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Die japanische Sprache: (K)ein Buch mit sieben Siegeln?

Asiatische Sprachen erscheinen uns schon aufgrund ihrer fremdartigen Schriftzeichen automatisch als sehr schwierig zu erlernen. Dabei wird zwischen Chinesisch, Japanisch, Koreanisch oder anderen Sprachen kaum unterschieden. Können wir schon die Schriftzeichen nicht entziffern, erscheint uns eine Sprache wie ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei zählt unter Experten Japanisch als Sprache zu denjenigen, die relativ leicht erlernbar sein sollen. Natürlich müssen zunächst die unterschiedlichen Schriftsysteme verstanden und (zumindest teilweise) gemeistert werden, doch hat man diese Hürde erst einmal genommen, verblüfft die japanische Sprache an vielen Stellen durch ihre grammatikalisch einfache Struktur. Es gibt jedenfalls sehr viel schwierigere Sprachen, die man lernen kann.

Die verschiedenen Schriftsysteme sind im japanischen Alltag allgegenwärtig. Romaji sind vor allem an Bahnhöfen wichtig.

Was bedeutet in Japan Sprache im kulturellen Zusammenhang?

Ein großer Unterschied zu vielen anderen Sprachen ist, dass Japanisch als Sprache nicht losgelöst von der Kultur des Landes betrachtet werden kann. Englisch kann man zum Beispiel größtenteils ohne kulturellen Background erlernen, zumal dieser sich je nach Herkunftsland (England, USA, Kanada, Australien etc.) auch stark unterscheiden kann. In Japan ist Sprache jedoch mehr als eine reine Kommunikationsform. Die Poesie ist beispielsweise sehr wichtig und die geschichtlichen Traditionen spielen für die japanische Sprache stets eine große Rolle. Doch nähern wir uns zunächst der Schrift als Grundlage an, wenn wir Japans Sprache verstehen möchten. Insgesamt sind es vier Systeme, die gleichzeitig Verwendung finden. Diese sind:

  • Hiragana
  • Katakana
  • Kanji
  • Romaji

Traditionell werden Hiragana und Katakana als klassische Silbenschriften verstanden und sind in der Lage, alle Laute in Schriftform wiederzugeben, die die japanische Sprache enthält. Diese beiden Schriften werden häufig in Kombinationen verwendet und finden sich in der Regel im Schriftverkehr wieder. Hiragana sind dabei eher für einfache Wörter und grammatikalische Anwendungen geeignet, während Katakana für die Umsetzung ausländischer Begriffe zum Einsatz kommen. Kanji ist hingegen die Schrift der japanischen Ideogramme, deren Ursprung auf chinesische Einflüsse zurückgeht. Während mit den Silbenschriften jedes Wort gebildet werden kann, haben die Ideogramme immer eine bestimmte Bedeutung, die allerdings je nach Aussprache variieren kann. Ein Sonderfall sind die sogenannten "Furigana": Das sind verkleinerte Hiragana-Zeichen, die sich über oder neben Kanji befinden, um deren richtige Leseart (Yomikata) zu verdeutlichen. Zu guter Letzt gibt es noch Romaji, die als Kompromiss einen Brückenschlag zur lateinischen Schrift darstellen. Mit ihr werden japanische Begriffe in lateinischen Buchstaben quasi umschrieben, um sich überall dort verständlich machen zu können, wo die anderen Schriftarten nicht zur Verfügung stehen. Das ist beispielsweise im Ausland von Nutzen, wenn mit einer westlichen Tastatur ein Brief nach Hause geschrieben werden soll. In Japan finden Romaji beispielsweise an Bahnhöfen und in Zügen Verwendung, wo die Haltestellen sowohl in Kanji, Hiragana und Romaji für jeden lesbar sind. Dennoch gelten Romaji nicht als offizielles Schriftsystem wie die anderen Varianten, sondern werden nur zur Verständlichmachung der anderen Schriftzeichen benutzt. Es mag für Sprachschüler verführerisch sein, sich mit Romaji der japanischen Sprache zu nähern, doch ohne das Erlernen der „echten“ Schriftsysteme bleibt man immer ein Amateur.

Viele japanische Restaurants bieten ihre Menüs nur auf japanisch an. Deshalb sollte man alle Hiragana und die gängigsten Kanji beherrschen.

Woher kommt Japans Sprache ursprünglich?

Aufgrund der Verwandtschaft der Ideogramme in Kanji, das tatsächlich auch chinesischen Ursprungs ist, wird häufig angenommen, dass die japanische Sprache mit dem Chinesischen eng verwandt ist. Das ist jedoch nicht der Fall. Tatsächlich gibt es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Koreanisch und Japanisch. Auch mit der Sprache der Ureinwohner hat Japans Sprache der Moderne nicht viel gemeinsam. Es gibt viele verschiedene Theorien unterschiedlichster Sprachwissenschaftler, was dieses Thema betrifft. Am plausibelsten klingt für die meisten Forscher die Version, dass Japanisch als Sprache zu den sogenannten altaischen Sprachen zählt. Anpassungen von (ursprünglich chinesischen) Tempelschriften an die japanische Sprache machten es schon früh schwierig, eine einheitliche Regelung zu schaffen. Da die ursprünglich chinesischen Zeichen allgemein bekannt waren, wurden sie dazu verwendet, japanische Begriffe auszudrücken, wodurch sich Sinngehalt und Lesung dramatisch veränderten. Hinzu kommt eine vollständig andere Grammatik, die zu einem deutlichen Unterschied zwischen Japanisch und Chinesisch geführt hat.

Die relativ einfache Grammatik macht Japanisch als Sprache sehr attraktiv

Aufgrund der fremdartigen Schriftsysteme sind viele westliche Japanfans oft überrascht, dass die japanische Sprache eine vergleichsweise einfache Grammatik aufweist, die relativ rasch zu erlernen ist. Unterscheidungen in der Findung des richtigen Geschlechts (Genus) gibt es in Japans Sprache kaum – etwas, das im Französischen oder auch im Deutschen die Schüler regelmäßig zur Verzweiflung bringt. Auch Singular und Plural von Substantiven sind in der japanischen Sprache unbekannt. Besonders einfach ist die Deklination von Verben, denn es existieren nur zwei Zeitformen (Gegenwart und Vergangenheit). Dinge wie Plusquamperfekt oder ähnliche Grammatikmonster braucht man also nicht zu fürchten. Hinzu kommt, dass es auch kaum unregelmäßige Verben gibt, was beispielsweise im Französischen einen Hauptteil der Arbeit beim Erlernen der Sprache ausmacht. Das Problem des „Genitiv versus Dativ“ kennt der Japaner ebenfalls nicht, denn der Kasus wird nicht in dieser Form unterschieden. Ähnliches gilt für die Abwesenheit bestimmter oder unbestimmter Artikel sowie von umständlichen Relativsätzen. Relativsätze existieren zwar auch in Japans Sprache, sind aber recht selten und einfach zu begreifen. Ebenfalls unbekannt sind starre Regeln für die Satzstellung, wie wir sie etwa in Form des „Subjekt, Prädikat, Objekt“-Systems kennen. Das einzige, was den meisten japanischen Sätzen gemein ist, ist, dass das Verb am Ende steht. Daraus folgt, dass auch die Zeichensetzung vereinfacht ist, da es keine starren Kommaregeln gibt wie etwa im Deutschen.

Japanisch lernen ist Fleißarbeit. Beständiges Üben und Aneignen neuer Vokabeln führt langfristig zum Erfolg.

Einfach, aber nicht leicht

Wer die japanische Sprache erlernen möchte, sieht sich also zwischen der vergleichsweise einfachen Grammatik und der fremdartigen Schrift gefangen. Hat man die Schriftsysteme im Rahmen des Möglichen gemeistert, stellt die Grammatik in der Regel keine unüberwindliche Hürde mehr dar. Dennoch ist und bleibt es eine Sprache, die sich nicht leicht über Nacht erlernen lässt. Übung und Praxisanwendungen erleichtern den Umgang mit japanischen Begriffen. Hilfreich ist es, den kulturellen Kontext zu beachten und gegebenenfalls einzubringen. Und noch ein Wort zu den Schriftzeichen: Natürlich muss man bei einem Ideogrammsystem wie den Kanji längst nicht jedes Zeichen kennen. Es gibt immerhin über 50.000 davon und selbst gebildete Japaner kennen selten mehr als drei- bis fünftausend davon. In der normalen schulischen Ausbildung werden übrigens etwa 2.10 Kanji gelehrt, die sogenannten "Jōyō Kanji" (Kanji des alltäglichen Gebrauchs). Da man Kanji auch nicht „spricht“, sondern nur damit schreibt, ist es für das Erlernen der Sprache auch nicht so wichtig wie die Silbenschriften, die mit ihrer doch begrenzten Zahl von Zeichen (insgesamt 81, bestehend aus 46 Basiszeichen und 35 Sonderzeichen) nicht unbedingt schwerer zu erlernen sind als das lateinische oder griechische Schriftsystem. Insgesamt kann gesagt werden, dass Japan eine Sprache besitzt, die sehr interessant ist und dennoch relativ einfach verstanden werden kann, wenn man fleißig lernt. Wer sich das Erlernen der japanischen Sprache nicht zutraut, kann sich natürlich auch an unseren handgemalten Kalligraphien erfreuen und hat so immer ein Stück Japan zu Hause.

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