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Faszinierende Bilder mit Tusche gemalt: Das ist Sumi-E

Die Kunst der Tuschemalerei basiert auf den Einflüssen des Zen-Buddhismus, der im 12. Jahrhundert aus China nach Japan kam. Dieser Kulturimport veränderte und prägte das Leben in Japan sowohl im Alltag als auch in der Kunst. War es zunächst vor allem eine Form des künstlerischen Ausdrucks und der Meditation der Zen-Buddhisten, haben sich später auch andere Bevölkerungskreise von der hohen Kunst des Sumi-E inspirieren lassen. Überhaupt haben die Lehren des Zen insgesamt eine große Verbreitung gefunden, so dass bald Künstler und Gelehrte ebenso auf das Malen mit schwarzer Tusche aufmerksam wurden wie die Samurai, die eher den meditativen Aspekt begrüßten. Doch worum geht es bei Sumi-E genau, und was bedeutet das Wort eigentlich? Wie so oft im Japanischen, ist die Antwort ebenso einfach wie einleuchtend: Sumi bedeutet nichts anderes als „schwarze Tusche“. Das angehängte „E“ (oftmals auch klein geschrieben) steht für die Malerei. Interessanterweise kann man es aber auch mit „Weg“ übersetzen, ähnlich dem „do“ bei den Kampfkünsten.

Worin unterscheidet sich Sumi-E von anderen Kunstformen?

Dynamische Striche, die mehr andeuten als tatsächlich abbilden – das ist die Kunst des Sumi-E.
Dynamische Striche, die mehr andeuten als tatsächlich abbilden – das ist die Kunst des Sumi-E. - Bild: © elinacious - fotolia.com

Die Tuschemalerei Sumi-E erinnert viele von der Handhabung her oberflächlich an die Kalligraphie, die in Japan ebenfalls häufig mit meditativen Aspekten in Verbindung gebracht wird. Beim Sumi-E gibt es aber einen entscheidenden Unterschied. Während bei der Kalligraphie jeder Strich sorgsam geplant und ausgeführt wird, steht bei der sogenannten Tuschemalerei des freien Stils die schnelle Entscheidung im Vordergrund.

Die Striche werden beherzt und kraftvoll auf das Papier (oder andere zu bemalende Oberflächen wie z.B. Textilien) aufgebracht, ja beinahe „geworfen“. Im Gegensatz zur hochkonzentriert und betont langsam ausgeführten Kalligraphie steht beim Sumi-E die Idee dahinter, dass die Erleuchtung für Zen-Buddhisten mitunter sehr schnell kommen kann. So wird dem, was auf dem Papier zu sehen ist, eine entsprechende Bedeutung verliehen, indem man manche Striche nur andeutet oder einiges sogar ganz weggelassen wird. Es geht bei der Tuschemalerei also weniger um Präzision oder akkurates Setzen von Linien, sondern die spontane und ausdrucksstarke Explosion von Strichen. Weniger ist hierbei oft mehr, denn das Reduzieren eines Bildes auf das Wesentliche ist Bestandteil der Tuschemalerei.

Die Bedeutung der Tuschemalerei für die Japaner

Die Sumi-E Tuschemalerei ist für die Entwicklung der japanischen Gesellschaft durchaus nicht ohne Bedeutung gewesen, auch wenn sie im Westen weniger bekannt ist als andere Kunstformen. Sie fasziniert aber dafür umso mehr, wenn man einmal damit in Kontakt gekommen ist. Doch wie hat diese vom Zen-Buddhismus inspirierte Form der Malerei Japan beeinflusst? Zum einen ist bemerkenswert, dass viele bekannte und einflussreiche Persönlichkeiten der japanischen Geschichte große Anhänger des Sumi-E waren. So hat der berühmte Samurai-Schwertmeister Miyamoto Musashi nicht als einziger Anhänger der Zen-Religion das Sumi-E als Ausdruck seines Verständnisses der Welt gewählt. Die Bilder vieler hochgestellter Personen lassen Rückschlüsse auf deren Seelenleben und den Geisteszustand (im Sinne eines erleuchteten Geistes) zu, was für viele Zeitgenossen und Nachfolger Inspiration und Wegweiser war und ist. Das spirituelle Denken ist ein essentieller Bestandteil der Tuschemalerei und passt somit bestens in die japanische Kultur, die dem Wohlbefinden von Seele und Geist eine sehr große Bedeutung zumisst.

Sumi-E Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene

Entgegen der gängigen Annahme wird nicht nur schwarze Tusche bei Sumi-E verwendet – auch bunte Tusche gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Entgegen der gängigen Annahme wird nicht nur schwarze Tusche bei Sumi-E verwendet – auch bunte Tusche gewinnt zunehmend an Bedeutung. - Bild: © Veronika - fotolia.com

Viele, die zum ersten Mal in Berührung mit Sumi-E kommen, möchten wissen, wie und wo sie die Tuschemalerei lernen können. Sumi-E Kurse gibt es inzwischen in vielen Städten und Gemeinden, sowohl in Volkshochschulen als auch bei spezialisierten Experten, die der Kunstwelt ein Begriff sind. Wer das Glück hat, in Berlin oder Umgebung zu wohnen, der sollte bei Interesse an der Sumi-E Malerei die Werke der bekannten Künstlerin Rita Böhm kennen. Die Künstlerin kam über Umwege zum Zen-Buddhismus und dem Sumi-E. Übrigens zeichnet sie auch verantwortlich für die Gestaltung der wunderschönen Mako-Satin-Bettwäsche in unserem Shop. Geboren in Leipzig, wanderte Rita Böhm Ende der 50er Jahre aus der DDR aus, um im Ausland als Architektin zu arbeiten. Stationen ihres Lebens waren unter anderem Marokko, Frankreich, Brasilien und die USA. 1965 begann ihre Begeisterung für den Zen-Buddhismus und sie studierte bei Meister Ryotan Tokuda die Grundlagen dieser Lehren. Mit dem Sumi-E setzte sie sich ernsthaft in den 80er Jahren auseinander, wo sie als Schülerin des Meisters Massao Okinaka viele Ausstellungen in aller Welt begleitete. 1997 gründete sie ihre eigene Sumi-E Schule in Brasilien. Nachdem sie die Tuschemalerei für Einsteiger ab 1999 auch in den USA lehrte, kehrte sie 2001 schließlich nach Deutschland zurück und lehrt seitdem in Berlin die Kunst des Sumi-E. Ihre Philosophie dabei ist einfach: Jeder kann Sumi-E Tuschemalerei lernen und auf jeden Schüler sollte individuell eingegangen werden. Nur so kann sich der Schüler richtig entfalten.

Tuschemalerei als Therapie

Die tiefe entspannende Wirkung der Tuschemalerei ist ein Bestandteil des meditativen Aspekts dieser Kunstform. Es liegt daher nahe, dass man dem Sumi-E auch eine positive Wirkung auf den Körper zuschreibt, wie es bei vielen anderen Meditationsformen und künstlerischen Betätigungen der Fall ist. Ob zum Stressabbau oder zur Bewältigung von Kummer oder körperlichen Erkrankungen; mit Sumi-E finden viele Patienten ein Ventil, um ihren Geist zu entspannen und ihre Gefühle in Form von Bildern auszudrücken. Von jung bis alt lernen die Schüler die Tuschemalerei für Einsteiger mit wachsender Begeisterung. Lehrer wie Rita Böhm legen dabei einen besonderen Wert auf die tatsächliche Ausübung der Tuschemalerei und weniger auf das Ergebnis der Arbeit, denn oft befreit das Tun den Geist viel mehr als die philosophische Theoretisierung einer bestimmten Technik. Die Resultate werden letztlich durch zunehmende Praxis dem angenähert, was der Künstler tatsächlich ausdrücken möchte. Und oft bringt der Zufall mehr Erleuchtung als der geplante Pfad, von dem man nicht abweichen kann.

Um Sumi-E Bilder zu malen, braucht es die richtigen Pinsel. Prinzipiell sind alle Pinsel, die für Kalligraphie genutzt werden, auch für Sumi-E geeignet. Neben der traditionell schwarzen Tusche werden auch mit roter Tusche Akzente gesetzt.
Um Sumi-E Bilder zu malen, braucht es die richtigen Pinsel. Prinzipiell sind alle Pinsel, die für Kalligraphie genutzt werden, auch für Sumi-E geeignet. Neben der traditionell schwarzen Tusche werden auch mit roter Tusche Akzente gesetzt. - Bild: © chrupka - fotolia.com

Tuschemalerei lernen ist also für alle interessant, die sich sowohl ein außergewöhnlich schönes Hobby zulegen möchten als auch die meditativen Aspekte des Zen-Buddhismus schätzen. Es gibt verschiedenste Motive, die beim Sumi-E zu Papier gebracht werden. Vorkenntnisse in Malerei oder Zeichnen sind dabei nicht notwendig, wie viele Sumi-E Lehrer betonen. Benötigt wird für die authentische Tuschemalerei natürlich auch authentisches Zubehör. Entsprechende Pinsel in verschiedenen Stärken erlauben unterschiedliche Strichstärken und -muster. Dabei kommt es auch ein wenig darauf an, welche Art von Sumi-E man malen möchte. Neben den traditionellen Tier- und Naturmotiven sind vor allem die sehr schönen Landschaftsbilder beeindruckend in ihrer Einfachheit und Brillanz. Um ein sauberes und klares Bild zu erhalten, sollte man echte Sumi verwenden, also die echte Tusche, die übrigens auch in der Kalligraphie verwendet wird. Sie enthält die notwendige Dichte an Pigmenten und ist essentiell für die Ausdrucksstärke eines Pinselstrichs, sowohl bei der Kalligraphie als auch beim Sumi-E. Dabei kann man sich zwischen gebrauchsfähig angemischter Tusche oder der klassischen Variante entscheiden, bei der die japanische Stangentusche mithilfe eines Tuschereibsteins eigens angemischt werden muss. Als Oberfläche für die Tuschemalerei gilt neben diversen Textilien vor allem das Washi Japanpapier als ideal. Diese Papierart ist perfekt geeignet für Sumi-E und Kalligraphie. Auch beim Origami wird es oft eingesetzt. Obwohl die japanische Tuschemalerei in Deutschland und Europa noch nicht so bekannt ist, wächst die Fangemeinde stetig – und wer sich einmal damit beschäftigt hat, kann sich der Faszination dieser Malerei nicht wieder entziehen.

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