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Japanische Bibliotheken 2021: Buchsterilisationsmaschinen & E-Books als Pandemie-Hit

Immer mehr öffentliche Bibliotheken in Japan führen Buchsterilisationsgeräte und E-Books inmitten der anhaltenden Coronavirus-Pandemie ein. Die Maßnahmen sollen das Lesen und den Bibliotheksbesuch fördern.

Selbst Bibliotheken werden in Japan sehr kreativ und setzen auf alle möglichen Gerätschaften und Maschinen, um den Menschen ein bisschen Normalität zu bieten. Das Lesen von Büchern aus oder in einer Bibliothek gehört für Schüler wie Studenten zum normalen Alltag.

Wie funktioniert ein Buchsterilisationsgerät in Japan?

In der Präfekturbibliothek von Fukuoka in der südwestjapanischen Stadt Fukuoka stehen Bücher in einem Gerät, das einem Mikrowellenherd ähnelt. Wenn ein Mitarbeiter den Startknopf drückt, leuchtete ein blaues Licht hinein. Das Gerät ist eine Buchsterilisationsmaschine, die ultraviolettes Licht und ein antimikrobielles Mittel auf Bücher aufträgt und Partikel wie Staub zwischen den Seiten wegbläst.

Es ist ein Automat zur Selbstbedienung und kann in etwa 30 Sekunden bis zu sechs Bücher gleichzeitig desinfizieren. Die Bibliothekare hoffen, dass so auch Menschen in ihre Häuser kommen, die sich Sorgen über die Viren machen.

Strikte Hygienemaßnahmen für die Besucher

Die Präfekturbibliothek wurde zwischen dem 28. Februar und dem 18. Mai 2020 vorübergehend geschlossen, als sich die "erste Welle" des Coronavirus in Japan ausbreitete. Bei der Wiedereröffnung wurden gründliche Maßnahmen ergriffen, um Infektionen vorzubeugen. Dazu gehörte die Installation einer Thermografiekamera, die die Temperaturen der Besucher misst. Antiseptische Lösungen wurden am Eingang zur Verfügung gestellt und die Zeit der Besucher in der Bibliothek auf maximal zwei Stunden begrenzt.

Trotzdem gab es Benutzer, die weiterhin besorgt waren, Bücher zu berühren, die von anderen Japanern angefasst wurden. Im Januar 2021 stellte die Bibliothek vier Sterilisationsmaschinen auf, die jeweils etwa 900.000 Yen (etwa 6.950 Euro) kosten. Einige Besucher hatten geliehene Bücher vor dem Lesen mit Alkoholantiseptika abgewischt. Sie würden sich über die Entscheidung und das Plus an Sicherheit freuen.

Die Praxis macht Schule in den japanischen Bibliotheken

Die TRC Library Service Inc. hat ihren Hauptsitz in Tokio. Sie verkauft Sterilisationsgeräte für 690.000 bis 890.000 Yen (5.330 bis 6.873 Euro) pro Stück an Bibliotheken. Zwischen April 2020 und Januar 2021 hat das Unternehmen 945 Geräte an Bibliotheken verkauft. Es ist das 4,7-fache der in den letzten sieben Jahren verkauften Stückzahl.

Die Kihara Corp. stammt ebenfalls aus Tokio. Die Firma verkauft Bibliotheksausrüstung und hat vor etwa 10 Jahren eine Buchsterilisationsmaschine entwickelt. Die Firma hat die Geräte inzwischen an rund 1.000 Standorten installiert. Mehr als 80% von ihnen wurden offenbar nach März 2020 eingerichtet, als sich das Coronavirus zu verbreiten begann.

E-Bibliotheken als neuer Trend in Japan

Neben Sterilisationsgeräten sind auch "E-Bibliotheken" auf dem Vormarsch, die E-Books online ausleihen. Die Stadtbibliothek Kumamoto im Südwesten Japans startete im November 2019 ihren E-Bibliotheksdienst, als sie ihr System erneuerte. Die Bibliothek ermöglichte den Menschen, Bücher auf Geräten wie Computern und Smartphones zu lesen, ohne die Bibliothek physisch zu besuchen.

Zwischen dem Start des Systems im November 2019 und März 2020 nutzten jeden Monat durchschnittlich 1.983 Personen den Dienst. Die Zahl der Nutzer stieg jedoch nach Beginn der Pandemie stark an. Zwischen April und Dezember 2020 stieg die Zahl der E-Book-Nutzer der Bibliothek um das 3,3-fache auf 6.579.  Während die Bibliothek über mehr als 17.000 E-Books verfügt, soll die Sammlung für Schüler (einschließlich abbildungsreicher E-Books) ausgebaut werden.  

Laut der Association for E-Publishing Business Solution wurde 2007 von der Gemeinde Chiyoda ein E-Library-System eingeführt, das sich bis 2017 auf 70 lokale Stellen im ganzen Land ausgeweitet hatte. Obwohl einige lokale Körperschaften wie die Stadt Shimonoseki der Präfektur Yamaguchi und die Stadt Takeo in der Präfektur Saga ihre E-Bibliothekssysteme aufgrund geringer Nutzung eingestellt haben, haben 53 lokale Körperschaften im Jahr 2020 E-Bibliotheken eingeführt. Weitere 33 hatten sie in diesem Jahr eingeführt bis zum 2. März 2021. Das bedeutet die Erhöhung der Gesamtzahl auf rund 170 E-Bibliotheken im ganzen Land. Die Verbreitung des Coronavirus hat dabei eine Rolle gespielt.

Trotzdem bleiben Worte der Warnung

Setsuo Shinno ist 70 Jahre alt und Leiter des Materialkonservierungsausschusses der Japan Library Association. Es ist eine in Tokio ansässige Stiftung von öffentlichem Interesse. Die Bedeutung allgemeiner Maßnahmen zur Infektionsprävention wie Händewaschen und Desinfizieren möchte er nicht herunterspielen. Er warnte jedoch ebenfalls:

"Es gibt Materialien in Bibliotheken, die viele Jahre aufbewahrt werden müssen. Ich bestreite Sterilisationsgeräte nicht, aber ich möchte, dass die Leute sie richtig verwenden, weil ultraviolettes Licht das Papier verschlechtert."

Takenori Noguchi ist Professor an der Senshu-Universität. Sein Spezialgebiet sind die Bibliotheks- und Informationswissenschaften ist. Die Einführung von Sterilisationsgeräten für Bücher ist für ihn verständlich, da sie der Beseitigung von Bedenken dienen. Er mahnte jedoch, dass es keine übermäßige Reaktion geben sollte. Es sei bisher kein Fall bekannt, in dem sich das Coronavirus über Bibliotheksbücher verbreitet hat.

Die E-Bibliotheken begrüßt Noguchi, da sie das Potenzial haben, eine neue demografische Gruppe anzuziehen, deren Mitglieder selten in Bibliotheken gehen. Junge und sehr beschäftige Menschen würden so in den Genuss von Bibliotheken kommen. Die Entwicklung sieht der Professor sehr positiv.

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