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Ein Jahreszeitenfest für das Einläuten eines neuen Zeitabschnitts

Als Sekku werden Feste bezeichnet, die den Wechsel von einer Jahreszeit zur nächsten markieren. Japan hat fünf dieser Feste, die in China ihren Ursprung haben. Während der Tang-Dynastie hat Japan das Ausüben der Festlichkeiten übernommen. Als Bestandteil der jährlichen Ereignisse (Nenju gyoji), die bis zum späten 19. Jahrhundert ihren eigenen Kalender hatten, sind die Sekku von großer Bedeutung für den Ackerbau gewesen. Noch heute stehen die Jahreszeitenfeste in enger Verbindung mit großen Banketten des kaiserlichen Hofes, um eventuelle schlechte Ereignisse hinsichtlich des Ackerbaus in positive umzuwandeln.

Kurz nach Neujahr, am 7. Januar, wird das Sieben-Kräuter-Fest (Nanakusa no Sekku) gefeiert. Es wird außerdem als Tag der Menschheit (Jinjitsu no Sekku) bezeichnet. Am 3. März begehen die Japaner das Puppenfest (Joushi no Sekku bzw. Momo no Sekku), das vor allem auch als Hina Matsuri bekannt ist. Das Kinderfest (Tango no Sekku) oder auch der Tag des Kindes (Kodomo no Hi) findet am 5. Mai statt. Der 7. Juli ist der Tag des Sternenfests (Tanabata) und schließlich, am 9. September, findet das Chrysanthemenfest (Kiku no Sekku) statt. Während das Chrysanthemenfest und der Tag der Menschheit eher in Vergessenheit geraten sind, werden die anderen drei Jahreszeitenfeste noch immer gefeiert.

Was die Jahreszeitenfeste bedeuten und woher sie kommen

Reisbrei mit sieben Kräutern
Beim Sieben-Kräuter-Fest isst man in Japan einen Reisbrei mit Wasserfenchel, Hirtentäschelkraut, Ruhrkraut, Vogel-Sternmiere, Gemeinem Rainkohl, Speiserübe und Daikon (Rettich). - Bild: © funny face - Fotolia.com

Das Sieben-Kräuter-Fest stammt aus einem chinesischen Brauch für Langlebigkeit und Gesundheit und wurde traditionellerweise am siebten Tag des Mondkalenders gefeiert. Während der Meji-Zeit legte man schließlich den 7. Januar fest, womit der Festtag nicht mehr beweglich ist. Jeder der ersten sieben Tage des Mondkalenders war einem Lebewesen zugeordnet und am letzten Tag dieser Woche, der dem Menschen gewidmet ist, besteht noch immer – wenngleich nicht mehr ganz so weit verbreitet – der Brauch, Reisbrei (Kayu) mit sieben Kräutern zu verzehren.

Das Puppenfest (oder auch Mädchenfest) entspringt der Edo-Zeit. Japanische Familien, die eine Tochter haben und traditionsbewusst leben, haben solche Puppen daheim. In dem Glauben, Puppen könnten böse Geister in sich bannen, wurden – und werden noch – an diesem Tag an diversen Orten Puppen aufgestellt. Werden die Puppen nicht vor Beginn des 4. März wieder in Schränken verstaut, wird das Mädchen in diesem Jahr nicht heiraten, so sagt die Legende. Zum Verzehr gibt es an diesem Tag Muschelsuppe und Chirashizushi, Amazake – ein nur leicht alkoholisches und süßes Getränk – und Arare, japanische Reiscracker.

Zahlreiche Koinobori flattern im Wind am 5. Mai
Am 5. Mai flattern in ganz Japan unzählige Windkoi (Koinobori) an Leinen und Fahnenmasten, um das japanische Kinderfest zu feiern. - Bild: © monjiro - Fotolia.com

Das Kinderfest ist im Gegensatz zu den anderen Festen keines, das exklusiv für Japan (und China) ist. Ganz im Gegenteil, der Tag des Kindes wird in mehr als 145 Ländern auf der Welt gefeiert und soll auf die Bedürfnisse sowie Rechte von Kindern aufmerksam machen. Der Unterschied der Feierlichkeiten besteht im Datum und in der Art und Weise, wie gefeiert wird. In vielen Ländern ist der 1. Juni der Tag des Kindes, in Japan der 5. Mai. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch der Tag der Jungen (gewissermaßen das Pendant zum Puppenfest), wurde er danach zum Tag des Kindes, an dem nun Glück und Gesundheit aller Kinder im Vordergrund stehen. Auch hier gibt es eine Nahrungsspezialität zum gegebenen Anlass: Kachiwa-Mochi, ein kleiner Reiskuchen im Eichenblatt, der mit einer süßen Bohnenpaste gefüllt ist.

Tanabata – ein Sternenfest für den Sommer

Tanabata Dekoration in japanischer Straße
Das Sternenfest am 7. Juli ist eines der wichtigsten japanischen Sommerfeste. Landesweit wird Tanabata mit vielen großen Matsuri gefeiert. - Bild: © takayuki_n82 - Fotolia.com

Auch hier geht das Datum des 7.7. auf den Mondkalender zurück, sodass Tanabata eigentlich am siebten Tag des siebten Mondmonats gefeiert wurde. Zwei Sterne, die nach einer chinesischen Sage ein Liebespaar darstellen, treffen sich an diesem Termin. Für den Rest des Jahres ist das Sternenpaar durch die Milchstraße, in der Sage als breiter Fluss bezeichnet, getrennt. Regnet es am Tag des Tanabata, schwillt der Fluss an und das Paar kann sich nicht treffen.

Das Fest feiert man in Japan, indem schon am Vorabend des 7. Juli Bambusbäume aufgestellt werden, an denen man auf Zettel geschriebene Wünsche aufhängt, die sich durch das glückliche Zusammentreffen der beiden Sterne bzw. des Liebespaars erfüllen sollen. Darüber hinaus werden zum Anlass des Festes viele bunte Dekorationen aufgehängt. Besonders die Stadt Sendai ist für ihre Farbenpracht am Tanabata bekannt – wenngleich das Fest dort Anfang August begangen wird. Wenig verwunderlich, dass auch das Essen zu diesem Anlass bunt ist: Es gibt bunte Somen-Nudeln.

Kiku no Sekku – das Chrysanthemenfest

Japanisches Gericht mit Reis und Kastanien
Beim Chrysanthemenfest am 9. September wird traditionell Reis mit Kastanien gegessen. Außerdem gibt es sogar speziellen Chrysanthemen Sake. - Bild: © norikko - Fotolia.com

Gleichwenn das Chrysanthemenfest nicht mehr so vielen Menschen gegenwärtig ist, wie es früher mal der Fall war, ist es doch sehr bemerkenswert. Auch hier liegt der Ursprung in chinesischen Bräuchen, die im 5./6. Jahrhundert von Japan übernommen wurden. Bis in die Meji Zeit wurde das Chrysanthemenfest jedes Jahr am Kaiserhof gefeiert, dem allein in damaliger Zeit die Chrysanthemen vorbehalten waren. Wie auch das Sieben-Kräuter-Fest geht das Datum dieses Festes auf den Mondkalender zurück. Die Feierlichkeit wurde ursprünglich am 9. Tag des 9. Mondmonats begangen, bis das Datum in Anlehnung daran auf den neunten September gelegt wurde. Kiku no Sekku wird auch „Chouyou“ genannt, was in etwa so viel bedeutet wie „wiederholte positive Zahl“.

Die Chrysantheme selbst ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen Japans. Sie steht für Vollkommenheit und Unsterblichkeit. Der japanische Kaiserthron wird auch Chrysanthementhron genannt und die 16-blättrige (und damit besonders vollkommene) Chrysantheme ist das Staatswappen Japans. Auch der höchste japanische Staatsorden ist nach der Blüte benannt. Damit bezeichnet die Chrysantheme vor allem Herausragendes und Menschen bzw. Titel von hohem Stand. Kastanien mit Reis sind das besondere Gericht für diesen Tag, das deutlich herbstlich anmutet. Des Weiteren wird am Kiku no Sekku eine Sake-Variante aus Chrysanthemen serviert. Inzwischen wird das Fest fast ausschließlich von Klöstern und einigen wenigen anderen Einrichtungen begangen, die breite Öffentlichkeit spricht ihm dagegen kaum noch Bedeutung zu. Im starken Kontrast dazu steht das Sternenfest Tanabata, das in ganz Japan mit vielen großen Feiern zelebriert wird.

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