stadt einen Besuch abstatten. Da der Sand des Otagawa eisenhaltig ist, erhält das mundgeblasene Glas eine charakteristische grüne Farbe, die sich bei jedem Stück leicht unterscheidet – je nach den Eisenanteilen im Fluss-Sand. Das macht das Otagawa Glas so einzigartig auf der Welt und zu einem beliebten Souvenir. Im Glasdorf kann man eine Ausstellung besuchen, Glasprodukte kaufen oder sich sogar selbst am Glasbläserhandwerk versuchen.

Neben Shinto-Schreinen oder traditioneller Handwerkskunst, befinden sich zwei sehenswerte Schlösser in der Präfektur Hiroshima: In Hiroshima-Stadt und Fukuyama erhebt sich jeweils ein Schloss aus dem 16. und 17. Jahrhundert, das die Erinnerung an das feudale Japan der Edo-Zeit wachruft.

Austern, Momiji Manju und Okonomiyaki aus Hiroshima

Hiroshima ist mittlerweile eine moderne Großstadt mit Einkaufsstraßen und Hochhäusern. Besonders berühmt ist die Stadt für ihr Okonomiyaki.
Hiroshima ist mittlerweile eine moderne Großstadt mit Einkaufsstraßen und Hochhäusern. Besonders berühmt ist die Stadt für ihr Okonomiyaki. - Bild: © Stefanie Klawitter - japanwelt.de

Neben vielfältigen kulturellen Highlights gibt es einige kulinarische Spezialitäten, für die die Präfektur Hiroshima berühmt ist. Seit etwa 450 Jahren werden in der Präfektur Hiroshima Austern (japanische "kaki") gezüchtet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man unterwegs an vielen Austern-Restaurants vorbeikommt oder Kaki-man, eine abgewandelte Form des Nikkuman, an Snackbars auf Miyajima findet. Berühmter als die Austern sind bei Touristen allerdings die Momiji Manju – kleine Teigteilchen in Form eines Ahornblattes, die mit Bohnenmus oder anderem Fruchtmus gefüllt oder mit Matcha-Grünteepulver zubereitet worden sind. Anders als man aufgrund des Namens und des herbstlichen Äußeren vermuten möchte, gibt es Momiji Manju das ganze Jahr über auf der Insel Miyajima oder an Souvenirständen am Bahnhof in Hiroshima.

"Wenn du nach Hiroshima fährst, musst du Okonomiyaki essen!" Diesen Satz bekommt man von jedem Japaner zu hören und auch von den meisten Japan-Urlaubern, die das pfannkuchenähnliche Gericht schon einmal gegessen haben. Hiroshima-style Okonomiyaki ist ein dünner Teigfladen, auf den eine Menge Weißkohl kommt, auf die wiederum Fleisch (optional) und angebratene Nudeln gelegt werden. Außerdem gibt es noch eine Schicht Ei, die unverwechselbare Okonomiyaki-Soße und das gewählte Topping – zum Beispiel Frühlingszwiebeln oder Kimchi. Im Unterschied zum Osaka-style Okonomiyaki besitzt das Okonomiyaki aus Hiroshima klar definierte Schichten. Um seinen Favoriten zu finden, sollte man unbedingt beide Sorten an ihren jeweiligen Ursprungsorten probieren. Ein besonderes Highlight: Okonomiyaki werden in den meisten Restaurants direkt vor der eigenen Nase zubereitet – man kann also die Entstehung seines Essens genau beobachten.

Ein Besuch in Hiroshima hat Folgen

Wer Hiroshima bereist, sollte unbedingt dem Friedensmuseum einen Besuch abstatten. Die intensive Erfahrung dieser Dokumentation des Atombombenabwurfs und dessen Folgen vergisst man nicht mehr.
Wer Hiroshima bereist, sollte unbedingt dem Friedensmuseum einen Besuch abstatten. Die intensive Erfahrung dieser Dokumentation des Atombombenabwurfs und dessen Folgen vergisst man nicht mehr. - Bild: © Stefanie Klawitter - japanwelt.de

Wer einmal die Präfektur Hiroshima besucht hat, wird die Schönheit der Berge und der Inlandsee, den Geschmack von Okonomiyaki in einem kleinen, warmen Restaurant, den Anblick des roten Toriis im Wasser und die reiche kulturelle Vielfalt nicht mehr vergessen. Wer ein paar Tage in der Stadt Hiroshima verbringt – besonders dann, wenn er gerade aus Tokyo oder Osaka kommt – wird feststellen, wie sehr sich Hiroshima von anderen Städten unterscheidet. Trotz ihrer Lebendigkeit als Großstadt liegt eine fast greifbare Ruhe über der Stadt, die man vergleichbar an keinem anderen Ort in Japan findet. Die Zeit, die man im Friedenspark und im Friedensmuseum verbringt, werden deutliche Spuren hinterlassen und zum Nachdenken anregen. Wer eine Japanreise unternehmen möchte, sollte definitiv ein paar Tage in Hiroshima einplanen, denn: Hiroshima ist anders und man selbst wird als ein anderer aus dieser Stadt zurückkehren. Dieses Erlebnis sollte jeder Japanreisende einmal gemacht haben.

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