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Japanische Literatur: Bücher und japanische Schriftsteller im Wandel der Zeiten

Die Geschichte der japanischen Literatur kann rund 1300 Jahre zurückverfolgt werden. Dabei lässt sie sich in eine Reihe von Epochen unterteilen, die sich durch spezielle Themen in der japanischen Literatur, Variationen und neue Ideen zu bekannten Themen sowie bestimmte kulturelle Aspekte auszeichnen. Bei aller Eigenheit darf aber nicht vergessen werden, dass sich die japanischen Autoren sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart gerne an ausländischen Einflüssen orientieren. War es früher zumeist der Einfluss chinesischer Literatur, übt heute vor allem die westliche Literatur große Faszination auf die japanischen Schriftsteller aus. Dennoch lassen sich japanische Bücher nicht unter dem einfachen Gesichtspunkt betrachten, der sie als simple Kopien bekannter ausländischer Themen abtut, denn damit würde man zu kurz greifen. Selbstverständlich hat sich über den langen Zeitraum von über einem Jahrtausend auch eine ganz eigene Art japanischer Schriftsteller entwickelt, die die Literatur ihres Landes nachhaltig geprägt haben.

Vom Altertum in die Moderne – japanische Literatur im Schnelldurchlauf

Es würde zu weit führen, im Rahmen eines solchen Artikels auf alle Ausprägungen der japanischen Literatur eingehen zu wollen; dies wäre auch in anderen Ländern mit einer entsprechenden kulturellen Tiefe kaum möglich. Dennoch kann man in aller Kürze die wichtigsten Stationen skizzieren. Besonders im Altertum und im Mittelalter prägte die chinesische Kultur viele Aspekte des japanischen Lebens und der Sprache, folglich auch der Literatur. Besonders hervorzuheben sind die Werke der Edo-Zeit (die bei uns als frühe Neuzeit zwischen Mittelalter und Moderne einzuordnen ist) sowie die Bücher der Meiji-Zeit, welche die Aufklärung, Romantik und den Naturalismus zu maßgeblichen Themen der zeitgenössischen Literatur machten. Während sich die älteren japanischen Schriftsteller häufig mit Themen beschäftigten, die politischer, militärischer aber auch künstlerischer Natur waren, besaßen die Dichter mit ihren für Japan so typischen Gedichten (wie etwa dem Haiku) einen besonderen Stellenwert.

Die Fünf Ringe

Einzigartig in der Bedeutung der japanischen Schriftsteller dürfte jedoch der Samurai und Schwertmeister Musashi Miyamoto sein. Bei ihm handelt es sich um den wohl bekanntesten Vertreter des Schwertkampfes, dessen Regeln und Schule noch heute von den meisten Japanern als maßgeblich für die Erlernung der Kampfkunst mit dem Schwert betrachtet werden. Bemerkenswert ist auch hier ein gewisser chinesischer Einfluss, denn neben den rein „handwerklichen“ Aspekten des Schwertkampfes übernimmt Miyamoto in seinem Werk „Die Fünf Ringe“ häufig Weisheiten und Lehrsätze, die vom chinesischen Meisterstrategen Sun Tzu im weltbekannten Buch „Die Kunst des Krieges“ erstmals formuliert wurden. Beide Werke gelten in vielen Armeen bis heute als Richtwerk für die Ausbildung von Offizieren, was das Verständnis für strategisches Denken betrifft. Darüber hinaus bietet Miyamoto allerdings wesentlich mehr Bezug zur Praxis, denn ihm geht es wirklich darum, die Schwertkampfkunst als solches zu bewahren und zu erklären. Unter den japanischen Büchern sticht „Die Fünf Ringe“ auch deshalb hervor, weil viele der Weisheiten und Empfehlungen auch auf allgemeine Lebenssituationen anwendbar sind – diesen Aspekt teilt sich der japanische Autor ebenfalls mit seinem chinesischen Vorbild.

Wie auch in Europa gewannen in Japan während der Moderne (also der Zeitperiode zwischen 1868 und 1945) das Schauspiel und die Lyrik insgesamt an Bedeutung, wobei es Ausprägungen in alle denkbaren literarischen Richtungen gab. Besonders populär waren Unterhaltungsromane, die auch der breiteren Bevölkerung Zugang zu japanischer Literatur verschafften. Diese Bücher waren nicht immer von besonders hohem literarischem Stellenwert, konnten aber durch ihre Popularität das Lesen zu einer Lieblingsbeschäftigung im japanischen Alltag machen. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg fanden immer häufiger politische Aspekte Eingang in die japanischen Bücher, was in ähnlich flachen Propagandabüchern gipfelte, wie sie auch im faschistischen Europa populär waren. Nach Ende des Krieges entwickelte sich das, was wir heute als Gegenwartsliteratur bezeichnen. Hier nimmt die sogenannte Atombombenliteratur einen besonderen Platz ein. Sie befasst sich mit dem Trauma, das die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki in Japan verursacht haben und mit dessen Bewältigung. Da es diese Art der Literatur so nur in Japan gibt, haben sich viele japanische Schriftsteller auf diese Form der Erzählungen spezialisiert. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Zweiten Weltkrieg lässt diese Tendenz allerdings immer stärker nach.

Japanische Literatur besitzt eine lange, vielgestaltige Geschichte und umfasst weit mehr als Manga.

Haruki Murakami – der vielleicht wichtigste zeitgenössische japanische Schriftsteller

Ein besonders bekannter japanischer Autor der Gegenwart ist der 1949 geborene Haruki Murakami, der zahlreiche Romane und Erzählungen im surrealistischen Stil verfasst hat. Besondere Beliebtheit erlangte er mit seinen zum Markenzeichen gewordenen Referenzen zur Pop-Kultur, die er immer wieder gerne aufgreift. Seine Romane spielen zumeist im japanischen Umfeld, zeugen jedoch von einer schriftstellerischen Nähe zur westlichen Literatur, die sich Murakami zum Vorbild genommen hat. Vielleicht ist es auch diesem Stil zu verdanken, dass er zu den erfolgreichsten japanischen Schriftstellern im Ausland zählt. Seine Werke wurden mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet und in über 40 Sprachen übersetzt. Einige Romane wurden sogar verfilmt oder in Form von Theaterstücken für die Bühne angepasst. Die Bedeutung von Murakami in der Gegenwartsliteratur wird durch seine internationale Bekanntheit unterstrichen, zumal der Autor an einigen amerikanischen Universitäten als Gastprofessor tätig war. Neben seinen eigenen Werken übersetzt der Schriftsteller auch zahlreiche Bücher aus der US-Literatur und bildet so eine Verbindung zwischen japanischer und westlicher Schreibkunst.

Last not least: Manga

Obwohl wir das Phänomen der Manga und deren Bedeutung für die japanische Literatur und Popkultur bereits ausführlich in einem anderen Artikel behandelt haben, soll diese Form des japanischen Comics nicht unerwähnt bleiben. Mangas haben eine derartige Vielfalt an Unterformen entwickelt, dass man sie nicht einfach als hübsche oder alberne Bildergeschichten abtun kann. Ähnlich wie im Westen gibt es auch unter den Manga heute eine Reihe wirklich ernstzunehmender Serien, die tiefsinnige Geschichten erzählen. Wirklich prägend ist für einen Manga jedoch der typische Zeichenstil, der in gewisser Weise das Erscheinungsbild aller Geschichten vorgibt, auch wenn es je nach Genre und Zeichner große Unterschiede gibt. Da diese Zeichnungen manchmal einen kindlichen Stil vermitteln, gehen Laien fälschlicherweise oft davon ausgegangen, dass Mangas nur Kinderkram sind. Das ist jedoch nicht richtig; es gibt natürlich explizit für Kinder und Jugendliche gedachte Manga, doch die japanische Literatur kennt bei Manga kaum Grenzen, es gibt unzählige Genres und Zielgruppen. Selbst erotische bis pornografische Mangas (und deren animierte Gegenstücke, die Hentai Anime) besitzen ein breites Publikum. Wie für alle anderen Literaturformen gilt, dass trotz aller ausländischer Einflüsse die japanische Kultur stets ihren eigenen Weg in die Geschichten der japanischen Autoren findet. Und vielleicht macht gerade das die japanischen Bücher und Manga so einzigartig.

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