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Neue soziale Herausforderungen in Japan: Kinder mit ausländischen Wurzeln

In Japan werden Kinder mit Migrationshintergrund als wachsende soziale Herausforderung für das Sozialsystem angesehen. So haben fast 4% der Kinder, die in Gruppenheimen für Jugendliche in ganz Japan leben, ein Elternteil mit ausländischen Wurzeln.

Es ergeben sich dabei für Gruppenleiter und Erzieher neue Schwierigkeiten, für die sich eigentlich nicht geschult wurden. Das kann für Spannungen in den Wohngruppen und Kinderheimen sorgen. Daher ist das Sozialministerium in Japan alarmiert.

Umfrage zur Herkunft der Kinder in japanischen Einrichtungen 2020

Das japanische Sozialministerium hat im vergangenen Jahr eine landesweite Umfrage zu Kindern ausländischer Herkunft in Kindereinrichtungen gestartet, da zu diesem Thema keine offiziellen Daten vorlagen. In der Studie vom vergangenen Herbst sandte das Ministerium Fragebögen an 600 Häuser für verwaiste, vernachlässigte und missbrauchte Kinder sowie an 150 Häuser für Säuglinge.

Ziel ist es, Probleme zu ermitteln, die aufgrund der Nationalität auftreten. Ungefähr 60% der Einrichtungen gaben gültige Antworten. Es stellte sich heraus, dass zum 1. Oktober 2020 genau 16.776 Kinder in etwa 450 Einrichtungen registriert waren. Genau 637 Kinder und Jugendliche hatten Eltern, die eine ausländische Staatsangehörigkeit hatten. Nach der Umfrage machen sie 3,8% der Gesamtzahl aus.

24 der 637 Kinder waren in Bezug auf ihre Nationalität staatenlos oder im Status der Schwebe, was die Staatsangehörigkeit anbelangt. Die Studie ergab, dass es in der Vergangenheit mehr als 30 solcher Fälle gab.

Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund war in Einrichtungen in städtischen Zentren in den Regionen Kanto, Chubu und Kansai höher als in anderen Regionen. In einem Heim in Kawasaki in der Präfektur Kanagawa (südlich von Tokio) hatten 10 der 27 Kinder mindestens einen Elternteil, der kein Japaner ist. Es war die Einrichtung mit dem höchsten Anteil an Kinder mit ausländischen Wurzeln in ganz Japan.

Erzieher äußern Probleme und Bedenken

Die Studie ergab ebenfalls, dass die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in vielen Regionen steigt. Eine Einrichtung in der Region Tohoku im Nordosten Japans antwortete, dass ein Kind in dieser Kategorie kürzlich zum ersten Fall geworden sei. Die Befragten in der Studie äußerten Bedenken hinsichtlich ihrer Fähigkeit, mit Kindern, deren Eltern aus Übersee stammen, richtig kommunizieren zu können.

Eine Einrichtung beschrieb, dass sie sehr klein ist und die Bedürfnisse der Kinder mit ausländischen Wurzeln nicht erfüllen könnten. Zudem ist es nicht immer möglich für die Einrichtungen den Kindern die Kommunikation mit den Eltern zu ermöglichen.

Staatenlose Kinder müssen den Aufenthaltsstatus erlangen, um in Japan zu bleiben. Mit dem Verfahren sind viele Mitarbeiter der Einrichtungen nicht vertraut. Mehrere Institutionen beklagten sich in der Studie über den „mühsamen Prozess der Erneuerung des Status“ und „nicht sehr hilfreiche Beamte bei ihren lokalen Regierungen“.

Die Kinder ausländischer Abstammung würden parallel zum Anstieg der Zahl der Arbeitnehmer aus Übersee in den letzten Jahren stetig zunehmen. Ein Kinderhilfezentrum in Tsu in der Präfektur Mie (südlich von Nagoya) überlegt, ob sie wegen der großen Gemeinschaft von Brasilianern und Peruanern in der Region auf die Sprachen Portugiesisch und Spanisch bei den Erziehern achten sollten.

Angesichts der zunehmenden Vielfalt in der ausländischen Bevölkerung benötigen die Mitarbeiter auch Kenntnisse in Chinesisch und Vietnamesisch, um sich um die Kinder kümmern zu können. Die Studie ergab, dass die Mitarbeiter den religiösen Hintergrund der Kinder ebenfalls besser kennen müssen. Einige Kinder können aus religiösen Gründen nur Halal-Mahlzeiten einnehmen. Vor allem auf dem Land ist die Zubereitung solcher Mahlzeiten aber teilweise sehr schwierig.

Das Justizministerium berichtet, dass die Zahl der staatenlosen Kinder bis zum Alter von 4 Jahren zunimmt, was teilweise auf die gestiegene Zahl ausländischer Arbeitnehmer in Japan zurückzuführen ist. Durch den Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund steht auch das japanische Sozialsystem vor neuen Herausforderungen. Die Umfrage ist ein erster Schritt, um einen Überblick über die Probleme zu erhalten. Es bleibt abzuwarten, was sich in Nippon dadurch wirklich ändert und verbessert.

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