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Japanische Märchen und Figuren der japanischen Geschichte

In Japan gibt es viel Folklore – unzählige japanische Märchen und Geschichten mit übernatürlichen Wesen. Eine der bekanntesten ist sicherlich die Geschichte von Prinzessin Kaguya, die vom Mondkönigreich auf die Erde hinabstieg. Auch die Geschichte Japans kennt viele wichtige Figuren, von denen man sich noch heute erzählt. Dazu gehört auch die Legende von Ikkyu-san, der als Zen-Mönch die ultimative Erleuchtung erlangt haben soll. Wer mit diesen Namen noch nichts anfangen kann oder wer gern die Geschichten noch einmal lesen möchte, der findet in diesem Blogartikel eine Auswahl japanischer Märchen und Erklärungen zu Figuren der japanischen Geschichte.

Kaguya hime, die Mondprinzessin

Prinzessin Kaguya ist das älteste überlieferte Märchen Japans.
Prinzessin Kaguya ist das älteste überlieferte Märchen Japans.

Die Legende vom Bambussammler (Taketori Monogatari) bzw. die Legende von Prinzessin Kaguya (Kaguya-hime no Monogatari) ist das älteste überlieferte Märchen Japans. Es handelt von Kaguya-hime, die vom Mondkönigreich auf die Erde hinabstieg und fortan als Tochter eines armen Ehepaares lebte. Eines Tages ging ein alter Bambussammler in den Wald, um frischen Bambus zu schneiden. Eine Stange leuchtete golden und als er sie abschnitt, fand er ein winziges Kind darin. Er nahm das kleine Mädchen mit nach Hause zu seiner Frau, wo sie beide es gemeinsam liebevoll aufzogen. Das Mädchen wurde auf den Namen Kaguya-hime (leuchtende Prinzessin) getauft und wuchs rasend schnell zu einer strahlenden Schönheit heran. Seit Kaguya bei dem Ehepaar lebte, fand der alte Bambussammler immer wieder etwas Gold während seiner Arbeit und das Ehepaar konnte der Armut entfliehen. Als Kaguya erwachsen geworden war, hatte sich ihre Schönheit im ganzen Land herumgesprochen und viele Verehrer wollten sie für sich gewinnen. Nach einiger Zeit waren nur noch fünf von ihnen übrig und Kaguya stellte jedem von ihnen eine unlösbare Aufgabe, um ihre Ernsthaftigkeit zu testen. Die meisten versuchten zu betrügen – anstatt die geforderten Gegenstände zu holen, ließen sie Fälschungen anfertigen. Andere ließen beim Versuch die Aufgabe zu lösen ihr Leben. Nach dem Scheitern der Bewerber, wurde auch der Kaiser auf Kaguya-hime aufmerksam und umwarb sie. Doch auch ihn lehnte sie ab. Nachdem sie eines Nachts traurig den Mond betrachtet hatte, eröffnete sie ihren Eltern, dass sie ins Mondkönigreich zurückkehren müsste. Trotz dessen, dass die kaiserlichen Truppen dies zu verhindern versuchten, fuhr Kaguya hime in der nächsten Vollmondnacht mit einem Wolkenwagen zum Mond zurück, nachdem sie ihren Eltern für ihre Liebe gedankt hatte.

Diese Legende war schon oft Thema in Kunst und Popkultur. So gibt es Zeichnungen und Gemälde verschiedener Szenen aus der Legende, wie Kaguyas Reise zum Mond im Wolkenwagen. Im Jahr 2013 erschien durch Studio Ghibli ein von Isao Takahata animierter Film, der die Legende von Prinzessin Kaguya in berührenden Bildern erzählt. Auch im Westen ist Kaguya-hime eine der bekanntesten Figuren japanischer Folklore.

Momotaro, der Junge aus dem Pfirsich

Momotaro, der Pfirsichjunge, erlebte mit den Göttertieren ein Abenteuer.
Momotaro, der Pfirsichjunge, erlebte mit den Göttertieren ein Abenteuer.

Die Legende von Momotaro, dem Pfirsichjungen, kennt in Japan jedes Kind. Die Geschichte erzählt von einem alten Ehepaar, das trotz Armut ein gutes Leben führte. Einzig eigene Kinder fehlten den beiden zu ihrem Glück. Eines Tages ging die alte Frau zum Fluss, um Kleider zu waschen, als plötzlich ein großer Pfirsich angetrieben kam. Erfreut über die riesige Frucht, schleppte die Frau den Pfirsich nach Hause, wo ihr Mann ihn in zwei Teile schnitt. Das Ehepaar staunte nicht schlecht, als ein kleiner gesunder Junge aus dem Pfirsich sprang. Sie freuten sich, dass ihnen ein Sohn geschenkt worden war, dankten den Göttern und nannten den Jungen "Momotaro", Pfirsichjunge. Das Ehepaar zog Momotaro liebevoll auf und er wuchs zu einem guten und schönen jungen Mann heran. Momotaro wollte seine geliebten Eltern aus der Armut befreien und machte sich auf den Weg nach Onigashima, die Insel der bösen Geister, weil es hieß, dass in der Geisterhöhle große Schätze versteckt sein sollten. Ausgestattet mit einer Keule und Hirseklößen, begann er seine Reise, vertraute wie seine Eltern auf den Schutz der Götter bei seinem Vorhaben. Die Götter begleiteten ihn tatsächlich in der Gestalt von drei Tieren, die Momotaro auf dem Weg zur Insel traf und mit denen er die Hirseklöße teilte. Der Hund, der Affe und der Fasan halfen ihm daraufhin, sicher zur Insel zu gelangen, wo sie in den Palast der Geister eindrangen. Momotaro kämpfte gegen das Geister-Oberhaupt, wobei ihm die Göttertiere erneut halfen, und trug den Sieg davon. Gemeinsam brachten sie die Schätze zurück zu dem alten Ehepaar. Von Momotaros Tapferkeit und Güte hörte auch eine hübsche Prinzessin, die sich ihn als Ehemann wünschte. Als Momotaro davon erfuhr, hielt er um ihre Hand an und schließlich heirateten sie. Zusammen mit seinen Eltern und den Göttertieren lebten Momotaro und seine Frau fortan ein glückliches Leben.

Diese Legende wurde ebenfalls oft in der Literatur und in Filmen verarbeitet. Besonders in der Präfektur Okayama und auf der Insel Shikoku wird Momotaro verehrt – der Fasan aus der Geschichte war sogar Namensgeber für den Fußballverein Fagiano Okayama.

Kintaro, der starke goldene Krieger

Kintaro ist bekannt für seine unglaubliche Stärke.
Kintaro ist bekannt für seine unglaubliche Stärke.

Die Sage von Kintaro, dem Goldjungen, ist eine der beliebtesten Geschichten der japanischen Folklore. Auch wenn es verschiedene Versionen von Kintaros Herkunft gibt – mal ist er Sohn einer Prinzessin, mal hat ihn eine Berghexe aufgezogen –, so sind sich die Quellen doch einig, dass er ein außergewöhnlich starker, tierlieber Junge war, der im Mai des Jahres 956 geboren wurde. Kintaro war mollig und trug nichts anderes als eine rote Schürze mit dem Zeichen (kin, "Gold") darauf. Seine Lieblingsbeschäftigung war es, mit seinen Freunden den Waldtieren zu reden und mit ihnen zu kämpfen. Vor allem das Sumoringen hatte es Kintaro angetan. Er war so stark, dass kein Tier ihn bezwingen konnte, selbst der Bär nicht oder der riesengroße Karpfen, der eines Tages den Bach hinab geschwommen kam. Eines Tages nahm Kintaro eine große Axt, setzte sich auf den Rücken seines Freundes des Bären und gemeinsam mit den anderen Tieren zogen sie in die Berge. An einer Schlucht gab es keine Brücke, doch daneben wuchs ein riesiger Baum. Da Kintaro so stark war, riss er ihn mit einem Hieb um, sodass sie ihn als Brücke benutzen konnten. Das sah der mächtige Samurai Minamoto no Yorimitsu und er fragte Kintaro, ob er nicht sein Gefolgsmann und somit auch ein großer Samurai werden möchte. Kintaro stimmte zu und teilte seiner Mutter mit, dass er nach Kyoto gehen und ein großer Samurai werden wollte. Daraufhin wurde Kintaro bekannt als Samurai Sakata no Kintoki, der viele Heldentaten vollbrachte. Er holte seine Mutter ebenfalls nach Kyoto, wo sie ein glückliches Leben lebten.

Die in der Geschichte erwähnten Samurai gab es wirklich und Sakata no Kintoki soll tatsächlich in der Wildnis aufgewachsen sein. Kintaro und seine Legende sind ein beliebtes Thema in Noh- oder Kabuki-Theateraufführungen, auch in vielen Manga und Anime finden sich Charaktere, die auf Kintaro basieren oder ihm in ihren Eigenschaften nachempfunden sind.

Ikkyu-san, der ungewöhnliche Zen-Mönch

Ikkyu-san prägte das Verständnis des Zen-Buddhismus und der japanischen Kunst nachhaltig.
Ikkyu-san prägte das Verständnis des Zen-Buddhismus und der japanischen Kunst nachhaltig.

Auch Ikkyu-san ist eine wichtige Figur der japanischen Geschichte, er hat wie Kintaro tatsächlich gelebt. Ikkyu-san war ein Zen-Mönch, der im Jahr 1394 unter dem Namen Ikkyu Sojun in Kyoto geboren wurde. Neben seiner Tätigkeit als Zen-Mönch war er außerdem ein Poet. Er sah die japanische Kunst und Literatur als Elemente des Zen an und verband diese zeitlebens, was die Sichtweisen im Zen-Buddhismus und den japanischen Künsten nachhaltig prägte. Sein frühes Leben allerdings war wenig positiv: Sein Vater war vermutlich der damalige Kaiser Go-Komatsu, seine Mutter jedoch war nur eine niederrangige Frau, die mit Ikkyu nach Saga fliehen musste, wo er von Dienern aufgezogen wurde. Mit fünf Jahren wurde Ikkyu nach Kyoto zurückgebracht, um in einem Rinzai Zen Tempel die chinesische Kultur und Sprache sowie Poesie, Kunst und Literatur zu erlernen. Er studierte außerdem die Zen-Lehren und wurde Priester. Seine Kritik an der bisherigen Ausführung des Buddhismus durch die Priester sowie seine eigene exzessive Lebensweise brachten ihm oft Schwierigkeiten und offene Anfeindungen, er brach mit dem Abt seines Tempels und zog sich aufs Land zurück, wo er seinen Lebensstil sowie seine Praktizierung des Buddhismus fortsetze. Nichtsdestotrotz wurde Ikkyu in hohem Alter als Abt am Tempel Daitokuji berufen, wo er im Jahr 1481 im Alter von 78 Jahren starb. Noch heute sind seine Gedichte sowie sein Verständnis vom Zen-Buddhismus weithin bekannt und immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Für japanische Kinder ist er ein Volksheld, der immer etwas ausgeheckt hat und seine Lehrer durch List und Schlauheit ausgetrickst hat. Es gibt eine populäre Anime-Serie mit dem Namen "Ikkyu-san" (auf der sich vermutlich dieses Bild von Ikkyu-san begründet), in der er als junger buddhistischer Mönch mit seinen Freunden oft Erwachsene überlistet und mit Witz und Köpfchen in jeder Folge Probleme löst.

Samurai und Shinsengumi

Die Shinsengumi (links) waren eine besondere Gruppe Samurai, die Kyoto Frieden bringen sollte.
Die Shinsengumi waren eine besondere Gruppe Samurai, die Kyoto Frieden bringen sollte. - Foto: Franczeska, commons.wikimedia.org, Lizenz: CC-BY-SA

Samurai sind für viele der Inbegriff des "Alten Japans". Samurai waren Krieger im vorindustriellen Japan, die bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts aktiv waren. Nahezu alle Samurai waren Anhänger des Buddhismus, was sich deutlich im Verhalten und in den Prinzipien der Samurai widerspiegelte. Die Ausbildung zum Samurai war hart und begann in frühester Kindheit. Neben Lesen, Schreiben, dem Umgang mit Waffen sowie Jiu Jitsu (Selbstverteidigung ohne Waffen) waren es vor allem Körperbeherrschung sowie Schmerz- und Angstunterdrückung, die ein Samurai lernte. Als Jugendlicher ging ein Samuraischüler dann in die Lehre bei einem erfahrenen Samurai-Meister, nach deren erfolgreichen Abschluss er seine Rüstung, sein Schwert und seinen Samurai-Namen bekam. Eine besondere Art von Samurai waren die Shinsengumi (zu Deutsch: Neue auserwählte Gruppe). Sie waren die letzte Samurai-Miliz, die um 1860 in Kyoto aktiv war und das Kanji für "Treue" auf ihren Bannern trug. Die Shinsengumi Schwertkämpfer trugen stets eine blaue Uniform und sollten Unruhen während der Öffnung Japans bekämpfen sowie für Loyalität und Patriotismus stehen. Ein Vorfall, der die Shinsengumi als Beschützer des damaligen Kyotos schlagartig bekannt machte, soll sogar die Meiji-Restauration einige Zeit herausgezögert haben. Seither waren die Shinsengumi oft Thema in der Literatur, in Filmen, Anime und Manga sowie in Computerspielen. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Mangareihe Peace Maker, in der die Entwicklungen in der Shinsengumi-Gruppe beschrieben werden.

Hime, die japanische Prinzessin

Die japanischen Prinzessinen (hime) sind der Inbegriff japanischer Tugenden, doch es gibt auch Ausnahmen.
Die japanischen Prinzessinen (hime) sind der Inbegriff japanischer Tugenden, doch es gibt auch Ausnahmen.

Hime bedeutet nichts anderes als Prinzessin, kann aber auch als Bezeichnung für jede andere Tochter höherer Abstammung oder für schöne Frauen benutzt werden. Japanische Prinzessinnen waren oft besonders geübt in den schönen Künsten, waren zurückhaltend, besaßen Würde und Grazie sowie gute Manieren. Kurz gesagt: Eine Hime ist eine richtige "Lady". Allerdings gibt es, besonders in der Popkultur und in der Literatur, nicht nur schüchterne Prinzessinnen, die in einem Schloss darauf warten, zur Frau genommen zu werden. Bekanntestes Beispiel ist vermutlich Mononoke-hime (Prinzessin Mononoke), die Geisterprinzessin, die die Hauptfigur des gleichnamigen Anime von Studio Ghibli ist. Prinzessin Mononoke lebt zusammen mit drei Wölfen in einem Wald, den sie zusammen mit seinen Tieren und Geistern vor den Menschen beschützt. Sie ist wild, stur und furchtlos – Charakterzüge, die sich nur schwer mit der unnahbar erscheinenden Anmut einer normalen "Hime" vereinbaren lassen.

Neben einer kleinen Hime haben wir auch alle anderen hier vorgestellten Charaktere als Glücksbringer ganz neu im Sortiment. Bevor wir sie nächste Woche in den Onlineshop stellen, könnt ihr sie exklusiv vorab auf der Connichi 2016 in Kassel kaufen. Kommt vom 16. bis zum 18. September 2016 einfach zum Stand von Japanwelt im Gartensaal und sucht euch euren Liebling aus. Übrigens: Kleine Glücksbringer für alle Ninja-Fans haben wir auch.

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