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Golden Week – ein ganzes Land hat frei

In Deutschland kennt man die Brückentage, wenn beispielsweise der Donnerstag ein Feiertag ist und man sich Freitag Urlaub nimmt, um mit dieser Brücke auf insgesamt vier freie Tage zu kommen. In Japan gibt man sich damit gar nicht erst ab, sondern zelebriert jedes Jahr im Frühling die Golden Week, die bis zu zehn freie Tage verschafft. Sie dürfte einer der Gründe sein, warum viele japanische Arbeitnehmer ihren gesetzlich zustehenden Urlaub von mindestens zehn Tagen überhaupt nicht vollständig in Anspruch nehmen müssen.

Generell finden viele Japaner es unmoralisch, längere Urlaubszeiten zu nehmen und den Kollegen die Arbeit aufzubürden, weswegen viele sogar eine Krankschreibung ablehnen und im Zweifel lieber einen Urlaubstag opfern. In der Goldenen Woche ist das jedoch anders, hier nimmt jeder frei, der es sich beruflich irgendwie leisten kann. Da fast alle gleichzeitig Urlaub nehmen, bleibt auch kein Kollege auf der Strecke, der dann die zusätzliche Arbeit bewältigen muss, zumal viele Firmen ohnehin komplett schließen. Ein wenig ausgenommen davon sind Dienstleistungsunternehmen und der Einzelhandel, weil viele Japaner während der Goldenen Woche reisen und einkaufen wollen.

Die Goldene Woche beinhaltet vier japanische Feiertage

In der Golden Week haben die meisten Japaner frei und gehen in diesen Tagen oft mit ihrer Familie auf Reisen.
In der Golden Week haben die meisten Japaner frei und gehen in diesen Tagen oft mit ihrer Familie auf Reisen. - Bild: © hanabunta - fotolia.com

Die sogenannte Goldene Woche beinhaltet insgesamt vier Feiertage, um die herum die meisten Japaner sich freinehmen können. Insgesamt können sie so auf bis zu zehn freie Tage kommen, ohne ihr Urlaubszeitkonto stark belasten zu müssen. Allerdings hängt die Zahl der benötigten Urlaubstage natürlich auch vom Kalender ab, denn japanische Feiertage

können (ganz wie in Deutschland) manchmal ungünstig fallen. Insgesamt ist die Bedeutung der Golden Week relativ groß, wenn man bedenkt, dass sie nach dem japanischen Neujahr und dem O-Bon (dem Allerseelenfest im Sommer) an dritter Stelle der wichtigen Feiertagsabfolgen steht. Ganz konkret kann man die Golden Week auch an den übervollen Transportmitteln wahrnehmen, denn vor allem in den Ballungsräumen sind Züge und andere Verkehrsmittel dann völlig überlastet.

Um die zehn Tage sinnvoll zu nutzen, verbringen immer mehr Japaner ihre Golden Week gerne im Ausland, etwa in Europa, Australien oder den USA. Aber auch innerhalb Japans steigt das Reiseaufkommen erheblich, weil viele die Golden Week für Shoppingtouren in große Städte wie Tokyo, für Ausflüge oder für Urlaub am Meer oder in den Bergen nutzen. Dementsprechend sind Hotels und Flüge oft ausgebucht und teuer, weswegen Japaner ihre Reisen während der Golden Week nicht selten schon Jahre im Voraus planen. Übrigens sind japanische Feiertage etwas „kundenfreundlicher“ als in Deutschland. Fällt nämlich etwa der 5. Mai auf einen Sonntag, wird der nächst folgende Werktag (also in der Regel der 6. Mai) statt dessen zum Feiertag. Gleiches gilt für den 29. April, sollte er auf einen Sonntag fallen. Der japanischen Regierung liegt sehr viel daran, dass mehr Japaner freie Tage haben, denn die Neigung, keinen Urlaub zu nehmen, schädigt zunehmend die Binnenkonjunktur. Auch deswegen führt die Regierung immer wieder neue Feiertage im Jahr ein.

Die Golden Week besteht aus diesen Feiertagen:

In der Goldenen Woche gibt es vier Feiertage, die durch das Wochenende dazwischen zu einer langen Erholungsphase für die meisten Japaner werden.
In der Goldenen Woche gibt es vier Feiertage, die durch das Wochenende dazwischen zu einer langen Erholungsphase für die meisten Japaner werden. - Bild: © hanabunta - fotolia.com
  • 29. April: Showa-Tag (Showa no Hi): Es handelt sich um den Geburtstag des Showa-Kaisers (hierzulande eher als Hitohito bekannt). Nach seinem Tode im Jahr 1989 wurde der Tag kurzzeitig umbenannt in den Grünen Tag. Doch 2007 wurde er wieder in Showa-Tag zurückbenannt. Der Grüne Tag wanderte hingegen auf den 4. Mai (siehe unten).
  • 3. Mai: Verfassungstag (Kempo no Hi bzw. Kempo Kinen-bi): An diesem Tag wird die Verfassung Japans gefeiert. Die Menschen sind angehalten, die Nationalflagge zu hissen und die Nation an sich zu ehren. In der Praxis gehen die meisten Japaner allerdings zum Picknick. In den letzten Jahren sind Kontroversen um Änderungen der Nachkriegsverfassung so stark geworden, dass ein Teil der japanischen Bevölkerung den Verfassungstag nicht mehr sonderlich enthusiastisch feiert.
  • 4. Mai: Grüner Tag (Midori no Hi): Ursprünglich als Ersatz für den Geburtstag des verstorbenen Kaisers Hirohito im Jahr 1989 eingeführt. Nach Wiedereinführung des Showa no Hi wanderte der Midori no Hi vom 29. April auf den 4. Mai und ersetzte dort den nationalen Erholungstag. Der Feiertag wurde speziell für die Liebe zur Natur eingeführt, die dem verstorbenen Showa Kaiser sehr am Herzen gelegen haben soll.
  • 5. Mai: Tag der Kinder (Kodomo no Hi): Ursprünglich nur als „Tag der Jungen“ gefeiert, werden an diesem japanischen Feiertag traditionell die Nachkommen einer Familie geehrt. Inzwischen gilt dies auch für Mädchen, weswegen der Feiertag heute als Tag der Kinder begangen wird. Als sichtbares Symbol sind an vielen Häusern die bunten Karpfenfahnen (Koinobori) zu sehen, die die Zahl der Söhne (heute auch Töchter) der Familie anzeigt.

1 Kommentare

  • Daniela, 4. Mai 2016 10

    Midori

    So eine Reihe von Feiertagen könnten wir hier in Deutschland auch mal gut vertragen. Und Feiertage auf den Montag verschieben, wenn sie auf einen Sonntag fallen, hört sich gut und richtig an.
    Mein Favorit ist übrigend der Midori no Hi!!!

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