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Thermalquellen der japanischen Art: Das Onsen Bad

Japan liegt in einer der geologisch aktivsten Regionen der Welt. Dies ist nicht nur durch die vergleichsweise hohe Zahl an Erdbeben zu erkennen, sondern vor allem auch an der großen vulkanischen Aktivität der Region. Viele Inseln im japanischen Einzugsgebiet sind rein vulkanischen Ursprungs und noch heute entstehen häufig neue Inseln durch Vulkane und verändern die Seekarten nachhaltig. Eine weitere Folge dieser geologischen Aktivitäten ist das Vorhandensein heißer Quellen in ganz Japan. Diese heißen Quellen werden als Onsen bezeichnet (auf Hinweisschildern oder Karten oft auch als "yu", was so viel wie "heißes Wasser" bedeutet). Sogar das offizielle Symbol für Onsen dürfte jeder schon einmal gesehen haben, der die Emojis der Text-Messenger am Smartphone kennt. Was oft als ein dampfender Kreis fehlinterpretiert wird, ist tatsächlich das offizielle Symbol für das Onsen Bad, das auf Karten und anderen Symbolträgern verwendet wird.

Obwohl in Japan Onsen eigentlich für eine echte Thermalquelle steht, wird der Begriff nicht mehr ausschließlich für „echte“ heiße Quellen Japans verwendet, sondern inzwischen auch für andere Mineralquellen, deren Wasser erst künstlich erwärmt wird. Allerdings ist ein echtes Onsen Bad nur dann authentisch, wenn es über natürliche Quellen gespeist wird, auch dann, wenn es sich in einem Hotel oder anderen Bauten befindet. Häufig befinden sich Onsen Bäder aber auch im Freien, um das Thermalbad unter offenem Himmel genießen zu können, was besonders im Winter eine beliebte Aktivität darstellt.

Seit wann gibt es in Japan Onsen Quellen?

Menschen und Tiere genießen die entspannende und wohltuende Wirkung der heißen Onsen gleichermaßen. Vor allem im Winter sind die Thermalbäder in ganz Japan beliebt.

Vermutlich sind die heißen Quellen seit jeher von den Menschen (und auch von Tieren) genutzt worden, um ihnen heißes Wasser zu entnehmen und darin zu baden. Die echte Tradition des Onsen Bads lässt sich jedenfalls viele Jahrhunderte weit zurückverfolgen. Die rituelle Reinigung mit einer religiösen oder zumindest spirituellen Bedeutung prägt die Nutzung der heißen Quellen Japans ebenfalls und geht darauf zurück, dass heißes Wasser aus der Erde einem göttlichen Ursprung zugeordnet wurde. So ist bekannt, dass die Samurai vor und nach ihren Schlachten die Thermalbäder aufsuchten, um ihre Wunden zu reinigen, sich zu entspannen und Kraft zu tanken. Auch als Ort für das Erbitten göttlichen Beistands war das Onsen Bad immer gut geeignet.

Im Shintoismus gibt es zahlreiche Gottheiten, die direkt mit dem Onsen in Verbindung gebracht werden und eigene Schreine vorweisen können. Die Onsen wurden früher von Frauen und Männern gemeinsam benutzt, wobei keinerlei Kleidung getragen wurde. Diese alte Tradition ist auch als konyoku bekannt. Als sich das Land jedoch dem Westen im 19. Jahrhundert öffnete, wurde diese Tradition von den westlichen Besuchern oft als barbarisch empfunden. Da sich die Japaner das nun wirklich nicht sagen lassen wollten, passte man sich den Gepflogenheiten des Westens an und hat heute in der Regel eine Geschlechtertrennung im Onsen Bad. Allerdings gibt es auch heute noch in Japan Onsen, die das gemeinsame Bad der Geschlechter weiterhin pflegen.

Wo liegen die schönsten heißen Quellen Japans?

Die Gesamtzahl der heißen Quellen Japans wird auf über 30.000 geschätzt. Ganze 3.200 Kurorte besitzen mindestens ein Onsen Bad, meistens sehr viel mehr, da zum Teil Hunderte von Hotels jeweils ihre eigenen Bäder betreiben. Ungezählt sind die privaten Onsen Bäder, die hinzukommen. Besonders bei denjenigen Quellen, die im Freien genutzt werden, spielt die Lage aus ästhetischer Sicht eine große Rolle. Gerade im Winter wird die Entspannung in der freien Natur mit toller Aussicht, die eine Thermalquelle trotz frostiger Temperaturen bietet, sehr geschätzt. So verwundert es nicht, dass beispielsweise die Region um die ehemalige Winter-Olympiastadt Nagano einige sehr schöne Onsen aufweisen kann. Doch nicht immer geht es um die äußeren Umstände, die ein Onsen Bad zum beliebten Anlaufpunkt machen, denn gerade hinsichtlich der Heilwirkung der Mineralquellen spielen die Inhaltsstoffe eine große Rolle. Es gibt stark salzhaltige Quellen ebenso wie schwefelige oder eisenhaltige. Anteile von Kupfer oder natürliche Kohlensäure können hingegen in anderen Quellen gefunden werden. Sogar radioaktive Japan Onsen sind bekannt. Dementsprechend können sich die Farbgebungen des Wassers auch stark unterscheiden. Von kristallklar bis trübe ist alles möglich, dabei variieren die Farben von Weiß über hellblau bis Dunkelbraun, auch Gelb ist nicht selten.

Die Japaner versprechen sich vom Onsen Bad eine heilsame Wirkung gegen alle möglichen Erkrankungen, was in etwa mit der deutschen Kurbäder-Tradition vergleichbar ist. Sehr beliebt ist die Region um Ikaro auf der Insel Honshu, wo sich Urlauber aus dem Ausland häufig erstmals am Onsen Bad versuchen. Nicht selten empfinden ungeübte Badegänger die Thermalquelle aber als so heiß, dass sie kaltes Wasser nachgießen lassen, um es etwas abzukühlen.

Die Badekultur im Onsen Bad

Die Badekultur im Onsen besitzt Regeln, an die man sich unbedingt halten sollte. Dazu gehört unter anderem das Reinigen, bevor man ins heiße Wasser des Onsen steigt.

Wie fast alle traditionellen Vorgänge zählt in Japan Onsen zu den Dingen, die von besonderen Ritualen begleitet sind. So ist hier ein Bademeister tatsächlich im Wortsinn als Meister der Badeanstalt und der richtigen Vorgehensweise zu betrachten. Diese Rituale sollte man nach Möglichkeit als Ausländer einhalten, sonst macht man sich schnell lächerlich. Allerdings zeigen die meisten Japaner ein hohes Maß an Nachsicht und Geduld mit den Ausländern im Onsen Bad. Doch bevor es losgeht, sollte man sich natürlich über die Öffnungszeiten informieren. Ein Tipp für tätowierte Besucher: Kleben Sie kleinere Tattoos mit einem Pflaster ab. Bei größeren sollte man vor dem Besuch des Onsen nachfragen, ob Tattoos gestattet sind. Da Tätowierungen in Japan häufig mit Verbrecherclans assoziiert werden und man diese aus dem Onsen Bad fernhalten möchte, ist der Zutritt dort oft nur ohne Tätowierung möglich. Allerdings werden diese Vorschriften für Ausländer manchmal gelockert. Meist stellen die Badehäuser Badetücher und Handtücher bereit. Mit dem Badetuch trocknet man sich nach dem Baden ab, während das Handtuch ähnlich wie ein Waschlappen benutzt wird. Bei Geschlechtertrennung sollte unbedingt darauf geachtet werden, die richtige Tür zu benutzen. In der Umkleide platziert man die Kleidung sowie das Badetuch in einem Korb und nimmt nur das kleine Handtuch mit ins Bad. Es wird stets nackt gebadet.

Wasser ist zum Waschen da – aber nicht im Onsen Bad

Im Thermalbad selbst wäscht man sich natürlich nicht. Das wird vor dem Betreten des Onsen Bads erledigt, indem man die dafür vorgesehenen Duschen nutzt. Hier befinden sich kleine Hocker, denn auch in der Dusche wäscht man sich im Sitzen. Man füllt einen der Behälter mit Wasser und wäscht den gesamten Körper sehr gründlich. Seife oder Shampoo muss man normalerweise nicht mitbringen, da diese Utensilien fast immer zur Verfügung gestellt werden. Auf keinen Fall darf man andere Besucher dabei nass spritzen. Auch sollte das Waschwasser niemals in das Thermalbecken gelangen.

Manchmal gibt es keine Duschen, sondern nur einen Wasserhahn oder einen Schlauch. Gibt es keine externe Wasserzufuhr, kann man dem Onsen Bad selbst Wasser entnehmen, wobei man anschließend allerdings einen entsprechenden Abstand zum Becken während des Waschvorgangs einhalten sollte. Im Onsen Thermalbecken soll man sich nur entspannen und den (sauberen!) Körper ordentlich einweichen lassen. Und das funktioniert auch bestens, denn die muskelentspannende Wirkung der heißen Quellen Japans ist wirklich erstaunlich – selbst wenn man weder an heilende noch an göttliche Einflüsse glaubt.

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