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Karē Raisu - Japans geheimes Nationalgericht

Über 91% der Menschen lieben es. Mehr als 44% essen es sogar zwei bis dreimal pro Monat. Nein, die Rede ist nicht von Sushi oder Sashimi. Ganz weit oben auf dem Speiseplan der Japaner steht ein Gericht, das man als Europäer nicht unbedingt mit japanischer Küche in Verbindung bringt: Curry-Reis oder Karē Raisu (カレーライス), wie man es auf Japanisch nennt.

Karē Raisu  - Nicht aus Japan und doch typisch japanisch

Japanisches Curry ist eines der beliebtesten Gerichte des Landes

Genau genommen ist japanisches Curry kein japanisches Essen. Es ist eine von vielen ausländischen Speisen, die mit der Zeit so sehr dem japanischen Geschmack angepasst wurden, dass sie heute als typisch japanisch gelten. Die Vorlage der beliebten japanischen Ramen-Nudelsuppen stammte einst aus China, die ersten frittierten Tempura-Gerichte gelangten vermutlich im 16. Jahrhundert mit portugiesischen Missionaren ins Land. Genau wie Japan-Style Pasta (Wa-Fu Pasta) garantieren sie heute jedoch ein Geschmackserlebnis, das man außerhalb Japans nirgendwo sonst finden wird. Das braune japanische Curry bildet hier keine Ausnahme. Traditionell mit Fleisch, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Reis serviert, schmeckt es weniger exotisch als indisches Curry und selbst seine schärfste Variante ist deutlich milder als thailändisches Curry. Dafür besitzt es ein einzigartig sattes Aroma, dem nicht nur junge und alte Japaner, sondern auch Deutsche schnell verfallen.

Wie die japanische Armee das Japan-Curry erfand

Seinen Ursprung hat das japanische Curry auf See. Zu Beginn der Meiji-Zeit (1868-1912) begann Japan mit dem Aufbau einer modernen Marine nach englischem Vorbild. Hierzu gehörte auch die Übernahme verschiedener Speisen, um die Matrosen möglichst optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Curry, das die Engländer selbst aus Indien übernommen hatten, eignete sich hierzu nach Meinung japanischer Ärzte ausgezeichnet. Der Geburtsort des japanischen Ur-Curry Rezepts mit Rindfleisch und Gemüse soll um 1910 der Marine-Stützpunkt Yokosuka (横須賀) in der Präfektur Kanagawa gewesen sein - landesweit bekannt als die „Curry-Stadt“ Japans.
Bis heute ist die Beliebtheit des so genannten Marine-Curry (海軍カレー ) unter den Soldaten ungebrochen. Jeden Freitag kommt in allen Kantinen traditionell japanisches Curry auf den Tisch. Für Zivilisten, die gerne selbst die originalen Karē Raisu Varianten des Militärs nachkochen möchten, existiert eine spezielle Website der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte. Dort finden sich unter anderem Rezepte für das „Hähnchen Curry der Tokioter Militärkapelle“ oder das „Rinder Curry des Minensuchboots Sakushima“.

Von der Kombüse in die Küche – Der Siegszug des japanischen Instant-Currys

Über 100 verschiedene Instant Varianten warten auf japanische Curry-Reis Fans

Auch wenn japanisches Curry unter Soldaten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt war, sollte es noch einige Zeit dauern bis es sich außerhalb der Schiffsküchen durchsetzen konnte. In den 20er Jahren eröffneten in den Metropolen viele Restaurants, die mit exotischen Speisen um neue Kundschaft warben. Curry-Reis war eines der erfolgreichsten Gerichte. Doch so sehr die Japaner die würzige braune Soße auch lieben lernten, in der eigenen Küche wurde sie selten kocht. Zu aufwendig war die Zubereitung der eigenen Curry-Mischung aus Mehlschwitze und den verschiedenen Gewürzen. Dies änderte sich erst ab den 50er Jahren, als Japans Lebensmittelindustrie die ersten Instant-Curry-Würfel entwickelte. Alles was jetzt noch zu tun war, war Fleisch und Gemüse anzubraten und in Wasser weich zu kochen. Die Curry-Würfel konnten abschließend einfach im Topf mit aufgelöst werden. Dazu Reis aus dem Reiskocher und fertig war das Japan-Curry. Bereits 10 Jahre nach Einführung des neuen Produktes lag die Verkaufsmenge bei 20.000 Tonnen pro Jahr. Dieser Curry-Boom hält weiterhin an. Jährlich werden mittlerweile über 100.000 Tonnen Instant-Curry-Würfel in japanischen Küchen verkocht. Marktführer sind dabei die Produkte der Hersteller „House Foods“ und „S&B“, die sich auch in gut sortierten Asia-Märkten in Deutschland finden lassen.

Curry Geheimrezepte & regionale Vielfalt

Zwiebeln, Kartoffeln und Möhren sind neben Fleisch die Grundbestandteile eines japanischen Currys

Auch wenn die meisten Japaner zur Zubereitung ihres japanischen Currys auf handelsübliches Instant-Produkte zurückgreifen, schwört fast jede Familie auf ein oder mehrere Extras, die ihr japanisches Curry-Reis-Rezept zum „besten“ in ganz Japan machen. Neben relativ unspektakulären Zutaten wie Ketchup, Honig oder Worcestersauce findet sich darunter auch Exotisches wie Cola, Kaffeepulver oder sogar Schokolade. Freies Experimentieren ist auch bei der Verwendung von Gemüse und den Fleischeinlagen angesagt. Neben dem japanischen Standard aus Rindfleisch/Hähnchenfleisch, Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln, lässt sich von Auberginen über Pilze bis Zucchini fast alles unter die braune Soße mischen. Und selbst ganz ohne Fleisch oder mit Tofu ist japanisches Curry ein wunderbares Geschmackserlebnis.
Vielfalt findet man ebenfalls in den Regalen der Supermärkte. Aus über 100 verschiedenen Instant-Curry-Arten können japanische Kunden ihren Favoriten wählen. Neben unterschiedlichen Schärfegraden und Geschmacksrichtungen lassen sich hier auch verschiedene regionale Curry-Varianten wie das weiße Hokkaidō-Curry finden.
Überhaupt scheint jede Region Japans ihr eigens japanisches Curry zu haben. Apfel Curry aus der Präfektur Aomori, Austern Curry aus Hiroshima oder Gōyā (Bittermelonen) Curry von den Okinawa-Inseln - Karē Raisu bietet die idealen Vorraussetzungen, lokalen Spezialitäten einzubinden.

Japanisches Curry erobert Welt(all)!

Karē Pan (

Nicht nur innerhalb Japans, auch in den umliegenden asiatischen Staaten steht japanisches Curry hoch im Kurs. Sowohl Korea, China und Taiwan sind lukrative Absatzmärkte für japanische Instant-Curry Produkte. Zudem verfügt Japans populärste Curry Restaurant Kette „Curry House CoCo Ichibanya“ (Curry House CoCo 壱番屋) neben mehr als 1,700 Filialen in Japan über Niederlassungen in acht weitern Ländern. Darunter 42 Restaurants in China, jeweils mehr als 20 Restaurants in Korea, Taiwan und Thailand und immerhin 8 Restaurants in den vereinigten Staaten, dem erstem westlichen Land.
In Japan selbst ist man bereits wieder einen Schritt weiter. Japanisches Curry wird hier schon lange nicht mehr nur noch als Karē Raisu gegessen. Unter anderem kann man den einzigartigen Geschmack auch als Nudelsuppe (Karē Udon) oder in einer Art ungesüßten Berliner Pfannkuchen (Karē Pan) genießen.

Übrigens: Japanischer Curry-Reis wird auch in Japan traditionell von einem flachen Teller mit einem Löffel gegessen.

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