Wie gefährlich sind Erdbeben in Japan für Touristen?
Erdbeben können in Japan lebensgefährlich sein. Das Land zählt zu den seismisch aktivsten Regionen der Erde, und ein starkes Beben kann Gebäude beschädigen, Brände auslösen, Verkehrswege unterbrechen oder an der Küste einen Tsunami verursachen. Doch was bedeutet dieses Risiko konkret für Touristen? Muss man während einer Japanreise jederzeit mit einer Katastrophe rechnen?
Die sachliche Antwort lautet: Nein. Die meisten Erdbeben in Japan sind schwach und bleiben ohne größere Folgen. Viele Erschütterungen werden von Menschen überhaupt nicht wahrgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, während einer gewöhnlichen zwei- oder dreiwöchigen Reise von einem schweren, zerstörerischen Erdbeben betroffen zu sein, ist vergleichsweise gering. Vollständig ausschließen lässt sich ein solches Ereignis allerdings nicht.
Eine Japanreise ist deshalb kein Grund zur Sorge. Einige einfache Verhaltensregeln helfen jedoch, Warnungen richtig einzuordnen und im Ernstfall ruhig zu reagieren.
Wie groß ist die Erdbebengefahr in Japan wirklich?
Entscheidend ist nicht allein die Magnitude, also die insgesamt freigesetzte Energie eines Erdbebens. Für Menschen vor Ort ist wichtiger, wie stark die Erschütterung an ihrem Standort ausfällt.
Japan verwendet dafür die Shindo-Skala der Japanischen Meteorologischen Behörde JMA. Sie reicht von 0 bis 7 und beschreibt die tatsächlich gemessene Intensität an einem bestimmten Ort.
Dasselbe Erdbeben kann daher je nach Entfernung, Untergrund und Gebäude sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.
- Shindo 0: Messwert unter 0,5 – von Menschen nicht wahrnehmbar
- Shindo 1: 0,5 bis unter 1,5 – in ruhigen Innenräumen vereinzelt spürbar
- Shindo 2: 1,5 bis unter 2,5 – von vielen Menschen in Gebäuden wahrnehmbar
- Shindo 3: 2,5 bis unter 3,5 – deutlich spürbar, hängende Gegenstände beginnen zu schwingen
- Shindo 4: 3,5 bis unter 4,5 – Geschirr klappert, instabile Gegenstände können umfallen
- Shindo 5 schwach: 4,5 bis unter 5,0 – Gegenstände können herunterfallen, unsichere Möbel umkippen
- Shindo 5 stark: 5,0 bis unter 5,5 – das Gehen wird erschwert, Möbel können deutlich verrutschen
- Shindo 6 schwach: 5,5 bis unter 6,0 – aufrechtes Stehen wird schwierig, schwere Möbel können umfallen
- Shindo 6 stark: 6,0 bis unter 6,5 – Fortbewegung ist kaum möglich, Gebäudeschäden sind möglich
- Shindo 7: ab 6,5 – stärkste Intensitätsstufe mit möglichen schweren Gebäude- und Infrastrukturschäden
Warum Japan besonders häufig von Erdbeben betroffen ist, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag über Naturgewalten in Japan.
Wie gefährlich sind Erdbeben für Touristen?
Für Touristen sind moderne Hotels, Bahnhöfe und Einkaufszentren in der Regel vergleichsweise sichere Aufenthaltsorte. Eine häufigere Gefahr sind herabfallende Gegenstände, Glassplitter und vorübergehende Ausfälle von Bahn, Aufzügen oder Mobilfunk.

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Als Tourist empfiehlt es sich, immer eine Notiz mit den wichtigsten japanischen Begriffen und Kanji zum Thema Erdbeben bei sich zu führen. Infografik © japanwelt.de
In Hochhäusern können obere Stockwerke länger und stärker schwanken. Das wirkt beunruhigend, bedeutet aber nicht automatisch, dass das Gebäude beschädigt ist. Japanische Hochhäuser sind darauf ausgelegt, Bewegungen aufzunehmen. Mehr über diese Technik erfahren Sie in unserem Beitrag zum erdbebensicheren Bauen in Japan.
Für Reisende sind Verspätungen, Streckensperrungen oder kurzfristige Änderungen der Reiseplanung daher meist wahrscheinlicher als eine unmittelbare Lebensgefahr.
Was sollten Sie während eines Erdbebens tun?
Wenn der Boden plötzlich schwankt, ist Ruhe der wichtigste Schutz. Laufen Sie nicht sofort los und versuchen Sie nicht, während einer starken Erschütterung überstürzt ins Freie zu gelangen. Panisches Verhalten kann gefährlicher sein als das Beben selbst!
Im Hotel oder in einem anderen Gebäude
Wenn die Erschütterung beginnt, sollten Sie nicht versuchen, sofort das Zimmer oder das Gebäude zu verlassen. Während eines starken Bebens besteht auf dem Weg zum Ausgang eine größere Gefahr durch Glassplitter, herabfallende Gegenstände und umstürzende Möbel.
Bleiben Sie zunächst dort, wo Sie sich befinden, gehen Sie möglichst tief in die Hocke und schützen Sie Kopf und Nacken.
Wo ist es im Hotelzimmer am sichersten?
- unter einem stabilen Tisch,
- an einer freien Stelle abseits von Fenstern und Möbeln,
- in der Hocke mit geschütztem Kopf,
- nachts zunächst im Bett mit einem Kissen über dem Kopf.
Nicht sicherer ist es:
- vor Fenstern oder Balkontüren,
- neben hohen Schränken und Regalen,
- während des Bebens in Flur oder Treppenhaus zu laufen,
- Aufzüge zu benutzen oder barfuß umherzugehen.
Bewahren Sie Schuhe, Smartphone, Brille und eine kleine Taschenlampe griffbereit neben dem Bett auf.
Halten Sie den Weg zur Zimmertür frei und prüfen Sie schon beim Einchecken, wo sich Treppenhaus, Notausgang und Sammelpunkt befinden.
Befinden Sie sich im Badezimmer, öffnen Sie nach Möglichkeit die Tür, damit sie sich nicht verklemmt. Gehen Sie anschließend in die Hocke und schützen Sie den Kopf.
In einem Hochhaushotel kann das Schwanken in oberen Etagen länger und stärker zu spüren sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Gebäude beschädigt ist. Bleiben Sie von Fenstern und beweglichen Möbeln entfernt und warten Sie auf Anweisungen des Hotelpersonals.
Verlassen Sie das Gebäude erst, wenn eine Evakuierung angeordnet wird oder eine unmittelbare Gefahr wie Feuer, Rauch oder ein Gasgeruch besteht.
Erdbeben im Zug oder am Bahnhof
Züge in Japan werden bei stärkeren Erschütterungen automatisch oder durch das Personal gestoppt. Das dient der Sicherheit, da Gleise, Brücken, Tunnel und Stromleitungen zunächst kontrolliert werden müssen.
Auch wenn keine sichtbaren Schäden vorliegen, kann der Bahnverkehr deshalb längere Zeit unterbrochen bleiben.
Verhalten bei Erdbeben im Zug:
- sitzen bleiben oder gut festhalten,
- Kopf schützen und auf herabfallendes Gepäck achten,
- Türen nicht eigenmächtig öffnen,
- Zug, Tunnel oder Gleise nur auf Anweisung verlassen,
- Durchsagen des Personals abwarten.
Befindet sich der Zug in einem Tunnel, auf einer Brücke oder zwischen zwei Bahnhöfen, bleiben Sie unbedingt im Wagen. Das Personal kennt die Strecke und entscheidet, ob der Zug weiterfahren kann oder eine geordnete Evakuierung notwendig ist.
Verhalten bei Erdbeben im Bahnhof:
- Abstand zur Bahnsteigkante und zu Glasflächen halten,
- nicht zu Ausgängen, Treppen oder Rolltreppen drängeln,
- freie Bereiche ohne hängende Gegenstände aufsuchen,
- gesperrte Bereiche nicht betreten,
- mit längeren Unterbrechungen rechnen.
- Rechnen Sie nach stärkeren Erdbeben mit Verspätungen, Streckensperrungen und überfüllten Bahnhöfen.
- Prüfen Sie offizielle Bahn-Apps, Anzeigetafeln und Durchsagen, bevor Sie eine andere Route wählen.
- Halten Sie den Smartphone-Akku möglichst geladen und vermeiden Sie unnötige Telefonate.
- Speichern Sie die Adresse Ihres Hotels offline und zusätzlich in japanischer Schrift.
- Bleiben Sie zunächst am Bahnhof, wenn dort sichere Informationen und Anweisungen verfügbar sind.
- Verlassen Sie gesperrte Bereiche nicht eigenmächtig und rechnen Sie mit technischen Kontrollfahrten.
Erdbeben in Japan: Verhalten im Freien
Wer sich während eines Erdbebens im Freien befindet, sollte vor allem auf herabfallende Gegenstände und beschädigte Bauteile achten. Besonders in dicht bebauten Städten können Glasscheiben, Dachziegel, Fassadenteile, Schilder oder Leuchten zur Gefahr werden.
Sicherer ist:
- Abstand zu Fassaden, Fenstern und Balkonen,
- eine freie Fläche aufzusuchen,
- Kopf und Nacken zu schützen,
- Abstand zu Mauern, Hängen und Stromleitungen zu halten.
Nicht sicher ist es:
- direkt an Gebäuden oder Hauseingängen stehen zu bleiben,
- unter Schildern, Glasdächern oder Laternen Schutz zu suchen,
- durch enge Straßen zu rennen,
- beschädigte oder abgesperrte Bereiche zu betreten.
- Achten Sie in Einkaufsstraßen besonders auf Schaufenster, Werbeschilder und Fassadenteile.
- Bleiben Sie von steilen Hängen, Böschungen und beschädigten Brücken fern.
- Tragen Sie nach dem Beben möglichst feste Schuhe.
- Folgen Sie den Anweisungen von Polizei, Feuerwehr und Sicherheitspersonal.
- Rechnen Sie mit Nachbeben und prüfen Sie Ihre Umgebung erneut, bevor Sie weitergehen.
Erdbeben an der Küste: Verhalten bei Tsunami-Gefahr
Befinden Sie sich während eines starken oder länger anhaltenden Erdbebens an der japanischen Küste, besteht möglicherweise Tsunami-Gefahr.
Wichtig: Handeln Sie dann zügig und warten Sie nicht erst auf eine offizielle Warnung!
Befolgen Sie unbedingt diese 5 zentralen Punkte:
- Tsunami-Evakuierungswegen folgen,
- notfalls ein ausgewiesenes Evakuierungsgebäude nutzen,
- Strand, Hafen und Flussmündungen verlassen,
- möglichst zu Fuß gehen und nur das Nötigste mitnehmen,
- erst nach offizieller Entwarnung zurückkehren.
- Prüfen Sie bei Unterkünften am Meer bereits bei der Ankunft den nächsten Tsunami-Evakuierungsweg.
- Achten Sie auf Schilder mit der Aufschrift „Tsunami Evacuation“ oder dem japanischen Wort 津波.
- Nehmen Sie nur das Nötigste mit und verlieren Sie keine Zeit mit Gepäck.
- Gehen Sie möglichst zu Fuß, da Straßen schnell blockiert sein können.
- Rechnen Sie damit, dass mehrere Wellen folgen und spätere Wellen stärker sein können.
- Kehren Sie erst zurück, wenn die Behörden ausdrücklich Entwarnung geben.
Erdbebenwarnung in Japan: Wie funktioniert das Frühwarnsystem?
Japan überwacht Erdbeben mit einem dichten Netz aus Messstationen. Die Japanische Meteorologische Behörde JMA wertet die Daten in Echtzeit aus und informiert über Ort, Magnitude und vor allen Dingen regionale Intensität.
Die Erdbebenfrühwarnung ist keine Vorhersage: Sie wird erst ausgelöst, wenn das Beben bereits begonnen hat.
Je nach Entfernung zum Erdbebenherd können wenige Sekunden bleiben, um den Kopf zu schützen und Abstand zu Fenstern oder Regalen zu gewinnen. Ertönt der Alarm auf dem Smartphone, sollten Sie daher sofort handeln und nicht erst nach weiteren Informationen suchen.

- Die vereinfachte Gefahrenkarte zeigt, in welchen Regionen Japans mit stärkeren Erschütterungen zu rechnen ist. Besonders weite Teile der Pazifikküste gelten als seismisch stark gefährdet, wobei Erdbeben grundsätzlich im gesamten Land auftreten können.
So bereiten sich Touristen in wenigen Minuten vor
Eine umfangreiche Notfallausrüstung ist für eine gewöhnliche Japanreise nicht notwendig. Einige einfache Vorbereitungen sind dennoch hilfreich:
- Installieren Sie die offizielle App Safety tips für Katastrophen- und Evakuierungsinformationen: Offizielle App „Safety tips“ für Japanreisende
- Speichern Sie die Adresse Ihrer Unterkunft auch in japanischer Schrift.
- Prüfen Sie im Hotel den Fluchtweg und die Lage des Treppenhauses.
- Halten Sie Smartphone und Powerbank möglichst geladen.
- Nehmen Sie wichtige Medikamente im Tagesgepäck mit.
- Bewahren Sie etwas Bargeld auf, falls Kartenzahlungen vorübergehend nicht funktionieren.
- Informieren Sie sich bei Unterkünften an der Küste über den nächsten Tsunami-Evakuierungsweg.
Sollte man wegen der Erdbebengefahr auf eine Japanreise verzichten?
Erdbeben gehören zu Japan, doch sie machen das Land nicht zu einem grundsätzlich gefährlichen Reiseziel. Viele Touristen erleben während ihres Aufenthalts überhaupt kein spürbares Beben. Andere bemerken vielleicht eine leicht schwingende Lampe oder einen kurzen Ruck, ohne dass daraus eine gefährliche Situation entsteht.
Ein Restrisiko bleibt. Das gilt jedoch auch für andere Naturgefahren, die auf Reisen auftreten können. Entscheidend ist, die Gefahr realistisch einzuordnen: nicht verdrängen, aber auch nicht dramatisieren.
Japan gehört international zu den Ländern, die technisch, baulich und organisatorisch besonders gut auf Erdbeben vorbereitet sind. Moderne Warnsysteme, strenge Bauvorschriften, regelmäßige Katastrophenschutzübungen und klar ausgeschilderte Evakuierungswege tragen dazu bei, die Folgen starker Erdbeben zu begrenzen. Vollständige Sicherheit kann es dennoch nicht geben.
Wer Warnmeldungen ernst nimmt, im Hotel den Fluchtweg kennt und an der Küste im Zweifel höher gelegenes Gelände aufsucht, ist bereits gut vorbereitet. So können Sie Japan aufmerksam und mit dem nötigen Respekt bereisen – ohne dass die Sorge vor einem Erdbeben die Vorfreude bestimmt.
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